Die Mission und die Kirche Christi

Ein Fensterbild, in dem Christus den Aposteln den Missionsauftrag gibt: Lehret alle Völker; Jesus hält sein Kreuz in der einen Hand; die Apostel schauen Ihn anbetend an

Die Mission – ein Beweis für die Einheit der Kirche

Predigt zum dritten Fastensonntag Oculi

„Jedes Reich, das wider sich selbst uneins ist, wird verwüstet werden, und ein Haus wird über das andere fallen.“ (Lk. 11, 17)

Das Kennzeichen der Einheit ist Merkmal von Christi Reich

Andächtige Christen! Einen schweren Vorwurf hatten einige Juden gegen den göttlichen Heiland erhoben. Nicht durch göttliche Macht, so behaupteten sie, sondern durch Beelzebub, den obersten der Teufel, treibe er die Teufel aus. Um nun die Göttlichkeit seiner Macht und seiner Sendung darzulegen, weist Christus auf den Grundsatz der Einheit und Einigkeit hin. Will ein Reich bestehen, so sagt er ihnen, dann darf es nicht wider sich selbst geteilt sein. Wenn also der Vorwurf, der gegen mich erhoben wird, zu Recht bestände, dann hätte das Reich des Teufels sich selbst aufgegeben, es würde sich selbst zerstören, denn „jedes Reich, das wider sich selbst uneins ist, wird verwüstet werden, und ein Haus wird über das andere fallen“.

Die Einheit ist eine dreifache

Mit diesem Grundsatz der Einheit hat Christus auf eines der Fundamente und wesentlichen Merkmale seiner Kirche, seines Gottesreiches auf Erden, hingewiesen. An der Einheit sollten die Völker seine Kirche aus allen übrigen Religions-Gemeinschaften heraus erkennen. Durch die Einheit sollte seine Kirche sich als die einzig wahre und die einzig göttliche Stiftung vor aller Welt bekunden. Auf das innigste geeint im Glauben, in der Leitung und in dem Gebrauch der Gnadenmittel sollte die Kirche ihr Gotteswerk unter den Menschen vollbringen, sollte sie allen und einem jeden Christus bringen, die einzig unverfälschte Wahrheit, Christus, den einzig richtigen Weg, Christus, das einzig unvergängliche Leben. Diese dreifache Einheit, andächtige Christen, leuchtet als göttliches Merkmal an unserer heiligen katholischen Kirche. Wir erkennen sie dadurch als die wahre Kirche Christi. Aber noch wunderbarer leuchtet ihr göttliches Merkmal der Einheit vor unseren Augen auf, wenn wir es im Licht der Heidenmission betrachten. In der Tat, wenn Millionen von Geistern dasselbe Credo beten, wenn über Millionen von Willen eine Autorität gebietet und aus Millionen von Herzen dieselbe Liebe in willigem Gehorsam schlägt, wenn Millionen von Menschenseelen, und mögen sie auch sonst noch so verschieden sein in Rasse und Sprache und Sitte, das eine Opfer bringen, das eine Brot brechen, das eine Leben der Gnade leben – dann müssen wir bekennen: Hier ist der Finger Gottes, durch den das Heidentum zerstört und das Reich Gottes gebracht wird. Hier ist wahrhaftig der Stärkere, der die Stadt des Starken überwindet und sie als Beute seiner Kirche zuerteilt. Die Mission ist tatsächlich ein Beweis für die Einheit unserer heiligen Kirche. Laßt uns dies im Anschluss an das heutige Evangelium erwägen. Wir werden diese wunderbare Einheit erkennen, wenn wir betrachten, wie Christus durch die Mission seiner heiligen Kirche

1. als der Finger Gottes das Heidentum vernichtet,
2. als der Stärkere sein Reich immer weiter ausbreitet.

