Eure Seele ist erkauft um einen hohen Preis

Die Liebe zu Jesus Christus: Zwei Engel halten das Schweißtuch Jesu in den Händen, dahinter sind das Kreuz und die Leidenswerkzeuge

Bedenkt: Eure Seele ist erkauft um einen hohen Preis

1. Maurilius verdingte sich als Gärtner an einen Herrn, damit er durch die schwere Arbeit, welche er in diesem Dienst zur Sommers- und Winterszeit zu verrichten hatte, seine begangenen Sünden recht abbüßen könnte. Die Sünde muss nicht nur bereut und gebeichtet, sondern auch abgebüßt und bestraft werden; denn durch eine reuevolle Beichte wird nur durch die Verdienste Jesu die ewige, aber nicht die zeitliche Strafe schwerer Sünden nachgelassen. Diese Abbüßung und Bestrafung kann unter anderem auch geschehen, wenn man die Mühe und Arbeit seines Standes, die Beschwernisse, die man tragen muss, die Hitze und Kälte, die man auszustehen hat, die Krankheit, die Armut, Verfolgung oder Unbilden, die man leiden muss, mit Geduld trägt und leidet, und selbe Gott in dieser Meinung aufopfert. Dieses trostreiche Mittel sollen alle Sünder, besonders jene gebrauchen, welche etwas in anderen Bußwerken, in freiwilligem Fasten, im Gebrauch rauher Kleider, nach dem Beispiel so vieler heiliger Büßenden, sich nicht üben können oder wollen. Es muss doch gearbeitet, gelitten und manche Beschwernis ertragen sein. Was ist leichter, als daß man alles dieses mit Geduld verrichte und leide, und zugleich Gott aufopfere zur Genugtuung für seine Sünden oder zur gänzlichen Abbüßung derselben? Der heilige Kirchenrat zu Trient hat gelehrt, es sei dieses ein Zeichen und Beweis einer besonderen Liebe Gottes gegen uns, daß wir Gott für unsere Sünden durch die Verdienste Christi genug tun können, wenn wir die zeitlichen Widerwärtigkeiten, die uns Gott zuschickt, mit Geduld ertragen. (Sess. 14. Kan. 13) Benütze auch die heiligen Ablässe!

2. Hast du die letzten Worte des heiligen Maurilius wohl beachtet? „Betrachtet wohl, daß eure Seelen um einen großen Preis, nämlich mit dem kostbaren Blut Jesu Christi erkauft seien!“ Diese Wahrheit soll man sich recht zu Herzen nehmen. „Ihr seid erkauft“, schreibt der heilige Paulus, „um einen hohen Preis.“ (1. Kor. 6,20) Und der hl. Petrus schreibt: „Da ihr wisset, daß ihr nicht mit Vergänglichem, mit Gold und Silber, von eurem eitlen Wandel erlöst seid… sondern mit dem kostbaren Blute Jesu Christi, als eines unbefleckten und makellosen Lammes.“ (1. Petr. 1,18 u. 19) Unsere Seelen hat Christus mit seinem heiligsten Blut erkauft. Wie kostbar müssen sie daher in dem Angesicht Gottes sein! Und welche Sorge soll man tragen für das Heil derselben! Großen Abscheu soll man haben vor der Sünde, weil dadurch die Gott so werte, um so teueren Preis erkaufte Seele Christo dem Herrn entzogen, und dem höllischen Geist verkauft wird nach den Worten des heiligen Propheten Isaias: „Um eurer Sünden willen seid ihr verkauft.“ (Is. 50.1) Und wie teuer? Um eine augenblickliche Wollust, wie der heilige Augustin sagt. Welch eine entsetzliche Bosheit! Jesus Christus erkauft die menschliche Seele mit seinem Blute, wovon ein einziger Tropfen mehr wert ist, als alle Schätze der Welt; und ein Mensch verkauft seine Seele wieder seinem ärgsten Feind für eine augenblickliche Wollust, oder um den unmäßigen Genuss von Speise und Trank, oder um einen zeitlichen Gewinn. Welche große Verantwortung und Strafe muss eine so erstaunliche Bosheit nach sich ziehen! Weißt du dich einer solchen Torheit schuldig, so bereue und beweine sie und entreiße deine Seele dem Satan aus seiner Gewalt durch eine wahre Buße. Eusebius von Emisa sagt: „Lasset uns bewahren, was Christus mit seinem heiligsten Blut erkauft hat. Derjenige, der seine, mit dem Blut und Leiden Christi erlöste Seele verunreinigt, wird nicht eines geringen Wertes, sondern des Blutes Christi schuldig sein.“ Der heiligen Bernhard sagt: „Wenn wir die Seele verwahrlosen, welche Christus für kostbarer als sein eigenes Blut gehalten hat, so werden wir uns die ewige Verdammnis zuziehen und als Verächter des Blutes Christi strengstens bestraft werden.“ –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 730 – S. 731

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