Standhafter Glaube unter chinesischen Christen

Eine Gruppe chinesischer Neuchristen auf der Flucht vor ihren Verfolgern

Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht

Standhafter Glaube unter chinesischen Neuchristen

Chinesen ertragen für ihren Glauben schwere Misshandlungen

Am Eingang eines chinesischen Dorfes hatten sich schon in der Frühe die Christen versammelt, um noch einmal den Segen des scheidenden Missionars zu empfangen, der während einiger Tage in ihrer Mitte geweilt. In diesem Augenblick kam ein Christ herbei geeilt, Bericht zu erstatten über das Los mehrerer gefangener Christen aus einer Nachbar-Gemeinde. „Das Gefängnis unserer Mitchristen“, so erzählte er, „früher ein Ort der Verwünschungen und der Verzweiflung, hatte sich während ihres Aufenthaltes in eine Stätte des Gebetes verwandelt. Die Ergebung und die Freude, die fortwährend auf den Gesichtern der gefangenen Christen widerstrahlten, rührten endlich die Herzen der Mitgefangenen, die sonst kein Herz mehr zu haben schienen. Nach und nach verstummten die Flüche, und der Mund jener, die diese ausstießen, versuchten es endlich, Worte des Gebetes zu stammeln. Die Bekenner des Glaubens erteilten sechzehn von diesen armen Verurteilten die heilige Taufe, und so wurden die reißenden Wölfe zu Lämmern, die bei ihrer Hinrichtung dem Himmel zueilten.

Am zweiten Tag nach ihrer Abreise, mein Vater, ließ der Mandarin unsere Gefangenen Mitchristen vorführen. „Verleugnet euren Gott, und ihr werdet frei“, redete er sie an. – „Niemals werden wir ihn verleugnen“, erwiderten diese drei mutigen Glaubenshelden. – „So gebt jedem sechshundert Stockschläge“, schrie der Richter wütend. Die Bekenner des Glaubens legten sich nieder und empfingen die sechshundert Schläge ohne einen einzigen Laut der Klage. „Schwört ihr jetzt ab?“ schrie der Verfolger. – „Niemals“, erwiderten sie. – „So gebe man ihnen noch weitere dreihundert“, knirschte der Tyrann. Sie empfingen sie, ohne die geringste Schwäche zu verraten. „Elende“, heulte der wilde Mandarin, „wozu dient euch jetzt die Hoffnung, die ihr auf euren Jesus setzt? Wird er euch retten aus meiner Hand? Wird er eure Wunden heilen? Also widersagt ihm?“ – Nachdem sie neunhundert Streiche erhalten hatten, vermochten die hochherzigen Streiter Christi zwar keine Bewegung mehr zu machen, aber sie hatten immer noch Kraft genug zu antworten: ‚Wir sind Christen!‘, und hundert neue Streiche trafen ihre zerrissenen, blutigen Glieder. „Man trage sie weg“, rief der Mandarin wuterfüllter als je, „man werfe sie wieder ins Gefängnis, und wenn ihre Wunden vernarbt sind, sollen sie abermals hierher kommen, um neue, noch schrecklichere zu erhalten.“ Nun trugen die Henker ihre Opfer von dannen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie jetzt ihr Martyrium unter neuen Qualen beendet haben.“ (Annalen der Verbreitung des Glaubens, Einsiedeln)

Lieber alles verlieren als den Glauben verleugnen

gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wütete in China die gefürchtete „Sekte vom großen Messer“. Raubend und sengend zogen sie von Ort zu Ort. Keine Christengemeinde war vor ihrer Verfolgungswut sicher. In Sürkunglu, einem Dorf Südschantungs, suchten die heidnischen Bewohner zwischen den Christen und dieser Sekte zu vermitteln. Sie verlangten von den Christen, sie möchten ihre Kirche selbst einreißen und die Erklärung abgeben, daß sie mit dem Christentum gebrochen. Die Christenvorsteher antworteten mit einem bestimmten „Niemals“. Dann möchten sie wenigstens das Kreuz von der Kirche entfernen. – „Auch das nicht!“

