Geschichte einer Sklavin in Afrika

Zwei afrikanische Kinder, ein Junge und ein Mädchen, bitten um christliche katholische Missionierung, um dem Götzendienst zu entfliehen

Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht

Geschichte einer kleinen Sklavin in Afrika

Im Jahre 1898 nahmen die Missionsschwestern in Elmina (Goldküste) ein Mädchen von zwölf Jahren auf, dessen zahlreiche Tätowierungen und Narben eine schmerzliche Vergangenheit anzeigten. Nie fand man ein Lächeln auf den Lippen des Kindes. Nach einiger Zeit, als es hinreichend Englisch verstand, konnte es uns seine Lebensgeschichte erzählen, die sehr dazu angetan ist, den Eifer für das schöne Werk des Loskaufs von Sklavenkindern zu beleben. –

Ich bin, erzählt sie uns, in einem Dorf des großen Königreiches Aschanti geboren. Ich war noch sehr jung, als mein Vater starb. Meine Schwester war noch jünger als ich. Eines Tages gingen wir mit der Mutter auf das Maisfeld; da sahen wir uns von Kaufleuten umringt, die sich über uns hermachten mit den Worten: „Schweigt oder wir töten euch!“ –

Eine Frau, die nicht weit von da arbeitete, begann um Hilfe zu schreien. Sie wurde auf der Stelle wie eine Fliege durch einen Stockschlag getötet. Uns führten sie dann fort, weit fort ins Land hinein mit einer ganzenS char armer Sklaven. Dort kauften Araber die stärksten. Die Mutter wurde uns entrissen, ohne daß wir ihr „Lebewohl!“ sagen konnten. –

Große Tränen rannen dem Kind bei der Erinnerung ans eine Mutter über die Wangen. –

Ich war ungefähr sechs, mein Schwesterchen vier Jahre alt. Mühsam musste ich meinen Unglücksgefährten durch die Ebene folgen. Die Händler machten selten Halt und gerade so lange, um ihre Mahlzeit zu halten, von der sie uns wie Hunden die Knochen zuwarfen. Nach einem zweitägigen Marsch sank meine kleine Schwester erschöpft nieder. Ich blieb bei ihr, während die Sklaven weiter marschierten. Doch ein Mann sah uns, daß er mit dieser Kleinen nichts gewinnen könne, machte er fürchterliche Augen und tötete sie. Auch mich drohte er nieder zu machen, wenn ich nicht vorwärts wolle, und schlug ich so lange, bis ich gehorchte. –

Nach einigen Tagemärschen langten wir am Ziel der Reise an. Die Händler führten uns zu einem mächtigen Häuptling, der eine große Zahl von uns kaufte. Die Hälfte meiner Gefährten wurden verbrannt, um den bösen Geist zu versöhnen, der dem Häuptling ein heftiges Fieber gesandt hatte; … ihre Köpfe wurden an Stricken aufgehängt… Ich fürchtete mich… Ich zitterte Tag und Nacht aus Furcht, auch getötet zu werden. Endlich wurde ich gegen einen Sack Reis wieder an einen Händler verkauft und in ein anderes Dorf geführt, wo ich einige Tage im Dienst eines bösen Herrn stand, der mich wie ein Saumtier behandelte. Täglich erhielt ich Stock- und Rutenschläge und am Ende des Tages gab man mir Hirse und Fisch zur Nahrung. –

Darauf brachte mich mein Herr auf einen Markt, wo ich an Araber verkauft wurde. Ich war acht Jahre alt. Diese führten mich mit andern Sklaven zu dem mächtigen König Samory. Dieser grausame König hatte Hunderte von Sklaven und viele Weiber. An die dreißig Sklaven, Weiber und Kinder, wurden dem Fetisch geopfert, und wir mussten diesem gräßlichen Schauspiel beiwohnen. Fünfmal wurde ich verkauft und fünfmal gezeichnet. Das erste Mal, als ich verkauft wurde, band mir mein Herr Hände und Füße und machte mit mit einem Messer zwei tiefe Einschnitte auf jede Wange. Das Blut rann herab, und ich hatte großen Schmerz! Das zweite Mal gleiche Behandlung. Das dritte Mal kam ein Araber und sagte zu mir: „Adjuah, lege dich nieder und schlafe.“ –

Ich gehorchte und schloss die Augen, ohne eine Ahnung von dem zu haben, was mir dieser böse Mann antun würde. Da nahm er ein Stück scharfkantigen Marmor und machte mir zwei noch tiefere Einschnitte. Ich konnte einen Schrei nicht unterdrücken. Da sagte der Araber: „Schweige, oder ich haue dir den Kopf ab.“ – Dann goss er den Saft einer Pflanze, die in meinem Land wächst, in die Wunden. –

Ich war gefesselt, als eines Tages zwei weiß gekleidete Männer kamen. Ich fürchtete mich, aber einer derselben faßte mich am Kopf, und ich sah, daß er weinte. „Armes Kind, fürchte nichts; wir wollen dir kein Leid antun, sondern dich glücklich machen.“ –

Ich wurde von meinen Fesseln befreit und zuerst in das Fort Elwina gebracht. Am Abend holte mich ein anderer Weißer (ein Missionar) und sagte mir, er wolle mich zu weißen Schwestern führen, die Mutterstelle an mir vertreten würden. Ich war zufrieden, ich lachte, sprang, küßte meinem Wohltäter die Hände und vergaß, daß noch vor einer Stunde Arbeit und Schläge mit Seil und Stock mein einziger Anteil gewesen. (AVG 1900, 31) –
aus: Hermann Fischer SVD, Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht, 1922, Bd. 2, S. 21 – S.22

Verwandte Beiträge

Das Los christlicher Sklavenkinder
Eine Sklavenmutter und ihr Kind
Menü