Sabbatschänder und Rotte Cores

Der Sabbatschänder und die Rotte Cores (Nm. 15-17)

In das Lager zurück gekehrt, weinten die Israeliten reumütig vor dem Herrn. Aber vergeblich war ihre Hoffnung, daß auch diesmal wieder der Zorn Gottes sich wenden lasse. Nur das tat ihnen Gott, daß sie nicht sogleich in die Wüste zurück kehren mussten. So blieben sie in Kades lange Zeit. (1) Wahrscheinlich noch hier geschah es, daß ein Israelit außerhalb des Lagers am Sabbat Holz sammelte (2). Man führte ihn vor Moses und Aaron und die ganze Gemeinde. Weil diese nicht wußten, wie eine solche Entheiligung zu bestrafen sei, ließen sie ihn in Gewahrsam bringen. Der Herr sprach aber zu Moses: „Dieser Mensch soll sterben; die ganze Gemeinde soll ihn außerhalb des Lagers steinigen.“

Empörung wider Moses und Aaron durch die Rotte Cores

Einige Zeit nachher empörten sich Core, der Sohn Isaars, des Sohnes Kaaths, des Sohnes Levis, also ein naher Verwandter des Moses und Aaron (3), sowie Dathan und Abiron, die Söhne Eliabs vom Stamme Ruben (4), samt 250 angesehenen Männern, Mitgliedern des Rates, wider Moses und Aaron und sprachen: „Die ganze Gemeinde ist heilig; warum erhebt ihr euch über das Volk des Herrn?“ Als Moses dies hörte, fiel er auf sein Angesicht, um im Gebet die Sache Gott anheim zu stellen. Dann sprach er zu Core und seiner Rotte: „Morgen wird der Herr kundtun, welche ihm zugehören; da stellt euch, ein jeder mit seinem Rauchfass, vor den Herrn“ Wen er erwählt, der soll heilig sein. (5) Ihr erhebt euch viel, ihr Söhne Levis! (6) Ist es euch zu wenig, daß euch der Gott Israels ausgeschieden aus dem ganzen Volk und mit sich verbunden hat, auf daß ihr ihm dient im heiligen Zelt und vor der ganzen Gemeinde dem heiligen Dienst obliegt? Gestattet euch der Herr deswegen, ihm zu nahen, damit ihr euch das Priestertum anmaßt und wider den Herrn aufsteht? Denn was ist Aaron (7), daß ihr wider ihn murrt?“

Sofort berief Moses auch Dathan und Abiron. Die antworteten: „Wir kommen nicht! Ist es dir zu wenig, daß du uns aus einem Land geführt hast, das von Milch und Honig floss (8), um uns in der Wüste zu töten; willst du auch noch über uns herrschen? Wahrlich, du hast uns in ein Land geführt, wo Ströme von Milch und Honig fließen, und uns Acker und Weinberge zum Besitz gegeben! Willst du uns auch unsere Augen ausreißen? (9) Wir kommen nicht !“ Von Unwillen über diese so unverdienten Vorwürfe sprach Moses zum Herrn: „Du weißt, o Herr, daß ich nie auch nur einen Esel von ihnen angenommen, noch irgend jemand von ihnen betrübt habe.“ Darauf wiederholte er dem Core: „Du und dein ganzer Anhang stellt euch morgen gesondert vor den Herrn (10), mit Rauchfässern, und legt Räucherwerk darauf; ebenso Aaron gesondert von euch!“ Dies geschah.

