Das Totenbett der Heiligen – Tod, wo ist dein Stachel?
„Kostbar ist in den Augen Gottes der Tod seiner Heiligen.“ (Ps. 115, 15)
„Tod, wo ist dein Stachel!“ so ruft, an den Tod denkend, der hl. Paulus aus. Den Heiden galt derselbe als das bitterste des Bittersten. „Tod, wo ist dein Stachel? Er ist untergegangen im Sieg des Erstandenen.“ So jubeln mit Paulus die Heiligen auf ihrem Totenbett. Er ist für den Gerechten das Ende aller irdischen Leiden und die Tür zum Einzug in die ewigen Freuden.
Darum ist er für die gläubig liebende Seele auch kein Gegenstand des Schreckens und der Angst, sondern ein Gegenstand des Verlangens und der Sehnsucht, indem der Gerechte mit demselben Apostel aufseufzt: „Mich verlangt, aufgelöst und mit Christo zu sein.“
Die Ursache dessen liegt darin, weil der Tod des Gerechten ein wohlvorbereiteter Tod ist, weil er denselben immer vor Augen gehabt, und mit demselben Apostel die Antwort des Todes beständig in sich vernommen; und weil er in einem Zustand gelebt, der ihn vor allen den Vorwürfen befreit, welche den Tod des Sünders schrecklich und den des lauen Christen angstvoll und gefährlich machen.
Dagegen gibt es für den Gerechten eine Fülle der Trostgründe, die da imstande sind, sein Herz auf dem Totenbett mit Trost, ja selbst mit Jubel zu erfüllen, und ermöglichen, den Kelch des Todes mit aller Ergebung in den heiligsten Willen Gottes aus der Hand Gottes anzunehmen und mutig zu leeren.
Das soll uns heute klar werden, wenn wir erwägen, was das Herz des Gerechten, von dieser Welt scheidend, bei dem Blick auf sein verflossenes Leben, auf sein Scheiden selbst, und vorwärts auf die nahende Ewigkeit fühlen müsse.
Beherzigen wir heute, was diese drei Blicke dem sterbenden Gerechten vor Augen stellen, und wir werden begreifen, warum Aloysius das „Te Deum“ angestimmt, als er vernahm, dass der Tod sich nahe, und warum der hl. Geist überhaupt bezeuge: „Kostbar ist in den Augen Gottes der Tod seiner Heiligen.“
Maria, die Du allen Deinen Kindern eine Mutter bist im Leben und in der Stunde des Todes, stehe uns bei, dass wir so leben, dass wir einst unter Deinem Schutz und Schirm in Deinen Armen den Tod der Gerechten sterben.
Ich rede im heiligsten Namen Jesu, zur größeren Ehre Gottes!
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Unterschied zwischen dem Gemüt des lauen und des gerechten Christen
Um zu erkennen, welches die Umstände seien, die das Herz des sterbenden Gerechten auf seinem Sterbebett mit Trost erfüllen, brauchen wir uns nur daran zu erinnern, was ich mit euch von der Angst betrachtet, die das Gemüt des lauen Christen bei dem nahenden Tode erfüllt.
Der Gerechte empfindet nämlich auf seinem Sterbebett bei dem Blick auf den nahen Tod gerade das Gegenteil von dem, was das Herz des Lauen beängstigt.
Ich sagte nämlich: Es ist erstlich die Trennung von den Gütern und Freuden dieser Welt, die das Herz des Lauen betrübt. Der Gerechte hingegen betrachtet allen irdischen Besitz mit Paulus nur wie Kot und Staub. Er hat vielleicht in Armut gelebt und zeitlebens sich hart bemüht, für sich und die Seinigen zu sorgen. Diese Mühe, Pflege und Sorge hat nun ein Ende. Und wenn ihm Gott selbst Reichtümer gegeben, er hat dieselben zu Almosen und zur Unterstützung der Kirche Gottes auf Erden verwendet, und fühlt getröstet.
Er sorgt auch dafür, dass noch nach seinem Tod die Armen, Bedrängten und die Kirche Gottes ihren Anteil habe. Und was es immer auf der Welt gewesen sein mag, das er besessen, und wäre es selbst ein Reich und eine Krone, was ist es gegen die Güter und Reichtümer, die seiner im Himmel warten? Er darf mit David aufjubeln: „Bald und ich schaue die Güter des Herrn im Land der Lebendigen“; bald und ich rufe im Himmel auf: „Der Himmel ist mein, alles ich mein.“ Sein Herz jubelt.
