Das Heidentum hat alle Wahrheit verderbt

Das Heidentum hat alle Wahrheit verderbt
durch Trennung und Zersplitterung

Jesus Christus der Urheber und Wiederhersteller aller Wahrheiten

Man kann nicht genug Gewicht auf diese geschichtliche Grundwahrheit legen. Durch Teilung und Zersplitterung der Wahrheit hat der Götzendienst den Irrtum über die Welt verbreitet; er hat Alles verderbt, indem er Alles trennte, was Gott verbunden hatte. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit des Herrn durch die sichtbare Offenbarung des unsichtbaren Vollkommenheiten ihres Schöpfers: der Götzendienst trennt das Bild von seinem Gegenstand und seinem Prinzip und überträgt den dem Schöpfer schuldigen Dienst und Verehrung auf das Werk.: das ist de erste und älteste Götzendienst, der Sabbaismus. Es hatte Gott gefallen, den Stammvätern der Völker, ihren Hohenpriester, ihren Gesetzgeber, den Heiligen, die er ihnen gesendet, Züge der Ähnlichkeit mit ihrem göttlichen Urbild zu verleihen; auch hier hat der Götzendienst diese lebendigen Bilder von ihrem großen Gegenstand getrennt, und was von letzterem gesagt war, auf sie übertragen. Daher die zahllosen Fabeln, welche die Idee des Ersehnten aller Nationen und der Menschwerdung des Wortes bei den verschiedenen Völkern in der mannigfaltigsten Weise entstellt haben. Ein jedes dieser Völker, die durch Stolz und Nationaleifersucht von einander feindlich getrennt waren, wandte fortan ausschließlich auf sich an, was der ganzen Menschheit zugehörte, und zerteilte so Christus in sich selbst, nachdem es die Vorbilder von ihrem einzigen und göttlichen Urbild getrennt hatte. Die Schatten für die Wirklichkeit nehmend, verlangte der Götzendienst von den vorbildlichen Opfern das, was allein dem wahren und großen Opfer zukam, und da das Vertrauen, welches ihm die Opfer einflößten, nach dem Wert der Opfergabe sich richtete, so sank er herab bis zum Gräuel der Menschenopfer. Der menschliche Stolz, der sofort durch die Empörung der Leidenschaften, durch die Unwissenheit, durch die Verwirrung der Begriffe und der Sprachen, durch die Teilung der Zungen und Völker gestraft wurde, war somit die Ursache, daß man die Einheit der Wahrheit und die Einheit der Menschheit aus den Augen verlor.

Jesus Christus ist der Offenbarer und Wiederhersteller von Beidem. Indem das Wort Fleisch wurde, hat es das ursprüngliche Wort der Wahrheit auf`s Neue verkündet und zugleich erfüllt, und indem Christus in uns die Erinnerung an die Einheit der großen Menschenfamilie wieder herstellte, hat er uns zugleich die Einheit des Opfers, von welchem alle anderen Opfer nur Vorbilder waren und welches in seiner Person vollbracht ist, offenbart.

Jesus Christus hat uns durch die Einheit der Wahrheit noch in zwei anderen Sphären wieder finden lassen, in welchen der Götzendienst seine Verehrung der Trennung und Zersplitterung zugewendet hatte. Wir reden von den Engeln und von dem göttlichen Wesen selbst. Bevor Gott den Menschen schuf, hatte er die Engel erschaffen: unsere älteren Brüder wie im Kampfe, so im Lohne und der Strafe. Sie sind jene erschaffenen Götter, von denen die Schrift redet: Quis similis erit Deo in filiis Dei? (Ps. 88, 7: Wer ist unter den Gottessöhnen Gott gleich?) Non est similis tui in Diis, Domine. (Ps. 85, 8: Keiner ist Dir gleich unter den Göttern, Herr!) Von der Vorsehung zur Leitung der Welten und Menschen gesetzt, haben die Engel keinen anderen Beruf, als Alles mit Gott zu verbinden. Allein diejenigen unter ihnen, die sich empörten und der Gnade verlustig gingen, wurden die großen Widersacher und Versucher der Menschen, und Gott ließ es also zu, um uns durch Kampf zu erproben und uns die Herrlichkeit, welche jene verloren, verdienen zu lassen. Diese gefallenen Engel sind die wahren Urväter des Götzendienstes: anstatt Alles mit Gott zu verbinden, geht ihr einziges Streben dahin, Alles von Gott zu trennen. So wurden Satan und seine Engel die Götter der durch ihre Schuld dem Glauben untreu gewordenen Völker: Omnes Dii gentium daemonia. (Ps. 95, 5: Alle Götter der Völker sind Teufel.) Die bösen Geister anrufen, sie durch unmenschliche Opfer zu versöhnen und sich durch die Magie geneigt zu machen suchen, das ist der tiefste Grund des Heidentums, dieses großen Kultus der Furcht und der Begierlichkeit, die durch das Kreuz besiegt wurde. Das fleischgewordene Wort, indem es zugleich der Erlöser und das Vorbild des Menschen sein wollte, hat uns gelehrt, den Vater der Lüge und seine Engel zu besiegen und mit den guten Engeln in der Anbetung des allein wahren Gottes vereint zu bleiben: Vade, Satana: scriptum est enim: Dominum Deum tuum adorabis et illi soli servies. (Matth. 4, 10: Weiche von mir Satan, denn es ist geschrieben, du sollst den Herrn deinen Gott anbeten und ihm allein dienen.)

Endlich hat der Götzendienst selbst in die unerschaffene und unendliche Wesenheit Gottes die Trennung und Teilung hinein getragen. Aber desgleichen hat Jesus Christus auch hier uns zugleich die ewige Einheit und die ewige Fruchtbarkeit kennen gelehrt. Die Dreieinigkeit, welche von Anbeginn an dem Menschen, ihrem lebendigen Ebenbild, offenbart war, findet sich wieder in den Überlieferungen aller Völker. Ja in einer gewissen Weise erscheint sie in ihnen deutlicher, als in der Genesis, in welcher Moses, geleitet vom heiligen Geist und den Hang der Welt und seines eigenen Volkes zur Vielgötterei wohl kennend, sich nur dunkel über jene unendlich vollkommene Gemeinschaft der göttlichen Personen in der Einheit derselben Wesenheit ausgedrückt hat. Jedoch deutet er unzweideutig die Trinität an, wenn er, nachdem er gemeldet, wie alle Dinge auf das Gebot des Allmächtigen aus dem Chaos hervor gingen, das geheimnisvolle Wort ausspricht: „Lasset uns den Menschen machen nach unserem Bilde und unserer Ähnlichkeit.“

Ohne Zweifel war die Offenbarung, die dem ersten Menschen im Stande der ursprünglichen Gerechtigkeit zu Teil werde, viel expliziter; um uns davon zu überzeugen, genügt eine Vergleichung der alten Überlieferungen: denn die Überreste der ursprünglichen Wahrheit in diesen so sehr entstellten Überlieferungen sind zu unverkennbar, als daß man an ihrem Ursprung zweifeln könnte.

aus: Victor Dechamps, aus der Gesellschaft des allerheiligsten Erlösers: Christus und die Antichristen nach dem Zeugnisse der Schrift, der Geschichte und des Gewissens, 1859, S. 187-190

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