Jansenisten gegen Herz Jesu Andacht

Fromme Verehrer des hochheiligsten Herzens Jesu im achtzehnten Jahrhundert

Jesus, der Heiland, in weißer Kleidung auf einer Wolke sitzend, breitet die Hände zum Segen aus; auf seiner Brust sieht man sein heiligstes Herz; Umgeben ist der Herr von einem verzierten Schriftband; oben an den Ecken des Bildes sieht man jeweils drei Engelköpfe

Der Kampf der Jansenisten gegen die Herz-Jesu-Andacht

Der heilige Vater Papst Pius VI. und sein glorreicher Kampf und Sieg bei Verteidigung der Andacht zum göttlichen Herzen

Die göttliche Weisheit und Liebe des Heilandes hat die Ausbreitung und Vervollständigung der Andacht zu seinem göttlichen Herzen aus tiefen und wichtigen Gründen gerade in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts so eifrigst besorgt. Denn eben in dieser Zeit war in Frankreich eine äußerst gefährliche religiöse Sekte tätig, die sich von ihrem Stifter Jansen – Jansenisten nannte, und bereits seit 1640 ihr Unwesen trieb. Sie lehrte die entsetzlichen Irrtümer, Christus sei nicht für alle Menschen gestorben, Gott gebe nicht allen Menschen die Heilsgnade, und diejenigen, welche diese empfingen, hätten nicht mehr die Möglichkeit, derselben zu widerstehen; der Papst sei nicht unfehlbar und man könne ein guter Katholik sein ohne innere Zustimmung zu den Lehrentscheidungen der Kirche. Sie stellte überdies eine starre Sittenlehre auf, spannte die sittlichen Anforderungen für den Empfang der Sakramente so hoch, daß der Gebrauch derselben, namentlich der hl. Kommunion sich von Jahr zu Jahr verringerte. Diese harte, finstere Lehre, die eine Lästerung der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes war, hätte nicht so viele Anhänger gefunden, wenn ihre Verfechter sich nicht aller schlechten Mittel von Lug und Trug, Heuchelei und Schmeichelei, List und Gewalt bedient hätten.

Dieser gefährlichen, grundfalschen, unkatholischen Lehre gegenüber sollte nun nach dem Plan Gottes gerade die Andacht zum göttlichen Herzen ein ganz vorzügliches Gegenmittel sein; sie sollte die Liebe und Erbarmung des göttlichen Erlösers verkünden, den Geist des Herzens Jesu, den Geist der Demut, Liebe und Eintracht wecken, zum öfteren, andächtigen Empfang der hl. Sakramente der Buße und des Altares anleiten und die Lästerungen sühnen, welche die Sekte der Jansenisten gegen die Erbarmungen des göttlichen Herzens erhoben hatten. Natürlich waren die Jansenisten in Folge dessen von allem Anfang an die ausgesprochensten, erbittertsten Feinde dieser Andacht. Wir haben schon früher erzählt, wie boshaft sie gegen dein eifrigen Beförderer derselben, den ehrwürdigen P. Eudes, verfahren sind. Als dann dieselbe durch die selige Margaretha Alacoque und nach ihrem Tod durch die Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte neuen Aufschwung genommen, traten die Jansenisten wütend gegen sie und ihre Beförderer auf. Sie sparten keine Mittel der Verdrehung, der Verdächtigung, des Witzes und Spottes, um gegen die Andacht Misstrauen, Geringschätzung und Verachtung zu erwecken; ihre Schriften sind voll von Gemeinheit und Unflätigkeit gegen dieselbe.

