Wie der Papst einen vom Teufel rettete

Humoristische und besinnliche Erzählungen

Wie der Papst einen vom Teufelholen rettete

Papst Gregor XIII. sitzt auf seinem Thron in päpstlichem Ornat und scheint die Gelehrten zu belehren, was die Kalenderverbesserung betrifft

Papst Gregor XIII. war auch ein Kalendermacher, vielleicht der größte, den es je gegeben hat. Der hatte eben seinen berühmten neuen Kalender für das Jahr 1582 fertig gestellt und wandelte in seinem Garten dahin. Da hörte er lautes, verzweifeltes Klagen von draußen her. Er näherte sich und fand einen ziemlich jungen Menschen, der schrie und jammerte, er sei mit Leib und Seele verloren.
„Und warm denn?“ fragte der Papst milde, „kein Mensch darf sich für verloren halten, solange er lebt, denn so lange kann er sich auch bekehren.“
„Aber ich habe mich dem Satan verschrieben“, rief der Unselige, „und hab` es mit meinem eigenen Blut gezeichnet, daß er mich am 9. Oktober 1582 holen darf, und das ist nicht mehr so lange.“
„Das wäre eine schreckliche Sünde“, sprach der Papst, „aber wenn du rechte Reue hast, so magst du gerettet werden.“
„Das kann allein der Papst – und ich bin lutherisch“, schrie der andere und raufte sich die Haare.
„Der Papst verdammt keinen, und wenn er einem Lutherischen helfen kann, so tut er`s gern. Das hat sich schon oft gezeigt.“
„Das habt Ihr gut sagen!“ erwiderte der andere.
„Ich bin selbst der Papst“, war die Antwort.
„O, rettet mich, Heiligster Vater, Ihr könnt es allein!“ schrie der Unglückliche.
„Ob du endgültig dem Bösen entgehst, das kommt auf dich an“, sprach der Papst, „für die nächste Zeit aber kann ich dich jedenfalls retten; aber dazu musst du katholisch werden.“
„Und warum das?“
„Weil ich meine Pappenheimer kenne“, sprach der Heilige Vater und lächelte. –
Item der Mensch, der sich dem Teufel verschrieben hatte, ward katholisch. Und es kam der gefürchtete Monat und der gefürchtete Tag, da klopfte der Teufel an, um den Burschen zu holen.
„Scher dich zu deinesgleichen!“ rief der Bekehrte zum Fenster hinaus, „was hab` ich mit dir zu schaffen!“
Der Teufel aber zeigte ihm den Vertrag, worauf geschrieben war, daß er ihn am 9. Oktober holen dürfe.
„Heute ist aber nicht der 9., sondern der 19.“, war die Antwort.
„Mach keine Flausen“, erwiderte Satan, „ich kann wohl zählen.“
„Beweis mir`s zuerst, daß heute der 9. Oktober ist!“
Der Teufel nahm den nächsten besten Kalender und schlug ihn auf und suchte und suchte, fand aber nichts: nach dem 4. Oktober kam gleich der 15.
„Schändlicher Betrug!“ schrie der Teufel wütend, „du hast einen gefälschten Kalender!“
„Nichts Betrug und nichts Fälschung“, war die Antwort, „sondern Fortschritt und Aufklärung für die ganze vernünftige Welt, ausgegangen vom Papst.“
So war es in der Tat. Denn bekanntlich hatte der alte Julianische Kalender, welchen man bis anno 1582 benutzte, das Jahr um 11 Minuten zu wenig gerechnet, so daß das in 100 Jahren etwa 4/4 Tag und in 1500 Jahren 10 Tage ausmachte, um welche der Kalender hinter der wirklichen Zeit zurück geblieben war. Papst Gregor XIII. aber hatte das erkannt und richtig gestellt, so daß nach seiner Änderung die ganze fortgeschrittene und aufgeklärte Welt das richtige Datum annahm und vom 4. Oktober ab gleich auf den 15. übersprang, wodurch sie wieder auf dem laufenden war. So fielen in diesem Jahr der 5. bis 14. Oktober aus; also gab es auch keinen 9. Oktober 1582, und so war der Teufel mit seinem Vertrag geprellt.
Wütend fuhr er von dannen; aber richtig kehrte er wenige Stunden nachher zurück und hielt seinem Klienten einen Kalender unter die Nase; da stand der 9. drinnen. Der Teufel war nach Deutschland gefahren; dort hatten die Bureaukraten die Verbesserung des Kalenders nicht angenommen aus Zorn, daß sie vom Papst kam, und waren beim alten Datum geblieben.
„Hier!“ schrie der Teufel, „es leben die gelehrten Professoren von Tübingen (*), die lassen sich vom Papst nichts weismachen. Ihr Kalender ist der meine.“
„Aber nicht der meine“, sprach der andere ruhig, „denn ich bin katholisch geworden, und du weißt ganz wohl, daß heute für mich nicht der 9., sondern der 19. Oktober ist, also zeuch ab und laß mich im Frieden!“
Der Teufel spie Gift und Galle und schimpfte höllisch über den Papst; es half nichts, er musste verduften.
Der Papst aber sagte zu dem also glücklich Geretteten: „Begreifst du jetzt, warum ich sagte: Ich kenne meine Pappenheimer? Damit habe ich gewisse Leute gemeint. Kannst warten, bis die uns gegenüber Raison annehmen.“
Der Papst hatte recht. Erst 118 Jahre später, nämlich Anno 1700, nahm das nicht-katholische Deutschland die Kalender-Verbesserung Gregors XIII. an. Und heute noch soll es Leute geben, welche Wahrheit und Nutzen von sich weisen, wenn sie hören, daß sie vom Papst kommen.

(*) Die sämtlichen (protestantischen) Tübinger Professoren erklärten in einem Gutachten an den Herzog von Württemberg am 23. November 1583, daß man die päpstliche Kalender-Verbesserung um keinen Preis annehmen dürfte; denn der Papst sei ein „gräulicher Werwolf, Antichrist und Feind Christi“.-
aus: Konrad Kümmel, Auf der Sonnenseite, Humoristische Erzählungen, Bd. I, 1920, S. 135 – S. 138

Category: Erzählungen

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