Pflichten des Christen in der Weihnachtszeit

Der hochheilige Weihnachtstag: Die Geburt unseres Heilandes Jesus Christus; das Jesuskindlein liegt in der Krippe, von hellem Licht umstrahlt ebenso wie Maria, die ihr Kind beseelt anschaut; Joseph und Hirten stehen im Dunkeln und beten das göttliche Jesuskind an

Die Pflichten des Christen in der Weihnachtszeit

Die Kirche bringt dem göttlichen Kind in dieser heiligen Zeit den Tribut ihrer demütigen Anbetung, die Ausbrüche ihrer unaussprechlichen Freude, die Huldigung einer grenzenlosen Dankbarkeit, die Zärtlichkeit einer unvergleichlichen Liebe dar. Diese Gefühle, Anbetung Freude, Dankbarkeit und Liebe, bilden den Rahmen dessen, was jede gläubige Seele dem in der Krippe liegenden Emmanuel darbringen muss. In den Gebeten der Liturgie ist dies auch in der reinsten und vollständigsten Weise niedergelegt. Um aber diese Gefühle besser begreifen, um uns die Form, unter welchen die heilige Kirche dieselbe ausdrückt, völlig aneignen zu können, ist es nötig, daß wir auf die Natur dieser Gefühle etwas näher eingehen.

Anbetung

Die erste Pflicht, welche an der Krippe des Heilandes zu erfüllen uns obliegt, ist die Pflicht der Anbetung. Die Anbetung ist überhaupt der erste Akt der Religion; aber man kann wohl sagen, daß in dem Geheimnis der Geburt Alles dazu beizutragen scheint, diese Pflicht noch mehr zu heiligen. Im Himmel verhüllen die Engel das Angesicht und bekennen ihr Nichts vor dem Thron Jehovas. Die vierundzwanzig Ältesten legen beständig ihr Kronen vor der Majestät des Lammes nieder. Was sollen wir tun, wir Sünder, unwürdige Glieder eines wieder erkauften Geschlechtes, wenn Gott selbst sich zeigt, demütig und erniedrigt um unsertwillen? Wenn in Folge einer völligen Verkehrung aller Ordnung wir die Pflichten des Geschöpfes gegen den Schöpfer von diesem selbst erfüllt sehen? Wenn der ewige Gott nicht mehr allein seine unendliche Majestät betrachtet, sondern selbst vor dem sündigen Menschen sich neigt?

Angesichts eines so erstaunlichen Schauspiels ist es gewiß billig, daß wir alle Anstrengungen machen, unsere tiefste Anbetung Gott darzubringen, der sich um unsertwillen erniedrigt. Wir sind ihm dies schuldig, um ihm wenigstens in etwas, soweit unsere schwache Kraft reicht, was er aus Liebe zu dem Menschen und aus Gehorsam gegen die Befehle seines himmlischen Vaters getan, nicht etwa zu vergelten, sondern nur unsere Unfähigkeit zu gestehen, es auch nur in seinem vollen Umfang zu würdigen. Wir müssen auf Erden, soweit es uns möglich, den Gefühlen nahe zu kommen suchen, welche die Engel im Himmel erfüllen. Wir dürfen uns nimmer dem göttlichen Kinde nahen, ohne ihn den Weihrauch aufrichtiger Anbetung, das Bekenntnis unseres Nichts und die demütige Huldigung darzubringen, welche wir der unendlichen Majestät um so mehr schulden, als sie sich zu uns herab läßt. Wehe uns, wenn uns die anscheinende Schwäche des göttlichen Kindes, die Milde seiner Liebkosungen so weit berücken könnten, daß wir, in Hochmut uns aufblähend, den Zoll unserer Anbetung verkürzen zu können glaubten und vergäßen, wer dies Kind ist und wer wir!

