Der Heilige Geist ist Gott der Wahrheit

Komm heiliger Geist erfülle die Herzen deiner Gläubigen, das ist der Spruch auf der mit Pflanzen geschmückten Bild; in der Mitte ist der Heilige Geist als Taube dargestellt, von sieben Feuerflammen umgeben

Für die heilige Pfingstzeit – Der Gott der Wahrheit, Gutheit und Schönheit

Der Heilige Geist – Gott der Wahrheit

Eine altehrwürdige Stimme für die Verehrung des Heiligen Geistes ist das Nizäische Glaubensbekenntnis. Jedem Kind der Kirche muss diese Stimme heilig sein. Es gibt aber für den Heiligen Geist auch eine Stimme in unserem Innern, in unserem Wesen und in der ganzen Anlage unserer natürlichen, geistig-sinnlichen und zum übernatürlichen Ziel berufenen Natur. Wie eine Pflanze zum Licht und zum Wasser sich wendet, so ruft unsere dreifaltige Natur nach Gott, dem Urbild der Wahrheit, der Gutheit und der Schönheit. Dieser Gott begegnet uns in dem Heiligen Geist, welcher der Geist der Wahrheit, der Gutheit und der Schönheit ist und uns in dieser dreifachen Eigenschaft ebenso viele Beweggründe bietet, ihn zu ehren und zu lieben.

Der Gott der Wahrheit

Was dem Menschen vor allem not tut, was er vor allem sucht und liebt, das ist Wahrheit. Der Mensch ist ja vorab ein geistiges, denkendes Wesen, mit Vernunft und Erkenntnis-Vermögen ausgestattet, und die Nahrung des Verstandes ist die Wahrheit, die natürliche wie die übernatürliche Wahrheit. Er will vor allem wissen, was er natürlicher Weise zu denken und für wahr zu halten hat von sich, von seiner Umgebung und von Gott. Gott hat aber den Menschen nicht im Gebiet der natürlichen Ordnung gelassen; er hat ihn zu einer höheren, übernatürlichen Ordnung der Dinge erhoben, die, obwohl auf die natürliche Ordnung gegründet und ihr nachgebildet, doch unendlich über sie erhaben ist, dem Menschen neue Gebiete der Wahrheit, neue Ziele, neue Kräfte verleiht, von denen er ohne die huldvolle Herablassung Gottes aus sich keine Ahnung haben konnte. Diese Ordnung hat Gott dem Menschen zur Notwendigkeit gemacht, so daß er außer ihr sein ewiges Ziel nimmer finden kann. Es ist die Gnadenordnung, deren Wesen darin besteht, Gott zu erkennen, zu besitzen und zu genießen, wie er sich selbst erkennt, besitzt und genießt, und deren Vollendung die unmittelbare Anschauung und der Genuss Gottes im Himmel ist. Dementsprechend musste Gott dem Menschen auch übernatürliche Kräfte, ihn zu erkennen und zu lieben, mitteilen, vor allem eine summe von Wahrheiten, die der Mensch aus sich nie erreichen kann, die er aber auf die Offenbarung Gottes hin erkennt und anzunehmen und unverbrüchlich festzuhalten verpflichtet ist. Das ist die christliche Wahrheit, die wir mit dem Glauben erfassen, ohne den niemand selig werden kann. „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wer zu Gott heran tritt, muss glauben, daß er ist und die belohnt, die ihn suchen“ (Hebr. 11, 6). „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird selig werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mark. 16, 16). Alles ist im Glauben beschlossen (Hebr. 11, 7ff). „Mein Gerechter lebt aus dem Glauben“ (Hebr. 10, 38). Mit dem Glauben kommt uns dann alle Gnade, Gerechtigkeit und das ewige Leben, und ohne den übernatürlichen Glauben nützt uns alle übrige Weisheit und Gelehrsamkeit nichts zur ewigen Seligkeit.

