Weihnacht Gedanken Marias und Josephs

Das Fest der gnadenreichen Geburt Jesu, Weihnachten, in der Mitte sieht man Maria und Joseph sowie das Jesuskind in der Krippe, links die Hirten, die vom Engel die frohe Botschaft erhalten, rechts die drei Weisen mit ihren Geschenken; über der Krippe mit dem Jesuskind ist ein Engel, der ein Spruchband hält, auf dem in lateinischer Sprache steht: Und das Wort ist Fleisch geworden; das Bild ist geziert mit Tannen, Vögeln und zwei Heiligenstatuen rechts und links von der heiligen Familie

Während Maria das Jesuskind in den Armen hält, kniet der heilige Joseph vor ihnen und streckt ehrfurchtsvoll die Hände nach dem Kind aus; bei den drei Heiligen sieht man Engel, die kniend bis zur Erde gebeugt sich vor dem Jesuskind verneigen; oben auf dem Berg stehen viele Engel die jubeln und singen

Weihnachten – Nach dem Zweiten Messopfer

Erhabene Gedanken Marias und Josephs

Nach dem zweiten Messopfer, nach der Feier der Geburt in der Gnade, durch die neue Opferung des unsterblichen Lammes, ziehen sich die Gläubigen aus der Kirche zurück, um die erschöpften Kräfte durch den Schlaf bis zum dritten Opfer zu stärken. Im Stall zu Bethlehem wachen indessen Maria und Joseph neben der Krippe. Die jungfräuliche Mutter nimmt voll Ehrfurcht den Neugeborenen in ihre Arme und reicht ihm die Brust. Und der Sohn des Ewigen, gleich einem einfachen sterblichen Menschen, labt sich an dieser Quelle des Lebens. Der heilige Ephräm sucht uns die Gefühle darzulegen, welchen die heilige Mutter Gottes in diesem Augenblick sich hingab. Und was im Inneren ihrer Seele vorging, übersetzt er uns in die folgenden Worte:

„Womit habe ich es verdient, daß ich ihn gebar, der einfach ist und überall sich vervielfältigt; ihn, den ich so klein und in meinem Arme halte und und der doch so unendlich groß ist; ihn, der ganz bei mir ist, und der doch ebenso gegenwärtig ist an allen Orten. Damals, als Gabriel sich zu meiner Schwachheit herabließ, bin ich aus der Magd, die ich war, eine Fürstin geworden. Du, des Königs Sohn, machst aus mir plötzlich die Tochter jenes ewigen Königs. Demütige Dienerin deiner Gottheit, werde ich die Mutter deiner Menschheit, o mein Herr und mein Sohn! Unter allen Nachkommen Davids, hast du dies arme junge Mädchen gewählt und hast es empor gehoben bis zur Höhe des Himmels, wo Du herrschest. O welcher Anblick! Ein Kind, älter als die Welt! Sein Auge sucht den Himmel, seine Lippen öffnen sich nicht; aber in diesem Schweigen hält es Zwiesprache mit Gott. Lesen wir nicht in diesem so durchdringenden Auge, daß seine Vorsehung die Welt regiert? Und wie wage ich, ihm meine Milch zu geben, ihm, der die Quelle aller Wesen ist? Wie werde ich ihn nähren können, da er doch die ganze Welt ernährt? Wie sollen diese Linnen ihn umhüllen, dessen Kleid das Licht ist?“ (In Natalem Domini 5,4)

Der nämliche heilige Kirchenlehrer des vierten Jahrhunderts zeigt uns auch den heiligen Joseph, wie er bei dem göttlichen Kinde die rührenden Vaterpflichten erfüllt. Er sagt uns, wie den Neugeborenen in seine Arme schließt, wie er ihn mit Liebkosungen überhäuft, wie er wohl weiß, daß dies Kind Gott ist. Außer sich ruft er aus:

„Woher kommt mir diese Ehre, daß der Sohn des Allerhöchsten mir an an Sohnes statt gegeben ist? O mein Kind, ich war bestürzt, ich gestehe es, über deine Mutter: ich dachte selbst daran, mich heimlich vor ihr zu entfernen. Ich wußte ja nichts von deinen erhabenen Geheimnissen! Und in deiner Mutter lag indessen der Schatz verborgen, der mich zum reichsten Menschen machen sollte. Mein Ahne David schmückte sein Haupt mit dem königlichen Diadem, ich war herab gekommen bis zum Los eines armen Handwerkers. Aber die Krone, die mir verloren gegangen, ist mir wieder gekommen, als Du, o Herr der Könige, Dich würdigtest, an meiner Schulter zu ruhen!“

Während dieser erhabenen Unterredungen und Gedanken erfüllte immer noch das Licht des Neugeborenen, vor welchem selbst die aufgehende Sonne erbleichte, die Grotte und ihre Umgebung; da aber die Hirten wieder zu ihren Herden gegangen und die Gesänge der Engel unterbrochen waren, so lag tiefes Schweigen über der geheimnisvollen Zufluchtsstätte. Und wenn wir denn jetzt unser Lager aufsuchen, so wollen wir an das göttliche Kind denken und an die erste Nacht, die es in seiner bescheidenen Wiege verbrachte. Um den Erfordernissen unserer Natur, die er angenommen, zu genügen, schließt er seine zarten Augenlider und er will, daß der Schlaf zuweilen seine Sinne umstricke. Aber selbst während dieses Schlafes wacht sein Herz und bietet sich ohne Unterlaß für uns zum Opfer dar. Zuweilen auch lächelt er Maria an und hält seine Augen in unsäglicher Liebe auf sie gerichtet; er betet zu seinem Vater, er erfleht seine Verzeihung für die Menschen, er sühnt ihren Hochmut durch seine Erniedrigung; er zeigt sich uns als ein nachahmungswertes Vorbild kindlicher Einfalt. Bitten wir ihn, daß er uns Anteil gebe an den Ganden seines göttlichen Schlummers, damit wir, wenn wir in Frieden geruht, in seiner Gnade erwachen und ohne zu wanken und abzuirren, den Weg wandeln können, der uns noch zu durchschreiten bleibt. –
aus: Dom Prosper Guéranger, Die heilige Weihnachtszeit, 1892, S. 236 – S. 239

Tu scendi dalle stelle – Hl. Alphonse Maria von Liguori

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