Die Trennung von den Seinigen
Was das Totenbett des Lauen angstvoll macht, ist zweitens die Trennung von den Seinigen, von den Lieben und Teuren, die Gott in dieser Welt ihm zur Seite gestellt. Wie ganz anders was den sterbenden Heiligen betrifft.
Allerdings mag wohl auch Wehmut und Trauer sein Herz erfüllen, wenn er seinen Lieben und Teuren die erkaltende Hand zum Abschied reicht. Allein er darf denselben auch mit Trost zurufen: „Bald und wir sehen uns wieder in jenem Reich, wo uns dann nichts mehr trennt, wenn ihr mit mir zeitlebens dem Herrn gedient.“
Der Gerechte verlässt einige Lieben und Teuren auf dieser Welt; allein viele, ja unzählige, die seinem Herzen nicht minder lieb und teuer sind, soll er nun bald in Gemeinschaft aller Engel und Heiligen begrüßen, besonders diejenigen, die er auf Erden gekannt und geliebt und die ihm bereits durch einen seligen Tod in die Ewigkeit vorangegangen.
Und nicht nur diese, sondern er soll im Himmel Jesum selbst und Maria in ihrer Glorie schauen und eingehen in ihre Seligkeit und Liebe. Sein Herz jubelt.
Die Tröstungen der hl. Sakramente
Was drittens das Sterbebett des Lauen unheimlich und angstvoll macht, ist der Umstand, dass die Tröstungen der hl. Sakramente ihn nicht erquicken, sondern wohl im Gegenteil mit Angst und Vorwürfen erfüllen, weil er in seinem Leben dieselben nicht mit Eifer benützt, und nun in Angst gerät, ob er sie nicht vielleicht missbraucht und unwürdig empfangen.
Wie ganz anders fühlt das sterbende eifrige Kind der Kirche! Sei es auch, dass dasselbe das Unglück gehabt, einst schwer zu sündigen, so ist sich dasselbe doch bewusst, dass es aufrichtig alles gebeichtet hat und in Todsünden nicht mehr zurückgefallen ist; dass es oft das Sakrament der Buße empfangen und nach seiner Versöhnung mit Gott durch verdoppelten Eifer getrachtet, das Übel durch eifrige Erfüllung guter Werke so viel als möglich gut zu machen, und das Sakrament der Buße nicht sowohl zur Vergebung der Sünden, als zur Vermehrung der heiligmachenden Gnade oft zu empfangen.
Eben der Umstand, dass ihm Gott die Gnade der Bekehrung zugewendet, ermuntert ihn und erhöht das Vertrauen auf Gottes unendliche Barmherzigkeit. Er darf zu Gott aufseufzen: „Herr, Du wirst das Werk meiner Rettung, das Du so erbarmungsvoll an mir gewirkt, nicht unvollendet lassen, und wirst mich am Ende meines Lebens nicht den Händen der Feinde meines Heiles übergeben.“
Die hl. Wegzehrung – Quelle des Trostes
Besonders aber, was die hl. Wegzehrung betrifft, so eröffnet ihm der Blick auf die hl. Hostie eine überströmende Quelle des Trostes. Der Gerechte, der seinen Jesum zum letzten Mal auf Erden in sein Herz aufnimmt, mit dem Bewusstsein: Herr, Du weißt alles, – Du weißt es, dass ich eigentlich nur für Sich auf Erden gelebt, – dass meine Liebe zu Dir in diesem Leben der Puls meines geistigen Wandels vor Dir gewesen – er wird dort zu Ihm aufseufzen: Erfülle, Herr, das Wort der Verheißung: „Wer von diesem Brot isst, der bleibt in mir und ich in ihm, der wird das ewige Leben haben.“ Jesus vereinigt sich mit ihm und sein Herz ist getröstet und jubelt.
Was den lauen Christen auf dem Sterbebett mit Angst erfüllt, ist der Gedanke an die Bitterkeit des Todes selbst und der Gedanke an die Verwesung im Grab. Allerdings, sterben ist hart. Auch der Gerechte fühlt, wie der hl. Paulus bemerkt, dass der Mensch es vorzöge, sich zu verwandeln, als von seinem Leib zu scheiden. Allein der Gerechte hat im Geist der Selbstüberwindung gelebt und fühlt sich dadurch gestärkt und ermutigt, die Bitterkeit des Todes leichter zu überwinden.