Der Vermittler des Glaubens

Hier vor allem setzt nun der Heilige Geist mit seiner ganz maßgebenden Beziehung zum Glauben ein. Er ist nicht Gegenstand des Glaubens, sondern auch Vermittler des Glaubens. Er ist der Geist der Wahrheit (Joh. 14, 17; 16, 13), nicht bloß weil er vom Sohn, der die Wahrheit und Weisheit ist, ausgeht, sondern weil er in den Herzen wohnend (Joh. 14, 17), bleibend (Joh. 14, 16), also nicht nur als äußeres Wort, sondern als inneres, im Grund der Seele lebendes Prinzip alle Wahrheit lehrt (Joh. 14, 26), an alles erinnert, was Christus gelehrt hat (Joh. 14, 26), in alle Wahrheit einführt und selbst Künftiges verkündet (Joh. 16, 13). Der Heilige Geist lehnt an die Lehrtätigkeit Jesu an und bildet fort; er erhält Altes und fügt Neues hinzu; er erinnert an gegebenes und läßt es in neuem Licht erscheinen; er vollendet und schließt den Glaubensschatz ab und ist bemüht, die Erkenntnis dieses Schatzes nach innen zu vertiefen und zu erweitern. So verspricht der Heiland den Aposteln durch den Heiligen Geist eine hohe und herrliche Erkenntnis seiner Gottheit: „An jenem Tag werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch“ (Joh. 14, 20). Es waren die seligen und gnadenreichen Tage nach der Auferstehung, wo die Apostel in der Herrlichkeit des Auferstandenen dessen Gottheit deutlicher schauten und im lieblichen Umgang mit ihm sich als die Seinigen fühlten. Diese Erkenntnis und Innigkeit der Lebensbeziehung wurde besiegelt durch die Herabkunft des Heiligen Geistes, infolge deren der Geist Jesu wirklich in ihren Herzen wohnte und ein so herrliches Licht der Erkenntnis leuchten ließ, daß es für alles, was ihres Amtes war, kein Dunkel und keine Zweifel mehr gab. Er brachte selbst neue Wahrheit, manches Künftige, die Apokalypse und die Offenbarung, daß die Bücher des Neuen Testamentes inspiriert seien (Joh. 16, 12; Röm. 11, 25; 1. Kor. Kap. 15; 1. Thess. 4, 15; 2. Petr. 1, 20f; 3, 15f).

So belehrte der Heilige Geist die Apostel im Glauben, und so belehrt er auch uns, innerlich durch Gnadenlicht, durch Zuspruch von dem ersten Gedanken und der ersten willigen Hingabe des Herzens an den Glauben bis zum lichteren, tieferen und köstlicheren Erfassen der Glaubens-Wahrheiten vermittelst der Eingießung und Stärkung des inneren Glaubensvermögens und der Gaben des Heiligen Geistes, namentlich durch die Gaben des Verstandes, der Wissenschaft und Weisheit, die sich zunächst an das Glaubensvermögen anschließen und es stärken, erhöhe, in den Stand setzen, nicht bloß einen klaren und sicheren Begriff der Glaubens-Wahrheiten zu gewinnen, sondern auch von deren Glaubhaftigkeit und Annehmbarkeit immer mehr überzeugt zu werden durch Gründe, die sowohl aus der nahe liegenden Ordnung der Natur als aus den Quellen der höchsten Wahrheit fließen und unser Herz mit der süßesten, Wonne reichsten Gewissheit durchströmen.

Der Heilige Geist fördert uns zum Glauben durch die Kirche

Äußerlich aber fördert uns der Heilige Geist zum Glauben durch die Kirche, welche mit der Predigt und der amtlichen Verkündigung und Feststellung der geoffenbarten Glaubens-Wahrheiten den Glaubensschatz, der in der Heiligen Schrift und in der Erblehre nieder gelegt ist, rein erhält und zum Gemeingut aller macht. So sind die Wahrheit und geschichtliche Treue in der Abfassung der Evangelien, die Reinheit und Unverfälschtheit der Erblehre, die Richtigkeit in der Erklärung der Heiligen Schrift, die Unfehlbarkeit in Bestimmung und Verkündigung der Glaubenslehre durch die Päpste und die Kirchen-Versammlungen, alles Licht, das in den Schriften der heiligen Väter und Gottesgelehrten geleuchtet hat und noch fort leuchtet, aller Fortschritt, alle Ausbildung und Verklärung der Glaubens-Erkenntnis Wirkung und Ausstrahlung und Betätigung der fortwährenden Lehrtätigkeit des Heiligen Geistes. Es ist überraschend und ganz rührend, welch einen Aufwand von Mitteln und Anstalten da der Heilige Geist unterhält und in Bewegung setzt, damit wir, wie es notwendig ist, zur sicheren und festen Glaubens-Zustimmung, zum Glaubens-Besitz ohne Zweifel und Wanken gelangen. Die Heilige Schrift, welche eine der Quellen des Glaubens ist, überläßt er schon der Abfassung nach nicht dem natürlichen Vermögen und Gutachten des menschlichen Geistes, sondern er selbst leitet und lenkt die Verfasser durch seine göttliche Inspiration, daß sie nicht fehlen können (2. Petri 1, 21). Die Erklärung der Schrift hinwieder legt er in der lebendigen Erblehre, die eine zweite Glaubens-Quelle ist, nieder, und diese wie jene überläßt er endlich nicht einzelnen Menschen, sondern einer ganzen Lehrgesellschaft, der Kirche, und damit auch diese nicht irren könne in der Aufstellung und Erklärung dessen, was Gott geoffenbart und zum Gegenstand des selig machenden Glaubens gemacht hat, bestellt er in ihr das Lehramt und stattet es mit unzweifelhafter Unfehlbarkeit aus, wie er, der unendlich weise und heilige Gottgeist, selbst sie besitzt (Apg. 15, 28); Matth. 28, 19f).

