Heiliger Johannes der Stillschweigende

Christus sitzt in der Mitte, Löwe und Stier zu seinen Füßen, die Heiligen aus den Orden und Jungfrauen stehen in der oberen Reihe, in der unteren Reihe knien heilige Kinder und Ehepaare

Heiligenkalender

13. Mai

Der heilige Johannes der Stillschweigende

Bischof von Colonia und Mönch

Die Kirche ruft uns heute zur Feier des Andenkens an einen jener hl. Männer, welche die göttliche Weisheit auserwählt hat, um die so notwendige Tugend einer vollkommenen Losreißung von der Welt in mannigfacher Größe und Schönheit durch ihre langjährige Lebensweise zum lichtvollen Ausdruck zu bringen. Hohe Bewunderung verdient gerade in dieser Beziehung der hl. Johannes, den die Geschichte mit dem Ehrentitel „der Stillschweigende“ auszeichnet.

Er war 454 zu Nikopolis in Armenien geboren. Seine Eltern standen wegen ihres Familienadels und Reichtums, aber noch mehr wegen ihrer christlichen Frömmigkeit und Nächstenliebe in hohem Ansehen. Sie verwendeten alle Sorgfalt auf die religiöse und wissenschaftliche Erziehung ihrer Kinder, die auch herrliche Früchte brachte. Sie erlebten dies zwar nicht mehr; aber Gottes Güte vollendete das Werk. Johannes war mit achtzehn Jahren Waise und Besitzer eines großen Vermögens. Um sein junges Herz vor den gefahren der Welt zu sichern, verwendete er sein vermögen zur Verherrlichung Gottes und zum Heil der Mitmenschen, indem er in seiner Vaterstadt zur Ehre der allerseligsten Jungfrau Maria eine Kirche und ein Kloster baute, in welches er mit zehn Gesinnungsgenossen eintrat, um allein für Gott zu leben. Mit beharrlichem Eifer übte er sich in der Demut, in der Selbstverleugnung und in der Abtötung des Fleisches und vorzüglich mit eiserner Strenge im Stillschweigen. Nur im dringendsten Notfall sprach er dann ebenso behutsam als sparsam. Seine Mitbrüder wählten ihn zu ihrem Abt. Johannes erhob das Kloster durch die Weisheit seiner Leitung in wenigen Jahren zu solcher Blüte, daß es eine fruchtbare Pflanzschule von Heiligen wurde. Der Glanz seiner Wissenschaft und Tugend machte weit in der Ferne seinen Namen berühmt; und als der Bischof von Colonia starb, musste er aus kirchlichem Gehorsam die teure Einsamkeit verlassen und dessen Nachfolger werden.

Auch als Bischof beobachtete Johannes die klösterlichen Strengheiten und das gelobte Stillschweigen, soviel nur immer der neue Stand es ihm erlaubte. Sein rührendes Beispiel weckte in den Diözesanen und weit über die Grenzen seines Bistums hinaus die christliche Gottesfurcht zu frischem Leben und gewann ihm die Herzen Aller. Nur sein Schwager Pafinicus, Landpfleger in Armenien, trat feindlich wider ihn auf, trotzte seinen Anordnungen, verfolgte die geistlichen und vergriff sich gewalttätig an den kirchlichen Rechten und Gütern.

Zehn Jahre lang verschwendete Johannes alle Mittel der Liebe und Milde an seinem Schwager, aber umsonst; zuletzt ging er nach Konstantinopel zu Kaiser Zeno, um Abhilfe zu suchen, die er auch fand. Zugleich erbat er sich vom dortigen Patriarchen die sehnlichst gewünschte Erlaubnis, das bischöfliche Amt nieder zu legen und in die Einsamkeit gehen zu dürfen.
Voll Freude eilte er – damals achtunddreißig Jahre alt – nach Jerusalem zum Kloster des hl. Sabas und bat um Aufnahme. Niemand kannte ihn; Niemanden entdeckte er seine Herkunft, noch seine bisherige Lebensweise. Sabas meinte, er sei erst ein Anfänger im geistigen Leben und gab ihn dem Hausverwalter zum Gehilfen. Dieser verwendete ihn zum Wasserholen und Holztragen usw. Johannes verrichtete diese niedrigen und seinen Händen ungewohnte Arbeiten mit pünktlichem Gehorsam, fröhlichem Herzen und unter beständigem Stillschweigen.

