Der heilige Pirmin Abt und Bischof

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

3. November

Der heilige Pirmin, Abt und Bischof

Der hl. Pirmin war, was sein Name: „berühmter Mann“ bedeutet, in großartiger Wirklichkeit. Die Länder: Lothringen, Elsaß, die heutige Pfalz, die Ufer des Bodensees, ein Teil Bayerns und der Schweiz zählen wenige unter ihren großen und berühmten Männern, denen sie in Bezug auf sittliche und religiöse Bildung so viele und dauerhafte Wohltaten zu verdanken haben wie dem hl. Pirmin.

Über den Ort seiner Geburt, seine Abstammung, die Begebenheiten seiner Jugendjahre hat die Geschichte noch keinen ganz zuverlässigen Bericht gegeben. Am wahrscheinlichsten ist die Annahme, daß Elsaß-Lothringen sein Geburtsland ist, daß er als Knabe schon ins Kloster Glanofolium kam, sich mit seinen reichen Talenten einen großen Schatz von Gelehrsamkeit erwarb, durch Reinheit der Sitten, Edelsinn des Charakters und Eifer für die Ehre Gottes auszeichnete und in den Orden des hl. Benedikt eintrat. Das schöne Zeugnis des durch seine Wissenschaft so berühmten Abtes Trithemius: „Pirmin war ein wegen seiner Gelehrsamkeit und Heiligkeit bewunderungswürdiger Diener Gottes“, bestätigte ein Diplom des Königs Theoderich IV. vom Jahre 727, in welchem er bereits „Bischof von Melden“, dem heutigen Medelsheim bei Zweibrücken in der Pfalz genannt wird.
Der seeleneifrige, junge Bischof gründete dort in der weiten Umgegend Missions-Stationen, als deren älteste die jetzige Stadt Pirmasens (Pirminsitz) angesehen wird, wo er auch ein Kloster gründete. Von hier aus unternahm er auch seine apostolischen, so bedeutungsvollen Missionsreisen.

Der in weite Ferne dringende Ruf seiner Wirksamkeit veranlaßte den edlen, königlichen Landvogt am Oberrhein, Sintlaz, welcher im Thurgau auf dem Schloß Sandeck bei Konstanz wohnte, ihn dringendst zu bitten, aß er doch am Bodensee das Evangelium predige; denn in der dortigen Bevölkerung, welche meist aus Hirten bestand, war große Lauheit und sittliche Verwilderung eingerissen.

Pirmin `s frommes Herz konnte diese Bitte nicht abschlagen: er holte sich vom Papst Gregor II. die apostolischen Vollmachten und kam, von mehreren Mönchen begleitet, nach Pfungen, unterhalb Winterthur, wo damals Gottfried, Herzog von Schwaben, Hof hielt. Mit großem Eifer verkündete er hier das Wort Gottes, das er durch Wunder bekräftigte. Da er mit strengem Ernst die herrschenden Laster ausrottete und zu christlicher Sittlichkeit aufforderte, flammte der Haß mächtiger Wüstlinge nach des Herzogs Tod in offene Wut wider Pirmin auf, und sie verjagten ihn aus dem Lande.

Mit Freude nahm den Fliehenden der edle Sintlaz auf und schenkte ihm die ganze Insel unter Konstanz, damit er darauf ein Kloster gründen möge. Pirmin legte Hand ans Werk, erhielt vom Schwabenherzog Berchtold Unterstützung und vom Majordomus des Frankenkönigs, Karl Martell, große Schenkungen an Staatsgütern. So erhob sich im Jahre 724 das so rühmlich bekannte Kloster Reichenau, eine herrliche Pflanzschule der Bildung und Tugend, das allein der heiligen Kirche dreizehn Erzbischöfe und 34 Bischöfe erzog. Pirmin `s Wirken war so gesegnet, daß Sintlaz eines Tages seine Gefühle ausdrückte mit den Worten: „Hochwürdigster Vater, seit deiner Ankunft lebt das Tote auf, das Verdorrte grünt und blüht, die ganze Gegend ist durch dich mit der Frucht des Lebens beschenkt:“ Allein die hohe Gunst, welche Karl Martell dem hl. Pirmin bezeugte, erregte Eifersucht des Herzogs Lantfried in dem Grade, daß er den Heiligen des Landes verwies.

Pirmin wanderte gegen Süden und stiftete 730 in einer wilden Felsenschlucht das Kloster Pfäffers, das er mit zwölf Mönchen aus der Reichenau bevölkerte und unter die Obsorge des trefflichen Baldebert stellte, welcher der erste Abt dieses im Jahre 1838 aufgehobenen Klosters war.

Nach kurzem Aufenthalt wendete sich der rastlose Bischof ins Elsaß und gab dem vom Grafen Eberhard neu erbauten Kloster Murbach bei Colmar die innere Einrichtung, indem er die Regel des hl. Kolumban durch Zusätze aus der Regel des hl. Benedikt verbesserte. In gleicher Weise war er tätig in vielen andern Klöstern: namentlich in den Klöstern Schuttern, Gegenbach in der gleichnamigen Reichsstadt, Maurusmünster, Neuweiler, Weißenburg und Schwarzach bei Rastatt.

Von seinem wunderbaren Geiste und Geschick, das Ordensleben zu regeln und zu voller Blüte zu erziehen, gibt das rühmlichste Zeugnis die Tatsache, daß er gebeten wurde, auch nach Bayern zu kommen, um die Klöster Oberaltaich, Niederburg, Pfaffenmünster, Mondsee, Niederaltaich, Ochsenfurt, Bischofsheim und Kitzingen einrichten zu helfen. Bei diesem Anlass hatte sein Eifer die Freude, zwei neue Klöster, Osterhofen und Amorbach, selbst gründen zu können. Schon alt an Jahren und erschöpft an Kräften, baute er noch mit Beihilfe des fränkischen Grafen Werinher das Kloster Hornbach oder Gmünden bei Zweibrücken am Zusammenfluss der Bäche Trualbe und Sualbe, um sich dort auf den Tod vorzubereiten. Gerade diese Stiftung trug sehr dazu bei, in dieser damals noch wilden Gegend die Segnungen des christlichen Glaubens zu verbreiten, fromme Sitten zu pflegen, den Anbau des Bodens, den betrieb nützlicher Gewerbe, Künste und Wissenschaften zu befördern.

Am Abend seines Lebens, während er noch mit seinen Gebeten und Tränen die große, ausgedehnte Saat begoß, die er für den Herrn bestellt hatte, erfreute ihn mit einem Besuch der hl. Bonifatius, Deutschlands glorreicher Apostel, dem er den Weg bereitet hatte. Sein seliges Hinscheiden erfolgte am heutigen Tage 754. Wie vor seinem Tode, so leuchtete er auch nachher durch Wunder hervor. Sein heiliger Leib wurde achthundert Jahre im Kloster Hornbach verehrt. Aus den Stürmen der Reformation rettete ihn 1577 Graf Schweikhart von Helfenstein nach Innsbruck, wo er in der heiligen Dreifaltigkeits-Kirche verehrt wird. Er ist Hauptpatron der Rheinpfalz und Schutzpatron der Stadt Innsbruck. Wir besitzen von diesem großen Diener Gottes eine wissenschaftliche Arbeit über die christliche Heilslehre. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 819 – S. 820

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