Die Ankläger vor dem Gericht Gottes

Wer sind die Ankläger vor dem Gericht Gottes?

Als du das schauerliche Ereignis lasest, welches den hl. Bruno so tief erschüttert und zu so harter, lebenslänglicher Bußübung angetrieben hat; als du den Toten rufen hörtest: „vor dem gerechten Gericht bin ich angeklagt!“ ist dir sicher die Frage aufgestiegen: „Wer sind wohl diejenigen, welche mich nach dem Tode vor dem Richterstuhl Jesu Christi anklagen werden?“ Darauf antworte ich dir:

1. Der erste Ankläger wider dich wird der Teufel selbst, dein grimmigster Feind, der gewandteste Advokat sein; denn ihn bezeichnet der hl. Johannes in seiner Offenbarung (12,10) als „den Ankläger unserer Brüder, der sie verklagt Tag und Nacht vor unserm Gott.“ „Der Teufel“, sagt der hl. Augustin, „wird vor dem Richterstuhl Christi vorbringen die Worte unserer Profession (Taufgelübdes)“: er wird dich höhnen: „Ja wohl, du hast abgeschworen dem Satan, seiner Hoffart und seinen Werken; aber gehalten hast du diesen Schwur zu meinen Gunsten. Ich habe dich in Versuchung geführt: du bist mir gefolgt und hast oft mehr Böses getan, als ich begehrt hatte: ich habe dich z.B. zum Zorn gereizt; und du hast noch dazu deinen Gott und das heiligste Sakrament gelästert: ich habe dich gehetzt, deine Beleidiger zu hassen, und du hast sie noch durch böse Taten geschädigt: ich habe unkeusche Gedanken in dir angeregt, und du bist zu Worten und Werken geschritten und hast mir noch wackere Handlanger-Dienste bei andern geleistet… Ich bin nicht Mensch geworden für dich, habe dir kein ewiges Himmelreich verheißen, habe nicht Armut, Verachtung, Todesangst und Kreuzigung ausgestanden für dich, wie all dieses Jesus Christus für dich getan hat; aber nicht Ihm, sondern mir hast du freiwillig wie ein Knecht gedient, mich als deinen Herrn anerkannt. Wohlan denn, Gott, Du gerechtester Richter, urteile selbst: Gehört dieser da nicht mir durch seine eigene Schuld? Er, der nicht Dein sein wollte durch deine Gnade.“ O schwer wiegende und noch schwerer zu widerlegende Anklage!

2, Der zweite Ankläger wider dich werden alle diejenigen Mitmenschen sein, welche du während deines Lebens hartherzig geplagt, an Hab` und Gut geschädigt, an Ehre und Gesundheit verletzt, durch Ärgernis und Verführung zur Sünde verleitet hast. Der heilige Geist sagt ausdrücklich im Buche der Weisheit (5,1): „Dann werden die Gerechten mit großer Standhaftigkeit denen gegenüber stehen, von denen sie geängstigt und der Frucht ihrer Arbeit beraubt worden sind.“ Wie Schneeflocken werden die Klagen über dich kommen: „Dieser ist der Grausame, der uns Arbeitern den Taglohn verkürzt und die Familiensorgen verdoppelt hat: dieser ist der Tyrann, welcher mich, seine treue Gemahlin, ärger als eine Magd, mit Arbeit belastet, mit Schlägen mißhandelt und vor der Zeit ins Grab gebracht hat: Dieser da ist unser Vater, der durch seine Leidenschaft und Verschwendung unsere Erziehung unmöglich gemacht, uns in fremde Dienste und Gefahren benötigt, in bittere Armut und Verachtung gestürzt hat: Dieser da ist es, der uns Ärgernis gegeben, zum Leichtsinn und Unglauben verleitet und die Schranken der Gottesfurcht nieder gerissen hat. Wohlan, gerechter Richter, sprich das Urteil!“ O versöhne dich mit diesen Anklägern, solange du mit ihnen noch auf dem Wege bist! (Matth. 5,25)

3. Die dritten Kläger wider dich werden sein, deine, deines Hauses, deiner Pfarrkirche und Bürgergemeinde Schutzengel. Die Engel, sagen die Kirchenväter, werden beim Gericht gegenwärtig sein und die ihnen Anvertrauten vorstellen. Diese werden wider dich aufzählen ihre vieljährige Mühe und Sorge, ihre Einsprechungen, Aufmunterungen und Warnungen, welche du von dir gewiesen: sie werden vorbringen die geheimen, verborgenen und vergessenen Sünden, für die du keine Buße getan: sie werden klagen über die ihnen angetane Unbild, Verachtung, Undankbarkeit. Und dieseKläger stehen beim Richter in besonderer Gunst und Freundschaft. –

Willst du es darauf ankommen lassen, dich bei jenem furchtbaren Gerichte gegen alle diese Ankläger zu verteidigen? –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 743 – S. 744

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