Das Los christlicher Sklavenkinder

Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht

Das Los christlicher Sklavenkinder in Asien

Ein christliches Sklave ißt vor Hunger Erde

„Herzlos wie ein Heide“, sagt man wohl. Und in der Tat, die wahre Nächstenliebe, wie sie Christus der unglücklichen Menschheit gebracht, ist im Heidentum eine seltene, kaum bekannte Sache. Ein Ausfluss dieser heidnischen Herzlosigkeit ist auch das Kastenwesen in Indien, namentlich die unerhörte Verachtung und ungerechte Behandlung der armen Parias. Das Schmerzlichste im Leben eines Missionars, so schreibt Pater Baulez, Missionar von Pondichery, bei Schilderung dieser Zustände, ist nicht die Verbannung von seiner Heimat und nicht die Dürftigkeit, sondern ein solches Elend ansehen zu müssen und nicht helfen zu können. Er führt dann ein einzelnes Beispiel an, das uns besser wie viele Worte die traurige Lage so mancher Parias veranschaulicht.

Ein armer Pariaknabe im Alter von zwölf Jahren steht im Dienst eines reichen heidnischen Nainar. Der Ururgroßvater des Knaben hat bei Gelegenheit seiner Hochzeit vom Großvater des jetzigen Herrn fünf Rupien geliehen, und da diese Schuld nicht eingelöst wurde, ist die Familie der Sklaverei verfallen. Der Knabe hat bloß noch seine Mutter. Sie arbeitet auf dem Feld, während ihr Kleiner die Büffel seines Herrn hütet. Während der Regenzeit geht alles gut, und der junge Hirt erhält sein kleines Scheffelchen Korn zugemessen. Aber während des Sommers, wenn die Sonnenglut das Gras verbrennt und den Boden völlig austrocknet, geschieht es oft, daß die Büffel nach Hause zurück kehren, ohne hinlängliches Futter gefunden zu haben. Sie hungern wie ihr kleiner Hirt. Aber die Tiere sind nützliche Wesen, und der Herr gibt ihnen Kleie oder Kallu.

Den unglücklichen Jungen aber schließt der Nainar im Stall ein, schlägt ihn grausam und läßt ihn, obschon er den ganzen Tag noch nichts gegessen hat, nüchtern zu Bett gehen. Zumeist leidet er arme Kleine still und klaglos, er streckt sich in eine Ecke der elenden Hütte aus, ohne daß die Mutter erfährt, was geschehen ist. Aber eines Morgens geht der Knabe, nicht länger imstande, den Hunger zu ertragen, der in seinen Eingeweiden wühlt, legt sich unter einen Baum und gibt sich wie wahnsinnig vor Schmerz daran – die Erde zu essen. Ach, es ist schrecklich, abscheulich, aber es füllt doch den Mund und den Magen, und es ist so lange her, daß der kleine Padyal nichts mehr gegessen hat.

Aber da sieht einer den Knaben mit dem Mund voll Erde und sagt ihm, Gott weiß wie er dazu kommt, das sei gestohlen und eine schwere Sünde. Armer Junge! Es war also nicht genug, daß er gelitten, daß ihn sein Herr geschlagen, nun hat er auch noch seinen himmlischen Vater oben beleidigt. Der kleine Sklave war gewohnt an den Hunger, aber die Vorwürfe des Gewissens hat er noch nie kennengelernt. Er kommt zum Priester und bekennt mit Scham unter heißen Tränen, daß er ein großes Verbrechen begangen. –

„O Pater, verzeihen Sie mir; ich habe, um meinen Hunger zu stillen, gestohlen, und von der Erde gegessen, die einem andern gehörte.“ –

