Das Pontifikat von Gregor XIII. (1572-1585)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Kreuz und der Halbmond

Papst Gregor XIII. (regierte von 1572 bis 1585)

Er hat fast dreizehn Jahre regiert und unendlich viel Gutes gestiftet. Anstatt ihn deswegen zu loben, ist vielmehr gerade dieser Papst ein viel geschmähter und viel gehaßter Mann geworden.

Nach dem Tode des heiligen Pius V. wählten die Kardinäle nach sehr kurzer Beratung am 13. Mai des Jahres 1572 einstimmig den Kardinalpriester Hugo zu dessen Nachfolger auf dem Stuhl Petri. Kardinal Hugo übernahm die Leitung der Kirche unter dem Namen Gregor aus Liebe und Verehrung für den heiligen Gregor von Nazianz.

In Bologna am 7. Januar des Jahres 1502 geboren, hatte Gregor von seinen Eltern eine sehr sorgfältige Erziehung erhalten. Er studierte mit solcher Auszeichnung, daß er schon mit achtzehn Jahren Doktor der Rechte wurde. An der Universität von Bologna trat er als Professor auf und lehrte fünf Jahre unter großem Beifall. Im Jahre 1539 erhielt er in Rom eine Anstellung und stieg zu immer höheren Ämtern empor. Papst Paul IV. verlieh ihm die bischöfliche Würde. Als Bischof von Viesti bewies Gregor solchen Eifer, daß ihn Papst Pius IV. im Jahre 1564 zum Kardinal erhob. In dem Augenblick, da er den Heiligen Stuhl bestieg, stand er in seinem einundsiebzigsten Lebensjahr. Dieses hohe Alter aber hinderte ihn nicht, eine außerordentliche Tätigkeit und Arbeitsamkeit zu entfalten. Er war sehr prachtliebend aber nur zur Erhöhung des Glanzes der Kirche und zum Schmuck der Gotteshäuser. Sein Hauptbestreben war, strengen kirchlichen Unterricht und katholische Wissenschaft zu fördern und die kirchlichen Ämter mit tüchtigen Männern aller Länder zu besetzen. Er studierte noch in seinem hohen Alter rastlos wie ein Jüngling, indem er sagte, ein Papst müsse vor allem ein Mann der Wissenschaft sein. Die Protestanten suchten indessen ihre Irrlehren immer weiter zu verbreiten. Gregor schrieb mehrere Briefe an den König von Frankreich, worin er ihn ermunterte, den heiligen Glauben zu schützen. Die Türken waren unter dem Papst Pius V. nicht gänzlich vernichtet worden. Das beklagte der neue Papst und schickte Abgesandte an alle Fürstenhöfe Europas, um sie für einen neuen Kreuzzug gegen die Türken zu gewinnen.

In Japan hatte der heilige Franz Xaver den katholischen Glauben gepredigt und glänzende Erfolge errungen. Viele angesehene und hoch gestellte Einwohner dieses Landes nahmen den heiligen Glauben an und ließen sich taufen. Im Jahr 1582 gab es dort bereits zwei Millionen Katholiken, zweihundertfünfzig Kirchen und viele christliche Schulen und Seminarien. Während der Regierung des Papstes Gregor kam aus jenem fernen Land eine Gesandtschaft nach Rom, um dem heiligen Vater ihre Ergebenheit auszusprechen. Der Papst bereitete den Gesandten einen äußerst glänzenden Empfang. Auch König Johann III. von Schweden sandte Boten nach Rom, um bei Papst Gregor die Wiedervereinigung seines Volkes mit der katholischen Kirche zu erstreben. Der heilige Vater bestätigte im Jahre 1574 den Verein Oratorianer und im Jahr 1580 die Kongregation der unbeschuhten Karmeliter.

In dieser Weise wirkte der Papst für die Reinerhaltung, Erhöhung und Ausbreitung des heiligen Glaubens. Gegen die Türken und Protestanten stritt er mit der Begeisterung eines gotterleuchteten Mannes. Den Katholiken wendete er eine väterliche Liebe zu, um sie im heiligen Glauben zu stärken.

So warm wie für den heiligen Glauben schlug auch das Herz des Papstes für die Wissenschaft. Nur durch Wissenschaft hervorragende Männer ernannte er zu Bischöfen. Deswegen führte er stets eine genaue Liste der gelehrtesten Männer in den verschiedenen Weltteilen, die der Auszeichnung des bischöflichen Amtes würdig waren. Um aber talentvollen Jünglingen Gelegenheit zu geben, sich gründlich auszubilden, gründete der heilige Vater in Rom gelehrte Schulen für Engländer, Irländer, Ungarn, Griechen, Maroniten und Armenier. Die deutschen Gelehrtenschule in Rom beschenkte er so reich, daß er als zweiter Begründer der Anstalt gilt. Aus dieser Anstalt sind hervor gegangen: ein Papst (Gregor XV.), 24 Kardinäle, 21 Erzbischöfe, 121 Bischöfe, 106 Weihbischöfe, 46 Äbte und Ordensgenerale und 11 Märtyrer. Auch auswärtige Anstalten unterstützte Papst Gregor, so die in Wien, Prag, Graz, Olmütz und sogar in Japan. Den höchsten Ruhm erwarb sich aber der heilige Vater durch Verbesserung des Kalenders. Kurz vor Christi Geburt hatte Julius Cäsar die Länge eines Jahres auf 365 Tage und sechs Stunden berechnet. Diese Berechnung war aber nicht ganz genau. Infolge davon war man bis zur Zeit des gegenwärtigen Papstes hinter dem Lauf der Sonne bereits um zehn Tage zurück geblieben.