Die vier Kennzeichen der wahren Kirche

Andächtige Christen! Wir glauben und bekennen, daß Jesus Christus nur eine Kirche gestiftet hat. Wir stützen uns dabei auf das untrügliche Wort Christi, welcher sagte: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“ (Mt. 16, 18); auf das Wort des Apostels, der Christus das Haupt der Kirche nennt (Eph. 5, 23); auf das Wort der heiligen Väter, welche die Kirche als den mystischen Leib Christi bezeichnen, als makellose Braut Christi, als die einzige Arche des Heiles.
Dieser einen Kirche hat ihr göttlicher Stifter ein vierfaches Merkmal gegeben. Es sind die vier Kennzeichen, an denen wir die wahre Kirche Christi erkennen und die wir an unserer heiligen katholischen Kirche verehren, wenn wir beten: „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“ Das erste Merkmal, das der göttliche Heiland seiner Kirche aufgedrückt wisse wollte, ist die äußere und innere Einheit. Diese seine Absicht erkennen wir, wenn wir auf die Worte der Heiligen Schrift merken, mit denen sie von der Kirche Christi spricht. Diese Kirche Christi ist der eine Schafstall, in dem alle Schafe unter einem Hirten vereinigt werden sollen (Joh. 10, 16). Sie ist das Haus Gottes, das der Wahrheit zur Säule und Grundfeste dienen soll (1. Tim. 3, 15). Um die Einheit seiner Kirche flehte Christus in seinem hohenpriesterlichen Gebet. „Heiliger Vater!“ so betete er, „bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir es sind… aber ich bitte nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit alle eins seien, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin“ (Joh. 17, 11 u. 20).

Die Kirche soll der Menschheit geben: Wahrheit, Gnade und Gesetz

Die Einheit der Kirche wird nun gemäß ihrer Aufgabe eine dreifache sein. Als der göttliche Heiland vor seiner Himmelfahrt die Aufgabe der Kirche in ihrem ganzen Umfang den Aposteln nochmals vor Augen stellen wollte, da sprach er: „Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie… und lehret sie alles halten, was ich euch befolgen habe“ (Mk. 28, 19 u. 20). Drei Dinge sollte die Kirche der Menschheit geben: Wahrheit, Gnade und Gesetz. Die Kirche sollte allen Völkern die göttliche Lehre Christi verkünden: die wahre Kirche Christi muss eins sein im Glauben. Die Kirche sollte durch die Taufe alle Menschen dem Reich Christi einverleiben: die wahre Kirche Christi muss eins in ihren Gnadenmitteln. Die Kirche sollte auf die Beobachtung aller Gebote Christi dringen: die wahre Kirche Christi muss eins sein in ihrer Gesetzgebung, Verwaltung und Organisation.Wo aber finden wir, andächtige Christen, diese dreifache Einheit des Glaubens, der Gnadenmittel und der Gesetze? Überblickt alle übrigen Religions-Gemeinschaften. Nur in einer findet ihr das göttliche Merkmal dieser dreifachen Einheit: in unserer heiligen katholischen Kirche. In ihr finden wir die Einheit des Glaubens, die sich aufbaut auf dem unfehlbaren Lehramt; in ihr bewundern wir die Einheit in den Gnadenmitteln, die begründet ist in dem Priestertum; in ihr endlich schauen wir die Einheit des Gesetzes, die sich stützt auf die kirchliche Hirtengewalt. Unsere katholische Kirche ist mithin die ein, wahre Kirche. In ihr lebt Christus fort durch alle Zeiten, und durch sie ist er allen Völkern der eine Weg, den alle wandeln müssen, die eine Wahrheit, die alle glauben müssen, das eine Leben, das alle empfangen sollen. In ihr vereint er die ganze Welt in einem Geist, in einem Willen, in einer Liebe. Und diese große Welteinigung, andächtige Christen, geschieht durch das Missionswerk unserer heiligen Kirche.

Welches ist denn das katholische Missionsziel?

Im Auftrag Christi und seiner Kirche ziehen die katholischen Missionare hinaus zu den Schafen, die noch nicht aus dem einen Schafstall sind; auch diese wollen sie herbei führen, damit auf der ganzen Erde nur eine Herde und ein Hirt sei. Mit dem Aufgebot aller Kräfte arbeiten sie daran, das Haus Gottes immer weiter auszubauen. Einen Wunsch tragen sie auf dem herzen: es ist der Wunsch, an der Erfüllung der Bitte des göttlichen Heilandes zu arbeiten, damit alle in Gott eins seien, wie Christus und der Vater eins sind, und die Welt glaube, daß Christus der Gottgesandte ist. Durch das Missionswerk erbringt die Kirche Christi den Beweis, daß sie die eine Religion der Menschheit ist. Da eint sie die Völker zu einer großen Gottesfamilie; da führt sie die Nationen zusammen in dem einen Gotteshaus und schreibt sie ein in das eine Gottesreich; da breitet sie als das zum großen Weltbaum heran gewachsene Senfkörnlein ihre weiten Äste über den ganzen Erdkreis, und alle Menschen wohnen in seinen Zweigen. Das Missionswerk zeigt uns in ihrem Ziel, das sie erstrebt, das göttliche Merkmal der wahren Kirche Christi: die innere Einheit.
Durch das Missionswerk sucht die Kirche ihre dreifache Aufgabe unter den Völkern zu erfüllen. Sehen wir zu, ob wir auch die dreifache Einheit in dem Missionswerk der katholischen Kirche wieder finden.