Als die Heiden ihre Absichten vereitelt sahen, versuchten sie die beiden Christenvorsteher zu binden und der Sekte als Geiseln zu überliefern. Die Vorsteher, die davon Kenntnis erhielten, entflohen nach Zining. Der nächste Tag verging in banger Erwartung. Am Morgen des darauf folgenden Tages, als die Christen kaum die Kirche verlassen hatten, trafen die ersten Banden der Sekte vom großen Messer ein. Die schöne Kirche, ein Meisterwerk des Missionars Freinademetz, und sämtliche Wohnungen der Christen wurden ein Raub der Flammen. Heiden aus Nachbardörfern dienten als Führer. Erwischte man einen Christen, so fragte man ihn, ob er Christ sei, oder durchsuchte ihn, ob er Skapuliere oder Rosenkränze bei sich trage. Unter der wilden Drohung, man wolle den Christen bei lebendigem Leib die Haut abziehen (ein bei chinesischen Räubern beliebtes Verfahren), sucht man die armen Leute einzuschüchtern. Trotzdem tötete man keinen der mutigen Bekenner, sondern begnügte sich sie mit Stöcken zu schlagen.

Zugleich mit den Rebellen waren zahlreiche Heiden der Umgegend mit Wagen und Schiebkarren eingetroffen. Auf der Brandstätte entwickelte sich nun ein lebhaftes Handelsgeschäft. Das Eigentum der Christen wurde meistbietend verkauft… Zum Schluss ging man noch auf die Felder der Christen, soweit man sie in der Eile finden konnte, und zerstörte die Herbsternte. Manche der Christen irrten tagelang unstet in den hoch regenden Kauliang-Feldern umher. Die einzelnen Familien waren zersprengt. Den Hunger stillten sie mit Brotstücken, die sie verstohlener Weise bei mitleidigen Freunden erbettelt; den Durst löschten sie an den trüben Wassern der Teiche außerhalb der Dörfer. Ein über siebzig Jahre alter Greis, ein sehr braver Christ, musste sich einen ganzen Tag im Gipfel eines Zypressen-Baumes versteckt halten. – Das Schlimmste war, daß die Rebellen nicht bloß einmal die Gemeinden durchstreiften, sondern immer wieder in neuen Banden zu den schon zerstörten Orten zurück kehrten. So blieb schließlich auch gar nichts verschont. Aber heldenmütig brachten die Christen lieber alles zum Opfer, als ihrem heiligen Glauben untreu zu werden. (Steyler Missionsbote 1896, 14)

Durch Standhaftigkeit im Glauben den Bruder gerettet

In der Provinz Kiangnang in China lebte ein stolzer und mächtiger Mann namens Ho. Er war eben so sehr gefürchtet wegen der Heftigkeit seines Charakters, als wegen seiner Strenge als Magistrat. Er hatte einen Bruder, der sich zum Christentum bekehrt und in der heiligen Taufe den Namen Andreas erhalten hatte. Als dies Ho erfuhr, geriet er außer sich vor Wut. Er ergriff seinen Bruder und drohte, ihn mit dem Schwert zu durchbohren, wenn er nicht augenblicklich seinen Glauben verleugne. Ohne seine Fassung zu verlieren, kniete Andreas nieder und bot sein Haupt dem Schwert dar. Ein solch edler Mut erschütterte und entwaffnete den gewalttätigen Heiden. Er ließ das Schwert sinken und schenkte seinem Bruder das Leben und die Freiheit. Auf die Gemahlin des Heiden aber hatte die Standhaftigkeit des Bekenners solchen Eindruck gemacht, daß sie sich sofort zum Christentum bekehrte. (Annalen der Verbreitung des Glaubens, Einsiedeln) – –
aus: Hermann Fischer SVD, Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht, 1922, Bd. 1, S. 21 – S. 24

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