Gebetsapostolat zum göttlichen Herzen

Fromme Verehrer des heiligsten Herzens Jesu

Die deutschen Bischöfe und Katholiken in den Tagen der Verfolgung (1869-1885)

Teil 1

Jesus, der Heiland, in weißer Kleidung auf einer Wolke sitzend, breitet die Hände zum Segen aus; auf seiner Brust sieht man sein heiligstes Herz; Umgeben ist der Herr von einem verzierten Schriftband; oben an den Ecken des Bildes sieht man jeweils drei Engelköpfe

Gebetsapostolat zum göttliche Herzen Jesu

Wie bereits mehrfach erzählt worden, war die Andacht zum göttlichen Herzen in Deutschland seit Jahrhunderten wohlbekannt und geübt; der glänzende Aufschwung derselben schreibt sich aber erst seit dem Jahre 1864 her. In diesem Jahr erschienen zwei Büchlein aus dem Französischen übersetzt, welche vom Verein des Gebets-Apostolates in Vereinigung mit dem Herzen Jesu handelte. Kaum waren diese Schriften bekannt geworden, als man sich daran machte, den schönen, echt katholischen, segensreichen Verein auch in Deutschland einzuführen. Die damalige Katholiken-Versammlung in Würzburg empfahl ihn auf das Eindringlichsten, gelehrte Männer schrieben über seine Bedeutung und Wichtigkeit und die Bischöfe beeilten sich, das Volk damit bekannt zu machen. Schon im folgenden Jahr erließ der greise Erzbischof Hermann von Vicari in Freiburg ein herrliches Hirtenschreiben über die Andacht zum göttlichen Herzen, worin er zum Schluß die Gläubigen ermahnte, alle Anliegen der Kirche kindlich nieder zu legen „in dieses weite, königliche Herz.“ Noch eindringlicher sprach er in dem Hirtenschreiben vom Jahre 1868, worin er klar hervor hebt, das Rettungsmittel in den Tagen des Kampfes sei das hochheilige Herz des Welterlösers. Er schrieb unter anderem:

„Je gefahrdrohender die Zeitläufe sich gestalten, ein um so dringenderes Bedürfnis wird die Vereinigung aller gläubigen, Jesum und die Menschen liebenden Christen in frommem und ausdauerndem Gebet. Und wir müssen erkennen, daß die Vorsehung in dem Gebets-Apostolat ein vorzügliches Mittel geschaffen hat, um diesem dringenden Bedürfnis zu entsprechen. Denn wenn schon das Gebet überhaupt eine unberechenbare Macht ist, durch die wir erlangen, was wir ohne sie vergebens erstrebt hätten: um wie viel größer wird sie sein, wenn das vereinigte Flehen von Millionen im herzen Jesu sich zusammen findet, und von hier gereinigt und geläutert zum Thron des himmlischen Vaters aufsteigt, als Eine Alles überwindende, unwiderstehliche Bitte des göttlichen Sohnes? O möchten alle Diözesen des katholischen Erdkreises mit allen Gemeinden und religiösen Genossenschaften sich dem Apostolat des Gebetes anschließen! Wie bald würde ein neuer besserer Geist die Welt durchdringen, wie ohnmächtig würden die Feinde der Religion zurück weichen, wie eitel und nichtig würden ihre gottlosen Pläne zur Entchristlichung der Welt sich erweisen, welche Bekehrungen von Sündern und Verirrten würden unsere Mutter, die hl. Kirche, erfreuen, welchen Aufschwung würde insbesondere das Werk der Glaubensverbreitung nehmen, nicht ruhend, bis die vielen Millionen, welche den Herrn und Heiland Jesum Christum noch nicht kennen, zum wahren, beseligenden Glauben gelangt wären! „Feuer bin ich gekommen auf die Erde zu bringen, und was anders will ich, als daß es brenne.“ Möchte dieser glühende Wunsch des liebenden Herzens unseres göttlichen Erlösers sich täglich mehr erfüllen! Und es wird um so schneller geschehen, je inbrünstiger wir diesen Wunsch in unserm Gebet hegen.“