Die Kirche Christi muss einig sein im Glauben

Andächtige Christen! Die wahre Kirche Christi muss zunächst einig sein in ihrem Glauben. Die Wahrheit kann nicht zweierlei, nicht Ja und Nein, nicht Licht und Finsternis sein. Wie nur eine Sonne am Firmament uns leuchtet, so erstrahlt uns auch nur eine Sonne der Gerechtigkeit, Christus, die eine, ungeteilte Wahrheit, die sich nicht selbst widersprechen kann. „Nur ein Gott, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph. 4, 5). Diese Einheit des Glaubens finden wir nur in unserer heiligen katholischen Kirche, und wir sehen sie besonders hervor leuchten in ihrem Missionswerk unter den Völkern.

Die erste Aufgabe der Kirche ist nach den Worten des göttlichen Heilandes, die Völker zu belehren. Nun wohlan, was ist es, was der katholische Missionar den Heiden verkündet? Es ist der katholische, apostolische Glaube. Das ist derselbe Glaube, den auch die Apostel den Juden und Heiden verkündet haben; es ist derselbe Glaube, andächtige Christen, in welchem die ersten Christen gemäß der Aufforderung des Apostels eines Sinnes untereinander waren (Röm. 12, 16; Phil. 2, 2) und für den sie ihr Blut geopfert haben. Dieser eine Glaube, der unverändert durch alle Jahrhunderte bis auf unsere Tage geblieben ist, dieser eine katholische Glaube ist unverändert auf dem ganzen weiten Erdkreis, unter allen Völkern und Nationen. Gehe nach Asien, gehe nach Afrika, wandere nach Amerika oder Ozeanien, aus allen katholischen Kirchen tönt dir dasselbe Credo entgegen, alle katholischen Herzen finden sich zusammen, einig und eines Sines untereinander, in einem Bekenntnis ihres Glaubens. Es ist ein Glaube, der gelehrt wird; ein Glaube, der bekannt wird. Diese Einheit des Glaubens baut sich auf dem unfehlbaren Lehramt der Kirche. Wir wissen, andächtige Christen, daß der Papst, das sichtbare Oberhaupt der Kirche, in Glaubens- und Sittensachen nicht irren kann, daß er die Grundfeste und Säule der Kirche, das unwandelbare Licht, das Zentrum der Einheit ist. (siehe die Beiträge: Das Lehramt des Papstes) Wenn er als Stellvertreter Gottes seine Stimme erhebt, dann lauscht ihm in Ehrfurcht die katholische Welt, und eines Herzens und eines Sinnes richten die Völker aus allen Weltteilen ihren Blick auf den Mittelpunkt der katholischen Einheit, nach Rom.

Die Einheit des katholischen Glaubens erstreckt sich auf alle Nationen und Länder. Über alle Rassen-Gegensätze und nationalen Unterschiede hinweg faßt sie die Menschen in einer höheren Einheit zusammen: als Kinder des einen himmlischen Vaters, als Brüder des einen Erlösers Jesus Christus, als Söhne der einen gemeinsamen Mutter, der Kirche. Der eine Glaube, die eine Wahrheit für alle – das ist die erste Einheit, die wir im katholischen Missionswerk erblicken…

Hier ist der Finger Gottes, andächtige Christen, durch den Christus die Teufel des Heidentums austreibt, die Götzen vernichtet und das reich der Lüge zerstört. Hier ist wahrhaftig das Reich Gottes, das zu den Völkern kommt. Und dieser machtvolle Finger Gottes weist hin auf unsere heilige katholische Kirche. Sie erkennen wir in dem großen Gotteswerke der Mission als die eine wahre Kirche Christi.

Die Kirche muss einig sein in ihren Gesetzen und Gnadenmitteln

Andächtige Christen! Nach den Worten des heutigen Evangeliums war Satan der Starke, der seinen Hof bewachte. So ist es in der Tat gewesen. Satan hatte die Menschheit durch die Sünde sich dienstbar gemacht. Er war der mächtige Fürst, der diese Welt als sein Reich betrachten konnte, das er mit seiner ganzen Waffenrüstung, mit allen Mitteln seiner Macht als sein Eigentum beanspruchte. Aber mit Christus kam die Stunde, in der „der Fürst dieser Welt hinaus gestoßen wurde“ (Joh. 12, 31), denn Christus war der vorher verkündete starke Held“ (Is. 9, 6), auf dem der Geist der Stärke ruhte (Is. 11, 2). Christus nahm den Kampf auf und siegreich konnte er den Seinen zurufen: „Vertraut, ich habe die Welt überwunden“ (Joh. 16, 33).