Es bleibt nun ewig denkwürdig, daß weder die Protestanten, welche sich so viel auf ihren Fortschritt einbilden, noch die Fürsten Europas den Fehler in der Berechnung des Jahres zu verbessern unternommen haben, sondern diese Aufgabe zu lösen dem 80jährigen Greis in Rom überließen. Gregor berief in seinen Palast die gelehrtesten Männer aller Weltteile, ließ die Länge des Jahres auf das genaueste berechnen und verbesserte am 24. Februar des Jahres 1582 den Kalender in der Weise, daß er vom 4. Oktober sogleich auf den 15. Oktober hinüber zu rechnen befahl. Seine Arbeit war so gelungen und so vollendet, daß man seither nichts mehr zu verändern brauchte. Die Protestanten weigerten sich anfänglich, diese richtige Zeitrechnung anzunehmen, weil sie von Rom kam. Die Russen aber haben bis auf heute die falsche Zeitberechnung beibehalten. Im Vatikan baute Papst Gregor einen Turm, der genau die Himmelsgegenden anzeigt, und legte Galerien mit geographischen Karten an. Die vorzüglichsten Mitarbeiter in diesen Werken des wahren Fortschrittes waren zwei Ordensmänner, ein Dominikaner und ein Jesuit.

Der Priestergreis auf dem Stuhl des heiligen Petrus vergaß aber bei seinen vielen Geschäften nicht, daß er auch weltlicher Fürst war. Seinen Römern verschaffte er Arbeit, indem er die Stadt und den Kirchenstaat durch neue Bauten verschönerte. Unter den Bauten in Rom heben wir hervor die berühmte Kapelle zu Ehren des heiligen Gregor von Nazianz in die man die Reliquien jene heiligen Kirchenvaters übertrug. Ferner wurden die Bäder des römischen Kaisers Diokletian, die in Ruinen lagen, umgebaut und als Wohnungen für Ordensleute eingerichtet. Das war ein herrlicher Gedanke des Papstes; denn diese heidnischen Bäder dienten dem lasterhaften römischen Volk als Stätte der Sinnlichkeit. Seit Gregor XIII. aber erschallen dort religiöse Gesänge und Gebete zur Ehre Gottes. Die Verdienste des heiligen Vaters um Rom und die Kirche waren so hervorragend, daß die Römer aus Dankbarkeit noch bei seinen Lebzeiten dem Papst ein Denkmal errichteten.

Wir dürfen von diesem vortrefflichen Papst nicht scheiden, ohne auch auf sein Privatleben noch einen Blick zu werfen. Der hoch betagte Papst Gregor suchte seinen Vorgänger in allen Werken der Abtötung noch zu übertreffen. Er fastete oft und hielt seinen Leib streng ohne Erbarmen und das noch in seinem dreiundachtzigsten Lebensjahr. Streng gegen sich, war Gregor wohltätig gegen jedermann. Als Hungersnot, Pest und andere Übel wüteten, schenkte er 52000 Dukaten für die Armen. Nur gegen seine eigenen verwandten war dieser Papst sparsam. So lebte und regierte der heilige Vater nahezu dreizehn Jahre. Am 10. April des Jahres 1585 starb er sanft und ruhig in einem Alter 83 Jahren. Seine letzten Worte waren: „Erhebe sich, o Herr, und wache über Sion!“ Kurz vor seinem Tod ward ihm noch die Freude zu teil, drei japanische Fürsten zu empfangen, welche ihm den Dank für die durch die Jesuiten erlangten katholischen Glaubens-Wahrheiten aussprachen. Man möchte glauben, daß dieser würdige Papst von niemand getadelt würde. Er tat, was er menschlicher Weise tun konnte in einer Zeit der Unordnung, der blutigen Kämpfe, der allseitigen Auflehnung gegen die von Gott gesetzte Ordnung. Dennoch blieb auch für Papst Gregor der Tadel nicht aus. Wir wollen aus den vielen Vorwürfen, die gegen ihn in den Büchern vorgebracht werden, nur einen hier aufführen. Man sagt von ihm, er sei ein blutdürstiger Papst gewesen, weil er sich freute, als im Jahr 1572 in Frankreich viele Protestanten ermordet wurden.

Es war nämlich den Protestanten gelungen, ihre Irrlehre auch in Frankreich zu verbreiten. Sie nahmen dort den Namen „Hugenotten“ an und bildeten sehr bald eine große Partei, die das Land in Verwirrung brachte. Bald brach ein Bürgerkrieg aus; am 24. August des Jahres 1572, also am Fest des heiligen Apostels Bartholomäus, wurden viele Hugenotten ermordet. Bis dahin war der Papst vollständig an den Ereignissen unbeteiligt. Die Nachricht von dem angerichteten Blutbad kam nun auch nach Rom. Man meldete dem heiligen Vater, das Leben des französischen Königs wäre bedroht gewesen und nun gerettet. In seiner Freude über die Rettung des Königs hielt nun der Papst einen feierlichen Gottesdienst. Nicht über die Ermordung der Protestanten, sondern nur über die Rettung des Königs hat sich also Gregor gefreut. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 635 – S. 640

Category: Papsttum, Stangl
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