Lange beobachtete Sabas die stille, demütige Tugend des neuen Jüngers und machte ihn zum Gastmeister, daß er die ankommenden Fremden bediene. Johannes tat dies wieder mit solcher Liebe und Aufmerksamkeit, als pflegte er in den Fremden Jesus selbst. Diese englische Opferwilligkeit überzeugte den Abt, daß Johannes ein von Gott reich begnadigter Mann sei, weshalb er ihm eine abgesonderte Einsiedelei anwies, damit er sich darin ungestörter dem beschaulichen Leben und der Ausbildung in der Vollkommenheit widmen könnte. Hier wohnte Johannes drei Jahre, wöchentlich fünf Tage ohne Jemanden zu sehen und ohne etwas zu essen; nur an den Samstagen und Sonntagen verließ er die Zelle, um dem gemeinsamen Gottesdienst beizuwohnen, wobei seine Andacht Alle erbaute. Diese süßen Stille entriß ihn der Befehl des Abtes, welcher ihn zu dem an zeitlichen Geschäften ebenso reichen als lästigen Amt des Ökonomen (Hausmeister) berief; willig beugte sich seine Demut unter dieses Joch, und seine Geistessammlung wußte er ungestört zu bewahren.

Nach vier Jahren entschloss sich Sabas, die bewunderte Frömmigkeit des Johannes zu ehren und ihn zum Priester weihen zu lassen. Ohne ihm diese Absicht zu verraten, führte er ihn nach Jerusalem zum Patriarchen Elias. Erst hier merkte Johannes, um was es sich handle, und sah sich in peinlicher Verlegenheit. Denn sehr gerne hätte er zeitlebens verschwiegen, was er jetzt offenbaren musste. Er bat den Elias, mit ihm allein sprechen zu dürfen und begann: „Ich bitte dich, schone mein Leben und sage Niemanden, was ich dir mitteilen muss, damit ich nicht gezwungen werde, das Kloster zu verlassen.“ Der Patriarch versprach, das Geheimnis zu bewahren. Dann fuhr Johannes fort: „Ich bin schon zum Priester und auch zum Bischof von Colonia geweiht; aber meiner Sünden wegen habe ich den jetzigen niedrigen Stand erwählt.“ Elias höchst erstaunt, erklärte dem Abt: „Dieser Mann hat mir ein Geheimnis entdeckt, welches mich hindert, ihn zum Priester zu weihen. Wie bisher wird er darüber Stillschweigen beobachten, und Niemand soll ihn deshalb belästigen.“

Sabas tief betrübt, daß sein dem Anschein nach so heiliger Jünger der Priesterweihe unwürdig oder unfähig sein solle, flehte mit Tränen zu Gott um Erleuchtung. Ein Engel verkündete ihm: „Johannes kann nicht mehr die Priesterweihe empfangen, er ist schon Bischof und ein verborgener Schatz deines Klosters.“ voll Freude eilte er zu Johannes, umarmte ihn mit tiefster Verehrung und sagte: „O Vater, billig muss ich mich beklagen, daß du mir die hohe Gnade, die dir geworden sit, verheimlicht hast: aber Gott hat sie mir geoffenbart!“ Traurig erwiderte Johannes: „Ach Vater, ich wollte, daß es Niemand erfahre; jetzt muss ich das Kloster verlassen, weil ich entdeckt bin!“ Sabas bat ihn dringendst, zu bleiben, und gelobte ihm, Niemanden sein Geheimnis zu verraten. Auf diese Versicherung schloss sich Johannes wieder in seine Zelle ein und blieb darin vier Jahre lang, ohne sie nur mit einem Fuß zu verlassen oder mit Jemanden ein Wort zu sprechen.

Ein schweres Unglück traf das Kloster; widerspenstige Mönche kündeten unter dem Vorwand allzu großer Strenge dem hl. Sabas den gehorsam auf und vertrieben ihn. Da ging auch Johannes, der an dieser Unordnung keinen Teil haben wollte, in die Wüste Ruba, wo er neun Jahre in vollständigem Stillschweigen, nur dem Gebet und der Betrachtung obliegend, zubrachte; – Gott weiß es – welch` reichen Schatz an ewigen Verdiensten er dort sammelte.
Inzwischen waren die Mönche im Kloster zu besserer Gesinnung gekommen und hatten ihren Abt, den hl. Sabas, zurück gerufen. Dieser ruhte nicht, bis er den geliebten Johannes aufgefunden und zur Rückkehr in seine Zelle bewogen hatte.
Der Ruf so großer Heiligkeit zog viele Heilsbegierige herbei, um sich von Johannes Rat und Trost zu erbitten, wobei sich öfters seine Gabe der Wunder zeigte.

Nach dem Tode des hl. Sabas war er noch lange Jahre eine mächtige Stütze des Klosters, vorzüglich gegen die Ketzerei der Nestorianer, welche mit orientalischer Hitze und Bosheit die Katholiken bedrängten und mit roher Gewalt die Zahl ihrer Anhänger zu vermehren strebten. Er verteidigte siegreich die katholische Glaubenslehre sowohl durch die Tiefe seiner Wissenschaft als auch durch die Größe seines Ansehens und lähmte die Schläge ihrer Verfolgungen durch den Glanz seiner Tugenden. Erst als Greis von 104 Jahren, aber immer noch ein Wunder der Geistesfrische und Herzens-Fröhlichkeit, verließ er den Kampfplatz und ging ein in die ewige Ruhe am 7. Dezember 558. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 364 – S. 366

Category: Ordensleute
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