Frankreichs Könige und Herz Jesu Andacht

Fromme Verehrer des göttlichen Herzens Jesu in Frankreich zur Zeit der französischen Revolution

Jesus, der Heiland, in weißer Kleidung auf einer Wolke sitzend, breitet die Hände zum Segen aus; auf seiner Brust sieht man sein heiligstes Herz; Umgeben ist der Herr von einem verzierten Schriftband; oben an den Ecken des Bildes sieht man jeweils drei Engelköpfe

Frankreichs Könige und die Herz Jesu Andacht

Es war im Jahre 1689, ein Jahr vor dem Tod der seligen Margaretha Alacoque. Da offenbarte der Heiland dieser seiner Dienerin die Absichten, welche er bezüglich der Andacht zu seinem göttlichen Herzen mit dem königlichen Hof in Frankreich habe. Die Selige berichtet hierüber in drei Briefen an eine ihrer früheren Oberinnen. In einem derselben schreibt sie: „Das sind die Worte, die ich in Bezug auf diese Angelegenheit vernommen habe. Laß den König wissen, daß er, wie seine Geburt durch die Verehrung meiner heiligen Kindheit erlangt wurde, so seine Wiedergeburt zur Gnade und ewigen Herrlichkeit erlangen werde durch die Weihe an mein anbetungswürdiges Herz. Dies Herz will triumphieren über sein Herz und durch seine Vermittlung über die Herzen der Großen dieser Erde. Es will herrschen in seinem Palast und verlangt, daß das Bild des Herzens auf seinen Fahnen angebracht und in sein königliches Wappen eingegraben werde, um ihn zum Sieger über alle seine Feinde zu machen.“

In einem späteren Brief vom August 1689 schrieb sie wieder: „Der ewige Vater will dem anbetungswürdigen Herzens seines göttlichen Sohnes einen Ersatz leisten für die Bitterkeiten und Beängstigungen, welche dasselbe in den Häusern der Fürsten dieser Erde durch die Verdemütigungen und Verspottungen während seines Leidens erfahren musste. Er will daher das Reich dieses Herzens aufrichten im Herzen unseres großen Monarchen; und will sich seiner bedienen zur Ausführung seines Willens; er will aber, daß eine Kirche gebaut und in demselben das Bild des göttlichen Herzens aufgestellt werde, und daß es dort die Weihe und Huldigung des Königs und seines ganzen Hofes empfange. Ferner will dies göttliche Herz sich zum Beschützer und Verteidiger seiner geheiligten Person gegen alle seine Feinde machen. Darum hat es ihn erwählt, daß er ihm treulich diene zur Bewilligung der Messe von Seite des apostolischen Stuhles und zur Erlangung aller andern Privilegien, welche die Andacht zu diesem göttlichen Herzen erhalten soll.“

Ob diese Wünsche und Absichten des Heilandes dem damaligen König Ludwig XIV. je mitgeteilt worden seien, ist nicht bekannt; aber gewiß ist, daß weder dieser König noch sein Nachfolger, der sittenlose Ludwig XV., den Willen des Herrn vollzogen haben. Um so eifriger nahm sich die fromme Gemahlin des Letzteren, die polnische Prinzessin Maria Leczinska, der Ausbreitung der Herz-Jesu-Andacht an. Sie schrieb im Jahr 1740 an den Papst die dringende Bitte, eine Messe zu ehren des göttlichen Herzens zu bewilligen. Der heilige Vater Benedikt XIV. schickte ihr einige Zeit nachher eine Anzahl von Herz-Jesu-Bildern, die mit Gold auf roter Seide gestickt waren. Kaum war im Jahre 1765 vom Papst Klemens XIII. die Bewilligung einer eigenen Messe und von Tagzeiten für das Fest des göttlichen Herzens gegeben, als die fromme Königin die Bischöfe Frankreichs, die eben in Paris versammelt waren, dringend bat, daß sie in ihren Bistümern das Fest des göttlichen Herzens einführen möchten. Alle kamen dem Wunsch der Fürstin nach und erließen ein Rundschreiben an die abwesenden Bischöfe zur Teilnahme an dem gemeinschaftlichen Entschluss.

Durch die Königin wurde die Andacht zum göttlichen Herzen auch in der königlichen Familie eingeführt. Ihr Sohn, der Kronprinz, Ludwig, ließ in der königlichen Residenz zu Versailles eine Kapelle zu Ehren des göttlichen Herzens erbauen, wo er mit seinen Kindern oft der Andacht zu demselben oblag. Von diesen Kindern haben sich besonders zwei als Verehrer des göttlichen Herzens ausgezeichnet, nämlich der Kronprinz und später so unglückliche König Ludwig XVI. und seine Schwester, die Prinzessin Elisabeth. –
aus: Franz Hattler SJ, Großes Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, 1897, S. 685 – S. 686

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