Jene welche das Fegefeuer nicht achten

Wie töricht sind Jene, welche das Fegefeuer nicht achten

1. Im Fegefeuer werden nicht allein jene bestraft, welche schwere Sünden begangen, und die Verzeihung derselben, was die Schuld und ewige Strafe betrifft, schon erlangt haben, sondern auch jene, welche nur mit einer läßlichen gestorben sind. Die Seelen im Fegefeuer werden auf eine bestimmte Zeit mit Ausschließung von der himmlischen Seligkeit, weil nichts Unreines in dieselbe eingehen kann, mit den entsetzlichsten Peinen und Qualen gestraft. Nun erwäge, wie groß die Bosheit einer läßlichen Sünde sein müsse, weil der gerechte Gott solche so strenge bestraft, und zwar an seinen Freunden; denn alle, welche im Fegefeuer leiden, sind, weil sie in der heiligmachenden Gnade gestorben, wahre Freunde Gottes und werden und mit Christus ewig im Himmel regieren. Gott läßt sie dennoch nicht zur Anschauung seines heiligen Angesichtes, ehe sie seiner Gerechtigkeit Genugtuung geleistet haben. Wie blind und töricht sind jene, welche sich so wenig aus einer läßlichen Sünde machen, solche nur für gering ansehen oder gar nicht beachten. Gott, der unendlich gerecht ist, könnte wahrhaft die Menschen wegen der läßlichen Sünden nicht so strenge bestrafen, wenn ihre Bosheit nicht so groß wäre. „Wir lesen in dem Gesetz“, sagt der heilige Salcian, „daß diejenigen, welche wider das Gebot des Herrn auch nur etwas geringes begangen haben, dennoch auf das schärfste sind gestraft worden; damit wir verständen, daß nichts für gering zu achten sei, wenn es Gott angeht; weil dasjenige, was beim Vergehen gering zu sein scheint, dennoch groß gemacht würde durch die Gott dadurch zugefügte Unbild.“ Mißachte demnach keine läßliche Sünde; wende mehr Sorge und Fleiß an, selbe zu meiden. „Ein jeder Mensch“, schreibt der evangelische Lehrer, der hl. Thomas von Aquin, „soll lieber sterben und alle Peinen erdulden, als eine Sünde begehen, nicht nur, wenn es eine Todsünde, sondern, wenn es auch nur eine läßliche Sünde ist.“

2. Wende zugleich mehr Sorge an wegen der Sünden, die du schon begangen hast, um in Bezug auf die zeitlichen Strafen auf dieser Welt der Gerechtigkeit Gottes durch Reue und Bußwerke Genugtuung zu leisten, damit du einst nicht so lange im Fegefeuer leiden müssest. Es gibt Menschen, die das Fegefeuer wenig fürchten und sich daher um die Genugtuung für ihre Sünden wenig bekümmern. Es heißt: wenn ich nur nicht verdammt werde, so ist es schon genug. Andere verlassen sich auf ihre Bekannten und Anverwandten und denken, sie würden durch ihr Gebet oder durch heilige Messen, welche sie in ihrem Testament verordnen, und durch das Gebet der Mitglieder einer Bruderschaft gar bald aus dem Fegefeuer erlöst werden. Jene, welche das Fegefeuer nicht achten, sollen bedenken, was von von der Größe ihrer Peinen oben gesagt worden ist; und die, welche sich auf ihre Freunde verlassen, daß sie nur dann von ihnen Hilfe erhalten, wenn sie ohne schwere Sünden leben. Sie sollen auch bedenken, was der gottselige Thomas von Kempis geschrieben hat: „Setze nicht zu viel Vertrauen auf deine Freunde und Bekannten und verschiebe dein Heil nicht auf das Zukünftige; denn die Menschen werden deiner geschwinder vergessen, als du dir einbildest. Es ist besser, daß du dich beizeiten vorsiehst und etwas Gutes voraus schickst, als daß du auf die Hilfe der anderen nach deinem Tode hoffest. Bist du jetzt nicht sorgsam für dich selbst, wer wird künftig hin für dich sorgfältig sein?“ Dasselbe will der heilige Gregor sagen, da er schreibt: „Es ist sicherer, daß daß ein Mensch selbst in seinem Leben das tue, was er wünscht, daß nach seinem Tode von anderen für ihn getan werde.“ –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 879 – S. 880

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