In diesem Kampf war Christus der Stärkere geblieben, und so konnte er die ganze Waffenrüstung des Feindes nehmen und seine Beute verteilen. Seine Siegesbeute bestand vor allem in den Menschen, die er der Knechtschaft des Feindes entriss und die von nun an seinem Reich zugeteilt werden sollten. Die Menschen hatten bisher das Kainszeichen der Sünde an sich getragen; von nun an sollte ihnen das unauslöschliche Zeichen der Kindschaft Gottes und der Gnade durch die Taufe aufgedrückt werden. Die Menschen waren bisher auf dem Wege des ewigen Todes gewandelt; von nun an sollten sie auf dem Wege des Heiles geleitet werden. Alle Völker sollte die wahre Kirche Christi durch ihr Hirtenamt auf den einen Weg der Gebote führen und allen Menschen durch ihr Priesteramt die gleiche Gnade spenden. Die wahre Kirche Christi musste einig sein in ihren Gesetzen und in ihren Gnadenmitteln.

Die Kirche muss das Merkmal der Einheit in Verwaltung und Organisation besitzen

Andächtige Christen! Die wahre Kirche Christi muss das Merkmal der Einheit in ihrer Verwaltung und Organisation besitzen. Sie kann und darf nicht aus einzelnen Vereinigungen bestehen, die in ihren Gesetzen vollständig unabhängig voneinander sind. Die ganze Kirche Christi bildet nur einen Leib Christi: ein Puls- und Herzschlag muss diesen Körper leiten. Die ganze Kirche Christi bildet nur eine Gemeinschaft. Von der Christus das Haupt ist; eine Organisation muss die verschiedenen Mitglieder umfassen und leiten. Diese Einheit der Gesetze finden wir nur in unserer heiligen katholischen Kirche, und wir sehen sie als unleugbare Tatsache bestätigt durch das Missionswerk.

„Lehret sie alles halten, was immer ich euch befohlen habe.“ Mit diesen Worten Christi war eine zweite Aufgabe der Kirche gegeben. Allen Völkern sollte ein und dasselbe Gesetz Christi, sollte das ganze Gesetz Christi gebracht werden. Nichts sollte hinzu getan, nichts abgestrichen werden. Christus, ganz und ungeteilt in seiner Lehre und in seinem Beispiel, ist der Weg, auf den alle Völker geleitet werden sollen. Wo finden wir nun, andächtige Christen, jene Kirche, die das Gesetz Christi ganz und ungeteilt den Menschen übermittelt? Wo finden wir jene religiöse Gemeinschaft, die mit einheitlicher Organisation den ganzen Erdkreis umfaßt, und in der nach Christi Anordnung ein Gesetz, eine Autorität, ein Wille die Herzen belebt? Lassen wir wiederum zur Beantwortung dieser Frage die Tatsachen aus dem Missionsfeld sprechen. Die Missionsgeschichte ist die Zeugin, daß die übrigen Religions-Gesellschaften abgewichen sind von den Anforderungen des Evangeliums. Sie haben den sogenannten nationalen Forderungen der Völker Fundamental-Sätze des christlichen Gesetzes geopfert. So ist den Schwarzen in Südafrika und den Eingeborenen in Borneo die Vielweiberei gestattet worden… Hervorzuheben ist auch die Tatsache, daß draußen in den Missionsgebieten eine wesentlich andere Kirchenordnung und Kirchenpraxis als in den heimatlichen Kirchengemeinden angewendet wird.
In allen diesen Religions-Gemeinschaften finden wir also die Einheit der Gesetzgebung, der Verwaltung und Organisation nicht. Diese Einheit finden wir einzig und allein in der katholischen Kirche…

Das göttliche Merkmal der Einheit in den Gnadenmitteln

Andächtige Christen! Einen Glauben sollen alle Menschen umfassen, einen Weg sollen alle Völker wandeln, an einem Leben sollen auch alle teilnehmen, an dem übernatürlichen Leben der Gnade, das uns Christus durch seinen Tod erworben hat. Um dieses Gnadenlebens uns teilhaftig zu machen, setzte Christus die Gnadenmittel ein. Sein göttlicher Wille ist es nun und eine natürliche Folge der göttlichen Einsetzung, daß seine Kirche auch eins sein sollte im Gebrauch dieser Gnadenmittel. Durch ein Sakrament sollten alle seine Reich eingegliedert werden, durch die heilige Taufe. Deshalb lautete der göttliche Befehl: „Taufet sie!“ In einem Geist sollten alle befestigt und verbunden sein: „In einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, gleichviel ob Juden oder ob Heiden, ob Leibeigene, ob Freie, und alle sind mit einem Geist wir getränkt worden“ (Kor. 12, 13). Ein Brot sollten alle brechen: „Ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen; alle die wir an dem einen Brot teilhaben“ (Kor. 10, 17).

