Das Achte Jahrhundert für die Päpste

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Unabhängigkeit der Päpste durch Gründung des Kirchenstaates

Dieses Jahrhundert ist reich an weltgeschichtlichen Begebenheiten, die zur Erhöhung des Papsttums mächtig beitrugen und dessen wundervolle Führung jedem Denkenden vor Augen stellen. Die Päpste dieses Zeitraumes standen durchwegs auf der Höhe ihrer Aufgabe und lenkten mit Geschick und Glück das Schifflein Petri durch die brandenden Wogen. Vorerst hatten sie den wiederholten Ansturm alter wie neu entstandener Irrlehren mit Entschiedenheit zurück zu weisen, Irrlehren, welche durch dir oströmischen Kaiser nicht bloß begünstigt, sondern selbst mit roher Gewalt dem Klerus und Volk aufgezwungen wurden. Während vor den ebenso lasterhaften wie tyrannischen Machthabern die Bischöfe des Morgenlandes sich vielfach beugten und die Wahrheit verrieten, standen die Päpste unentwegt in Vertretung und Verteidigung des wahren Glaubens. Aber wie im Orient mit der Wahrheit auch die Bildung und Gesittung immer mehr in Verfall gerieten, fanden diese Himmelstöchter gerade durch die Sorgfalt der Päpste im Abendland friedliche Asyle. Wir sehen ferner, wie durch die Bemühung und Ermunterung und den Segen der Päpste das Christentum in den Ländern des Abendlandes immer weiter sich ausbreitete, während es im Orient durch das Vordrängen der Sarazenen immer mehr an Boden verliert. Gerade in diesem Jahrhundert gehen alle Volksstämme Deutschlands in die Kirche ein und schließen sich mit inniger Liebe an Rom an. Dadurch war es möglich, die Macht der Sarazenen zu brechen und sie vor weiterem Vordringen im Westen zurückzuhalten.

Ein weiteres folgenreiches Ereignis ist die Gründung des Kirchenstaates. Aber wozu eine weltliche Macht für den Papst? – hört man fragen. Die Antwort ist einfach: Weil sie ein Bedürfnis ist, damit der Papst seiner erhabenen Aufgabe ungehindert gerecht werden kann. Die Aufgabe des Papstes ist, die Kirche Gottes, die alle Völker zu umfassen bestimmt ist, zu regieren und so die Menschen zu heiligen. Zu dem Ende soll der Papst ein würdiger, ein unabhängiger, ein einflußreicher Mann sein. Ein würdiger Mann wird am ehesten Papst werden, wenn die Papstwahl frei ist. Die Geschichte zeigt, daß, wenn die Christenheit einen wenig würdigen Papst oder gar einen unwürdigen Oberhirten zu beklagen hatte, derselbe fast jedesmal auf den päpstlichen Stuhl gelangte, weil die die Wahlfreiheit beeinträchtigt war. Die Wahlfreiheit ist aber gewiß dann am ehesten garantiert, wenn die Wahl in einem freien, unabhängigen Land stattfinden kann. Der Papst hat ferner die Aufgabe, der ganzen Welt die unveräußerlichen Rechte Gottes, der Wahrheit und Gerechtigkeit zu verkünden. Am wirksamsten vermag er dies zu leisten, wenn er frei und unabhängig ist; also wenn er ein selbständiger Fürst ist und keinem weltlichen Machthaber untersteht. Der Papst bedarf seines Einflusses auf alle Fürsten und Völker. Die sicherste Bürgschaft für diesen Einfluß besitzt er, wenn er als unabhängiger Fürst dasteht, denn da bleibt er am ehesten über den Verdacht der Parteilichkeit erhaben, als ob er dem einen Volke zu lieb, dem andern zu leid entscheide. Der protestantische König Friedrich II. (gest. 1786) von Preußen sah die Notwendigkeit der weltlichen Unabhängigkeit des Papstes zur Wahrung der Einheit sehr gut ein. Er schrieb an Voltaire: „Da keiner der europäischen Fürsten einen Statthalter Christi anerkennen wird, welcher einem anderen Souverän unterworfen ist, so wird sich jeder einen eigenen Patriarchen halten. Und so wird man sich nach und nach von der kirchlichen Einheit immer mehr entfernen und es wird dahin kommen, daß in jedem Reich, wie eine eigene Sprache, so auch eine eigene Religion besteht.“ (Korresp. II,97) So hat die göttliche Vorsehung Pippin (768) benützt, um dem Papst zum Wohl der Kirche und zum Heil der Völker eine unabhängige Stellung zu sichern.

Endlich fand das Jahrhundert seinen Abschluss mit der Krönung des fränkischen Königs Karl des Großen zum römisch-deutschen Kaiser, einer Begebenheit von der weit tragendsten Bedeutung für das Papsttum sowohl, als auch für das deutsche Volk. –
aus: P. Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste I. Band., 1907, S. 219 – S. 220

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