Dieser jansenistische Geist und mit ihm die Anfeindung der Andacht zum göttlichen herzen zog sich durch das ganze achtzehnte Jahrhundert hindurch und verbreitete sich bald auch auf die andern Länder Europa`s. In Österreich hat sie jene traurige Gesetzgebung des Kaisers Joseph II. zur Folge, welche die katholische Kirche zu einer Staatsmaschine erniedrigen wollte. Die Regierungs-Männer hoben eigenmächtig alle Herz-JesuBruderschaften auf, verhängten schwere Geld- und Kerkerstrafen gegen die Verbreitung von Herz-Jesu-Büchern und -Bildern, befahlen, das Fest des göttlichen Herzens in den Kalendern zu auszustreichen und geboten den Bischöfen, gegen die Andacht einzuschreiten. Die Feinde der Andacht zum göttlichen Herzen jubelten darob, begnügten sich aber damit nicht. Sie forderten in ihren Schriften die Professoren der Hochschulen auf, die Andacht und das Fest des göttlichen Herzens dem Gespött preiszugeben; niedere Behörden sollten trachten, das Bild des göttlichen Herzens aus den Kirchen zu entfernen, oder wenn solches Schwierigkeiten bereite, übermalen zu lassen. Solches geschah tatsächlich in Innsbruck in Tirol, wo der kaiserliche Studienrat ganz eigenmächtig an dem schönen Herz-Jesu-Bild in der ehemaligen Jesuitenkirche das herz austilgen ließ.

In Italien war der Kampf gegen die Andacht ganz besonders wild und wüst entbrannt. In Florenz hatte ein Blatt 13 Jahre hindurch gegen dieselbe in bitterster Weise geschrieben. In Neapel und Genua wurden alle Herz-Jesu-Bücher staatlich verboten, und, wie in Wien, das Fest des heiligen Herzens aus den Kalendern gestrichen. In Rom selbst wagte man es, durch Schrift und Wort die Andacht als eine gefährliche, ketzerische anzuschwärzen.

Als Papst Klemens XIII. im Jahre 1765 die Feier des Herz-Jesu-Festes durch eine eigene Messe und kirchliche Tagzeiten bewilligt hatte, suchten die Jansenisten dem Dekret einen ganz andern Sinn unterzulegen, als es wirklich hatte.

Gegen diese Anfeindungen, Verdrehungen, Verleumdungen und Verhöhnungen der Andacht zum göttlichen Herzen waren bereits viele Bischöfe und tüchtige Gelehrte aufgetreten, welche mit den Waffen der katholischen Wissenschaft und des Glaubens die kirchliche Lehre verteidigten. Als aber die Jansenisten dessen ungeachtet von ihren irrigen Ansichten und boshaften Absichten nicht abstanden, erhob sich nun auch das Oberhaupt der Kirche, Papst Pius VI., zur Verteidigung der Andacht. Bereist im Jahre 1781 erließ er ein Dekret, in welchem er klar und unumwunden aussprach, daß diese Andacht zum göttlichen Herzen frei sei von allem Aberglauben und von roh sinnlicher Auffassung; daß ihr Wesen eben darin bestehe, „daß wir in dem Sinnbild des Herzens die maßlose Liebe und Hingabe unseres Erlösers betrachten und verehren.“ Als aber die Jansenisten auch jetzt noch in ihren Feindseligkeiten verharrten, erließ der heilige Vater am 28. August 1794 eine eigene feierliche Bulle, in welcher er die Andacht zum göttlichen Herzen gegen jede Anschuldigung von Neuheit, Irrtum und Gefährlichkeit in Schutz nahm, und die gegenteiligen Irrtümer verwarf und verdammte. Dadurch hatte nun die Andacht den feierlichen Ausdruck der obersten kirchlichen Lehrgewalt für sich; sie war als zum Inbegriff des katholischen Glaubens gehörig erklärt und Niemand konnte fortan gegen dieselbe sich erheben, ohne dem Kirchenbann zu verfallen. Die päpstliche Bulle erfüllte daher auch alle gut gesinnten Katholiken und namentlich die Verehrer des göttlichen Herzens mit Trost und unsäglicher Freude. Sie fanden in der Andacht zum göttlichen Herzen Kraft, Mut und übernatürliches Vertrauen in den schrecklichen Stürmen der Revolution, welche gerade zu dieser zeit in Frankreich ausbrach und in langjährigen Kriegen die heftigsten Erschütterungen von ganz Europa hervor rief. –
aus: Franz Hattler SJ, Großes Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, 1897, S. 683 – S. 685

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