Grablegung Jesu und ihre Bedeutung

Das Leben und Leiden und der Tod am Kreuz, das kostbarste Blut Jesu am Kreuz vergossen; Jesus hängt, halb nackt und mit einer Dornenkrone "geschmückt", mit ausgebreiteten Armen am Kreuz, geschunden durch die Marter der Geißelung und der Wunden, und verspottet

Das Leben und Leiden und der Tod Jesu

Die Bedeutung der Grablegung Jesu

Joh. 19,41. Es war aber an dem Ort, wo Jesus gekreuzigt ward, ein Garten und in dem Garten ein neues Grab, in welches noch niemand gelegt worden war. – 42. Dorthin legten die Männer Jesum wegen des Rüsttages der Juden; denn das Grab war in der Nähe.

Luk. 23,53. Und Joseph nahm Jesus ab und wickelte ihn in Leinwand und legte ihn in ein ausgehauenes Grab, in das noch niemand gelegt worden war. – 54. Es war der Rüsttag, und der Sabbat brach an. – 55. Die Weiber aber, welche mit ihm aus Galiläa gekommen waren, folgten nach, schauten in das Grab und wie sein Leichnam hinein gelegt ward.

Mark. 15,46. Joseph aber kaufte Leinwand, nahm Jesus ab, wickelte ihn in die Leinwand und legte ihn in ein Grab, welches in einen Felsen gehauen war, und wälzte einen Stein vor die Türe des Grabes. – 47. Maria Magdalena aber und Maria, des Joseph Mutter, sahen zu, wo er hingelegt wurde.

Matth. 27,59. Und Joseph nahm den Leib, wickelte ihn in reine Leinwand – 60. und legte ihn in sein neues Grab, welches er in einem Felsen hatte aushauen lassen, wälzte einen großen Stein vor die Türe des Grabes und ging weg. – 61. Es waren aber daselbst Maria Magdalena und die andere Maria und saßen dem Grab gegenüber.

Die Schatten des Abends wurden länger, und das Ende des Rüsttages drängte. Deshalb eilten die Männer mit dem Begräbnis Jesu.

Die Vorbereitung zum Begräbnis

Joseph von Arimathäa und Nikodemus hoben den Leichnam Jesu aus dem Schoß der Mutter und trugen ihn auf den Stein der Salbung, den man jetzt noch in der Heiliggrab-Kirche sieht und verehrt. Dort bereiteten sie ihn zum Begräbnis nach jüdischem Gebrauch (Joh. 19,40). Nur in seltenen Fällen wurden die Leichen verbrannt (1. Kön. 31,12; 2. Par.16,14; 21,19; Jer. 34, 5; Lev. 20,14; 21,9), sonst wusch man sie (Apg. 9,37) und hüllte sei in Linnen und Spezereien. So taten auch hier die Männer. Sie schlugen den Leichnam Jesu in feine Linnen und Binden (Mark. 15,46; Luk. 23,53), und zwischen den Leib und die Leinwand legten sie Spezereien, wohlriechende Kräuterbüschel, tränkten die Linnen selbst mit Wohlgerüchen (Joh. 19,40) und verhüllten das Haupt (ebd. 20,7). Vielleicht tat Maria selbst diesen letzten Dienst, und mit welchem Weh blickte sie zum letzten Mal in das tote Antlitz ihres lieben Sohnes! Ihre Lebenssonne war mit der Verhüllung des Hauptes Jesu wirklich untergegangen. Die Leichenbereitung war, wie man sie reichen und angesehenen Männern erwies. Dieses forderte die Würde Jesu und auch der Stand der zwei edlen Männer. Die vielen Spezereien wandte man an, um die Verwesung möglichst lange fern zu halten.

Jesus wird nach der Abnahme vom Kreuz von seinen getreuen Jüngern zu Grabe getragen; hinter ihnen gehen Seine zu Tode betrübte und schmerzensreiche Mutter Maria und andere weinende Frauen

Die Grablegung

Nachdem nun die Vorbereitung vollendet war, schickte man sich zur Grablegung an. Der Zeit nach war es schon spät am Tage (Matth. 27,57; Mark. 15,42). Es mochte wohl gegen 5 Uhr abends sein. – Der Ort, wo der Heiland bestattet werden sollte, lag etwa 50 Schritte in nordwestlicher Richtung von der Stelle des Kreuzes. Er lag in einem Garten (Joh. 19,41), der wohl lieblich mit Palmen, Oliven, Balsamstauden, Gebüsch und Blumen bestanden sein mochte, wie die Juden es bei den Familiengräbern liebten. Wegen der Nähe des Sabbats kam die geringe Entfernung gut zu statten. – Das Grab, das den Heiland aufnehmen sollte, war in den Felsen gehauen (Matth. 27,60; Mark. 15,46) und so natürlicher Weise geschützt vor Einbruch und Entweihung. Es bestand aus einem Vorraum und einer eigentlichen, inneren Grabkammer mit einem muldenförmigen Längengrab, das rechts der niedrigen Durchgangstür von dem Vorraum in die Leichenkammer lag. Das Grab war ganz neu (Matth. 27,60; Luk. 23,53; Joh. 19,41) und ungebraucht, wie es sich schickte für den Heiland, in dessen Umgebung alles rein und ungeschwächt sein soll, sowie es der Schoß seiner heiligen Mutter auch gewesen war, mit welchem es oft verglichen wird (Num. 19,2; Deut. 21,3; 1. Kön. 6,7; Luk. 19,30). Joseph von Arimathäa hatte das Grab für sich bereiten lassen, und jetzt diente es seinem Meister und Herrn. Es war also ein Freundesgrab und für den Herrn bedeutungsvoll, weil es Zeugnis ablegte von seiner Armut und von der Liebe der Seinigen zu ihm. Er hatte weder eine eigene Wiege noch ein eigenes Grab. Und wie einst ein Joseph der Mutter das Kind in die Wiege legen half, so war ihr jetzt ein Joseph behilflich, ihn ins Grab zu legen (P. Faber).

