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Katholische Kirche – Mystici Corporis
Die sechs Sünden wider den heiligen Geist

Die sechs Sünden wider den heiligen Geist
Fr. Unterscheidet man außer den Sünden, von welchen gesprochen worden ist, noch einige andere Arten?
A. Ja, man unterscheidet unter anderem die Sünden wider den heiligen Geist und die himmelschreienden Sünden.
Erklärung 1:
Es gibt Sünden der Unwissenheit, der Schwachheit und der Bosheit. Die Sünden der Unwissenheit sind diejenigen, welche man begeht in Folge einer zu überwindenden und daher strafbaren Unwissenheit; man sagt, dass diese Sünden gegen die Person des Sohnes Gottes seien, welchem man insbesondere die Eigenschaft der Weisheit zuschreibt.
Die Sünden der Schwachheit sind diejenigen, in welche man in Folge einer heftigen Leidenschaft oder Versuchung oder einer bösen Gewohnheit, welcher man entsagt hat, die sich aber wiederum geltend macht, verfällt; man sagt, dass diese Sünden wider die Person Gott des Vaters seien, welchem man insbesondere die Eigenschaft der Allmacht zuschreibt.
Die Sünden der Bosheit sind diejenigen, welche man sozusagen kaltblütig und ohne dazu durch die Unwissenheit oder die Leidenschaft oder die Versuchung oder die Gewohnheit verleitet zu werden, begeht, so dass der Wille aus eigener Selbstbestimmung in die Begehung derselben einwilligt; man sagt, diese Sünden seien wider die Person des heiligen Geistes, welchem man insbesondere die Eigenschaft der Güte, die der Bosheit entgegengesetzt ist, zuschreibt. Es gibt auch gewisse, mehr oder minder schwere Sünden, welche man Sünden wider den heiligen geist nennt, wiewohl man zu denselben entweder die Versuchung oder durch die Leidenschaft verleitet werden kann.
Fr. Was versteht man unter den Sünden wider den heiligen Geist?
A. Die Sünden wider den heiligen Geist sind diejenigen, welche aus einem hartnäckigen Widerstand gegen die Eingebungen dieses göttlichen Geistes und aus der ausdrücklichen Verachtung seiner Gnaden hervorgehen.
Erklärung 2:
Die Sünden, von welchen die Rede ist, rühren ganz besonders aus dem schlechten Willen her, setzen folglich einen heftigen Widerstand gegen die Eingebungen des heiligen Geistes und eine größere Verachtung seiner Gaben voraus, als dies bei den anderen Sünden der Fall ist, und enthalten eine ganz besonders Bosheit; auch sind sie von allen Sünden diejenigen, welche das schreckliche Verderben nach sich ziehen, da Jesus Christus versichert, dass sie weder in diesem, noch im anderen Leben verziehen werden (Matth. 12, 32); d. h. dass sie höchst selten Vergebung erlangen.
Fr. Wie viele Sünden wider den heiligen Geist gibt es?
A. Es gibt deren sechs, nämlich:
- an der Gnade Gottes verzweifeln;
- vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit sündigen;
- gegen heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz haben;
- in der Unbußfertigkeit vorsätzlich verharren;
- der erkannten christlichen Wahrheit widerstreben;
- endlich seinem Bruder um der göttlichen Gnaden willen missgünstig und neidisch sein.
Erklärung 3:
Nach der katholischen Lehre gibt es keine Sünde, wie schwer sie auch sein mag, für welche man nicht durch aufrichtige Reue Verzeihung erlangen könnte; aber die Sünden wider den heiligen Geist werden schwieriger als die anderen erlassen, und es ist sogar höchst selten, dass sie Vergebung erlangen, weil man gerade dadurch, dass man sich derselben schuldig macht, freiwillig die Mittel und Gnaden missbraucht, welche Gott dem Sünder gewährt, damit er sich bekehre.
