Weltreise ULF von Fatima 1947-1951

Die Weltreise ULF von Fatima 1947-1951

Teil 1

Die wunderschöne Statue der Muttergottes von Fatima, oft sind auch Tauben zu ihren Füßen zu sehen; Maria trägt eine herrliche Krone auf ihrem Haupt und in ihren gefalteten Händen ist ein langer Rosenkranz

Ursprung und Bedeutung der Weltfahrt

1943 ist ganz Europa im Krieg, mit Ausnahme Portugals (Anm.: Schweden, die Schweiz und Spanien kämpfen auch nicht, doch sind sie durch den Kriegszustand weit mehr in Mitleidenschaft gezogen als Portugal) In Fatima tagt ein Kongress der weiblichen katholischen Jugend. Man beschließt eine internationale Pilgerfahrt der J.C.F. (Jeunesse catholique féminine, Katholische weibliche Jugend) in den ersten Tagen nach Kriegsende. Gleichzeit plant P. Demoutiez, ein junger belgischer Oblate vom Unbefleckten Herzen Mariens, nach dem Krieg mit seinen Scouts (Pfadfindern) ein großes Holzkreuz nach der Cova da Iria zu bringen. Sie wollen es dort aufstellen und eine Statue der Heiligen Jungfrau von Fatima im Triumph nach Belgien tragen.

Endlich, Ende Mai 1945, ruhen die Waffen. Katholische Geistliche Berlins erwägen eine große Sühnewallfahrt über alle Länder Europas, ähnlich der Wallfahrt des sogenannten „Grand retour“ in Frankreich, um an das Gesetz der menschlichen und christlichen Brüderlichkeit zu erinnern. Warum sollte nicht unsere Liebe Frau von Fatima diese Botschaft des Friedens verkünden?

Im April 1946 fand eine Delegierten-Tagung der internationalen katholischen weiblichen Jugend in Gent statt. Der portugiesischen Vorsitzenden schlägt dort eine solche Welle der Begeisterung für Fatima entgegen, daß sie jetzt alle anwesenden Delegationen zu einer internationalen Pilgerfahrt am 13. Mai 1947 nach Fatima einlädt. Da ruft plötzlich die Delegierte von Luxemburg: „Wie wäre es, wenn eine Statue der heiligen Jungfrau von der Cova da Iria aus das zerrissene Europa durchziehen würde, um ihm ihre Friedens-Botschaft zu bringen?“ Man stimmte zu, doch dann erfolgte nichts weiter.

Inzwischen hatte ein Berliner Geistlicher bei einer römischen Behörde angeregt, eine Statue Unserer Lieben Frau von Fatima möge 1947 von Fatima aus eine Rundfahrt durch alle Hauptstädte Europas machen.

Der Gedanke einer Sühneprozession in der Art eines europäischen „Grand Retour“ beschäftigte die portugiesischen Leiterinnen der J.C.F., die einen internationalen Kongress für den 3. und 4. April 1947 in Fatima vorbereiteten. Aber ein solcher Plan schien heller Wahnsinn! Die kirchlichen Behörden ermutigten ihn durchaus nicht; zu groß waren die Grenzschwierigkeiten in dieser den Feindseligkeiten noch so nahen Zeit, zu groß waren das allgemeine Elend und die vielen Einschränkungen.

Auf den Rat des Kardinals Cerejeira schrieb man, um die Lage abzutasten, an die Bischöfe verschiedener Länder. Während man auf Antwort wartete, schrieb P. Demoutiez, seine Oberen hätten seinem Plan ihre Einwilligung verweigert. Wie sollte denn auch die Statue befördert werden?

Die Mehrzahl der Bischöfe fanden zwar den Gedanken schön, äußerten jedoch praktische Bedenken und befürchteten einen Misserfolg. Nur die spanischen Bischöfe stimmten zu. Die Leiter der französischen Wallfahrt des „Grand Retour“ antworteten, man möge noch beten und sühnen, bis der Gedanke durchführbar sei.

Da schreibt plötzlich Pater Demoutiez, seine Vorgesetzten seien mit einer Reise der Statue Unserer Lieben Frau von Fatima nach Maastricht einverstanden, wo ein marianischer Kongress jener drei Länder tagte, die sich bald darauf als Benelux-Länder zusammen schließen sollten. Nur seien, so heißt es weiter in dem Brief, in Portugal und Spanien noch keinerlei diesbezügliche Schritte unternommen worden. Die portugiesischen Veranstalterinnen schreiben zuversichtlich: „Kommen Sie nur, es wird schon alles recht werden!“

Pater Demoutiez` Reise wird sichtlich von der Vorsehung beschützt. Unsere Liebe Frau hat sie offenbar gewollt. Zweifellos haben er sowie auch Schwester Lucia und Msgr. da Silva, die den Pater unterstützen, das Hauptverdienst an der Weltfahrt mit all den sie begleitenden Wundern.
Der junge Ordensmann hatte einen portugiesischen Priester als Begleiter der Statue gewünscht, ein solcher scheine eher dazu berufen als er selber. Doch Schwester Lucia schreibt ihm hierzu: „Unserer Lieben Frau ist niemand fremd, alle sind ihre Kinder, für ihr Herz gibt es keine nationale Trennung.“

Hatte doch Pius XII. im Jahre zuvor die Statue als „Königin Portugals und der Welt“ gekrönt.

Am Tag vor der Abreise brachten die Leiterinnen der Fahrt (Frl. Teresa Pereira da Cunha und ihr Komitee) zusammen mit Pater Demoutiez die Statue, die eigens zu diesem Zweck gekauft worden war, zu Schwester Lucia. (Diese befand sich damals in Vila Nova de Gaia.) Sie riet, den Bischof von Leira zu bitten, die gekaufte Statue gegen diejenige einzutauschen, die in seinem Empfangszimmer stehe und die nach ihren Angaben von Herrn José Thedim geschaffen worden war. Lucia fügte hinzu: „Diese Statue der heiligen Jungfrau wird die Grenzen Russlands erreichen, und dort wird man viel beten müssen, daß sie bis nach Moskau gelange. Wenn sie dann ihre Rundreise beendet hat, sollte man sie dem Heiligen Vater schenken.“

Msgr. da Silva ging freundlich auf diese Bitte ein und trennte sich von seiner schönen Statue. Am nächsten Tag, dem 13. Mai, wurde sie vor einer riesigen Pilgerschar in der Cova da Iria von Msgr. Julio Mendes da Conceição Santos, Erzbischof von Evora, gekrönt. Drei achtzehn-jährige Prinzessinnen Maria Pia, Tochter des früheren Königs von Italien, Mafalda, Tochter des Herzogs von Bragança (Portugal) und Isabella, die älteste Tochter des Grafen von Paris. Eine junge Russin, Natascha Derfelden, verlas ein von ihr verfaßtes Weihegebet Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens.

Wer aber glaubte an den Erfolg des Unternehmens? Nur sehr wenige. Wer dachte, daß diese europäische Fahrt zu einer Weltfahrt werden würde? Wer hätte die ungeheure Bewegung voraussehen können, die sie in der Welt hervorrufen würde: alle Gebete, alle Sühnebereitschaft, alle Bekehrungen, und all die Wunder, die Maria durch dieses unvorhergesehene Mittel wirken würde? Niemand. –
aus: C. Barthas, Fatima Ein Wunder des zwanzigsten Jahrhunderts 1960, S. 224 – S. 226

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