Das Sakrament der Krankenölung

Das Sakrament der Krankenölung oder Krankensalbung

1. Für gefährlich Kranke hat Jesus Christus durch ein eigenes Sakrament gesorgt, durch die Krankenölung. Der heilige Apostel Jakobus schreibt nämlich: (200) „Ist jemand unter euch krank, so rufe er die Priester der Kirche, und sie sollen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken zum Heil sein, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden auf sich hat, werden sie ihm nachgelassen werden.“ (Jak. 5, 14. 15) Der Apostel hätte nicht versprechen können, daß durch dieses Gebet und durch diese Salbung dem Kranken die Sünden werden nachgelassen werden, wenn es nicht Jesus selbst so angeordnet hätte. Die Krankenölung ist also von Jesus Christus eingesetzt, sie ist ein Sakrament. Das ist auch kirchliche Überlieferung von den Aposteln her; die katholische Kirche hat immer so geglaubt und gelehrt.

Der heilige Karl Borromäus erteilt Pestkranken die heilige Ölung

2. Das äußere Zeichen bei der Krankenölung ist die Salbung des Kranken mit dem heiligen Krankenöl und das Bittgebet des Priesters.

Die Wirkungen der Krankenölung sind folgende:

Die Hauptwirkung ist die Nachlassung der Sünden. In der Regel werden in der Krankenölung nur läßliche Sünden nachgelassen. Schwere Sünden müssen schon vor der Krankenölung durch die Beichte oder wenigstens durch vollkommene Reue getilgt werden. (Über die vollkommene Reue siehe: ) Wenn jedoch ein Kranker weder beichten noch vollkommene Reue erwecken kann, so können ihm durch die Krankenölung auch schwere Sünden nachgelassen werden. Reue aber muss der Kranke in jedem Fall haben, mag es auch nur unvollkommene Reue sein und mag er sie auch schon vor einiger Zeit, etwa am vorher gehenden Abend, erweckt haben.
Durch die heilige Ölung wird der Kranke ferner getröstet und beruhigt, so daß er sich vor dem Tode weniger fürchtet; er wird auch gegen die Versuchungen des bösen Feindes gestärkt. „Der Herr wird den Kranken aufrichten“, sagt der Apostel.
Endlich ist die heilige Ölung dem Kranken oft auch leiblich „zum Heil“, das heißt zur Gesundheit, besonders wenn der Kranke das Sakrament mit großem vertrauen empfängt, und wenn er es frühzeitig empfängt, nicht erst in der äußersten Todesgefahr.

3. Die Krankenölung ist von Jesus Christus für alle eingesetzt, die schwer und gefährlich krank sind, nicht etwa nur für Sterbende. Man soll die Krankenölung womöglich noch bei vollem Bewusstsein empfangen. Hat der Kranke das Bewusstsein schon verloren, so soll man zwar nicht versäumen, den Priester zu rufen, denn möglicher Weise ist die heilige Ölung für den Kranken die Rettung vor der ewigen Verdammnis. Ost aber kann dem bewusstlosen Kranken die heilige Ölung nicht mehr helfen, weil der Kranke in schwerer Sünde ist, die er weder vorher bereut hat, noch jetzt oder nachher bereuen kann. Erwacht hingegen der Kranke nach der heiligen Ölung aus seiner Bewusstlosigkeit, so soll er seine Sünden nachträglich bereuen und womöglich auch beichten.

Auch Kinder, die bereits den Gebrauch der Vernunft erlangt haben, also Kinder, die schon die schule besuchen oder das siebente Lebensjahr vollendet haben, können und sollen, wenn sie gefährlich erkranken, die heilige Ölung empfangen.

Ist die Todesgefahr geschwunden und tritt sie später von neuem ein, so kann und soll man die Krankenölung abermals empfangen, besonders, wenn seit dem ersten Empfang schon längere Zeit, etwa ein Vierteil- oder ein halbes Jahr, verstrichen ist.

Bitten wir den Heiland, er möge auch uns einst durch die heilige Ölung zu Hilfe kommen. Wenn wir gefährlich erkrankt sind, verlangen wir alsbald, daß uns dieses Sakrament gespendet werde. –
aus: Johann Ev. Pichler, Der Weg zum Leben, Katholisches Religionsbuch, 1919, S. 370 – S. 373

Verwandte Beiträge

Die gottselige Stephana Klosterfrau
Der selige Angelus von Jojosa
Menü