Gottseliger Peter Paul Dupré Servit

Gottseliger Peter Paul Dupré aus dem Orden der Diener Mariens

An diesem frommen Diener Gottes und Mariens zeigte sich so recht die unendliche Erbarmung Gottes. Aus dem adeligen Geschlecht Dupré in Frankreich stammend kam er schon mit 12 Jahren zum Kriegsheer des Königs Ludwig XVI. von Frankreich und wurde später wegen seiner Tapferkeit zum Hauptmann erhoben. Er diente zwar mit Treue seinem irdischen König, aber des himmlischen und ewigen Königs und Herrn vergaß er ganz und gar. Er führte ein wüstes Soldatenleben. Nur ein Zeichen von Gottesfurcht war ihm geblieben, nämlich, eine gewisse Ehrfurcht gegen Gott geweihte Orte, die er vor Plünderung und Zerstörung, selbst mit Gefahr seines Lebens, zu bewahren suchte.

Nachdem er so mehrere Jahre ganz Gottvergessen dahin gelebt, verließ er den Kriegsdienst und nahm die Stadt Venedig zu seinem Wohnplatz. Hier erwarb er sich durch seine Kenntnisse das vertrauen des hohen Rates und wurde mit einem Gesandten nach Rom geschickt. Da ereignete es sich, daß er einst die Kirche, Maria die Größere genannt, besuchte. Er kam nicht, um zu beten, und dennoch warf Maria, die barmherzige Mutter, einen Blick des Mitleids auf ihn. Er fühlte sich plötzlich, er wußte nicht wie, von einem himmlischen Licht innerlich erleuchtet. Er erkannte seine Sünden und ihre Abscheulichkeit, eine tiefe Rührung erfaßte ihn. In Reue und Schmerz aufgelöst, sank er vor dem Bild der seligsten Jungfrau auf die Knie und gelobte dem schwer beleidigten Gott Besserung seines Lebens. Unverweilt machte er eine Wallfahrt nach Loreto und legte dort durch eine aufrichtige Beichte den Grunde zu seiner Lebensänderung.

Nach Rom zurück gekehrt wählte er sich einen eigenen Seelenführer und schritt so immer weiter auf der Bahn der Tugend. Doch noch eine Schlinge hatte ihn umfangen, die er gerne zerreißen wollte, aber nicht zerreißen zu dürfen glaubte. Eine Weibsperson hielt sein Herz noch gefesselt. Da geschah es, daß er in aufwallender Hitze päpstliche Beamte beleidigte. Um der Strafe zu entgehen, entfloh er, und so machte ihn dieser Umstand los von seiner Verbindung, die ihn hinderte, Gott vollkommen zu dienen.

Er floh nach Mantua, wo er in dem Orden der Diener Mariens Aufnahme fand, wobei er den Namen Silverius Maria erhielt. Im Probejahr lag er zwar mit allem Eifer den geistlichen Übungen ob, aber seinen eigenen Willen wollte er nicht brechen. Daher verließ er nach 10 Monaten das Kloster wieder, um zur alten Freiheit zurück zu kehren. Sieben Jahre irrte er in der Fremde herum; fand aber nirgends Ruhe. Endlich kam er wieder nach Mantua, wo das Verlangen, in einen Orden zu treten, aufs Neue in ihm erwachte. Bei den Jesuiten hielt er geistliche Übungen. Tief erschüttert und in Reuetränen aufgelöst schrieb er mit seinem eigenen Blut seinen festen Entschluss nieder, von nun an Gott allein zu dienen, sollte es ihm auch das Leben kosten.

Wieder wollte er in den Orden der Diener Mariens treten, denn nur durch Hilfe der Gottesmutter glaubte er über sich selbst Herr zu werden. Jedoch getraute er sich nicht, in sein früheres Kloster zurück zu kehren. Er begab sich daher nach Rom zum Ordensgeneral der Diener Mariens selbst. Obwohl er wußte, daß er sich in dieser Stadt, wegen seiner früheren Taten der Todesgefahr aussetze, zog ihn doch die Liebe zu Gott und Maria dahin. Der Vater General sah die Zeichen seiner aufrichtigen Reue, nahm ihn auf, und so trat er in seinem fünfzigsten Jahr als Laienbruder unter dem Namen Peter Paul Maria unter die Diener der lieben Frau.

Nun war er darauf bedacht, seinen Feind, den Stolz, zu brechen und zu töten. Es gelang ihm durch fortgesetzten Kampf und unaufhörliches Flehen zur Gottesmutter. Im Kloster musste er auch das Amt eines Pförtners versehen, wobei es oft geschah, daß er mit rauhen Worten behandelt wurde. Allein er nahm Alles mit Geduld und Demut hin und sagte dafür nur Deo gratias „Gott sei Dank!“ Als Pförtner suchte und sammelte er Alles im Kloster zusammen, was er immer mit Erlaubnis der Oberen verwenden konnte, um die Armen zu speisen oder zu kleiden, die sich bei der Pforte meldeten, ja er hungerte oft selbst, um den Hungrigen zu geben. Dafür wurde er auch oftmals gewürdigt, eine Fülle des inneren Trostes und wahrer Herzenssüße zu genießen. So lebte er, ein wahrer Diener der göttlichen Mutter, ein heiliges Leben, nur das Heil seiner Seele und wahre Buße für die begangenen Sünden suchend. Er war daher allgemein unter dem Namen: der heilige Portner, bekannt.

Am 26. Februar 1701 wurde er krank. Er fühlte seinen nahen Tod und begehrte und empfing mit innigster Andacht die heiligen Sakramente. Am 8. März in der Nacht sprach er mit seinem Mitbruder, der bei ihm wachte, von den Freuden des Himmels, richtete dann nach Mitternacht auf einmal die Augen auf das Bild des Gekreuzigten und der schmerzhaften Mutter und sagte: „Wir wollen noch dreimal das heilige Vaterunser mit dem englischen Gruß beten, damit Maria, unsere liebe Mutter, in meinem Hinscheiden mir gnädig beistehe. Kaum hatte er das Gebet vollendet, als er seinen Geist aufgab.

Er hatte im Leben ein ungestaltetes schmutziges Angesicht, und seine Hände Waren vom Frost ganz rot und aufgesprungen. Nach dem Tod aber fand man ihn mit besonderer Anmut glänzen, ganz rein und weiß, wie in einer Art Verklärung. Sein Leichnam wurde von einer unzählbaren Menge Armer, die an dem heiligen Bruder einen Vater verloren, mit Klagen und Weinen zur Erde begleitet. – (Tugendspiegel.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 657 – Sp. 659

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