Der Rosenkranz ist das Schwert des Geistes

Ein wunderschönes eingerahmtes Bild der Muttergottes Maria sowie ein Rosenkranz mit einem goldenen Kruzifix

Der Rosenkranz des Christen Waffenrüstung

Der Rosenkranz – das Schwert des Geistes

Um im Kampfe tüchtige Hiebe auszuteilen, bedarf es vor allem eines stahlharten, scharfen Schwertes. Welches ist denn aber ein gutes, probehaltiges Schwert? Die Rittersagen erzählen Zauber- und Wunderdinge, die mit manchem Schwert verrichtet wurden. Der nordische Held Frithjof hatte ein Schwert, Angurwadel, auch Bruder des Blitzes genannt, das, wenn es gezogen wurde, wie ein Blitzstrahl zuckte oder wie Nordlicht glänzte, mit Buchstaben beschrieben, die zur Zeit des Friedens nur matten Schein vorn sich gaben, zur Zeit des Krieges aber in hell lodernder Flamme brannten. Es war stahlhart und scharf, daß Frithjof alles, was er traf, Schild und Helm und Panzer, und den Ritter dazu, jedesmal in Hälften hieb…

Ein solches Schwert also braucht der Soldat Christi, um die Schlachten Gottes zu schlagen. Das ist aber das Schwert des Geistes, das Wort Gottes. Denn von diesem Schwerte bezeugt Sankt Paulus: „Lebendig ist das Wort Gottes und wirksam, und schärfer als jedes zweischneidige Schwert dringt es durch, bis Seele und Geist, d. h. Gut und Bös, Gnade und Sünde, Himmels-Sehnsucht und irdische Freude, auseinander fährt.“ Wohl also demjenigen, der im Kampf für das himmlische Vaterland, im Kampf für das Heil der Seele, im Kampf mit der Macht der Hölle und ihren Bundesgenossen das Schwert des Geistes zur Hand hat, das wir im Wort Gottes, im Glauben besitzen: der bleibt Sieger, der sich für seine Sache auf das Wort, das Zeugnis Gottes, berufen kann.

Der Rosenkranz aber ist ja lauter Wort Gottes, lebendiges, wirksames, durchdringendes Wort Gottes, und wie die Runen oder Buchstaben auf dem Zauberschwert des nordischen Helden zur Zeit des Krieges, so erglühen und leuchten alle Worte des Rosenkranzes während des Betens in der Seele des Beters und erweisen sich als Zeichen von dreifacher Bedeutung, als signa rememorativa, als Erinnerungs-Zeichen, die dem Beter alle Großtaten der Erlösung ins Gedächtnis rufen, als signa demonstrativa, als Hinweisungs-Zeichen, die ihn in seinen Nöten auf den mächtigsten Helfer und die mächtigste Helferin, auf Jesus und Maria, hinweisen, als signa prognostica, als Vorbedeutungs-Zeichen, die ihm für sein Kämpfen und Leiden Himmelfahrt und Himmelskrone in sichere Aussicht stellen. Im Rosenkranz also besitzt der Christ ein geistiges Zauberschwert, womit er geradezu Wunderdinge zum Ruhme seiner Seele zu vollbringen vermag.

Die alten Ritter pflegten vor dem Sterben-Gehen ihre Waffenrüstung, und besonders das Schwert, womit sie gekämpft und gesiegt, feierlich ihren Söhnen zu übergeben, damit sie solche nach der Väter Weise tragen oder wenigstens als kostbares Hausgerät in Ehren hielten…

Mehr Segen aber, als ein Schwert von hartem Stahl, bringt den Kindern das Schwert des Geistes, das uns Sankt Paulus empfiehlt, das Wort Gottes im Rosenkranz. Darum sollten Eltern ihren Kindern als kostbares Familiengerät, als wertvolles Erbstück den Rosenkranz mitgeben, und die schöne Gewohnheit dazu, die christliche Familiensitte, ihn zu beten, daß er ihnen Gottes Segen bringe.

Die Ritterschuhe – der Eifer für die Ehre Gottes

Endlich ist noch das letzte Stück der Waffenrüstung Gottes zu erwähnen, die Ritterschuhe, auf welche der Apostel hinweist, wenn er sagt: „So stehet denn, beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens“. Eine der Mitursachen, weshalb die große Armee Napoleons in Russland so kläglich zu Grunde ging, waren die schlechten Schuhe. Kein Wunder, der Lieferant ließ, statt Sohlen von Leder, Sohlen von Pappendeckel auf die Soldatenschuhe machen. Da war es nun mit dem Marschieren bald zu Ende; im Wasser und Schnee weichte der Pappendeckel auf und fiel heraus; den Soldaten blieb da nichts anderes übrig, als barfuß zu laufen. Das ging aber nicht lange an, gar schnell waren ihnen die Füße erfroren und mussten sie am Wege liegen bleiben und so elend umkommen…

