Die heiligen Lucian und Marcian Märtyrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

26. Oktober

Heiliger Lucian und heiliger Marcian Märtyrer

(Hexen und Geister)

Die Geschichte dieser zwei Männer findet sich in einer alten Schrift, welche aus den öffentlichen Gerichtsakten ihre Nachrichten geschöpft zu haben scheint; ich will sie deshalb wörtlich in unsere Sprache übersetzen:

„Das Märtyrertum des Lucian und Marcian, Brüder, will ich erzählen, damit ihr durch das Vernehmen desselben erbaut werdet. Da dieselben noch in dem Irrtum des Heidentums sich befanden, waren sie so sehr den bösen Geistern ergeben, daß sie fast jede Seele dahin brachten, ihrer Ruchlosigkeit anzuhangen; denn mit ihren Zauberkünsten und Teufeleien befleckten sie alle. Indem sie durch ihre Schwarzkunst großes Unheil anrichteten, liefen alle zu ihnen, welche ihren willen durchsetzen oder Jemanden Schaden verursachen wollten. Aber Gott, der auch den Sündern Gnade schenkt und die, welche ihn nicht kennen, zur Erkenntnis seines Namens führt, zeigte sich auch gegen diese als Erbarmer.

Es war eine Dienerin Gottes, keusch und treu, eine Verächterin der Ehe, eine Bewahrerin der Jungfrauschaft, schön von Gestalt, doch an der Seele noch schöner, sie liebte nichts als Gott. Sie betete aber mit vieler Standhaftigkeit, daß Gott sie behüten wolle. Lucian und Marcian bekamen Begehr nach ihr, und da sie nicht wußten, auf welche Weise Art sie ihre Begierde vollführen konnten, so erachteten sie solches nur für möglich, wenn sie ihre teuflischen Künste gegen die Jungfrau anwendeten. Allein alle Zauberei tat keine Wirkung an ihr; darüber kamen sie in Wut, knirschten mit den Zähnen, weil sie in allweg nichts ausrichteten. Jene Dienerin Gottes aber harrte aus im Wachen und im Gebet. Da wandten sie gewisse Zauberei und schwarze Kunst an, um ihre Götter zu zwingen, daß sie antworteten. Und die Geister antworteten ihnen: „Wann ihr Seelen, die Gott nicht kennen, der im Himmel ist, verderben wolltet und uns anriefet, das war uns ganz leicht zu bewerkstelligen. Aber da wir diese reinste Seele angreifen sollten, haben wir Vielerlei versucht, aber konnten nichts gegen sie ausrichten. Sie bewahrt unversehrt ihre Jungfrauschaft Jesus Christus, ihrem Herrn und Gott; er bewahrt sie und peinigt uns. Deswegen können wir nichts gegen sie machen, noch in irgend einer Weise Meister werden.“ Da die Geister solches offen bekannten, stürzten Jene vor Schrecken und Angst zu Boden wie tot. Als sie wieder zu sich gekommen waren, machten sie andern Zauber, um die Geister wieder fort zu lassen. Sie beklagten sich aber mit einander und sprachen: „Dieser gekreuzigte Jesus Christus muss viel vermögen, denn er hat sich als Meister bewiesen über die Geister und über alle unsere Zauberkünste. Wir sollten uns zu ihm kehren, ihn fürchten und verehren, weil er uns mehr leisten kann, als jene, die wir ohne Grund verehrt haben.“