Strafgericht Gottes gegen die Rotte Cores

Core hatte aber wider Moses und Aaron eine große Volksmasse vor den Eingang des heiligen Zeltes zusammen gebracht. Siehe, da erschien plötzlich allen die Herrlichkeit des Herrn (11). Und der Herr sprach zu Moses und Aaron: „Sondert euch ab von dieser Rotte, damit ich sie plötzlich vertilge!“ Moses und Aaron fielen bei diesen Worten auf ihr Angesicht nieder und flehten: „O allmächtiger Gott der Geister alles Fleisches (12), soll wider alle dein Grimm wüten, weil einer (13) gesündigt hat?“ Der Herr aber befahl dem Moses: „Gebiete dem ganzen Volk, von den Zelten Cores, Dathans und Abirons zurück zu weichen.“ Da stand Moses auf und ging mit den Ältesten zu den Zelten der drei Rädelsführer (14) und sprach zu allem Volk: „Weichet von den Zelten dieser Gottlosen und rührt nichts von dem an, was ihnen gehört, damit ihr nicht in ihre Sünde und Strafe verwickelt werdet.“ Das Volk folgte seiner Mahnung. Dathan und Abiron aber kamen aus ihren Zelten heraus und stellten sich trotzig mit ihren Weibern und Kindern und all ihrem Gesinde vor den Eingang. Da sprach Moses: „Daran sollt ihr erkennen, daß der Herr mich gesandt, um alles das zu tun, was ihr seht, und daß ich es nicht aus eigenem Antrieb getan: Wenn diese eines gewöhnlichen Todes sterben, so hat mich der Herr nicht gesandt. Wenn aber der Herr ein unerhörtes Wunder wirkt, so daß die Erde ihren Mund auftut und sie verschlingt, und sie lebendig hinunter fahren in die Hölle, so werdet ihr erkennen, daß sie den Herrn gelästert haben.“

Kaum hatte er dies gesagt, da spaltete sich plötzlich die Erde unter den Füßen der drei Empörer und verschlang sie mit ihren Zelten (15) und all ihrer Habe, und sie fuhren lebendig hinab in die Hölle (16). Entsetzt floh das umher stehende Volk beim Geschrei der Versinkenden und rief: „Zurück, damit nicht auch uns die Erde verschlinge!“ Zu derselben Zeit ging auch Feuer von dem Herrn aus und tötete die 250 Männer, die das Räucherwerk darbrachten. Zum beständigen abschreckenden Gedächtnis musste auf Gottes Befehl Eleazar, der Sohn Aarons, die Rauchfässer der Getöteten zu Platten schlagen und an den Brandopfer-Altar heften, damit niemand, der nicht von Aarons Familie, sich nahe, um Rauchwerk zu opfern.

Trotz Strafgericht weiterer Aufruhr

Das Strafgericht hatte zwar das Volk mit Schrecken erfüllt, aber seine Aufregung und Missstimmung gegen Moses und Aaron nicht beschwichtigt. Im Gegenteil, am folgenden Morgen traten sie mit der Beschuldigung auf: „Ihr habt das Volk des Herrn getötet!“ Bald entstand ein allgemeiner Aufruhr, so daß Moses und Aaron sich in das Heiligtum flüchteten. Wiederum erschien die Herrlichkeit des Herrn, der zu Moses und Aaron sprach: „Weichet aus der Mitte dieses Volkes, ich will es plötzlich vertilgen!“ Da fielen diese betend auf ihr Antlitz; und Moses sprach zu Aaron: „Nimm das Rauchfass und Feuer vom Altar, lege Räucherwerk darauf und gehe eilend zum Volk, um es mit Gott zu versöhnen; denn schon ist der Zorn vom Herrn ausgegangen, und es wütet eine Plage.“ (17) Aaron gehorchte, lief eilends mitten unter das Volk, brachte das Räucherwerk dar, und stehend zwischen den Toten und Lebendigen, flehte er zu Gott für das Volk, und die Plage hörte auf, nachdem sie bereits 14700 Mann dahin gerafft hatte.