Das Beispiel der allerseligsten Jungfrau wird mächtig dazu beitragen, uns in unserer Demut zu erhalten. Maria war demütig vor Gott, bevor sie dessen Mutter war, und als sie es geworden, war sie noch demütiger vor Gott und ihrem Sohne. Und wir dagegen sind doch nur elende Geschöpfe, tausendmal begnadigte Sünder! Lasset uns daher aus allen unseren Kräften Den anbeten, der aus solcher Höhe zu unserer Niedrigkeit herab stieg; suchen wir in unserem Herzen ihn durch unsere Demut für die Krippe zu entschädigen. Streben wir wenigstens danach, wenn es uns auch unmöglich ist, uns so tief zu demütigen, wie er sich herabgelassen; denn das konnte nur Gott.

Freude

Aber die heilige Kirche bietet dem göttlichen Kind nicht allein den Tribut ihrer tiefen Anbetung, das Geheimnis Emmanuels ist auch für sie die Quelle einer wunderbaren Freude; die Gott schuldige Ehrfurcht verträgt sich in ihren erhabenen Gesängen in bewundernswerter Weise mit der Freude, wozu die Engel die Menschen aufgefordert haben. Sie ist bestrebt, die Freude der Hirten nachzahmen, welche in aller Eile und vor Freude zitternd nach Bethlehem kamen (Luk. 2,16); ebenso die Freude der Weisen aus dem Morgenlande, als sie beim Verlassen Jerusalems auf`s Neue den Stern gewahrten (Matth. 2,10). Daher kommt es, daß die ganze Christenheit die Geburt des göttlichen Kindes durch volkstümliche Freudenfeste begeht und es reicht die Spur derselben zurück, so weit als die Überlieferung des Glaubens…

Und nun, liebe Christen, stimmen wir in diese Jubelfreude ein. Es ist keine Zeit, zu seufzen oder Tränen zu vergießen. Ein Kind ist uns geboren (Isaias 9,6). Den wir erwarteten, ist endlich gekommen; er ist gekommen, um unter uns zu wohnen. So lange unsere Erwartung gewesen, so berauschend sei auch das Glück seines Besitzes. Bald genug wird der Tag kommen, wo das Kind von heute, zum Mann geworden, der Mann der Schmerzen sein wird. Dann werden wir mit ihm leiden; heute aber freuen wir uns seiner Ankunft, heute stimmen wir in die Loblieder ein, welche die um seine Krippe gereihten Engel ihm singen. Die vierzig Tage werden schnell vorüber gehen. Nehmen wir mit offenem Herzen die Freude auf, welche uns als eine Gabe des Himmels von oben kommt. Sagt ja doch die göttliche Weisheit, daß das Gemüt des Gerechten wie ein beständiges Freudenmahl ist (Spr. 15,15), weil der Friede in ihm ist: der Friede wird uns aber in dieser Zeit auf die Erde gebracht: Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind!

Mit dieser geheimnisvollen köstlichen Freude vereinigt sich fast, wie von selbst, das Gefühl des Dankes gegen Den, welcher sich weder durch unsere Unwürdigkeit, noch durch seine eigene erhabene Majestät abhalten ließ, eine Mutter unter den Töchtern der Menschen, eine Krippe in einem Stall zu wählen: so sehr war sein Herz von Eifer erfüllt, das Werk unseres Heiles zu vollbringen, daß er Alles von sich entfernt hielt, was uns Furcht oder Scheu gegen ihn einflößen könnte, daß er vielmehr durch sein eigenes Beispiel der tiefsten Erniedrigung uns den Weg der Demut zeigte, den wir wandeln müssen, um den Himmel zu erklimmen, nachdem unser Hochmut uns die Pforten desselben verschlossen.

Empfangen wir denn mit gerührtem Herzen die köstliche Gabe des Kindes, das uns befreien wird. Es ist der eingeborene Sohn des Vaters, jenes Vaters, der die Welt so sehr geliebt hat, daß er seinen Sohn für sie dahingab (Joh. 3,16); es ist der eingeborene Sohn selbst, welcher sich ganz in den Willen seines Vaters ergibt, weil er selbst wollte (Isaias 53,7). Wahrlich, indem er ihn uns gab, sollte uns der Vater, wie der Apostel sagt, nicht Alles mit ihm geschenkt haben? (Röm. 8,32) O unschätzbares Geschenk! Wie könnten wir einen Entgelt anbieten, der sich mit der Wohltat auch nur vergleichen ließe, da wir in der Tiefe unseres Elends nicht einmal im Stande sind, auch nur den Wert derselben zu schätzen! Gott allein in diesem Geheimnis weiß, was er uns gibt, und das göttliche Kind, das in der Krippe liegt, schweigt darüber.

