David und Salomon Vorbilder des Messias

David und Salomon sind Vorbilder des Messias

David und Salomon sind, wie die Stammväter, auch Vorbilder des Messias. – David war zu Bethlehem geboren, verbrachte seine Kindheit in Demut, Niedrigkeit und Verborgenheit, besiegte den gefürchtetsten Feind, alle Widersacher des Volkes Gottes, litt schwere Verfolgungen, triumphierte jedoch über alle, war König und Prophet.

Salomon war schon durch seinen Namen, ferner durch die Größe, den Reichtum und den Frieden seines Reiches, durch seine Weisheit und die Gerechtigkeit seiner Regierung und besonders durch Erbauung des herrlichen Tempels ein Vorbild des Erlösers, „des Friedensfürsten“ (Is. 9, 6 u. 7; 66, 12; Zach. 9, 10; Mich. 4, 3 u. 4), der den Menschen den Frieden gebracht (Lk. 2, 14; Joh. 14, 27; 16, 33; Eph. 2, 14ff; Kol. 3, 15), der den geistigen Tempel, die Kirche Gottes gebaut (Eph. 2, 20ff), sein Reich über die ganze Erde ausgedehnt, an geistigen Gütern überreich gemacht hat und als Reich des Friedens, der Wahrheit und Gerechtigkeit mitten in dieser von Sünde und Leidenschaft beständig beunruhigten, von Lüge und Ungerechtigkeit beherrschten Welt aufrecht erhält.

Der feierliche Triumphzug bei Übertragung der Bundeslade, über der Gott im alten Bund wie auf einem Gnadenthron weilen und seine Huld offenbaren wollte, ist ein Vorbild des Einzuges Christi in den Himmel, zugleich eine tiefe Begründung der feierlichen Umzüge, welche die Kirche besonders am Fronleichnamsfest mit dem hochwürdigsten Gut anstellt, in welchem der göttliche Erlöser mit der ganzen Fülle seiner Gnaden so liebreich unter uns weilt.

Jerusalem ist schon durchs einen Namen „Wohnung oder Stätte des Friedens“, dann besonders nach Übertragung der Bundeslade als „Stadt Gottes“ sowie durch seine immer mehr sich entfaltende Herrlichkeit als Hauptstadt und Mittelpunkt des Volkes Gottes, als der „Schönheit Ausbund und die Freude der ganzen Erde“ (Klgl. 2, 15) ein Vorbild der Kirche Jesu Christi, dieser herrlichen Stadt Gottes auf Erden, sowie der triumphierenden Kirche im Himmel, des „neuen Jerusalem“, dessen unvergleichliche und unvergängliche Größe die Propheten so begeistert verkündeten, dessen höchste und ewige Majestät die Apostel im Geist schauten und voll heiligen Entzückens in menschlicher Sprache zu schildern versuchten (Vgl. besonders Is. 60; 33, 20; vgl. 54, 11ff; 62; 65, 18f; 66, 20; Bar. 5; Joel 3, 16ff; Zach. 8, 20ff; Gal. 4, 26; Hebr. 12, 22 u. 23; Offb. 21, 2ff; vgl. 3, 12). –

Jerusalem ist den Vätern vielfach auch das Bild heiliger Seelen, in denen Gott durch die Gnade und im heiligen Sakrament wohnt, die das Himmelreich in sich tragen und den Frieden Gottes, der allen Begriff übersteigt (Eph. 3, 17; Joh. 6, 57; Lk. 17, 21; Phil. 4, 7).

In Übereinstimmung hiermit wird der 23. Psalm bei Einweihung einer neuen Kirche, beim ersten Kirchgang einer Wöchnerin, bei der Bestattung von Kindern und in den priesterlichen Tagzeiten des Karsamstags (an welchem der Herr in die Vorhölle hinabstieg, um den Seelen der Gerechten den baldigen Einzug in den Himmel anzukündigen), des Festes der heiligen Dreifaltigkeit, des Allerheiligenfestes usw. gebetet.

Die Verdemütigungen und Freudenbezeigungen, die der Ehre des allerhöchsten Schöpfers und Herrn gelten, hat der Weltgeist von jeher verächtlich gefunden, während er nie etwas dagegen hat, wenn sie der Befriedigung gemeiner Leidenschaft oder der Verherrlichung irdischer Größe gelten. Er hasst eben die religiöse Begeisterung und das äußere Bekenntnis des Glaubens und der Hingabe an Gott, das den Menschen wahrlich nicht erniedrigt. Darum sagt gar schön der hl. Bernhard (1):

„Hier ist kein kindisches Spiel und keine Theaterfreude, die durch allerlei weibische, schändliche Manieren die Lust reizt und schmutzige Handlungen vorstellt. Hier ist vielmehr ein angenehmes, ehrbares, gehaltvolles, edles Spiel, das selbst himmlische Zuschauer ergötzen kann. Ein solch reines religiöses Spiel spielte der, welcher sprach: „Ein Schauspiel sind wir geworden den Engeln und den Menschen (vgl. Kor. 4, 9). Ein solches Spiel wollen auch wir einstweilen spielen, damit wir (von der Welt) verspottet, beschämt, verachtet werden, bis der kommt, welcher die Gewaltigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht (Lk. 1, 52), damit er uns erfreue, verherrliche und erhöhe in Ewigkeit.“ (1)

Einzig die Abneigung gegen alle Offenbarungsreligion, die ein Kennzeichen der sog. Modernen Weltanschauung ist, bietet eine Erklärung für die unglaubliche Verzerrung, in welcher die neuere Geschichtsschreibung das Leben und den Charakter Davids darstellt. Indem sie die Glaubwürdigkeit der biblischen Erzählung willkürlich bestreitet und die religiösen Gesichtspunkte und Beweggründe grundsätzlich verwirft, bleibt für sie nur ein gewissenloser, ehrgeiziger, ränkevoller und grausamer Abenteurer übrig, den man später mit dem Glorienschein eines Heiligen und Psalmendichters umgeben hat (2). Das Verfahren dieser Art Geschichtsschreibung wird mit Recht auch von rationalistischer Seite als unwissenschaftlich und ungerecht gebrandmarkt, weil sie die vielen und reichen Nachrichten über Davids Leben willkürlich behandelt und die Glaubwürdigkeit der Quellen ohne Grund verdächtigt. „hier gerade hilft es nichts, sich aus vorgefassten Gründen gegen die Anerkennung der Herrlichkeit Davids und der Höhe seiner Zeit sträuben zu wollen: sie muss aufrecht erhalten werden, solange es eine geschichtliche Wissenschaft gibt.“ (3)

Anmerkungen:

(1) Ep. 87. ad Oger. n. 12.
(2) Die Belege, die wir hier nicht wiederholen wollen, s. Kath 1890, I 497ff.
(3) So Dillmann in Schenkels Bibellexikon I (1869) 593. Auch Reuß (Das AT I 108 und 112) erkennt in der Hauptsache die Treue der Quellen über das Leben Davids an (freilich mit Ausnahme seines religiösen Charakters) und lässt insbesondere den größeren Teil des zweiten Königbuches „als eine zusammenhängende Darstellung gelten, und zwar als eine solche, welche sich auf alte Dokumente stützt und genügende Bürgschaft für historische Treue gibt.“ –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. I, Altes Testament, 1910, S. 727 – S. 728

Verwandte Beiträge

Buch mit Kruzifix
Weissagung Daniels von den 70 Jahrwochen
Buch mit Kruzifix
Verheißung Gottes an David
Menü