Heiliger Alypius Bischof von Thagaste

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

15. August

Der heilige Alypius Bischof von Thagaste 

(Vorsorge Gottes)

Alypius war ein Schüler und später ein Freund des hl. Augustin. Mit Missvergnügen bemerkte Augustin, daß dieser Jüngling, sonst so hoffnungsvoll wegen seiner großen Talente, ganz leidenschaftlich den öffentlichen Spielen nachlief. Es waren nämlich damals (im vierten Jahrhundert nach Christus) ganz allgemein in den großen Städten öffentliche Schauspiele üblich, die von den Heiden herstammten, und von der Art waren, daß entschiedene Christen es für ungeziemend hielten, denselben anzuwohnen. Augustinus redete einmal mit Tadel und Spott gegen diejenigen, welche solchen Spielen nachlaufen; statt aber sich dadurch beleidigt zu fühlen, befolgte Alypius den Ausspruch des Heilandes: „Wenn dich dein Auge ärgert, so reiß es heraus“; er entschloss sich, nie mehr zu solchen Schauspielen zu gehen.

Eines Tages ging Alypius in dem Säulengang des Gerichtspalastes auf und ab spazieren, indem er eine Rede einstudierte, welche er halten wollte. Ganz in der Nähe versuchte aber gerade ein Dieb die Bleistangen durchzuhauen, womit er Zugang zu dem Quartier der Geldwechsler vergittert war. Solches wurde bemerkt; alsbald machten die Leute Lärm und liefen herbei, der Dieb aber machte sich eilig davon, bevor man ihn zu Gesicht bekam. Alypius, der von der ganzen Sache nichts wußte, fand das Beil, das der Dieb hinweg geworfen hatte, hob es auf und betrachtete es, als gerade die Leute herbei gelaufen kamen. Da sie sonst Niemanden sahen, als den jungen Alypius mit dem Beil in der Hand, so ergriffen sie denselben, in der Meinung, sie hätten den Dieb auf frischer Tat ergriffen, und schleppten ihn zum Richter.

Der hl. Augustin, da er dieses erzählt, macht die Bemerkung, Gott habe dieses Missgeschick dem Alypius widerfahren lassen, um ihm dadurch eine Lektion für die Zukunft zu geben. Da Alypius später ein Mann von großem Einfluss und Wirksamkeit wurde, so sollte er durch eigene Erfahrung lernen, daß man nicht voreilig nach dem Schein urteilen dürfe, indem man sonst in Gefahr komme Unschuldige zu verurteilen. So sendet uns Gott sehr oft in der Jugend oder auch in andern Lebensjahren etwas zu, das unsere Hoffnung und Bestreben gänzlich stört. Man meint, das sei ein Unglück und kommt in Versuchung darüber unzufrieden zu sein. In späteren Zeiten sieht man dann erst, daß das, was man für ein Unglück gehalten hat, von Gottes Weisheit zu unserm Glück, namentlich zu unserm Seelenheil, so angeordnet worden war. Denk einmal jetzt selbst nach, ob dir gegenwärtig nicht Manches zum Heil ausgeschlagen ist, das die in früheren Jahren bitter war und ein Unglück geschienen hat. Wenn dir aber in Zukunft wieder etwas Widerwärtiges begegnet, so mache dir zur Regel jedesmal zu denken: das ist mir von Gott gesendet und soll mir vielleicht in späteren Zeiten wahren Vorteil bringen.

Alypius war durch die Bestürzung, in die er versetzt wurde, schon genug gewarnt, in Zukunft nie einen Menschen nach dem ersten Anschein zu verurteilen. Deshalb ließ er Gott nicht weiter kommen, sondern es fügte sich, daß durch ein Kind der eigentliche Dieb verraten und die Unschuld des Alypius an den Tag gebracht wurde. Dieses ging nämlich so zu: Während ein Haus Volkes ihn als Dieb fortschleppte, kam ein angesehener Beamter dazu, mit welchem Alypius persönlich bekannt war. Der Beamte war erstaunt und nahm alsbald den Gefangenen auf die Seite und fragte, was das zu bedeuten habe. Nun begleitet er selbst die aufgeregte Schar, um die Unschuld des Jünglings wo möglich darzutun. Alypius hatte aber den eigentlichen Dieb damals fortgehen sehen, jedoch ohne von seinem Vorhaben etwas zu wissen. Nun fügte es sich, daß sie gerade an der Wohnung desselben vorbei kamen. Hier stand nun ein Knabe vor der Haustüre, den Alypius bei dem Dieb gesehen hatte. Er sagte es dem Beamten; dieser zeigte nun das Beil dem Knaben und fragte ihn, wem es gehöre. Der Knabe ahnte nichts Gefährliches und sagte: „Es gehört unser.“ Da man nun demselben noch einige andere Fragen stellte, so wurde es vollständig heraus gebracht, wer der wirkliche Dieb sei und daß Alypius ganz unschuldig ergriffen wurde, ihm somit wieder Freiheit und guter Name zurück gestellt.

