Der Antichrist Merkmale der Verfolgung

Die Predigt des Antichrist und seine Verführungen

Heinrich Eduard Manning, Erzbischof:

Der Antichrist oder Die gegenwärtige Krise (1861)

TEIL 2

Der Antichrist – Merkmale der Verfolgung

Welches sind die Merkmale der Verfolgung

3. Dies führt uns geraden Weges zu den Merkmalen, welche der Prophet von der Verfolgung der letzten Tage angibt. Es sind drei Dinge. die er aufgezeichnet hat. Im prophetischen Geist sah er folgende drei Zeichen;

1. daß das beständige Opfer weggenommen werden würde.

2. daß das Heiligtum mit dem Gräuel der Verwüstung erfüllt werde und

3. daß etliche „vom Heere“, „von den Sternen“ herab geworfen. Diese drei Zeichen nun will ich näher betrachten.

Zuerst, was heißt dies Hinwegnehmen des beständigen Opfers? Es wurde hinweggenommen im Vorbild bei der Zerstörung Jerusalems. Das Opfer des Tempels, d.h. des Lammes am Morgen und Abend im Tempel Gottes wurde mit der Zerstörung des Tempels selbst ganz aufgehoben…

Die heiligen Väter, welche über den Antichrist und über diese Weissagungen Daniels geschrieben, sagen ohne eine einzige Ausnahme, soviel ich weiß – und es sind die Väter sowohl der griechischen als der lateinischen Kirche – daß in den letzten Zeiten der Welt unter der Herrschaft des Antichrist das heilige Opfer des Altars aufhören wird.

Blick in die morgenländische Welt

In dem Werk über das Ende der Welt, das dem heiligen Hippo zugeschrieben wird, lesen wir nach einer langen Beschreibung der Trübsale in den letzten Tagen wie folgt:

„Die Kirchen werden einen großen Jammer erheben; denn es wird kein Opfer mehr dargebracht werden, noch Weihrauch noch eine Gott wohlgefällige Verehrung. Die heiligen Gebäude der Kirche werden wie Schoppeti (vermutliche Bedeutung: Wirtshäuser) aussehen. Und der kostbare Leib und das kostbare Blut Christi wird in jenen Tagen verschwunden sein; die Liturgie wird erloschen sein und der Psalmengesang verstummen; die Lesung der heiligen Schrift wird nicht mehr gehört werden. Aber auf den Menschen wird Finsternis lagern, und Trauer wird kommen über Trauer und Wehe über Wehe. Dann wird die Kirche zerstreut werden und in die Wildnis getrieben, und wird eine Zeitlang, wie es im Anfange war, unsichtbar sein, verborgen in Katakomben, in Berghöhlen und Verstecken; einige Zeit wird sie gleichsam von der Oberfläche der Erde weggefegt sein. Dies ist das allgemeine Zeugnis der Väter in den ersten Jahrhunderten. Ist jemals etwas vorgekommen, was ein Vorläufer eines solchen Ereignisses genannt werden könnte? Blicket in das Morgenland, der Aberglaube Mahomeds, welcher in Arabien aufstand, sich hinzog über Palästina und Kleinasien, das Land der sieben Kirchen, und über Ägypten und Nordafrika, die Heimat des heiligen Augustin, des heiligen Cyprian und des heiligen Optatus. und endlich nach Konstantinopel drang, wo er bald herrschend wurde, hat überall den Kult Jesu Christi verfolgt und unterdrückt. Der Aberglaube Mahomeds besitzt gegenwärtig zu seinen Moscheen eine Menge christlicher Kirchen, in welchen das beständige Opfer bereits hinweg genommen und der Altar gänzlich zerstört ist. In Alexandria und in Konstantinopel stehen Kirchen, die für den christlichen Kult erbaut wurden, welche noch nie der Fuß eines Christen betreten hat, seitdem das beständige Opfer hinweggenommen ist. Gewiß sehen wir hierin wenigstens zum Teil die Erfüllung dieser Prophezeiung, so daß viele Ausleger behaupten, Mahomed sei der Antichrist, und es werde kein anderer mehr kommen. Ohne Zweifel war er einer der vielen Vorläufer und Vorbilder des Antichrist, der kommen soll.