Es ist jedoch möglich, dass man zuletzt mit diesen Gnaden mitwirkt; der Wille kann sich ändern; die Reue kann aus dem innersten Grund des Herzens plötzlich hervortreten, und „Gott verachtet niemals ein zerknirschtes und demütiges Herz“ (Ps. 50).
Fr. Welches ist die erste Sünde wider den heiligen Geist?
A. An der Gnade Gottes verzweifeln.
Erklärung 4:
An der Gnade Gottes und seinem Heil verzweifeln und sich unter die Verworfenen rechnen oder wohl gar sich bereden, dass die Sünden, deren man sich schuldig gemacht hat, zu zahlreich und zu schwer seien, als dass Gott dieselben jemals verzeihen könnte, heißt Kain und Judas nachahmen; heißt die göttliche Güte und Barmherzigkeit misskennen, heißt vergessen, dass der Herr erklärt hat, es sei sein Wille, dass alle Menschen selig werden (1. Tim. 2, 4), und dass er sich verbindlich gemacht hat, dem Sünder an dem Tage zu vergeben, wo er sich bekehre (Jer. 18, 12).
Diese Sünde, wie man leicht begreifen kann, ist eine von denjenigen, für welche man am schwersten Verzeihung erlangt, weil sie sich der Vergebung unmittelbar und durch ihre Natur widersetzt; weil sie der Reue, die allein fähig ist, Verzeihung zu erhalten, sich verschließt; weil sie die Barmherzigkeit, welche allein vergeben kann, ganz besonders verletzt, mit Schmach überhäuft und verwirft.
Fr. Welche ist die zweite Sünde wider den heiligen Geist?
A. Vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit sündigen.
Erklärung 5:
Man macht sich der Vermessenheit schuldig:
1) wenn man statt auf die göttliche Güte zu hoffen, in sich selbst Vertrauen setzt, mit der Überzeugung, dass man aus eigenen Kräften fähig ist, den Versuchungen zu widerstehen, um zum Heil zu gelangen; wie wenn Jesus Christus uns nicht erklärt hätte, dass wir ohne ihn nichts vermögen (Joh. 15, 5;)
2) wenn man sich von der Barmherzigkeit Gottes berechtigt hält, im Laster leben und beharren zu dürfen, wobei man sich schmeichelt, einst Buße zu tin; wie wenn die Langmut Gottes für uns ein Beweggrund wäre, ihn zu beleidigen und nicht zu ihm zurückzukehren (Judith 8, 14). Diese Sünde, welche eine Frucht des Stolzes ist, schließt in sich die offenbarste Verachtung der Gaben des heiligen Geistes; sie schändet die göttliche Güte auf eine ganz besondere Weise, und sie ist eine von jenen Sünden, für welche man am schwersten Verzeihung erlangen kann.
Fr. Welches ist die dritte Sünde wider den heiligen Geist?
A. Gegen heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz haben.
Erklärung 6:
Im Bösen und in dem verderblichen Vorsatz, nicht nur der Sünde nicht zu entsagen, sondern auch täglich mit erneuertem Eifer sich ihr hinzugeben, und sie zu lieben, hartnäckig beharren, dies heißt ein verstocktes Herz haben. Diese Bosheit, sagt der heilige Augustin, kann Gott nicht verzeihen (S. Aug. in ps. LVIII. Conc. I); indessen ist der Sünder, wie wir dies noch sagen werden, wenn wir von der Gnade sprechen, und wäre er der verstockteste, nicht gänzlich jedes Heilmittels beraubt.
Fr. Welches ist die vierte Sünde wider den heiligen Geist?