Andächtige Christen! Dies göttliche Merkmal der Einheit in den Gnadenmitteln finden wir einzig und allein in unserer heiligen katholischen Kirche. Während in allen übrigen Religions-Gemeinschaften die größte Willkür in der Annahme und Wahl und die höchste Verwirrung in der Auffassung von der Bedeutung und Notwendigkeit der Gnadenmittel herrscht, finden wir uns einig mit allen Katholiken des Erdkreises in der Siebenzahl der Sakramente. Und wie wunderbar erstrahlt dies Merkmal der Sakramenten-Einheit in dem katholischen Missionswerk! Alle Völker und Nationen umfaßt mit gleicher Liebe das eine Priesteramt unter dem einen Hohenpriester Jesus Christus. Da werden alle zu einem Leib getauft, und ein Brot wird von allen in demselben Glauben gebrochen. Der Prophet Malachias weissagte einst von dem Opfer des Neuen Bundes: „Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang wird mein Name groß werden unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht werden; denn groß wird mein name werden unter den Völkern, spricht der Herr der Heerscharen“ (Mal. 1, 11). Diese Weissagung hat ihre Erfüllung durch das katholische Missionswerk gefunden. Überall, ob in den Prachtdomen der christlichen Völker oder in den armseligen Missionskirchen der heidnischen Länder, überall wird ein und dasselbe Opfer dargebracht. Ein und derselbe Glaube, andächtige Christen, vereinigt die Völker um den Opferaltar unserer Kirche, ein und dasselbe Gesetz ordnet sie vor dem Tisch, wo das Brot des Lebens gespendet wird, und ein und dasselbe Leben der Gnade beseligt sie alle. Unser heilige Kirche ist einig in ihrem Glauben, in ihrer Ordnung, in ihren Gnadenmitteln. Und darum ist sie die wahre Kirche Christi, das wahre Reich Gottes, das zu uns und allen Menschen gekommen ist. Mit ihr ist Christus, der als der Finger Gottes das Heidentum vernichtet, der als der Stärkere sie immer weiter ausbreitet unter den Völkern; denn „jedes Reich, das wider sich selbst uneins ist, wird verwüstet werden, und ein Haus wird über das andere fallen“.

Wir müssen mit Christus sammeln

Andächtige Christen! Als ersten Grundsatz seines Reiches stellt Christus im heutigen Evangelium die Einheit auf. Noch einen andern Grundsatz hebt er hervor, der für uns die Schlussfolge und das praktische Ergebnis jenes ersten Merkmales sein muss. Der göttliche Heiland sagt: „Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ Wir müssen mit Christus sein! Wir müssen uns eins mit ihm und seiner Kirche fühlen. Andächtige Christen! Fühlen wir uns noch eins mit unserer heiligen Kirche? Leben wir mit ihr in enger, lebendiger Glaubens-Gemeinschaft? Erfüllen wir ihre Forderungen und Vorschriften im Bewusstsein unserer religiösen Verpflichtungen? Sind wir eifrig im Gebrauch der Gnadenmittel? Mit Christus und seiner Kirche müssen wir empfinden und denken, sprechen und handeln. Bei Christus müssen wir sein mit unserer ganzen Persönlichkeit.

Mit Christus müssen wir sammeln! Wenn wir selbst, andächtige Christen, mit Christus in Glaube und Liebe verbunden sind, dann werden wir notgedrungen auch für Christus arbeiten, denn der lebendige Glaube will sich im werk zeigen, und die Liebe kann nicht müßig sein. Ja, sammeln wir mit Christus! Er will ja alle Völker sammeln, damit recht bald eine Herde und ein Hirt werden… Alle sollen in ihm eins sein. Sammeln wir mit Christus in heiliger Missions-Begeisterung, in werktätiger Missionsliebe, dann werden auch wir eins sein mit Christus und seiner Kirche, eins mit diesem starken, einigen Gottesreich, und wie dieses Reiche, so werden auch wir nie überwunden und verwüstet werden, denn „selig sind diejenigen, welche das Wort Gottes hören und dasselbe beobachten“. Amen. (Rob. Streit O.M.I.) –
aus: Robert Streit O.M.I., Missionspredigten Zweiter Teil Der göttliche Wille, 1914, S. 52 – S. 63

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