Ähnlich lauten die Worte, welche andere Bischöfe über das Gebets-Apostolat an ihre Gläubigen richteten. Um dem Verein festen Bestand und sichere Leitung zu verschaffen, wurde im Jahre 1865 die deutsche Monatsschrift „Der Sendbote des göttlichen Herzens Jesu“ gegründet. Seine Aufgabe und sein Ziel ist es, die Erkenntnis und Liebe des süßesten Herzens Jesu unter den Gläubigen zu fördern, die Seelen diesem einzigen Retter zuzuführen und in ihnen das beseligende Reich des Herzens Jesu aufzurichten. Diese Zeitschrift wurde von dem katholischen Volk in Deutschland, Österreich und in der Schweiz mit Freuden aufgenommen; … Die eifrigsten Förderer derselben, sowie der Andacht zum göttlichen herzen waren die hochwürdigsten Bischöfe. Sie erblickten in dieser Andacht ein Hauptmittel gegen die von allen Seiten einstürmenden Feinde der katholischen Kirche.
Am 29. Juni 1868 hatte der hochselige Papst Pius IX. eine allgemeine Kirchenversammlung nach Rom berufen. (siehe den Beitrag: Pius IX. Aufgabe des Papstes und des Konzils) Sofort begann der Kampf dagegen in ganz Europa. Offen und im Geheimen arbeiteten die feindlichen Mächte, um das Konzil zu hintertreiben, oder wenigstens durch Erregung von Zwietracht unter den Vätern der Kirchenversammlung den glücklichen Erfolg desselben zu vereiteln. Man erhob um Vorhinein allerlei Beschuldigungen, die geeignet waren, weithin Argwohn und Abneigung gegen das Konzil und selbst das Mißtrauen der Regierungen zu erregen, indem man die Befürchtung wach rief, es könnten in Rom Grundsätze aufgestellt werden, welche mit den berechtigten Ansprüchen des Staates, der Bildung und Wissenschaft, sowie mit der regelmäßigen Freiheit und dem zeitlichen Wohl der Völker nicht verträglich wären. Allein es sollte sich auch diesmal vor der ganzen Welt das Wort des Herrn erfüllen: „Die Pforten der Hölle sollen sie, die Kirche, nicht überwältigen“, – und „Seht! Ich bin bei euch!“

In besonders heftiger Weise traten die Gegner in Deutschland auf; aber gerade auch hier fanden sie die Männer des Glaubens in voller Rüstung und in geordneten Schlachtreihen zum Kampf bereit. Die hochwürdigsten Bischöfe hatten sich im Jahre 1869 am Grab des Apostels von Deutschland, des hl. Bonifatius, in Fulda versammelt. Im Begriff, nach Rom zum Konzil zu reisen, richteten sie in einem gemeinsamen Hirtenschreiben vom 6. September an ihre Herden Worte der Belehrung und Beruhigung. Der Schluß dieses denkwürdigen Schreibens lautet:

„In Kurzem werden wir auf längere Zeit unsere Diözesen verlassen und unsere Herzen sind tief bewegt, indem wir auf die großen Gefahren der gegenwärtigen Zeit hinblicken. Wir haben daher beschlossen und verordnen hiermit, daß eine dreitägige Andacht zum hl. Herzen Jesu, anfangend am 8. Dezember d. J. in allen Pfarreien unserer Diözesen abgehalten werde.“

Während nun im Jahre 1870 die Kirchenversammlung stattfand, war der Krieg Deutschlands gegen Frankreich ausgebrochen. Auch diesmal wiesen die hochwürdigsten Bischöfe die Gläubigen wiederum an das göttliche Herz und seine unendliche Liebe. Daß dem katholischen Volk in Deutschland diese Hirtenworte zu Herzen gegangen sind, hat es im folgenden Jahr bewiesen. Am 16. Juni 1871, am Fest des heiligsten Herzens Jesu, feierte Papst Pius IX. das Jubelfest seines fünfundzwanzigsten Regierungsjahres. Bei dieser Gelegenheit nun hatte das katholische Volk Deutschlands eine zahlreiche Gesandtschaft unter Führung Seiner Durchlaucht, Carl Fürsten von Löwenstein, an den Papst abgesendet, um Sr. Heiligkeit zu dieser in der Geschichte der Päpste seit dem hl. Petrus einzig dastehenden Feier seine Glückwünsche darzubringen. Zugleich aber lag ihm noch Eines am Herzen – die Erhöhung des Festes des heiligsten Herzens zu dem höchsten Rang kirchlicher Feste. Zu diesem Zweck wurde von den Vertretern der deutschen Katholiken dem hl. Vater folgendes Bittgesuch überreicht (siehe den Beitrag: Bittgesuch an Pius IX.). –
aus: Franz Hattler SJ, Großes Herz-Jesu-Buch für die christliche Familie, 1897, S. 724 – S.726

siehe dazu auch: Ansprachen Pius IX. zur Verehrung des Herzens Jesu

Bildquellen

  • hattler-das-haus-des-herzens-jesu: Bildrechte beim Autor

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