Göttliches Herz Jesu und Liberalismus

Jesus steht mit ausgebreiteten Armen, auf der Brust das Herz mit Dornenkrone und einem Kreuz, links sind Geistliche und Fürsten, rechts eine Mutter mit zwei Kindern, ein Mann und ein Kranker mit Krücken, alle knien vor Jesus

Das göttliche Herz Jesu und der Liberalismus

Die falsche Freiheit

Du hast gewiß auch schon oft von den Liberalen und dem Liberalismus reden gehört, und kennst vielleicht selber Leute, welche sich offen für Liberale ausgeben. Es gibt deren zwar verschiedene Gattungen, aber sie stimmen alle darin überein, daß sie eine Freiheit predigen und haben wollen, die durchaus keine christliche, erlaubte, rechtmäßige ist, sie wollen frei und unabhängig sein in Sachen, in denen Gott der Herr und das Gewissen keine Unabhängigkeit gestattet. Ein Kind hat seinen Eltern gegenüber allerlei erlaubte Freiheit; wenn das Kind aber den Grundsatz hätte, den rechtmäßigen Befehlen der Eltern nur dann zu folgen, wenn diese Befehle ihm selber lieb und angenehm wären, so würde das Kind sich eine Freiheit heraus nehmen und anmaßen, die es nicht hat; Gott und sein Gewissen verpflichten es im Gegenteil, allen rechtmäßigen Befehlen der Eltern zu folgen, auch denen, die ihm unangenehm und schwer sind. So nehmen sich nun heutzutage gar sehr viele Leute, auch solche,, die noch christlich und katholisch sein möchten, die Freiheit oder vielmehr die Frechheit heraus, von den Grundsätzen, Lehren und Vorschriften Christi des Herrn und seiner heiligen Kirche nur solche noch anzunehmen und zu befolgen, die ihnen belieben, die andern aber abzuweisen und willkürlich zu übertreten. Weil sie sich diese Freiheit anmaßen, nennen sie sich „Freisinnige“, oder mit einem fremden Wort: Liberale.

Diese ihre Ansicht, der Liberalismus, ist die allerneueste Ketzerei und zählt ihre Anhänger unter dem Herren- und Bauernvolk in allen Ländern. Der heiligmäßige Papst Pius IX. ist oft in seinen Ansprachen und apostolischen Hirtenschreiben gegen diese durchaus falsche, verkehrte, unchristliche und unsittliche Lehre und Lebensweise mit allem Eifer aufgetreten und hat ihre Anhänger treffend gekennzeichnet und verurteilt. Er findet in dieser Partei und Sekte namentlich drei Laster:

1. den Stolz. „Ihr werdet die Liberalen an ihren Früchten erkennen, wenn ihr bemerkt, wie sie ihre Missachtung kund geben gegen Alles, was sich auf einen schnellen, vollkommenen Gehorsam gegen die Beschlüsse und Ermahnungen des Papstes bezieht. Von Stolz aufgebläht, halten sie sich für weiser als die Kirche.“ (Schreiben an den kath. Verein in Mailand)
2. Die Kriecherei vor der Staatsgewalt. „Die liberalen Lehren schmeicheln der weltlichen Gewalt, wenn sie ins religiöse Gebiet hinüber greift, und drängen die Geister zur Achtung oder wenigstens zur Duldung der ungerechtesten Gesetze, als wenn nicht geschrieben wäre, daß Niemand zweien Herren dienen könne.“ (Im selben Schreiben)
3. Den Geist der Trennung. „Die Anhänger dieser Sekte trennen die Geister, zerreißen die Einheit und schwächen die Kräfte, welche man vereinigen sollte, um sie alle miteinander gegen den gemeinsamen Feind zu kehren. Den treuesten Söhnen geben sie den Namen „Ultramontane oder Jesuiten“. (Im selben Schreiben)

Diesem dreifachen, sündhaften und äußerst gefährlichen liberalen Geist stellt das göttliche Herz seinen Geist entgegen. Es setzt dem Stolz seine tiefe Demut, seine Selbsterniedrigung, dem Geist der Unabhängigkeit seinen Gehorsam, der Kriecherei vor der Staatsgewalt seine edle Festigkeit in Verteidigung der göttlichen Wahrheit, dem Geist der Trennung seine einigende Liebe entgegen. Wer demnach seinem Erlöser nachfolgt, kann unmöglich liberal sein; wer aber liberale Grundsätze fest hält und danach lebt und handelt, der hat nicht den Geist Christi, er ist kein Christ, wenn er auch sonst allerlei von christlichen Lehren noch glaubt, und einige Tugendwerke übt, welche das Christentum vorschreibt. Pius IX. hat gegen diesen liberalen Geist das Heilmittel im heiligsten Herzen Jesu erkannt, als er im Jahre 1875 die ganze katholische Kirche aufforderte, sich dem heiligsten Herzen zu weihen.

„Denn dadurch, (so heißt es im Dekret vom 22. April 1875) werden die Gläubigen die Einheit der Kirche klarer bezeugen; sie werden in diesem Herzen den sichersten Zufluchtsort vor den drohenden Seelen-Gefahren und Geduld in den Leiden, von welchen gegenwärtig die Kirche Christi bedrängt wird, und endlich die feste Hoffnung und Trost in allen Bedrängnissen finden.“

Und in dem Gebet der Weihe an das göttliche Herz legte der heilige Vater allen Christgläubigen die Bitte für die Bekehrung der liberalen Katholiken in den Mund; sie sollten zum göttlichen Herzen beten und sprechen: Ich wünschte durch diese meine Weihe zu bewirken, daß auch jene Katholiken in sich gehen, die zwar fortwährend durch viele äußerliche Werke der Liebe als katholische Christen erscheinen wollen, die aber auf ihre eigenen Meinungen versessen, sich den Entscheidungen des heiligen Stuhles nicht unterwerfen wollen oder Ansichten festhalten, welche mit der Lehre desselben nicht überein stimmen. Möchten sie doch zur Überzeugung gelangen, daß wer die Kirche nicht hört in Allem, Gott nicht hört, der mit ihr ist.“ –

Es ist also klar, das heiligste Herz ist in der gegenwärtigen Zeit ein wirksames Heilmittel für die Völker, welche vom Geiste des Liberalismus angesteckt sind. –
aus: Franz Hattler SJ, Das große Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, 1897, S. 235 – S. 236

Bildquellen

  • Hattler Herz Hesu Hirte: Bildrechte beim Autor

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