Heiliges Messopfer Des Christen Wandlung

Der Priester steht in der heiligen Messe vor dem Hochaltar, hält die nach der Wandlung geweihte Hostie hoch, die Ministranten und das gläubige Volk knien mit gesenktem Haupt

Das heilige Messopfer ist des Christen Wandlung

Es ist ein schöner, tief sinniger Gebrauch, daß der gläubige Katholik bei der Wandlung betet: „Jesus; dir lebe ich! Jesus, dir sterbe ich! Jesus, dein bin ich, lebendig und tot!“ Wenn dir diese Worte wirklich vom Herzen kommen und du wahr machst, was du sagst, sieh, das ist die einzig würdige Gegenleistung für das Opfer, das Christus bei der Wandlung dir bringt. Diese Bezahlung verdient er in aller Wahrheit. Da kommt der Herr, um für dich zu leben, für dich geheimnisvoll zu sterben, um dein zu sein im Zustand eines Opfers. Darum sollst auch du dich ihm zum Opfer bringen, indem du wahr machst, was du sagst: „Jesus, dir lebe ich, Jesus, dir sterbe ich.“ – Laß dir dies jetzt auslegen.

„Jesus dir lebe ich.“

Kurze Zeit vor der Wandlung, am Anfang der Präfation, hebt der Priester die Arme und Hände zum Himmel, und sagt laut zu allen Anwesenden: „Aufwärts eure Herzen!“ Damit fordert er die Gläubigen auf, daß sie ihr Herz, ihre Liebe, ihren Willen, von dem Irdischen weg kehren zu Gott, daß sie also ihr Herz von den irdischen, sündigen Neigungen, Wünschen und Begierden los reißen, und es Gott und seiner Liebe zuwenden.
Der gottselige Thomas von Kempis fragt den Heiland, was er denn tun soll, um das große und göttliche Opfer der Messe recht zu feiern? Die Antwort Christi lautet: „Wie ich mich am Kreuze mit ausgebreiteten Armen und entblößtem Leibe für deine Sünden Gott dem Vater freiwillig geopfert habe, also daß nichts in mir geblieben, das nicht ganz in das Opfer göttlicher Versöhnung aufgegangen wäre, so sollst auch du dich selbst mir freiwillig zu einem reinen und heiligen Opfer täglich in der Messe mit allen deinen Kräften und Neigungen so innig du es nur vermagst, opfern. Ws begehre ich von dir, als daß du dich bemühest, dich mir ganz zu überlassen? Was du mir außer dir selbst gibst, dessen achte ich nicht; ich such nicht deine Gabe, ich such dich selbst:“
Sieh, lieber Christ! Wenn du dies tust, dann machst du wahr, was du sagst: Jesus, dir lebe ich! Dann lebst du wahrhaft nicht mehr dir, deinem Willen, deiner verkehrten Liebe, sondern ihm. Du machst deinen Willen zum Gefangenen seines Willens; da gibst du Herz für Herz, Leben für Leben; da machst du wahr, was der Ministrant am Altar in deinem Namen dem Priester auf die Worte: Sursum corda! antwortet: „Wir haben unsere Herzen zum Herrn erhoben.“

„Jesus, dir sterbe ich!“

Wenn du in solcher Weise dein Herz, deine Liebe zum Heiland hingekehrt hast, so kann dein weiteres Leben nicht mehr sein, ohne daß du auch fortwährend für ihn stirbst. Du darfst fortan von deinem Willen keinen andern Gebrauch mehr machen zur Sünde; du mußt gleichsam blind, stumm, lahm sein für alles, was Gott mißfällt. So machst du Leib und Seele unbrauchbar zu allem andern, als was dir Gott gestattet. Die Reue, mit welcher du dich von der Sünde entschieden abkehrst, und die Liebe, mit welcher du dich Gott zuwendest, diese heften dich an ein Kreuz, daß du nicht mehr tust, was du willst, sondern nur mehr, was er will. Das heißt wahrhaft sich selbst absterben, seine Glieder abtöten, das Fleisch mit seinen Gelüsten kreuzigen und seinen Leib Gott zu einem lebendigen, heiligen, wohl gefälligen Opfer machen, wie St. Paulus lehrt.