Entheiligung der Sonntage im neuen Bund

Die Entheiligung der Sonn- und Festtage straft zwar Gott an den Christen nicht mit dem leiblichen Tod, weil sie nicht mehr unter dem Gesetz knechtischer Furcht, sondern kindlicher Liebe stehen sollen (18); gleichwohl bleiben auch für sie zeitliche Strafen nicht aus, und wird über sie jenseits nur ein desto strengeres Gericht ergehen. –

Auflehnung gegen das von Gott eingesetzte Priestertum im neuen Bund

Auch in der christlichen Kirche empörten sich im Laufe der Zeiten viele Core, Dathan und Abiron mit der Behauptung: „Die ganze Gemeinde ist heilig“, und leugneten das vom Herrn eingesetzte, besondere Priestertum. Aber auch im Neuen Bund „nimmt niemand sich selbst die Ehre“ des Priestertums (19); vielmehr hat auch hier der Herr selbst seine Priester auserwählt, die er wollte (20), und hat sie mit seinem Heiligen Geist und seiner Gewalt ausgerüstet (21); insbesondere hat der Heilige Geist die Bischöfe gesetzt, die Kirche zu Gottes zu regieren (22), und jenes vorgebliche allgemeine Priestertum weist der hl. Paulus zurück mit den Worten: „Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrmeister?“ (23) „Wie können sie predigen, wenn sie nicht gesandt werden?“ (24) Das Ende Cores usw. zeigt zugleich, daß die Auflehnung gegen das von Gott eingesetzte Priestertum und die Anmaßung der nur den Priestern zustehenden Verrichtungen eines der schwersten Vergehen vor Gott ist, weil ein frevelhafter Eingriff ins eine liebevollen Absichten mit den Menschen.

Anmerkungen:

(1) Vgl. Dt. 1, 45f.
(2) Nm. 15, 33.
(3) Vgl. Ex. 6, 16ff.
(4) Es wird hier noch ein Rubenite Hon, der Sohn Phelets, genannt, aber im weiteren Verlauf nicht mehr erwähnt, wahrscheinlich weil er sich bald zurückzog.
(5) Heilig dem Herrn, seinem Dienst im Priestertum oder Hohenpriestertum geweiht. Gott wird dies durch ein Wunder kundtun.
(6) Der Levit Core war der Anführer der Empörer.
(7) D. i. eure Klage geht im letzten Grund nicht gegen Aaron, sondern den Herrn, der ihn erwählt.
(8) So nennen sie Ägypten mit höhnischer Anspielung auf die Verheißung.
(9) D. h.: Willst du uns blind machen gegen deine Betrug und Übermut!
(10) D. h. vor das heilige Zelt.
(11) In der Wolke.
(12) Der allen Geist und Leben gibt, Herr über Leben und Tod.
(13) Nämlich Core.
(14) Die Zelte standen in der Nähe beisammen.
(15) Im Hebr. „mit ihren Häusern“, d. i. Familien. Doch gingen nicht alle Söhne Cores mit zu Grunde (Nm. 26, 11), offenbar weil sie nicht gleicher Gesinnung mit ihrem Vater waren. Ihre Nachkommen erscheinen zur Zeit Davids und auch später unter den heiligen Sängern. (1. Chr. 6, 18-22; 9, 19; 2. Chr. 20, 19; Ps. 41-48; 83; 84; 86; 87)
(16) Gemeint ist zunächst die „Scheol“, d. h. der unterirdisch gedachte Aufenthaltsort der Verstorbenen. Der Nachdruck liegt auf dem plötzlichen, schrecklichen Tod, der als Strafgericht Gottes ein strenges Urteil über den Frevel der Rotte Cores enthält. (Vgl. Ps. 54, 16)
(17) Nach Weish. 18, 20ff. war es ein plötzliches Dahinsterben, ähnlich dem der Erstgeburt der Ägypter; Aaron aber erinnerte Gott an den mit den Vätern geschlossenen und beschworenen Bund, und der Verderber wich vor dem Diener Gottes mit seinem hohenpriesterlichen Schmuck, der sein Amt als von Gott bestellter Vermittler zwischen ihm und seinem Volk sinnbildete. (Gutberlet, Das Buch der Weisheit 488ff)
(18) Röm. 8, 15
(19) Hebr. 5, 4.
(20) Mk. 3, 13.; Joh. 15, 16.
(21) Joh. 20, 21ff.
(22) Apg. 20, 28.
(23) 1. Kor. 12, 29.
(24) Röm. 10, 15.
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte, Bd. I, Altes Testament, 1910, S. 539 – S. 542

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