Was nun aber die Schuhe für den ins Feld marschierenden Soldaten, das ist der Eifer für die Ehre Gottes – für den Christen. Sankt Paulus nimmt das Fördern der Ehre Gottes so ernst, daß er schreibt. „Ihr möget essen oder trinken oder sonst was anderes tun, so tut alles zur Ehre Gottes!“ Ohne Eifer bei dieser hochwürdigen Arbeit kommt aber für die Ehre Gottes wenig oder gar nichts heraus. Der Christ muss also Eifer, großen, ausdauernden Eifer für die Ehre Gottes haben, um sagen und singen zu können:

Jede Arbeit, die ich habe,
Jede Scholle, die ich grabe,
Jeder Fußtritt, den ich gehe,
Jeder Faden, den ich drehe,
Alles meinem Gott zu Ehren,
Hier und dort sein Lob zu mehren!

Alle Worte, die ich sage,
Alles Lasten, die ich trage,
Alle Werke, die ich tue,
Alle Stunden, wo ich ruhe:
Alles meinem Gott zu ehren,
Hier und dort sein Lob zu mehren!

Jede Regung meiner Hände,
Tages Anfang, Mitte, Ende,
Jede Zeile, die ich schreibe,
Jedes Glied an meinem Leibe:
Alles meinem Gott zu Ehren,
Hier und dort sein Lob zu mehren!

Jedes Tröpflein Blut im Herzen,
Jede heiße Glut der schmerzen;
Jede lichte Freudenstunde,
Jede bitt`re Leidenswunde:
Alles meinem Gott zu Ehren,
Hier und dort sein Lob zu mehren!

Wo nun aber das Evangelium noch nicht gepredigt wurde, da weiß man nichts von dieser Pflicht, alles zur Ehre Gottes zu tun. Daher muss sich der Christen Eifer vor allem darin bewähren, daß er sich bereit zeigt – für das Evangelium des Friedens, opferwillig bei dessen Ausbreitung, gehorsam bei dessen Befolgung. Was Sankt Paulus von den Sendboten Christi sagt: „Wie schön sind die Füße derer, die den Frieden verkünden, die frohe Botschaft vom Heile bringen!“ – das gilt noch heute von den Missionaren: sie sind die Botschafter des wahren Glückes. Aber sollen sie etwas ausrichten, so muss der Eifer für die Ehre Gottes sie senden und die Gesendeten treiben und beseelen. So notwendig also dem Soldaten die Schuhe, so notwendig ist dem Christen der Eifer für Gottes Ehre; er muss in voller Wahrheit sagen können:

Alles – vom Geringsten, Kleinsten
Bis zum Größten, Höchsten, Reinsten,
Mag`s die ganze Welt erbauen,
Mag`s nur still mein Engel schauen, –
Alles meinem Gott zu Ehren
Hier und dort sein Lob zu mehren!

Bis zu meines Lebens Ende,
Wenn zum Kreuz mein Aug` ich wende,
Daß ich`s sterbend nochmals grüße,
Wenn ich dann mein Leben schließe,
Sprech` ich: alles Gott zu Ehren,
Ewiglich sein Lob zu mehren!

Solchen Eifer für die Ehre Gottes vermag aber der Christ in vollen Zügen aus dem Rosenkranz zu ziehen; wenn er betend erwägt, was sein Erlöser in der Länge und Breite, Höhe und Tiefe seiner unendlichen Liebe für ihn getan, welche Riesenschritte er für ihn gemacht, welche Riesenopfer er für ihn gebracht, wie es ihm der Rosenkranz der Reihe nach am Geiste vorüber führt, dann müsste ja sein Herz ein Kieselstein sein, wenn es nicht in reiner Gegenliebe entbrennen würde zu glühendem Eifer für Christi Ehre und Interessen! Wenn Prinz Eugenius, der edle Ritter, die Kapuze seines Soldatenmantels über den Kopf gezogen, abends durch das Lager ging und in sich versenkt den Rosenkranz betete, so wußten seine Soldaten schon, was das zu bedeuten hatte, und sagten sich einander: „Morgen wird es wieder einen heißen Tag geben, unser kleiner Kapuziner betet den Rosenkranz!“ Das traf nun in der Regel ein, denn der berühmte Feldmarschall betete immer seinen Rosenkranz am Vorabend der Schlacht, und er betete ihn, um daraus Erleuchtung, Klugheit und Mut zu schöpfen. All das aber vermag auch heute noch jeder Christ aus dem Rosenkranz zu ziehen, vorab einen großen, opferwilligen Eifer für die Ehre und Interessen seines Erlösers, wenn er ihn recht zu beten versteht. Im Rosenkranz also wird uns auch das letzte Stück der christlichen Waffenrüstung geboten, die Schuhe für die Bereitschaft des Evangeliums des Friedens! –
aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 50 – S. 55

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