Die heilige Melania die Jüngere

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

31. Dezember

Heilige Melania die Jüngere

Melania – zum Unterschied von ihrer gottseligen Großmutter gleichen Namens „die Jüngere“ genannt – stammte aus einem sehr vornehmen Senatoren-Geschlecht Roms, und wurde 382 geboren. Alles, was irdische Ehre und Auszeichnungen verschafft: Adel der Familie, Größe des Reichtums, Schönheit des Leibes, Bildung des Geistes, besaß sie in hohem Grade. Ganz vom Geist des Christentums durchdrungen, wünschte sie von Kindheit an, in beständiger Jungfräulichkeit Gott zu dienen; doch dem Drängen der Eltern folgend, verehelichte sie sich mit Pinian, dem christlich frommen Sohn des gewesenen Statthalters von Italien und Afrika. So innig sie ihren edlen Gemahl liebte, eben so innig bat sie ihn nach der Geburt des ersten Kindes, ihr ganzes Vermögen zu behalten und ihr ein einsames Leben zu gestatten. Nach der Geburt des zweiten Kindes versprach ihr Pinian – erst 24 Jahre alt – nur mehr als Bruder bei ihr, die 20 Jahre zählte, zu leben. Bald starben ihr beide Kinder und – frei von allen sorgen der Familie und von den Ansprüchen der Welt – widmete sich die Gattin den Werken der Frömmigkeit.

Melania verschenkte ihren ganzen Schmuck von ungeheurem Geldwert an die Kirche, an Arme und Kranke; kleidete sich in die einfachsten Stoffe und trug mit unbeschränkter Freigebigkeit ihre Tröstungen in die Häuser der Not und der Leiden. Melania und Pinian mussten von Verwandten und Adelsstolzen, welche eine solche Selbstverleugnung und Mildtätigkeit nicht zu würdigen verstanden, Tadel und Schmähungen hören; ja man wollte sie unter Vormundschaft stellen; doch die Kaiserin erwirkte ihnen unaufgefordert die freie Verfügung über ihren Besitz. Sie verkauften nun nach und nach ihre unermeßlichen Besitzungen in Spanien, England, Sizilien, Afrika und teilweise auch in Italien; ihre Almosen flossen wie ein Strom in die ganze christliche Welt bis nach Syrien, Palästina und Ägypten. Zugleich schenkten sie ihren Sklaven, deren Zahl auf achttausend angegeben wird, die Freiheit und behielten nur eine einzige Dienerin, mit der sich Melania in die häuslichen Geschäfte schwesterlich teilte. Während sie so ihre Reichtümer durch die dankbaren Hände der Armen in dem Schatz des Himmels sicherten, retteten sie dieselben vor der Raubgier der Barbaren auf Erden, als der Gotenkönig Alarich mit seinen wilden Kriegern Italien verwüstend überschwemmte, die Hauptstadt Rom plünderte und dem römischenWeltreich den Todesstoß versetzte.

Pinian und Melania mit ihrer Mutter Albina, welche das Beispiel der Entsagung und Armut ihrer Tochter nachahmte, schifften nach Afrika, verweilten einige Zeit in Karthago, besuchten den heiligen Augustin in Hippo und ließen sich in Tagaste nieder, wo sie unter der Leitung des heiligen Bischofs Alypius mehrere Jahre Gott dienten. Melania gründete hier ein großes Frauenkloster, in welchem sie den härtesten Bußübungen sich unterzog; sie las die heilige Schrift, schrieb mit zierlicher Hand Bücher ab, verfertigte Kleider für die Armen und wirkte nicht nur auf Frauen, sondern auch auf Männer sehr wohltätig und ermunternd zu einem reinen und tugendhaften Leben. Im Jahre 417 reisten sie nach Jerusalem, um an den geheiligten Stätten, wo Jesus leidend und sterbend ihre Erlösung vollbracht hatte, Tränen des Dankes und der Andacht zu weinen; sie lebten hier wie zu Tagaste nur dem Gebete, der Unterstützung der Armen und in lehrreichem Verkehr mit dem heiligen Hieronymus und andern erleuchteten Priestern. Auch unternahmen sie eine Reise nach Ägypten, um dort die frommen Einsiedler, diese Meister in der Abtötung und Geistessammlung, zu bewundern und sich an ihrer heroischen Tugend und erprobten Weisheit zu erbauen.

Nach ihrer Rückkehr schloß sich Melania in eine am Ölberg bereitete Zelle ein, zu der sie nur ihrer Mutter, ihrem geliebten Pinian und einer Verwandten den Zutritt gewährte. In dieser Zelle blieb sie dreizehn volle Jahre bis zum Tode ihrer teuern Mutter Albina: dann bezog sie eine noch strengere Zelle, die sie jedoch auf göttliche Eingebung nach einem Jahre wieder verließ, um für das Seelenheil ihrer Mitmenschen tätig zu sein. Sie baute in der Nähe von Jerusalem ein neues Kloster für Jungfrauen zur Bewahrung ihrer Unschuld und für Büßerinnen zur Sühnung ihrer Schuld; sie gab dieser wohltätigen Anstalt eine weise Regel und eine erfahrene Vorsteherin und trat selbst – die hoch adelige Dame – in der Eigenschaft einer gemeinen Hausmagd ein. Zu Ende des Jahres 435 starb ihr Gemahl Pinian eines seligen Todes, und sie bereitete sich mit allen Kräften durch Gebet, Abtötung und heilige Übungen vor, ihm bald folgen zu dürfen.

Nur noch ein Mensch bewegte ihr Herz: Volusianus, der Bruder ihrer Mutter, war noch Heide, und diesen für den heiligen Glauben zu gewinnen und für den Himmel zu retten, war ihre Sehnsucht und ihr inbrünstiges Gebet. Da erhielt sie einmal von demselben aus Konstantinopel, wohin er als Gesandter von Rom gekommen war, ein freundliches Schreiben des Inhaltes, daß er gar sehnlich wünschte, vor seinem Tode sie noch einmal zu sehen und an sein Herz zu drücken. Melania, zu jedem Opfer bereit, machte sich eilig auf die Reise und gelangte glücklich an das Krankenbett ihres Onkels. Dieser erkannte freilich in der bleichen, abgemagerten, mild ernsten Frau seine ehemalige, in jugendlicher Schönheit und Pracht glänzende Melania nicht wieder: aber ihre freiwillige Armut, ihre rührende Demut, ihre erhabene Seelengröße und Begeisterung für Jesus Christus machten auf sein Herz einen so gewaltigen Eindruck, daß er ihre belehrenden Bitten willig anhörte, sich zum Glauben an Christus bereit erklärte und die heilige Taufe begehrte.

Nach seinem baldigen Tode eilte Melania, obwohl ihr oder vielmehr weil ihr der Kaiser und die Kaiserin hohe Verehrung erwiesen, mitten im Winter nach Jerusalem zurück. Im folgenden Jahr gründete sie noch ein Männerkloster zu Bethlehem mit Beihilfe der Kaiserin Eudoxia und verwendete so die letzten Reste ihres Vermögens für die Ehre Gottes. Das heilige Weihnachtsfest dieses Jahres feierte sie an der Krippe zu Bethlehem und besuchte am folgenden Tage die Kirche des heiligen Stephanus zu Jerusalem, wo sie sich eine Erkältung zuzog und nach fünf Tagen sanft entschlief. Das ganze Land trauerte um die gütige Mutter, und Gott verherrlichte sie durch viele Wunder. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 975 – S. 977

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