A. In der Unbußfertigkeit vorsätzlich verharren.
Erklärung 7:
Die Unbußfertigkeit, um welche es sich hier handelt, hat einige Beziehung mit der Verstocktheit, von welcher soeben gesprochen worden ist; sie besteht in dem festen Willen, sich nicht zu bekehren; es ist klar, dass, solange ein solcher Wille besteht, jede Versöhnung mit Gott durchaus unmöglich ist. Was die endliche, d. h. jene Unbußfertigkeit betrifft, in welcher man bis zum letzten Lebenshauch verharrt, so führt diese Sünde, weil sie durch ihre Größe das Übermaß aller anderen ist, zur Verwerfung; sie ist folglich ganz und gar unverzeihlich, und man kann auf sie die Worte Jesu Christi in ihrer ganzen Strenge anwenden: „Eine solche Sünde wird weder in diesem noch im anderen Leben vergeben werden“ (Matth. 12, 32).#
Fr. Welches ist die fünfte Sünde wider den heiligen Geist?
A. Der erkannten christlichen Wahrheit widerstreben.
Erklärung 8:
Die erkannte Wahrheit angreifen, bekämpfen oder gar wohl ihr Widerstand entgegensetzen, sich weigern, sich zu ihr zu bekennen, nicht etwa aus Unwissenheit, sondern aus Hartnäckigkeit und reiner Bosheit, heißt unmittelbar den heiligen Geist, welcher der Geist der Wahrheit ist, angreifen. Dies war die Sünde der Juden unserem Herrn und Heiland gegenüber; denn wiewohl sie Zeugen seiner Wunder waren, welche offenbar die Göttlichkeit seiner Sendung bewiesen,, so weigerten sie sich dennoch, an sein Wort zu glauben. Es ist auch die Sünde der Irrlehrer, welche mit Hartnäckigkeit ihre falschen Lehrsätze behaupten.
Fr. Welches ist die sechste Sünde wider den heiligen Geist?
A. Seinem Bruder um der göttlichen Gnade willen missgünstig und neidisch sein.
Erklärung 9:
Man findet sehr oft Menschen, welche wegen der Gnaden, die Gott anderen gewährt, Missvergnügen empfinden, welche nur mit Ärger auf die Tugend wahrhaft christlicher Seelen blicken, und welche sich nicht schämen, der Heuchelei oder jeder anderen sündhaften Quelle das Gute zuzuschreiben, welches der Geist Gottes in den Heiligen durch seine Gnade wirkt. Man kann unmöglich daran zweifeln, dass diese Sünde sehr schwer sei; durch dieselbe verletzt der Mensch nicht nur ganz besonders die Liebe zum Nächsten, sondern er wagt es auch noch, die Verfahrungsweise Gottes zu tadeln; wie wenn Gott nicht der Herr wäre, seine Gaben demjenigen, welchem er will und wie es ihm gefällt, zu gewähren.
Fr. Wird in den heiligen Büchern nicht von zwei anderen Sünden gesprochen, welche eine gewisse Beziehung mit den Sünden wider den heiligen Geist haben?
A. Ja, es wird in den heiligen Büchern auch von der Lästerung gegen den heiligen Geist und von der Sünde auf dem Sterbebett gesprochen.
Erklärung 10:
Die Lästerung gegen den heiligen Geist ist die Hartnäckigkeit, womit die Juden dem bösen Geist die Wunder Jesu Christi zuschrieben. Dieser göttliche Erlöser erklärt ihnen, dass ihr Untergang gewiss ist, wenn sie in dieser Gesinnung bis zum Tode verharren: „Ich erkläre euch, dass jede Sünde und jede Lästerung den Menschen wird vergeben werden; die Lästerung aber gegen den heiligen Geist wird ihnen nicht verziehen werden“ (Matth. 12, 31). –
Die Sünde auf dem Sterbebett ist jene, mit welcher ein Mensch stirbt, ohne sie abgebüßt zu haben. (Bergier, Dict. De théologie, art. pèché.)
aus: Ambrosius Guillois, Historische, dogmatische, moralische und liturgische Erklärung des Katechismus, Bd. 2, 1849, S. 545 – S. 551
Siehe auch den Beitrag:
Empfehlenswert ist auch der Volkskatechismus von Spirago, neu aufgelegt und herausgegeben von dem Verlag ‚Lilien des Feldes‘ in Österreich.
Bildquellen
- hattler-die-suende-und-ihre-folgen: © https://katholischglauben.info
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