Wissen wir aber, wie groß und einzig die Wohltat ist, von Jugend an unfehlbar zum wahren Glauben angeleitet und befähigt zu werden? Wissen wir, daß dies in keiner anderen Religion, sie mag sich noch so sehr mit dem Christentum und dem reinen Gotteswort brüsten, der Fall ist, und daß es nicht der Fall sein kann, wenn sie die Heilige Schrift und die eigene Forschung als einzige Glaubens-Quelle und Glaubens-Regel fest hält und kein unfehlbares Lehramt anerkennt? Der Heilige Geist kann die armen Verwaisten wohl auf ungewöhnlichem Weg erleuchten und zum notwendigen Glaubensakt bringen, aber jene Religion kann es von sich aus nimmer, weil ihr dazu die Vorausbedingungen, der notwendige Umfang und die Bürgschaft der Offenbarung, fehlen. Können wir da nicht sagen: „Lobe, Jerusalem, den Herrn; lobe, Sion, deinen Gott… Keinem Volk hat er so getan und keinem seine Gerichte geoffenbart?“ (Ps. 147, 12 u. 20) Dieser Herr und Gott aber ist der Heilige Geist. –

Der Heilige Geist sorgt für die Reinerhaltung des Glaubens

Ja, er sorgt nicht bloß für die Reinerhaltung des Glaubens, sondern für inneren Fortschritt und für Entwicklung des Glaubens durch die wahre kirchliche Wissenschaft, die wundervolle Schöpfung der erleuchtetsten Geister und gelehrten Schulen unter dem Walten des Heiligen Geistes. Durch diese Wissenschaft ist die Kirche Meisterin aller Wahrheit, Lehrerin aller Wissenschaften, die sie zum Dienst der höheren Wahrheit heran zieht, die sie pflegt und erhebt; sie ist die Ehre und Freude Bringerin der Menschheit. Welch schöne Welt des Heiligen Geistes ist nicht das Reich der übernatürlichen Wissenschaft und Weisheit, das glückliche Land, auf dessen Höhen schon die Strahlen und das Frührot der beseligenden Anschauung glänzen und in dessen Schatten die Quellen der Himmelsfreude rauschen. Wer mit Demut strebt, in keuscher Furcht forscht und in beharrlichem Gebet zum heiligen Geist, dem Herrn der Wissenschaft, fleht, dem mag sich wohl der Eingang zu diesem Paradies öffnen. Nichts aber verscheucht sicherer den Heiligen Geist und verwischt die Spur zu diesem Ruhe und Wonne vollenAufenthaltsort der Seele als unehrerbietige Freiheit, stolzes Sichüberheben und weltlicher, unfrommer Sinn. Diese Wege führen selbst an der Hand der Bibel nur nach dem unheiligen Babel.

Es ist eine großartige, ganz göttliche Tätigkeit, die der Heilige Geist innerlich in den Herzen der Menschen und äußerlich in dem mächtigen Gefüge der Kirche und ihrer Anstalten zur Erhaltung, Festigung und Förderung des Glaubens ausübt. Wie werden wir es ihm danken können, daß er unserem edelsten Verlangen den Verstand mit den Schätzen der göttlichen Wahrheit zu bereichern, so huldvoll und überschwänglich entgegen kommt? Es geht nichts über die Erkenntnis der göttlichen Wahrheit. Sie ist ein Ausfluss und ein Abglanz der Gottheit selbst und eine Mitteilung ihres Lebens. Wem sie gegeben ist, der wird der Kindschaft Gottes teilhaft und all ihrer Güter. Dazu reicht kein Vermögen der natürlichen Erkenntnis und Wissenschaft hin; diese reicht nicht zum Heil hin. Mit dem Glauben aber haben wir den Beginn des ewigen Lebens in der Hand. –
aus: Moritz Meschler SJ, Aus dem katholischen Kirchenjahr, Erster Band, 1919, S. 426 – S. 430

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