Unterricht von den Trauermetten

Goffine: Unterricht von den Trauermetten

die am Mittwoch, Donnerstag und Freitag abends gehalten werden.Wie im alten Gesetz der Tod des frommen Königs Josias, der ein Vorbild Christi gewesen ist, alljährlich mit Klageliedern beweint wurde, weil er für sein Volk in der Schlacht geblieben war (2. Par. 35, 24 u. 25), also beweint jetzt noch unsere Mutter, die katholische Kirche, alle Jahre den unschuldigen Tod unseres Herrn Jesu, weil er, uns zu erlösen, sich gutwillig in den Tod dahin gegeben hat; sie ruft ihre Kinder zusammen, daß sie denselben mit Klageliedern beweinen mögen (Zach. 12, 10ff).

Von heute (Mittwoch) Abend an bis Samstag wird der für die Nacht bestimmte Teil der Tagzeiten schon am Vorabend feierlich in der Kirche gesungen, wobei besonders die Klagelieder des Propheten Jeremias den aufs höchste gestiegenen Schmerz der Kirche und ihren Ruf zur Buße auf die eindringlichste Weise kund geben. Mit Recht wird darum diese Andacht „Trauermette“ genannt. Weil sie bei eintretender Finsternis abgehalten wird, heißt man sie auch „finstere Mette“. Sie hat ihren Ursprung schon in den ersten christlichen Jahrhunderten. Es werden bei dieser Mette auf einem Leuchter, der die Form eines Triangels hat, fünfzehn Kerzen gebrannt, wovon die an der Spitze weiß, die andern aber gelb sind. Während der Mette und Laudes wird nach jedem Psalm eine Kerze ausgelöscht, zuletzt auch die, welche auf dem Altar brennen; nur die weiße, auf der Spitze des Triangels stehende Kerze wird nicht ausgelöscht, sondern zuletzt hinter dem Altar verborgen. Am Schluss wird mit hölzernen Klappern ein Geräusch gemacht und die brennende Kerze wieder hervor gebracht und auf dem Altar gezeigt.

Warum wird diese Mette abends gehalten?

Zur Erinnerung 1) an den Abend, an welchem Christus gewalttätiger Weise wie ein Mörder gefangen wurde;

2) an die Finsternis, welche bei der Kreuzigung Christi drei Stunden lang gedauert hat;

3) an die Geistesfinsternis, Verwirrung und Traurigkeit, welche während der Leidenstage in den Herzen der Jünger herrschten;

4) an die Finsternis, welche die Sünde über den Menschen verbreitet, da Jesus um ihretwillen litt;

5) will die Kirche ihre Trauer an den Tag legen und die Christen zur Buße einladen, wozu sich die Dunkelheit des Abends der überdies größere Muße darbietet, vorzüglich eignet.

Was bedeutet das allmähliche Auslöschen der Lichter?

Daß allmähliche Auslöschen derselben bedeutet,

1) wie die Propheten nacheinander, von Christus Zeugnis gaben, von den Juden aber nicht gehört, vielmehr verfolgt und getötet wurden, und wie darum Christus von diesen nicht erkannt wurde, sondern vor ihren verstockten Seelen sich verbarg;

2) wie die Apostel alle, einer nach dem andern, Christus verlassen haben;

3) erinnert es an die Finsternisse, die beim Tode Jesu über die Erde sich verbreitet haben, und zugleich an die Finsternisse in all den Seelen, welche nicht an Christus glauben wollen.

Was bedeutet die weiße Kerze, die verborgen und, nachdem alles beendigt ist, wieder hervor gebracht wird?

Sie bedeutet Christum, dessen Gottheit während des Leidens gleichsam verborgen war, und dessen Leib dem Grab übergeben wurde, der aber nach kurzer Zeit durch eigene Kraft aus diesem hervor ging und dadurch mehr noch, als durch alles bisherige, sich als das Licht der Welt darstellte.

Was bedeutet das Geräusch am Ende der Mette, während das Licht verborgen ist?

Es bedeutet das Erdbeben beim Tode Jesu; ferner das Schelten und Spotten und das Triumphgeschrei der Juden unter dem Kreuz, das durch seine Auferstehung wieder verstummte. Deswegen heißt sie auch Rumpel oder Klappermette.

Wie sollen wir dieser Mette beiwohnen?

1, Indem wir das Leiden und Sterben Jesu betrachten, insbesondere am Mittwoch den Blutschweiß und die Gefangennehmung, am Donnerstag die übrigen Leiden bis zum Tode, am Freitag den Tod und die Grablegung; 2) indem wir Trauer und Reue erwecken über unsere Sünden, derentwegen Christus gehorsam war bis zum Tode am Kreuz, und durch die Er neuerdings gekreuzigt wird. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 231 – S. 232 sowie Katholische Handpostille,1938, S. 130

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