Schutzengel schrecken vor dem Bösen ab

In der Mitte ist der heilige Schutzengel, der das Kind bei der Hand hält; rechts davon steht ein Engel mit einem Buch, auf der linken Seite steht eine Frau, die als Versucherin erscheint, aber vom heiligen Schutzengel mit der rechten Hand abgewehrt wird

Die hl. Schutzengel schrecken uns vor dem Bösen ab

Der hl. Franziska Romana stand Tag und Nacht ein Engel in sichtbarer Gestalt als unzertrennlicher Gefährte zur Seite. Dieser himmlische Schutzgeist stärkte sie in den vielfachen Kämpfen wider die Höllenmächte. Sein bloßer Flammenblick reichte hin, ganze Rotten derselben in die Flucht zu schlagen. Franziska hingegen wurde durch den Anblick desselben jedesmal so aufgemuntert und erfreut, daß sie selbst des Ungemaches vergaß, welches sie von den Höllengeistern auszustehen hatte. Derselbe warnte die Heilige auch vor jeglicher Sünde und bestrafte sie wohl auch strenge, wenn sie sich gewisse Fehler zuschulden kommen ließ. Eines Tages unterließ die Heilige aus Menschenfurcht, ein eitles Gespräch, welches in ihrer Gegenwart geführt wurde, zu unterbrechen; die Strafe des Engels blieb nicht aus. Bei einer andern Gelegenheit war Franziska ihrem Beichtvater gegenüber nicht offenherzig genug, indem sie demselben aus übel verstandener Bescheidenheit verschiedene Gnaden-Bezeugungen, die sie von Gott erhielt, verheimlichte: ihr Schutzengel ermangelte nicht, sie dafür auf eine sehr empfindliche Art zurecht zu weisen.

Als der Höllengeist eines Tages der hl. Margareta von Cortona erschienen war, um sie zu erschrecken und zu entmutigen, da trat auch der Schutzengel zu ihr hin und sprach: „Tochter, fürchte und zage nicht! Der höllische Feind vermag weniger über dich als einer, der von seinem Besieger mit Füßen getreten wird. Ich bin bei dir, der Schutzgeist deiner Seele, die eine Wohnstätte Gottes ist.“

Die heiligen Schutzengel als Helfer in der Not

Je größer unser Vertrauen zum Schutzengel, je beharrlicher unsere Andacht zu ihm ist, desto größere und zahlreichere Wohltaten dürfen wir auch von ihm erwarten. – Durch unbegrenztes Vertrauen auf den hl. Schutzengel zeichnete sich unter andern die hl. Rosa von Lima aus. Die Heiligsprechungs-Bulle stellt das Vertrauen derselben zum hl. Engel demjenigen gleich, welches die vertrautesten Freunde und Hausgenossen zueinander haben. Als Belege werden in der Bulle folgende Tatsachen angeführt. Als Rosa eines Abends der Ohnmacht nahe war, schickte sie ihren Schutzengel zu einer in der Nachbarschaft wohnenden Dame mit dem Bericht, sie bedürfe eines Stärkungsmittels. Der Engel erledigte sich des erhaltenen Auftrages so schleunig und gut, daß Maria von Usategui (so hieß die vornehme Frau) der Dienerin Gottes das Verlangte sogleich durch einen Bedienten zusandte. – Die hl. Rosa pflegte jeden Abend im verschlossenen Garten des elterlichen Hauses dem Gebet obzuliegen. Gegen Mitternacht stieg sodann die Mutter zu ihr herunter, um sie aus der einsamen Gartenzelle in das Haus zurück zu führen. Einmal harrte Rosa lange vergeblich, daß man ihr die Gartentüre aufmachen möchte. Während sie unschlüssig hin und her ging, ohne zu wissen, was sie beginnen sollte, erschien ihr der Engel in lichter Gestalt, öffnete die verriegelten Türen und geleitete die fromme Tochter in das Schlafgemach ihrer Mutter.

Einen ähnlichen Zug berichten die Jahrbücher des Dominikaner-Ordens vom hl. Dominikus, der gleichfalls ein ausgezeichneter Verehrer des hl. Schutzengels war. Dieser Heilige musste einstens wichtiger Geschäfte halber bis spät in die Nacht außerhalb des Klosters verweilen. Man drang da, wo er sich aufhielt, sehr in ihn, er möchte doch über Nacht bleiben, indem man ihm bemerkte, es sei bereits Mitternacht und im Kloster niemand mehr wach. Dominikus erwiderte, er müsse durchaus ins Kloster zurück kehren, es sei dies des Herrn Wille, derselbe werde seinen Engel senden, um ihn und seine Gefährten dahin zu geleiten. Er nahm somit Abschied und begab sich mit seinen Ordensbrüdern auf den Weg. Vor dem Hause, wo sie sich aufgehalten hatten, stand ein unbekannter Jüngling, den Wanderstab in der Hand. Er schien der Heimkehrenden zu harren und schritt nun als getreuer Wegweiser vor ihnen her. Beim Kloster angelangt, fanden sie die Pforte verriegelt und niemand in Bereitschaft, dieselbe aufzumachen. Da trat der wunderbare Begleiter zum Schloß der Pforte hin, berührte es leise, und sogleich stand diese offen. Als Dominikus mit seinen beiden Gefährten die Hallen des Klosters betreten hatte, begab sich der Jüngling wieder zur Türe hinaus. Die beiden Gefährten, durch das Wunderbare des Vorfalles aufmerksam gemacht, gingen ihm nach und fanden wie vorher alle Riegel vorgeschoben. Da erkannten sie, daß wirklich ein Engel Gottes sie geleitet und durch die verschlossenen Türe ins Kloster hinein geführt hatte. –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 1, 1911, S. 639 – S. 640; S. 643

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