Die erste Ankunft Jesu Christi ein Ereignis

Die erste Ankunft Jesu Christi ein Ereignis
von weltgeschichtlicher Bedeutung

Die Ankunft Jesu Christi ist ein Ereignis, welches, indem es über den Plan der Weltgeschichte Licht verbreitet, die Zeiten in zwei Hälften teilt. Gläubige und Ungläubige, Alle müssen die Jahre der Welt vor und nach Jesus Christus rechnen. Die Jahrhunderte, welche auf seine Menschwerdung folgten, haben von ihm einen Charakter erhalten, der sie unterscheidet von den ihr vorhergehenden. Dieser Charakter besteht in der Herrschaft des Geistes über das Fleisch, der Wahrheit über die Gewalt. Diesen großen Charakter hat Jesus Christus dem Leibe und der Seele der Menschheit aufgeprägt, indem er über den abgöttischen Kultus und das abgöttische Weltreich der römischen Cäsaren triumphierte, wie Gott allein triumphieren kann:

„Mein Reich“, hat Jesus Christus gesagt, „ist nicht von dieser Welt; es ist kein irdisches Reich; ich bin auf die Erde gekommen, um es auf derselben zu begründen, indem ich der Wahrheit Zeugnis gebe, und diese Wahrheit bin ich: Ego sum veritas.“ Das Reich Jesu Christi in dieser Welt ist also das Reich der Wahrheit, ein Reich, welches nicht von dieser Welt, sondern von Gott ist.

„Wenn ihr mein Wort haltet“, spricht er weiter, „so wird die Wahrheit euch frei machen.“ Von was wird sie uns frei machen? Von der Knechtschaft der Leidenschaften, von der Sklaverei der Welt. Und nun siehe hier das Wort der Befreiung: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele verliert?“ Die Seele des Menschen ist also mehr wert, als die ganze Welt? Ja, und diese Wahrheit hat überwunden den Götzendienst, welcher nichts anderes ist, als der Kultus der Welt. Sie hat ihn überwunden in den Herzen, auf den Altären und auf dem Thron der Cäsaren.

Dieser dreifache Sieg des Kreuzes über den Götzendienst ist die große Tatsache der zivilisierten Welt, in der die Götzen erst dann von den Altären und dem Thron (dem Thron der Cäsaren, die Oberpriester und Götter zugleich waren) fielen, als sie aus den Herzen verbannt waren. (1) – Und wie hat Jesus Christus sie aus den Herzen vertrieben? Etwa dadurch, daß er dem Menschen seine Größe und sein Endziel geoffenbart hat? Ohne Zweifel, und weiter dadurch, daß er ihn durch die Liebe zu diesem erhabenen und ganz göttlichen Endziel hinzog. Diese Liebe ist eines der immer fortdauernden Wunder (2) des Christentums. Jesus Christus hat die durch die Begierlichkeit zur Erde gebeugte menschliche Natur wieder aufgerichtet, indem er dem geschwächten Blick und dem stumpfsinnigen Herzen des Menschen jenen großen Gegenstand wieder näher brachte, für welchen er Herz und Verstand erhalten hat. Gott hat in Christo die Welt mit sich versöhnt. (2. Kor. 5, 19) Er hat sich erniedrigt bis zu uns, um uns bis zu sich zu erheben, und, indem er seine unaussprechliche Liebe sichtbar offenbarte, hat er uns die Liebe zu dem unsichtbaren Gott eingeflößt, auf daß wir würdig würden, ihn dereinst und bald von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Ut cum visibiliter Deum cognoscimus, per hunc in visibilium amorem rapiamur. (Praef. De Nativ. Dom.)

(1) Der Islam ist nur eine jüdisch-arianische Sekte, welche sechs Jahrhunderte nach dem Siege des Evangeliums entstand. Indem er die Erlösung, diese Seele der patriarchalischen Religion, welcher er wieder zu erwecken behauptete, leugnet, hat der Islam den Götzendienst im Äußeren nur bekämpft, um ihn im Innern durch den Sensualismus oder die Begierlichkeit des Fleisches, und durch die Hoffart des Lebens oder den auf das Schwert der Eroberung sich stützenden Nationalfanatismus wieder einzuführen.

(2) Ein Wunder im eigentlichen Sinne ist eine Ausnahme, eine vorübergehende Aufhebung der Gesetze der Natur, jener Gesetze, welche offenbar nur durch ihren Urheber aufgehoben werden können. Die übernatürlichen Werke demnach, wenn sie permanent sind, nicht mehr Wunder im eigentlichen Sinne, aber sie beweisen nicht weniger als jene eine göttliches Eingreifen, und in diesem Sinne nennt sie Bossuet fortdauernde Wunder. Wir sind seinem großen Beispiel gefolgt. Wie die Himmel die Herrlichkeit Gottes erzählen und den Urheber der Natur offenbaren, so offenbart die Kirche durch ihre göttlichen Merkmale und ihr übernatürliches Leben den Urheber der Gnade.

aus: Victor Dechamps, aus der Gesellschaft des allerheiligsten Erlösers: Christus und die Antichristen nach dem Zeugnisse der Schrift, der Geschichte und des Gewissens, 1859, S. 216-217

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