Die Eltern des Alypius waren ganz Weltleute und ermahnten deshalb fortwährend ihren Sohn, sich in der Welt auszuzeichnen. Bisher hatte er in Karthago gelebt; um sich nun weiter für Staatsämter auszubilden, begab er sich nach Rom. Hier waren noch die grausamen Fechterspiele üblich, wo Sklaven zum Schauspiel für das Volk miteinander kämpfen und einander ermorden mussten. Alypius hatte so viel Gewissenhaftigkeit, daß er sich davon entfernt hielt. Einst begegneten ihm einige seiner jungen Freunde, welche gerade auf dem Weg waren zu jenen Fechterspielen. Da Alypius sich nicht bereden ließ, sie zu begleiten, ergriffen sie ihn aus Scherz und zogen ihn mit Gewalt dahin. Alypius widersetzte sich vergeblich, doch rief er: „Wenn ihr auch meinen Körper zwingt, so könnt ihr doch meine Augen und meine Seele nicht zwingen, jene Grausamkeiten anzusehen; ich werde beim Schauspiel dasitzen ohne zu schauen und werde euch besiegen.“ Als sie nun auf dem Schauplatz angekommen und ihre Plätze eingenommen hatten, schloß Alypius die Augen um nichts zu sehen; aber eine Vorsicht hatte er vergessen, nämlich auch die Ohren zuzuhalten. Auf einmal hörte er, daß alles Volk wegen eine außerordentlichen Ereignisses auf dem Schauplatz laut aufschrie; da riß die Neugierde dem Alypius plötzlich die Augen auf, indem er dachte, er könne sehen, was vorgefallen sei, ohne ein Wohlgefallen daran zu haben. Es zeigte sich nun, wie wenig der Mensch mit der Versuchung spielen darf. Gleich einem Feuerbrand, den man auf Pulver wirft, zündete der Anblick des blutigen Schauspiels wieder die heftigste Leidenschaft darnach an. Er wendete seine Augen gar nicht mehr hinweg, sondern schaute nun mit grausamer Lust zu, wie die armen Sklaven einander Wunden schlugen und sich töteten. Alypius war nicht mehr derselbe Mensch, wie er gekommen war, sondern ganz umgestimmt und gerade so, wie die, welche ihn zum Schauspiel fortgezogen hatten. Ja von nun an trieb es ihn nicht nur auf`s Neue zu den Fechterspielen, sondern er beredete selbst noch Andere ihn zu begleiten. Nachdem Alypius lange diesem sündhaften Vergnügen gefrönt hatte, erbarmte sich Gott über ihn und machte ihn los von den Ketten seiner Leidenschaft.

Alypius übernahm eine Beamtenstelle, wo er ausgezeichnete Rechtschaffenheit zeigte, und ließ sich in einem Fall, wo ihm hoch gestellte Beamte Versprechungen und Drohungen machten, durchaus nicht bewegen von dem strengen Recht abzuweichen.

Da der hl. Augustinus seinen Aufenthalt in Mailand nahm, so entschloss sich Alypius auch dahin zu reisen, teils um die Gesellschaft seines Freundes zu haben, teils dort eine angemessene Anstellung zu bekommen, wie es seine Eltern wünschten. Allein Gott, der ihm eine wichtigere Bestimmung zugedacht hatte, ließ sein Suchen vergeblich sein. Unterdessen verwendete er all` seine Zeit ausschließlich darauf, mit Augustinus der Wissenschaft sich zu widmen. Damals aber war Augustinus noch ganz verstrickt in ketzerische Irrtümer und unchristlichen Wandel und übte daher keinen guten Einfluss auf seinen Freund Alypius. Als sich aber Augustinus bekehrte, so bekehrte sich Alypius auch und zwar um so bereitwilliger und leichter, da er selbst im Irrtum doch besser und sittlicher gelebt hatte, als Augustinus. Die beiden Freunde entschlossen sich nun der Welt zu entsagen und ganz Gott zu leben. Sie kehrten mit einander nach Afrika zurück und wurden Priester. In Thagaste bildeten sie mit einigen gleichgesinnten Männern eine Art klösterlicher Genossenschaft, die sich in allen Arten frommer Werke übte. Als nach drei Jahren der hl. Augustin Bischof zu Hippo wurde, zogen alle mit ihm in diese Stadt; Alypius aber machte eine Wallfahrt in das heilige Land, wo er den hl. Hieronymus kennen lernte und von da an in freundschaftlichem Briefwechsel mit ihm blieb.

Als Alypius nach Afrika zurück gekehrt war, wurde er zum Bischof von Thagaste ernannt. In stetem Verein mit dem hl. Augustin übte er eine große segensreiche Wirksamkeit in der katholischen Kirche aus. Nicht nur führte er das geistliche Regiment in seinem Bistum, wie es sich einem wahren Nachfolger der Apostel geziemt, sondern bei der großen Gefahr, in welche damals die Kirche im Allgemeinen durch die Irrlehrer gebracht wurde, zeigte Alypius eben so großen Eifer in Verteidigung der wahren Lehre, als Tüchtigkeit. Er wurde besonders zu den Kirchenversammlungen abgeordnet, verfaßte manche Schriften, machte mehrere Reisen, Alles um die Ehre Gottes und das Heil der Kirche zu fördern, undstarb reich an Verdiensten aller Art. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 3 Juli bis September, 1872, S. 255 – S. 259

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Category: Bischöfe, Stolz
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