Heiliger Virgilius Apostel Kärntens

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

27. November

Der heilige Virgilius Apostel Kärntens

Der hl. Virgilius war aus sehr vornehmer Familie in Irland gebürtig, und erhielt eine ganz ausgezeichnete Erziehung wahrscheinlich in Jona, dem Hauptkloster Schottlands und dem Lichtherd christlicher Bildung im Norden von Großbritannien. Sogar der berühmte Johnson, als er um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Ruinen diese entheiligten Gotteshauses besuchte, rief tief bewegt aus: „Da stehen wir auf dem Boden der ruhmreichen Insel, die ehedem die Leuchte Kaledoniens war, von wo aus die Religion mit der Wissenschaft über die wilden Volksstämme und die unsteten Barbaren hinstrahlte!“

Virgilius, durch feierliche Gelübde dem Dienst Gottes geweiht, sammelte sich in sehr strenger klösterlicher Zucht einen seltenen Schatz wissenschaftlicher Gelehrtheit und gottinniger Frömmigkeit. Von der den irischen Mönchen ganz eigentümlichen Wanderlust getrieben, unternahm er mit mehreren Gefährten eine Wallfahrt nach Rom und Jerusalem, um hernach in den deutschen Landen den heiligen Glauben zu predigen. Am Hofe des fränkischen Majordomus Pippin, der gelehrte und fromme Männer sehr zu schätzen wußte, fanden diese Pilger die gastlichste Aufnahme und der bewunderte Virgilius wurde zwei Jahre zurück gehalten. In den gelehrtenBesprechungen stellte er die kühne Behauptung auf, daß die Erde nicht, wie die herrschende Ansicht meine, eine flache Scheibe, sondern eine Kugel sei, die rings herum von Menschen bewohnt werde, daß also noch ein anderer Weltteil außer den jetzt bekannten existieren müsse, eine Behauptung, welche 700 Jahre später Christoph Columbus durch die Entdeckung Amerika`s zur Gewissheit erhoben hat. Diese Lehre war seinen Zuhörern so neu und sonderbar, daß sie ihn gar nicht verstanden und meinten, er behaupte, daß es unter unserer flachen Erdscheibe noch eine solche Erdscheibe mit ganz andern Menschen gebe, über deren Köpfen wir herum wandeln; ja Einige machten ihm später sogar den Vorwurf, daß er ein Ketzer sei und Dinge lehre, welche weder in den heiligen Schriften, noch in denen der heiligen Väter stehen, und verklagten ihn beim Papst. Virgilius rechtfertigte sich aber vor Papst Zacharias so, daß derselbe ganz befriedigt, ihn mit Ehren entließ.

Gleichzeitig befand sich am Hofe Pippin`s der bayerische Herzog Odilo als Gefangener. Virgilius benutzte sein Ansehen bei Pippin und erwirkte dem Gefangenen eine bessere Behandlung und später wahrscheinlich auch die Wiedereinsetzung in sein Herzogtum. Da in der Folge Virgil als Missionar nach Bayern kam, nahm ihn Odilo sehr gütig auf und übertrug ihm die Abtei St. Peter und das Bistum Salzburg, 745. Aber der demütige Diener Gottes ließ sich nur erbitten, die Abtwürde, nicht auch die Bischofsweihe, anzunehmen, weshalb mehrere Jahr lang sein Landsmann, der Chorbischof Dobda die bischöflichen Funktionen in seinem Namen vollzog. Die übrigen schweren Pflichten erfüllte er mit heiligem Eifer zum reichsten Segen für die Mönche und die Diözesanen.

Im Jahre 767 konnte seine Liebe den Bitten des ganzen Volkes nicht mehr widerstehen; er ließ sich die Bischofsweihe erteilen und vollzog als ersten bischöflichen Akt die Einweihung der so berühmt gewordenen Mutter-Gottes-Kirche Altötting, – welche Graf Günther von Chiemgau aus den Ruinen erhoben und mit dem dabei errichteten Kloster der Kirche von Salzburg übergeben hatte. Hierauf begann er den Bau einer eigenen Kathedrale mit vier Türmen, die von seinen Zeitgenossen wegen ihrer Größe und Schönheit als ein Wunderwerk angestaunt wurde. Er selbst leitete ordnend und ermunternd den Bau, an dem Hunderte von Werkleuten arbeiteten. An jedem Samstag, so berichtet die sage, stellte er eine Schüssel mit Geld in den Kreis der Handwerker, jeder durfte den verdienten Lohn sich selbst daraus nehmen; aber von unsichtbarer Macht beherrscht, konnte keiner daraus schöpfen, als ihm gebührte. Er weihte das nach zwölf Jahren vollendete Gotteshaus ein zu Ehren des salzburgischen Apostels, des hl. Rupert (Siehe 27. März) und übertrug die Pflege des Gottesdienstes in demselben Weltpriestern, damit seine Mönche von St. Peter ihrem Beruf nicht entzogen würden.

Nachdem er so für sein Bistum in bester Weise gesorgt hatte, drängte ihn seine Liebe zu Jesus und zu den durch Ihn erlösten Seelen, den noch heidnischen Nachbarvölkern, das Evangelium zu predigen. Ganz erwünscht kam ihm das Gesuch des Herzogs Chitomar von Kärnten, welcher in seiner Jugend als Geisel in Bayern lebend, die christliche Religion kennen gelernt hatte und nun die Segnungen derselben seinen noch die Götzen verehrenden Untertanen zuwenden wollte; er bat um einige Glaubensprediger. Weil er selbst schon eine Missionsreise für sich bestimmt hatte, schickte er den geliebten und vortrefflichen Landbischof Modestus mit mehreren Mönchen nach Kärnten, blieb jedoch selbst die Seele des großen Unternehmens und führte es trotz der sehr großen Schwierigkeiten und Hindernisse zu einem glücklichen Ziel. Unterdessen ging er der Donau entlang hinab bis an die Grenzen des Ungarlandes, den Heiden das Evangelium verkündend, die schon Getauften im Glauben stärkend, die Feier des Gottesdienstes ordnend und stiftete mit Beihilfe des bayerischen Herzogs Tassilo das ruhmreiche Kloster Kremsmünster und bevölkerte es mit Schülern des heiligen Vaters Benedikt, die heute noch dort weit in die Umgegend hinaus sehr wohltätig ihre aufopfernde Liebe zum Heil der Gläubigen ausüben. Nach der Rückkehr machte er die Heilquellen, welche seine Mönche im Gebirge zu Gastein entdeckt hatten, den Kranken und Presthaften nutzbar und nahm wieder die alten Erzgruben in Bau, durch deren Ertrag der Wohlstand des Volkes sehr gehoben wurde; er errichtete auch eine blühende Schule auf der Insel im Chiemsee und scheute weder Mühe noch Opfer, um das zeitliche und geistige Wohlsein des ganzen Volkes zu fördern. Am Abend seines so tatenreiches Lebens machte er noch eine Visitationsreise durch das ganze, große Bistum, überall seinen Weg durch Wohltun bezeichnend.

Von der mühevollen Reise heim gekehrt, lösten die Nachwirkungen der erduldeten Leiden und die zehrende Macht des hohen Greisenalters bald das Band seines Lebens, und seine verdienstreiche Seele ging ein zur ewigen Ruhe in die Freuden des Herrn am heutigen Tage 784. Papst Gregor IX. nahm ihn 1233 unter die Zahl der Heiligen auf. Seine kostbaren, durch große Wunder verherrlichten Gebeine werden jetzt noch verehrt im Dom zu Salzburg. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 887 – S. 888

Category: Bischöfe
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