Bittgesuch deutscher Bischöfe an Pius IX

Fromme Verehrer des heiligsten Herzens Jesu

Die deutschen Bischöfe und Katholiken in den Tagen der Verfolgung (1869-1885)

Teil 2

Jesus, der Heiland, in weißer Kleidung auf einer Wolke sitzend, breitet die Hände zum Segen aus; auf seiner Brust sieht man sein heiligstes Herz; Umgeben ist der Herr von einem verzierten Schriftband; oben an den Ecken des Bildes sieht man jeweils drei Engelköpfe

Bittgesuch deutscher Bischöfe:

Erhöhung des Festes zum heiligsten Herzen Jesu zu dem höchsten Rang kirchlicher Feste

Heiligster Vater!

Inmitten so vieler und so wütender Stürme des staatlichen Lebens hat Christus, der Sohn Gottes, Eure Heiligkeit auf der Höhe der apostolischen Würde so unversehrt und stark erhalten, daß Sie, was in den verflossenen Zeiten der Kirche beispiellos dasteht, bereits das 25. Jahr Ihrer Regierung vollendet haben, und fortfahren, stets mit derselben Frische und Kraft die eurer Heiligkeit von Gott anvertraute und weit und breit über alle Lande und Meere zerstreute Familie zu regieren und zu hüten. Zu diesem Ereignis nun bringen am heutigen Tage, wo Sie, heiligster Vater! Zum Gipfel dieser hohen Würde erhoben wurden, die ergebensten Söhne aus dem fernen deutschen Land ihre Glückwünsche dar, und senden für diese ganz außergewöhnliche Wohltat ihre unvergänglichen Dankgebete zum großen und besten Gott empor, und erflehen Ihnen von ihm noch für viele Jahre alles Glück und Wohlergehen.

Damit aber in der Kirche ein öffentliches und ewiges Denkmal dieser so ganz einzigen, unserem Jahrhundert von der göttlichen Güte gewährten Huld bestehen möge, und auf daß die gläubigen Herzen mit noch mächtigerer Kraft angetrieben würden, Heil und Leben bei jener unerschöpflichen Quelle aller Güter zu suchen, aus welcher, wie wir glauben, auch diese höchste Gnade erflossen ist, bitten die Söhne der Kirche aus Deutschland, hingeworfen zu den Füßen Eurer Heiligkeit mit demütigstem Flehen, „daß Sie geruhen wolle, das fest des hochheiligen Herzens Jesu, das wir zugleich mit dem 25. Regierungsjahr Eurer Heiligkeit feiern, für die ganze Kirche zur Feier ersten Ranges zu erheben.
Unser Vertrauen, daß die allbekannte Güte Eurer Heiligkeit diese unsere demütigste Bitte zulassen werde, stützt sich auf viele Gründe.
Es stützt sich auf die äußerst aufgeregten Stürme unserer Tage, und auf die heilsamen Ratschläge, welche Sie dem katholischen Volk für diese allseitigen Gefahren erteilt haben.
Es stützt sich auf die Zeit, die so unheilvoll geworden; denn die Wogen des staatlichen Lebens gehen hoch und werfen drohend die Völker hin und her, und vernichten die Reiche. Da nun nirgends mehr ein ruhiges Plätzchen sich findet, glaubten wir endlich dort den sichersten Schutz suchen zu sollen, wo der gute und große Gott durch eine besondere Huld seiner Erbarmung uns eine Zufluchtsstätte eröffnet hat, wo wir das gewisseste Heilmittel für unser Elend finden könnten, im hochheiligsten Herzen Jesu nämlich, zu dem er selbst in seiner Seite uns den Zugang aufgetan, auf daß in dasselbe wie in die Arche der Rettung und des Heiles Alle eingehen könnten, welche in dem klippenvollen Meere nicht wollen den Untergang finden.
Es stützt sich endlich auf die vielen Tatsachen, durch welche Eure Heiligkeit während Ihrer Regierung gleichsam wie mit Fingern auf das hochheiligste Herz Jesu hingewiesen hat, wo alle auf dem wogenden Meer gefährdeten Gläubigen den sichersten Hafen des Heiles finden könnten; wir meinen die Tatsache, daß Sie das fest des heiligsten Herzens Jesu im Jahre 1856 auf die gesamte Kirche ausgedehnt hat; und jene andere, durch welche Sie die sel. Margaretha Marie Alacoque 1864 zu der Ehre der Seligen erhoben hat, und jene dritte, durch welche Sie mehreren Genossenschaften das Privilegium gewährt hat, das Fest des heiligsten Herzens als Fest ersten Ranges mit Oktav zu begehen; und endlich um Alles in ein Einziges zusammen zu fassen, durch jene Enzyklika, durch welche Sie am 8. Dezember 1864 die Pest so vieler Irrtümer von dem Geist der Gläubigen abgewendet, und in welcher Sie alle aufgemuntert hatte, „daß sie stets zum süßesten Herzen Jesu, dem Opfer der glühendsten Liebe zu uns, sich flüchten sollten, auf daß es mit den banden seiner Liebe Alles an sich ziehen möge usw.
In der frohen Hoffnung, daß Eure Heiligkeit diese demütigste Bitte gewähren werde und hingeworfen zu Dero Füßen, wünschen und erflehen die treuen Söhne in Deutschland, daß sie ihnen den apostolischen Segen erteilen mögen.

Des Segens des Vaters der Christenheit bedurften die Katholiken Deutschlands gar sehr. Denn bereits im folgenden Jahr 1872 brach das der deutschen Kirche drohende Ungewitter furchtbar los… . –
aus: Franz Hattler SJ, Großes Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, 1897, S. 726 – S.727

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