Die Ehrfurcht vor den Priestern

Über die Ehrfurcht vor den Priestern

Der hl. Leopold, der Schwiegersohn des deutschen Kaisers, ein Sprößling der erlauchten Babenberger, ein reicher Fürst, stehend auf der Höhe des weltlichen Ansehens und Glanzes, bewies den Priestern, mochten sie auch nur mit einem ärmlichen Mönchshabit bekleidet sein, die aufrichtigste Hochschätzung und Ehrfurcht; er blieb stets mit Wort und Tat dafür besorgt, daß das ihm von Gott anvertraute Volk pflichtgemäß dasselbe beobachtete. Wie bist du in diesem wichtigen Punkt gesinnt? Im Lichte deines heiligen Glaubens betrachte, daß du dem katholischen Priester nächst Gott die höchste Ehre schuldig bis aus zwei Gründen:

1. Der katholische Priester vertritt in Wahrheit die Person Jesu Christi, des allmächtigen Herrn des Himmels und der Erde, er ist der sichtbare Stellvertreter Gottes. So spricht Jesus Christus: „Ich habe euch auserwählt. Ich sende euch so, wie Mich der Vater gesandt hat. Wer euch hört, der hört Mich, wer euch verachtet, der verachtet Mich.“ Den Sinn dieser Worte, womit Jesus seinen auserwählten Priestern die höchste Autorität, göttliches Ansehen verleiht, erklärt der hl. Paulus also: „Jedermann halte uns für Diner Christi und für Ausspender der Geheimnisse Gottes… (1. Kor. 4) Wir sind Gesandte Christi.“ Aus dieser übernatürlichen Würde des Priesters folgt nach dem Ausspruch des heiligen Geistes im Buch Jesus Sirach die Pflicht: „In deiner ganzen Seele sollst du den Herrn fürchten und seine Priester heilig halten“, und im 5. Buch Mosis (17) heißt es: „Wer aber aus Stolz sich weigert, zu gehorchen dem Gebote des Priesters, der zu selber Zeit dem Herrn, deinem Gott, dient: dieser Mensch soll des Todes sterben.“ Jesus Christus hat den Priestern , sogar dem Annas und Kaiphas, die tiefste Ehrfurcht bewiesen. Über die entsetzlichsten Leiden der Geißelung, der Krönung mit Dornen, der Kreuzigung hat Er sich mit keiner Silbe gegen die Juden beklagt, wohl aber gegen den Backenstreich, den Ihm ein Knecht gab, hat Er Einsprache getan. Warum das? Die Ausleger der heiligen Schrift geben den Grund an, weil der Knecht seinen Schlag damit rechtfertigte, daß Jesus dem Annas nicht die dem Hohenpriester gebührende Ehrfurcht erwiesen habe. Dieser falschen Anschuldigung gegenüber konnte und wollte Jesus nicht schweigen, sondern forderte von ihm und durch ihn von allen Anwesenden den Beweis, daß er wider die dem Priester gebührende Ehre gefehlt habe. So handelten alle wahren Nachfolger und Schüler Jesu, so handle auch du.

2. Du bist ferner dem katholischen Priester nächst Gott die höchste Ehrfurcht schuldig, weil der katholische Priester im Namen Gottes die höchste Amtsgewalt auf Erden verwaltet. Nicht den Königen und Fürsten mit ihren Armeen, sondern seinen Priestern hat Jesus den erhabensten Auftrag gegeben: „Verkündet das Evangelium jedem Geschöpf, lehret alle Völker. Wer glaubt und getauft ist, wird selig werden; wer nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Mark. 16, 16) So unendlich erhaben die Lehre von den Wahrheiten der ewigen Seligkeit ist über alle weltliche Wissenschaft und Aufklärung, ebenso weit erhaben ist die Würde des Priesters über die Würde eines jeden weltlichen Lehrers und Gesetzgebers. Nicht die Engel, sondern nur die katholischen Priester haben die Gewalt, zu dem Sünder und Verbrecher wider die göttliche Majestät zu sagen: „Ich spreche dich los von deinen Sünden, ich verzeihe dir, was du Böses getan, ich erlasse dir die verdiente Strafe des ewigen Feuers, ich schenke dir wieder die heiligmachende Gnade und das Erbrecht auf die Verdienste Jesu und den Himmel.“ Wahrlich, nur Gott allein und der Ausspender seiner Geheimnisse besitzt solche Macht! Und du solltest den hl. Leopold nicht nachahmen wollen? –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 852 – S. 853

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