Papst Innozenz III und die verletzte Ehe

Papst Innozenz III. und die verletzte Ehe

König August Philipp II. hatte statt auf die Mahnungen Cölestins III. zu hören und die verstoßene Gattin Ingeburg wieder zu sich zu nehmen, sich erkühnt, sich mit der Gräfin Agnes von Meranien zu vermählen. Nun erhob sich Innozenz für die verletzte Ehe und das gekränkte Recht der verstoßenen Gattin. Da alle Warnungen nichts fruchteten, belegte er Frankreich mit dem Interdikt. Die Glocken schwiegen, die heiligen Bilder wurden verhüllt, die Kirche geschlossen. Der König wollte auch dem Interdikt trotzen und verfolgte Priester und Bischöfe, die sich gewissenhaft nach den Weisungen des Papstes richteten. Im Volk begann es gewaltig zu gären. Jetzt wollte sich der König auf Unterhandlungen einlassen, der Papst blieb unerschütterlich. Er ließ ihm sagen, er wisse, was er zu tun habe. Philipp wütete, Agnes weinte, es half nichts. „Ich will ein Ungläubiger werden“, rief der König, „wie glücklich war doch Saladin, daß er keinen Papst hatte“. Jetzt suchte Philipp Hilfe bei den Großen des Reiches. Agnes erschien selbst unter Tränen in der glänzenden Versammlung, um das Mitleid dieser Herren zu erregen. Tiefes Schweigen herrschte bei den Versammelten. Da fragte der König, was zu tun sei. Die Anwesenden antworteten: Dem Papst gehorchen. „Der Papst tut mir Gewalt an“, rief er, als er in Begleitung des Legaten Ingeburg besuchte. „Nein“, sprach sie, „er will nur, daß die Gerechtigkeit obsiege“. Philipp mußte Agnes entlassen und Ingeburg zu sich nehmen, mit der er fortan glücklich und zufrieden lebte.

Ebenso entschieden trat Innozenz dem König Alfons IX. von Leon gegenüber auf. Dieser hatte, vom Papst Cölestin III. gezwungen, sich von seiner Nichte getrennt, aber neuerdings eine Ehe mit einer Verwandten eingegangen. Der Papst erklärte die Ehe für ungültig. Man leistete Widerstand. Innozenz antwortete mit Bann und Interdikt. Sie wurde geschieden. Allen Gründen, die man zugunsten einer Nachsicht-Gewährung vorbrachte, antwortete der Papst: „Bei uns gilt kein Ansehen der Person.“ In gleicher Weise erklärte er die Ehe, welche der Kronprinz Alfons von Portugal mit einer nahen Verwandten eingegangen hatte, für ungültig und zwang ihn durch den Bann, sie aufzulösen. Um so leichter war es ihm nach einer solchen Entschiedenheit gekrönten Häuptern gegenüber, die Ritter und Grafen zu bändigen, die nach dem Beispiel der Könige die ehelichen Bande zu zerreißen suchten. –
Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, II. Band, 1907, S. 416

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