Liebe

Aber wenn unser Dank so ganz außer Verhältnis zu der uns erzeigten Wohltat steht, wer soll dann die Schuld einlösen? Die Liebe allein wird dies können; denn sie, obwohl endlich, wird nicht gemessen und kann immer wachsen. Darum fühlt sich die heilige Kirche angesichts der Krippe, nachdem sie angebetet, gelobt, gedankt, von einer unbeschreiblichen Liebe ergriffen. Sie sagt: Siehe, Du bist schön, mein Geliebter (Hohel. 1,15). Dein Aufgang erfüllt mein Auge mit Freude! Göttliche Sonne der Gerechtigkeit, deine Wärme gießt Leben in mein Herz! Wie sicher ist dein Triumph über meine Seele, wenn Du sie mit den Waffen der Schwäche, der Niedrigkeit und der Kindheit angreifst. Alle ihre Worte verwandeln sich in ihrem Munde in Ausdrücke der Liebe und Anbetung, Lob und Danksagung sind weiter nichts, als der wechselnde und innige Ausdruck dieser Liebe, welche ihr ganzes Wesen nicht nur durchdringt, sondern in welches Gefühl sich ihr ganzes Wesen aufzulösen scheint.

Auch wir, Christen, lasset uns unserer Mutter, der Kirche folgen und unsere Herzen dem Emmanuel darbringen. Die Hirten boten ihm an, was ihre Einfachheit vermochte. Die Weisen brachten ihm reiche Geschenke. Die Einen wie die Anderen lehren uns, daß keiner in Gegenwart des göttlichen Kindes erscheinen kann, ohne eine seiner würdigen Gabe mitzubringen; vergessen wir es nun nicht, es verschmäht jeden Schatz, außer dem, den es zu suchen gekommen. Die Liebe hatte es vom Himmel herabsteigen lassen, beklagen wir das Herz, das ihm keine Liebe entgegen brächte!

Das sind die Pflichten, die wir an Jesus Christus bei seiner ersten Ankunft, wo er im Fleisch und in Schwäche kommt, wie der heilige Bernhard sagt, nicht um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten, zu erfüllen haben. Was die Ankunft in Herrlichkeit und furchtbarer Majestät anlangt, welche am letzten Tage stattfinden wird, so haben wir darüber schon während der Zeit des Advents Betrachtungen angestellt. Die Furcht vor diesem künftigen Zorn hat unsere Herzen aus ihrer Schläfrigkeit aufrütteln und sie vorbereiten müssen, in Demut die jetzige Heimsuchung des Herrn zu empfangen, welche ganz in der Stille im Innern unserer Seelen vor sich geht, und über dieses große Geheimnis erübrigt uns nun zusprechen. –
aus: Dom Prosper Guéranger, Die heilige Weihnachtszeit, 1892, S. 21 – S. 28

Ó infante suavíssimo

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Ó Infante suavíssimo
Ó Infante suavíssimo,
Vinde, vinde já ao mundo,
Tirar-nos do cativeiro,
Daquele abismo profundo.
Ó Infante suavíssimo,
Ó meu amado Jesus,
Vinde alumiar minha alma,
Vinde dar ao mundo luz.
Ó Infante suavíssimo,
Deus de infinita beleza,
Vinde nascer na minha alma,
Abrandar sua dureza.

O süßester Infant
O süßester Infant,
Komm, komm jetzt in die Welt,
Nimm uns aus der Gefangenschaft,
Aus diesem tiefen Abgrund.
O süßester Infant,
O mein geliebter Jesus,
Komm meine Seele zu erleuchten,
Komm der Welt Licht zu geben.
O süßester Infant,
Gott von unendlicher Schönheit,
Komm, um in meiner Seele geboren zu werden,
ihre Härte abzumildern.

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