Bei der Weihe des Altares spricht der Bischof: „Auf diesem Altare walte der Dienst der Unschuld, es werde geopfert der Stolz, ertötet der Zorn, vernichtet alle Fleisches- und Sinnenlust; statt der Turteltauben werde dargebracht das Opfer der Keuschheit und statt der jungen Tauben das Opfer der Unschuld.“ Wenn du wirklich bei der Wandlung dies tust, dann zahlst du in einzig würdiger Weise dem Heiland das Opfer, das er am Kreuze für dich dargebracht und bei der Wandlung wieder bringt. Du gibst Auge für Auge, Zunge für Zunge, Leib für Leib, Herz für Herz. Du stirbst dir ab und stirbst deinem Herrn zu lieb. Jesus, dir sterbe ich! Du gehörst von der Wandlung an nicht mehr dir, sondern ihm: Jesus , dein bin ich lebend und sterbend. Das ist gerade das innerste Wesen, der Kern der Andacht zum göttlichen Herzen Jesu. Da wird jede jede Wandlung eine Offenbarung auch deines Herzens, deiner Liebe zum Heiland wie jede Wandlung dir die innigste Opferliebe seines Herzens offenbart.

Ja freilich, wenn du dieses kurze, schöne Gebet nur zur vollen Wahrheit machtest, dann würde auch bei jeder Messe eine Wandlung mit dir geschehen. Du kämest als ein ganz anderer von der Messe zurück. Und wenn die ganze christliche Gemeinde am Sonntag beim Hochamt nichts täte, als nur einzig dieses Gebet zur Wahrheit machen, sie wäre im Laufe des Sonntages und der folgenden Woche nicht mehr zu kennen. Sie lebte nicht mehr sich, sondern nur mehr Christo, ihrem geopferten Hohenpriester.
Dies Alles, lieber Christ! Will wohl bedacht sein, wenn du zur heiligen Messe gehst. Wenn du auf das Glockenzeichen dich auf den Weg zur Kirche begibst und man dich fragte: „Wo gehst du hin?“ so mußt du sagen können:

„Es kommt mein Herr und Gott, um sein Kreuzesopfer für mich zu erneuern; auch ich gehe hin, um mich für ihn zu kreuzigen und am Kreuze für ihn zu sterben.“

Und wenn man dich auf dem Heimwege von der Messe fragte: „Wo gehst du jetzt hin?“ so mußt du antworten können:

„Ich gehe hin, um an diesem Tage Jesu zu leben, Jesu zu sterben und ganz sein zu sein.“

Und jetzt eine ernste Frage: Lieber Christ! Hast du denn in deinem ganzen Leben auch nur ein einziges Mal so der heiligen Messe beigewohnt? Bist du seit der letzten heiligen Wandlung, der du beigewohnt, auch wirklich gewandelt worden in einen andern Menschen, der geschaffen ist in Heiligkeit und Gerechtigkeit in Christo Jesu? Lebst du seitdem nur mehr ihm, nur mehr zum Wohlgefallen seines Herzens?

Vor einigen Tagen hat der Postbote einen Brief gebracht, in welchem folgendes erzählt wurde. Eine Person hat einen Verwandten, der ganz gottvergessen dahin lebte; er wollte nichts mehr von Gott und von der Verehrung der Gottesmutter wissen. Da bittet ihn eines Tages die Person, er soll ihr doch etwas aus dem Messbuch von P. Cochem vorlesen; sie wolle ihm dafür ein schönes Trinkgeld geben. Das hat gezogen. Der Mann hat alle Tage eine Stunde lang vorgelesen und seine Bezahlung dafür bekommen, dazu aber noch etwas Kostbareres. Es ist ihm beim Lesen etwas hängen geblieben und allgemach ein Lichtlein aufgegangen, daß er doch auch gewissermaßen einige Schuldigkeit gegen Gott habe, damit aber gewaltig im Rückstand sei, daß aber die heilige Messe ein einfaches und zugleich ausgiebiges Mittel wäre, diese Schuld bei Gott zu begleichen. Seitdem geht er auch fleißig zur Messe und es ist ihm nicht mehr wohl, wenn er keine haben kann. Auch hat er beim einem Versehgang in recht schöner Weise seinen Glauben und seine Andacht zum heiligsten Sakrament bewiesen…

An dem Mann ist eine segensreiche Wandlung durch die heilige Messe bewirkt worden. Gott gebe, daß es auch beim Leser geschehe, und es an ihm jedesmal, so oft er zur heiligen Messe geht, wahr werde, was Christus vom Zöllner im Tempel gesagt hat. Als großer Schuld beladener Sünder ist er zum Gottesdienst gekommen, und als ein Heiliger ist er heim gegangen. „Der Zöllner ging gerechtfertigt in sein Haus.“

aus: Franz Ser. Hattler, Das hochheilige Meßopfer, 1902, S. 41-46

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