Blick in die abendländische Welt

Nun wollen wir in die abendländische Welt blicken. Ist das beständige Opfer in irgend einem Lande hinweggenommen, z. B. in allen jenen Kirchen des protestantischen Deutschlands, die einst katholisch waren, wo das heilige Opfer der Messe täglich dargebracht wurde, in ganz Norwegen und Schweden und Dänemark und in der Hälfte der Schweiz, wo es eine Menge alter katholischer Kirchen gibt? Oder in ganz England, in den Kathedralen und Pfarrkirchen dieses Landes, die als Heiligtümer zur Darbringung des heiligen Opfers erbaut wurden? Was ist das charakteristische Merkmal der Reformation, wenn nicht die Verwerfung der Messe und alles dessen, was zu ihr gehört, da sie in den neununddreißig Artikeln der Kirche Englands als Gotteslästerung und gefährlicher Betrug erklärt ist? Die Unterdrückung des beständigen Opfers ist vor allem der Charakterzug der protestantischen Reformation. Wir finden also, daß diese Prophezeiung bereits sowohl im Morgen- als im Abendlande ihre Erfüllung gefunden hat, gleichsam in den zwei Flügeln, während in dem Herzen der Christenheit das heilige Opfer noch dargebracht wird. Was ist die große Flut des Unglaubens, der Revolution und der Anarchie, die jetzt die Grundlagen der christlichen Gesellschaft anfrißt, nicht nur in Frankreich, sondern auch in Italien, und die jetzt Rom, den Mittelpunkt und das Heiligtum der katholischen Kirche umschließt, – was ist sie anders als der Gräuel, welcher das Heiligtum verwüstet und das beständige Opfer hinweg nimmt? Die geheimen Gesellschaften haben seit langem die christliche Gesellschaft Europas unterminiert und durchlöchert und streben jetzt vorwärts nach Rom, dem Mittelpunkte aller christlichen Ordnung in der Welt. Die Erfüllung der Prophezeiung soll noch kommen, und das, was wir in den zwei Flügeln gesehen, werden wir auch im Mittelpunkte sehen, und jenes große Heer der Kirche Gottes wird für einige Zeit zerstreut werden. Es wird eine Weile scheinen, als sei es vernichtet, und die Macht der Feinde des Glaubens wird einige Zeit die Oberhand haben. Das beständige Opfer wird hinweg genommen und das Heiligtum verunreinigt sein. Was kann buchstäblicher der Gräuel der Verwüstung sein als die Häresie, welche die Gegenwart des lebendigen Gottes von dem Altare entfernt hat? Wenn ihr diese Weissagung von der Verwüstung verstehen wollet, so gehet in eine Kirche, die einst katholisch war, wo jetzt kein Lebenszeichen mehr sich regt; sie steht leer und öde ohne Altar, ohne Tabernakel, ohne die Gegenwart Jesu. Und das, was bereits im Morgen- und im Abendlande geschehen. dehnt sich jetzt nach dem Mittelpunkte der katholischen Einheit hin aus.

Blick in die Zukunft

Wenn ich nun genötigt bin, etwas in die Zukunft einzugehen, so werde ich mich darauf beschränken, nur einen sehr allgemeinen Umriß davon zu zeichnen…

Der Prophet Daniel sagt im zehnten Kapitel, daß zur Zeit des Endes viele werden ausgeschieden, gereinigt und – wie im Feuer bewährt werden; die Gottlosen aber werden gottlos handeln, und alle die Gottlosen werden es nicht verstehen, aber die Erleuchteten werden es verstehen, das heißt, viele, die den Glauben erkannt haben, werden ihn verlassen. Von den Erleuchteten werden einige fallen, das heißt, sie werden abfallen von ihrer Treue gegen Gott. Und wie soll dies geschehen? Teils aus Furcht, teils aus Täuschung, teils aus Feigheit, teils weil sie nicht für eine unpopuläre Wahrheit gegen eine populäre Lüge sich erheben wollen, teils weil die vorherrschende öffentliche Meinung z. B. in einem Land, wie das unsrige, und in Frankreich, die Katholiken so einschüchtert, daß sie es nicht wagen, ihre Grundsätze zu bekennen, und wenigstens nicht so keck find, sie zu beobachten. Sie werden Bewunderer und Anbeter der materiellen Wohlfahrt protestantischer Länder.

Der Antichrist – Todfeind der Kirche

Ich begann damit zu zeigen, daß der Antichrist und die antichristliche Bewegung folgende Merkmale hat: erstens Trennung von der Kirche; zweitens Leugnung ihrer göttlichen und unfehlbaren Stimme, und drittens Leugnung der Menschwerdung. Der Antichrist ist daher der Todfeind der Einen, heiligen, katholischen und römischen Kirche, welche das einzige Organ der göttlichen Stimme, des Geistes Gottes ist, und das Heiligtum der Menschwerdung und des beständigen Opfers. Und nun, zum Schluß. Die Menschen haben notwendig auf ihre Grundsätze zu sehen. Sie müssen eine Wahl treffen zwischen zwei Dingen, zwischen dem Glauben an einen Lehrer, der mit einer unfehlbaren Stimme spricht, der die Einheit leitet, die jetzt wie im Anfang die Völker der Welt zusammenhält, oder zwischen dem Geiste des fragmentarischen Christentums, welches die Quelle der Unordnung ist und mit dem Unglauben endigt. Hier ist die einfache Wahl, die vor uns allen liegt, und einen Entschluss müssen wir fassen.

Die täglichen Ereignisse führen die Menschen immer weiter und weiter auf der Laufbahn, die sie betreten haben. Jeden Tag werden sie mehr und mehr geteilt. Dies sind Zeiten der Prüfung. Unser Herr steht in der Kirche:

Er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne reinigen; seinen Weizen wird er in seine Scheune sammeln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. Es ist eine Zeit der Prüfung, wo einige von den Erleuchteten fallen werden, und nur die werden gerettet werden, die standhaft sind bis ans Ende. Die zwei großen Widersacher sammeln ihre Kräfte zum letzten Streite: Derselbe mag vielleicht nicht in unsere Tage fallen, vielleicht auch nicht in die Zeit derer, die nach uns kommen; aber Eines ist gewiß, daß wir jetzt ebenso auf die Probe gestellt werden, wie es die sein werden, welche in der Zeit leben, wo es geschehen soll. Denn so sicher als der Sohn Gottes in der Höhe herrscht und herrschen wird, bis Er alle seine Feinde sich zu Füßen gelegt hat, ebenso sicher wird ein Jeder, der einen Fuß erhebt oder eine Waffe schwingt gegen seinen Glauben, gegen seine Kirche oder gegen seinen Statthalter auf Erden, Teil haben an dem Gerichte, das dem Antichrist aufbewahrt ist, welchem er dient! –
aus: Kardinal H. E. Manning, Der Antichrist oder Die gegenwärtige Krise des Heiligen Stuhles, 1861, S. 84 – S. 89; S. 95 – S. 97

Teil 1: Der Antichrist oder Die gegenwärtige Krise

Bildquellen

  • the-deeds-of-the-antichrist-1502: Wikiart

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