Ist denn das möglich, daß böse Geister durch besondere Künste gelockt werden können, und daß man mit ihrer Hilfe Allerlei bewirken kann, was auf natürliche Weise nicht möglich ist? Die ältesten Berichte sowohl von Heiden als Christen bestätigen solches und erzählen manche derartige Begebenheiten aus der Zeit, wo offenbar der Teufel noch größere Macht auf Erden hatte. Viele glauben, daß solches auch jetzt noch vorkomme, und daß manche Personen durch sogenannte Hexerei Menschen und Vieh Schaden zufügen. Nun gehört dieses nicht zu den Glaubensartikeln, und es kann Jemand daran glauben oder auch nicht daran glauben und dabei doch ein gut katholischer Christ sein. Jedenfalls siehst du in dieser Geschichte an der heiligen Jungfrau, wie man sich am besten sichert gegen die Gewalt böser Geister und böser Künste. Hingegen geschehen in dieser Beziehung viele schwere Todsünden, indem oft Leute dieser oder jener Person nachsagen, sie sei eine Hexe. Solches ist nicht nur die ärgste Ehrenkränkung, sondern stiftet oft die grimmigste Feindschaft, weil leichtgläubige Menschen dann bei jeder Krankheit oder sonstigem Schaden in Haus und Feld den Verdacht bekommen, die als Hexe verrufene Person habe es bewirkt. Da nach dem Ausspruch des Herrn schon das die Hölle verdient, wenn man seinen Bruder einen Narr heißt; was muss erst das für eine Sünde sein, einer Person das Allerärgste nachsagen, nämlich ein Bündnis mit dem Teufel und sie eine Hexe nennen. Ganz dasselbe gilt auch von sogenanntem Geisterspuk. Es ist eben doch eine furchtbare Schmach, die man einem Verstorbenen und seinen Angehörigen antut, wenn man behauptet, er habe im Grab keine Ruhe, sondern zeige sich da oder dort als Gespenst, er müsse daher besonders schwere Sünden auf sich haben. Du bist damit nicht entschuldigt, daß Andere es gesagt haben; denn du sollst den Feuerbrand, welchen Andere ausgeworfen haben, nicht aufnehmen und noch weiter umher streuen, sondern du sollst ihn löschen und mit Schweigen ersticken.

„Wo aber die Sünde übermäßig wurde, zeigte sich auch die Gnade übermäßig. Sie trugen ihre Zauberbücher auf den Marktplatz und verbrannten sie. Alle, die es sahen, erstaunten. Aber jene sagten zu den Volkshaufen: „Der Herr hat uns ein Licht aufgehen lassen, um uns, aus der Finsternis und dem Schatten des Todes, worin wir bisher befangen waren, befreit, zum wahren Heil zu führen. Was wir bisher getrieben, ist nichtig und eitel und von den bösen Geistern erfunden. Wir aber erkennen jetzt, daß Christus der wahre Gott ist, und auf ihn setzen wir unsere Hoffnung.“ Sie gingen auch zur Kirche und beichteten alles, was sie getrieben hatten. Da sie nun Christen geworden, getauft und erleuchtet waren, verließen sie Alles und suchten verborgene Orte auf. Hier züchtigten sie fortwährend ihren Leib, und ihr Gebet und Fasten war so streng, daß sie jedesmal nur am dritten Tag Brot und Wasser genossen.

Nachher aber predigten sie mutig das Wort Gottes und warfen allen Heiden vor, daß sie sich von nichtsnutzigen Irrtümern einnehmen ließen. Das Volk aber verwunderte sich und sprach: „Schau die, welche mit ihren Künsten unsere Begierden befriedigten, verkünden jetzt den Gekreuzigten, den sie vorher bestritten haben.“ Aber jene sagten: „Glaubt uns, Brüder, wenn wir dieses nicht für besser erkannt hätten, so hätten wir uns niemals zu ihm bekehrt, aber bekehrt auch ihr euch zu ihm, damit ihr gerettet werdet.“ Allein die Leute wurden voll Wut, ergriffen sie und führten sie zu dem Statthalter Sabinus; denn gerade zu jener Zeit waren Christenverfolgungen vom Kaiser Decius angeordnet.

Der Statthalter Sabinus sagte zu Lucian: „Wie heißest du?“ – Er antwortete: „Lucian.“ – Der Statthalter sprach: „Was ist dein Geschäft?“ – Lucian sprach: „Einst war ich ein Verfolger des heiligen Gesetzes; jetzt aber, obschon unwürdig, bin ich der Verkünder desselben.“ – Der Statthalter sagte: „Was hast du aber für ein Amt, das du verkündigst?“ – Lucian sagte: „Jeder Seele geziemt das Geschäft seinen Bruder vom Irrtum zu lösen, damit er sich selbst Gnade verschaffe und jenen aus den Stricken des Satans befreie.“