Das rührt Sie, nicht war, und treibt Ihnen das Wasser in die Augen; auch mir kamen die Tränen, während ich das niederschreibe. Aber sehen Sie, das Leiden dieses Kindes, das Leiden von Tausenden, Zehntausenden solcher Kinder, das Leiden eines ganzen Volkes, das der Hunger quält und schließlich erniedrigt, all dieses Meer von Leiden und Not bedeutet in den Augen der Heiden nichts, gar nichts, weil diejenigen, die es getroffen, ja nur Parias sind, und ein Paria, der nicht leidet, versucht sein könnte, nach einem besseren Los zu verlangen, als ihm zukommt. (KM 1908, 6)

Grauenhafte Tötung eines Christenkindes in China

Ein kleiner Knabe, den die Polizei in den Straßen von Hongkong aufgelesen, war in die Anstalt der Missionare aufgenommen worden und befand sich bereits vier Jahre in derselben. Er hatte inzwischen die heilige Taufe empfangen und war letztes Jahr nach genügender Vorbereitung zur heiligen Kommunion zugelassen worden. Da kam dem Kleinen auf einmal der Gedanke, er könne jetzt wohl allein durch die Welt kommen. Gedacht, getan. Eines Tages gelingt es ihm, die Wachsamkeit der Brüder zu täuschen und sich aus der Anstalt zu schleichen. –

Er sollte aber seinen dummen Streich bald genug bereuen, denn nach wenigen Tagen geriet er, da er nirgends eine Anstellung fand, in die größte Not. Statt nun zurück zu kehren, geht er hin und verkauft sich für einige Sapeken an einen heidnischen Chinesen, der ihn selbst wieder für eine geringe Dienstleistung einem andern Heiden schenkt, einem Fischer von Gewerbe. Als dieser erfuhr, daß sein kleiner Sklave ein Christ sei, wollte er ihn nicht länger in seiner Barke behalten, sondern faßt den grausamen Entschluss, ihn als Köder zum Fang von Blutegeln zu verwenden. Es findet sich nämlich in den hiesigen Gewässern eine Art Blutegel, die wohl 20 – 30 Zentimeter lang und entsprechend dick sind, und man muss wissen, daß dieses Riesengewürm, so ekelhaft es einem europäischen Gaumen erscheint, hierzulande als Leckerbissen gilt, und gut zubereitet, die Tafel der Mandarine und der Reichen ziert. –

Was geschieht also mit unserem armen, unglücklichen Kind, das in die Gewalt diese chinesischen Ungeheuers gefallen war? Dieser Unmensch zieht das Kind aus, betäubt es mit einem narkotischen Trank und bindet es, ehe es wieder zur Besinnung gekommen, fest an eine Pfahl in der Weise, daß der Körper weit genug im Wasser stand, ohne daß die Wellen jedoch über seinen Kopf hinweg spülten. Dann ruderte der herzlose Mensch an eine andere Stelle, um zu fischen. –

Nach Verlauf von etwa einer Stunde kommt er zurück, aber nicht um das arme Opfer zu befreien, sondern um begierig die blutdürstigen Tiere zu sammeln, die den kleinen Körper bereits völlig bedeckten. Dann brachte er Pfahl und Kind in die vorige Lage und ruderte fort. Als er zum zweiten Mal zurück kam, um nach seiner grausigen Angel zu sehen, fand er den Körper wieder ganz bedeckt mit Blutegeln, aber steif und leblos; – das Kind war tot. Allein was lag diesem Schurken am Tod des kleinen Knaben! Nachdem er das scheußliche Gewürm, welches die ganze Lebenskraft des armen Opfers ausgesaugt hatte, entfernt, warf er den Leichnam in die Flut und kehrte ganz vergnügt über den reichen Fang nach Hause zurück. Diese empörende Tatsache steht keineswegs vereinzelt da.

„O ihr lieben Kinder in Europa“, so schließt der Missionar seinen Bericht, „die ihr der Gegenstand der zärtlichsten Sorge seid, eine liebe, gute Mutter habt, o gedenkt doch eurer armen kleinen unglücklichen Brüderchen und Schwesterchen, weit in dem unabsehbar großen Reich der Mitte.“ (KM 1892, 136) –
aus: Hermann Fischer SVD, Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht, 1922, Bd. 2, S. 14- S. 16

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