Die Ruhestätte des Heilandes

So ging denn also der kleine, traurige Zug den Kalvarienhügel hinunter durch den Taleinschnitt quer über zum Garten: die drei oder vielleicht auch vier Männer mit dem umhüllten Leichnam Jesu, die Mutter Gottes und die heiligen Frauen und einige Dienerschaft. Diese wenigen treuen Seelen trugen den Schöpfer zu Grabe dicht neben der Stadt, die, in Finsternis und Gewissensbisse gehüllt, den letzten Gang des Heilandes nicht störte. Aber wie traurig und herzzerreißend war der Gang für Maria! Er führte zum Grab und zur Trennung. In der Grabkammer musste wohl wegen der Dunkelheit Fackellicht aushelfen. Sanft ließen sie die heilige Leiche in den Steinsarg. Die Leidenswerkzeuge wurden wohl mit ins Grab gelegt, und noch ein schmerzlich rührender Blick und eine Anbetung, und das Leichentuch deckte den geliebten Toten zu und Türe und Grabstein schlossen die Gruft (Matth. 27,60); Mark. 15,46; Joh. 19,42). Viele Gräber haben sich geschlossen und ließen Herzen in Schmerz und Weh gebrochen zurück, aber keines wie dieses. Der Prophet schildert auch diesen Trauerschmerz in den Worten: „Weinen werden sie über ihn (Jehovah) mit großer Klage, weinen über den Einzig Geborenen, und trauern werden sie über ihn, wie man zu trauern pflegt beim Tode des Erstgeborenen. An jenem Tage wird groß sein die Trauer in Jerusalem, gleich der Trauer in Adadremmon. Das Land wird trauern … und die Familien von Familien gesondert und die Frauen derselben gesondert“ (Zach. 12, 10 u. 11f). Wie es scheint, konnten die heiligen Frauen, wahrscheinlich wegen der Enge der Grabkammern, das Grab selbst nicht betreten und sahen von außen der Grablegung zu (Luk. 23,55; Mark. 15,47; Matth. 27,61). Der Heiland hatte nun seine Ruhestätte gefunden, die Mutter aber nicht. Sie trat den Heimweg, den Weg der Verbannung, der Verwaisung an. Sie hatte wirklich keine Heimat mehr. Wie ein Schiff, das Segel und Ruder verloren, kam sie in Begleitung der heiligen Frauen auf dem Berg Sion an.

Die Bedeutung der Grablegung

Die Bedeutung der Grablegung besteht vor allem darin, daß sie ein neuer Beweis des wahren Todes unseres Herrn ist. Nie hätten ihn die Seinigen begraben, wären sie von seinem Tode nicht überzeugt gewesen. Das Auge und das Herz einer Mutter täuscht sich in dieser Beziehung nicht. –

Zweitens werden durch die Grablegung und die dreitägige Grabesruhe die Prophezeiungen erfüllt, vor allem das Zeichen des Jonas, der drei Tage im Bauch des Fisches zubrachte und dann wunderbar wieder an das Tageslicht kam. Der Heiland selbst hatte die Juden auf dieses Zeichen hingewiesen (Joh. 2,19; Matth. 12,40). In der Grablegung wurde auch die Prophezeiung erfüllt, daß man ihm bei Frevlern sein Grab bestimmen und bei einem Reichen seine Grabstätte geben werde (Is. 53,9). –

Drittens besteht eine mystische Bedeutung seiner Grablegung darin, daß er auch diese letzte Station des menschlichen Lebens betreten und sie durch seine Gegenwart segnen, heiligen, mit Verdienst und Trost erfüllen wollte, indem er in die Behausung des Todes den Keim des Lebens pflanzt und aus dem Grab den Baum der Unsterblichkeit hervorgehen läßt. Der hl. Paulus sieht auch in der Grablegung ein Vorbild des vollständigen Absterbens von der Sünde, um diese glorreiche Auferstehung in uns vorzubereiten (Röm. 6,4; Kol. 2,12). –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes in Betrachtungen Zweiter Band, 1912, S. 393 – S. 395

Bildquellen

  • Das kostbarste Blut Jesu am Kreuz: Bildrechte beim Autor
  • hattler-grablegung-jesu: Bildrechte beim Autor

Weitere Beiträge von P. Meschler

Erzieht eure Kinder im katholischen Glauben
Buch mit Kruzifix
Kreuzabnahme und Schmerz der Gottesmutter
Menü