Der Statthalter sagte zu Marcian: „Wie wirst du genannt?“ – Er antwortete: „Marcian.“ – Aber der Statthalter sagte: „Was ist dein Geschäft?“ – Marcian sagte: Ich bin ein Eingeweihter und Verehrer der Geheimnisse Gottes.“ – Der Statthalter Sabinus sagte zu Marcian: „Wer hat euch überredet, daß ihr die ehrwürdigen und wahren Götter verlassen habt, durch die ihr Vieles erlangtet und bei dem Volk in Gunst standet, und daß ihr dafür zu einem Toten und Gekreuzigten euch gewendet habt, der sich selbst nicht helfen konnte? – Marcian antwortete: „Jener hat es uns gegeben, welcher es dem heiligen Paulus gegeben hat, der ein Verfolger der Kirche war, nachher durch Gottes Gnade ein Verkündiger geworden ist.“ – Der Statthalter sprach: „Habt Sorge für euch, und kehrt zum Früheren zurück, damit ihr die verehrungswürdigen Götter und die unbesiegbaren Fürsten euch gnädig machet und das Leben gewinnet.“ – Lucian sagte: „Du redest wie ein Unsinniger; wir aber sagen Gott unaufhörliche Dank, daß er uns entrissen hat der Finsternis und dem Schatten des Todes und uns geführt hat zu dieser Glorie.“ – Der Statthalter Sabinus sagte: „Wie schützt er euch, da er euch gerade in meine Hände gibt? Warum steht er euch nicht bei, daß ihr dem Tod entgeht?“ – Der heilige Marcian sagte: „Der Christen Ruhm besteht darin, daß wir auch ohne das, was du allein für Leben ansiehst, ein wahres und beständiges erlangen, wenn wir ausharren bis ans Ende. Wir wünschen aber, daß Gott dir die Gnade und Einsicht erteile, daß du ihn erkennst, wer er sei, wie groß und was er denen zuteilt, die an ihn glauben.“ – Der Statthalter Sabinus sagte: „Da sieht man, wie viel er euch leistet, daß er euch jetzt in meine Hände fallen ließ.“ – Der heilige Lucian antwortete: „Wir haben schon gesagt, daß dies der Ruhm der Christen ist und das Versprechen des Herrn, daß wer gegen den Teufel kämpft, die Drohungen und die vergängliche Gegenwart verachtet, ein fortwährendes künftiges Leben gewinnt.“ – Der Statthalter Sabinus sagte: „Dummheiten sind es, was ihr redet. Höret mich und opfert den Göttern den königlichen Verordnungen gemäß, damit ich nicht in Zorn gebracht mit ausgesuchten unerhörten Qualen euch bestrafe.“ – Der heilige Marcian antwortete: „Wir sind entschlossen, lieber deine Qualen auszuhalten, als den lebendigen und wahren Gott zu verleugnen und in die äußerste Finsternis und das unauslöschliche Feuer zu kommen, das Gott dem Teufel und seinen Gesellen bereitet hat.“

Da der Statthalter Sabinus ihre Standhaftigkeit sah, sprach er über sie das Urteil: „Weil Lucian und Marcian unsere göttlichen Gesetze übertreten, sich dem leeren christlichen Glauben ergeben haben, und von uns ermahnt, daß sie den Gesetzen der unüberwindlichen Fürsten gemäß opferten und gerettet werden, dennoch nicht hören gewollt: so befehle ich, daß sie im Feuer verbrannt werden.“ – Da sie an die Richtstätte geführt waren, dankten sie Gott wie aus einem Munde und sprachen: „Dir, Herr Jesus, sagen wir unzulängliches Lob, der du uns Elende und Unwürdige dem Irrtum des Heidentums entrissen, und uns zu dieser preiswürdigen Marter um deines Namens willen geführt hast und uns Teil gibst an allen deinen Heiligen. Dir sei Lob, Ruhm; dir empfehlen wir auch unsere Seele und unsern Geist.“ Und da sie das Gebet geendigt hatten, legten die Gerichtsdiener sogleich Feuer an. So haben die verehrungswürdigen Märtyrer ihren Kampf vollendet und verdient Teil zu nehmen am Leiden des Herrn.“ –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 149 – S. 153

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Category: Märtyrer, Stolz
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