Christentum ist die Religion der Liebe

Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht

Das Christentum ist die Religion der Liebe

Die christliche Liebe macht die Elendesten glücklich

Der hochwürdige Pater Kronenburg C.SS.R. schildert einen Besuch des Aussätzigenheims in Batavia: In Begleitung zweier barmherzigen Schwestern besuchten wir die Kranken. Die Natur schreckt zurück, wenn man die verstümmelten Wesen sieht, die nur zu leben scheinen, um zu leiden. Wir sahen solche, denen die Finger abgefallen waren oder denen von den Händen nur noch ein kleiner Stumpf übrig geblieben war; andere waren zur Hälfte der Füße beraubt; bei andern war das Gesicht ganz verstümmelt oder mit Wunden bedeckt. Und doch – welcher Frohsinn bei all diesen Unglücklichen! Sie erschienen vor dem Fenster ihrer Wohnung oder standen vor der Tür; freundlich grüßten sie mit den Worten: „Odri, vadri! Guten Tag, Vater!“ Und ein freundliches Lächeln suchte sich auf dem zuweilen Schauder erregenden Gesicht kund zu geben. Un welche Dankbarkeit gegen de Bischof und gegen die Schwestern! Alle sagten uns, wie froh, wie gut gepflegt und zufrieden sie seien. Wir sahen einen armen achtzehn oder neunzehn jährigen Negerjungen, dessen Unterlippe und Unterkiefer von der Krankheit zerfressen waren; aber nicht nur uns, sondern allen, die es hören wollten, erklärte er, daß er glücklich sei. Ein jüdischer Arzt, der ihn besuchte, fragte ihn: „Bist du zufrieden?“ – „O“, lautete die Antwort, „froh bin ich wie ein König.“ –

„Warum denn?“ – „Früher hatte ich niemand, der meine Wunden verband; jetzt kommen die Schwestern täglich dreimal und tun es so sorgsam. Früher warf man mir ein Stück Brot zu, jetzt bekomme ich oftmals an einem Tag nach Herzenslust zu essen und zu trinken.“ – „Willst du denn nie wieder nach Hause?“ – „O nie mehr!“ Wir gingen weiter. Ein kleines Mädchen von zehn oder elf Jahren kommt aus ihrem Zimmerchen, lächelt uns freundlich zu und führt uns zu ihrem Gartenbeetchen, wo sie ihr Gemüse gepflanzt hat und klatscht laut lachend vor Freude in die Hände, als wir die schönen Blüten bewundern. Und während wir so die Häuschen der Frauen entlang gehen, tönt von der andern Seite der Gesang der Männer zu uns herüber; sie stimmen das bei den surinamischen Katholiken so beliebte Lied an: „Der Himmel! Der Himmel! Der Himmel ist der Preis!“ Dieses Lied drückt ihre ganze Hoffnung, den Grund ihres Frohsinns und ihres übermenschlichen Mutes aus. Tränen traten uns in die Augen, Tränen des Mitleids und doch auch des Dankes. Wir hatten die Verwirklichung eines Ideals gesehen: Frohsinn bei gräßlichen Leiden, Zufriedenheit bei tiefstem Elend. Das bewirkt die katholische Religion durch ihre Priester und ihre Engel der Liebe! – Unter dem wiederholten „Odi, vadri!“ der Pfleglinge verließen wir jene Stätte des Friedens. (KM 1903, 249)

Liebe bringt Glück ins Aussätzigenheim

Mitten in einer unwirtlichen Gegend auf Madagaskar breiten sich herrliche Kulturanlagen aus, die sich um einen Gebäudekomplex gruppieren. Die Spitze eines Kirchtürmchens überragt das einzigartige Bild. Es ist ein Aussätzigenheim, das etwa 120 unheilbare Kranke ins ich bringt, arme Wesen, deren Anblick herzerschütternd wirkt. Hier schleppt sich einer auf Krücken fort, da geht ein anderer mit halb zerfressenem Gesicht einher, wieder ein anderer muss sich die speisen von andern zum Mund führen lassen, da die Krankheit ihm Hände und Arme geraubt. Die schwerkranken können nicht mehr gehen; auf einer ärmlichen Matte ausgestreckt, bringen sie ihre leidvollen Tage hin. Die leiblichen Qualen sind groß, größer noch die seelischen Leiden, welche aus der ihnen eigenen Schwermütigkeit stammen. Und dennoch ist ihr Glück vollkommen, weil christliche Liebe die Gemeinde regiert. Die Kranken verpflegen sich gegenseitig und leisten sich die demütigsten Liebesdienste. Und der Gedanke, sich nützlich machen und Werke der Barmherzigkeit üben zu können, gibt ihnen Lebensfreude und Lebensfrische wieder. Da kann man mit Rührung sehen, wie sie einander die Wunden reinigen und verbinden; wie sie gegenseitig ihre Zellen reinigen und an Feiertagen mit Blumen und frischem Grün zieren, wie sie oft stundenlang zusammen sitzen und sich trösten und aufmuntern mit dem Hinweis auf den nahen Himmel. Sie arbeiten im Garten friedlich miteinander und beten in der Kirche gemeinsam -, kurz, sie leben wie in einer Klostergemeinde. Ein heiteres Lächeln spielt auf allen Zügen, keine Klage kommt über ihre Lippen, sie sind glücklich trotz ihres Elendes. – Mag auchGesundheit Freude bringen, mag auch Reichtum Ansehen verschaffen, aber nur Liebe baut Glück. (KM 1888, 44) –
aus: Hermann Fischer SVD, Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht, Bd. 2, 1922, S. 24 – S. 26

siehe auch den Beitrag über Pater Damian de Veuster, den Apostel der Aussätzigen

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