Die Begegnung Ludwig XI. mit einem Aussätzigen
Auch was die Verwesung des Leibes betrifft, so hat dieselbe für ihn nichts Schreckliches, da er ja weiß, dass seiner die Glorie der seligen Auferstehung wartet.
Da traf es sich, dass einst Ludwig XI., König von Frankreich, der stets mit Trauer in seinem Gemüt belästigt wurde, sich auf der Jagd befand, um sich zu erheitern. Siehe, da hörte er auf einmal ein Jubellied, das klang so überaus fröhlich. Er lauschte und sagte bei sich: „Der Mensch, der solch ein Lied singt und in solcher Freude jubelt, ist glücklicher als ich, obgleich ich König bin.“ Er reitet dem Platz zu, von wo aus dieses Lied erscholl. Da erblickt er plötzlich vor sich einen aussätzigen an einem Zaun sitzen. Er war mit dem schrecklichen Aussatz befallen, welchen erkrankte Kreuzfahrer aus Palästina nach Europa gebracht.
Menschen, von dieser Krankheit befallen, verlieren nach und nach die Glieder des Leibes. Es fällt ein Finger nach dem andern ab, und dann die ganze Hand, die Füße, bis der Kranke endlich seinen Geist aufgibt.
Der König erblickte den Bettler in diesem schrecklichen Zustand. Er wendet sein Angesicht mit Abscheu von ihm und fragt ihn bloß: „Guter Freund, kann er mir sagen, wer das herrliche Jubellied gesungen, das ich soeben gehört?“
Der arme Aussätzige erwidert: König, ich habe gesungen. Nicht doch, sprach der König, dein Lied will ich nicht hören, sondern das Jubellied, das soeben verklungen. König, es ist ja kein anderer Mensch hier gewesen als ich. – Nicht? Doch wie kannst du ein solches Jubellied singen und in Freude aufjauchzen, fallen dir doch die Glieder vom Leib? König, eben deshalb jubele ich; die Mauer meines Leibes fällt ein, bald ziehe ich aus, und wenn ich denselben wieder erhalte, dann ist es der Leib eines Seligen, so hoffe ich zu Gott und juble.
Ebenso fühlt mit ihm jeder sterbende Gerechte. Mag es auch vor den Augen der Menschen die Pein des Martertodes sein, so gilt das Wort des hl. Geistes: „Ihr Ende ist voll der Hoffnung seliger Unsterblichkeit.“
Sei es auch, dass der Satan es versuchen sollte, sie noch auf dem Sterbebett mit Versuchungen zu belästigen, sie sind bereit, dieselben jeden Augenblick siegreich zu überwinden.
Der sterbende Gerechte fühlt den Trost
Als Martin auf seinem Totenbett sich befand, da nahte sich ihm zwar Satan und wollte ihn erschrecken, allein Martin setzte sich auf und sprach: „Bestie, weiche! Ich habe mit dir zeitlebens nicht zu schaffen gehabt; du sollst mich auch jetzt nicht entmutigen. Weiche!“
Ja, der sterbende Gerechte, der sein ganzes Leben im Dienst Gottes zugebracht, er darf mit dem Gedanken sich ermutigen und sagen: „Was fürchtest du, hast du ja nun durch so viele Jahre deinem Gott gedient, was fürchtest du, zu Ihm zu gehen.“ Sei es auch, dass die Angst vor dem Tode ihn bedrängen sollte, er blickt zurück auf das vergangene Leben und ist getröstet, er jubelt. „Was bangt dir?“, sprach Hilarion sich selbst zu, „siebzig Jahre hast du deinem Gott gedient, warum soll dich nun der Tod beängstigen? Gehe zu deinem Gott! Vertraue!“
„Es ist vollbracht“, so lautet das Trostwort Christi vom Kreuz. Der sterbende Gerechte fühlt den Trost desselben auf seinem Totenbett. Er blickt zurück auf die im Dienst Gottes vollbrachte Zeit seines Lebens; auf den Eifer im Umgang mit Gott durch das Gebet; durch den Empfang der hl. Sakramente.
Er blickt zurück auf seinen Eifer in der Erfüllung der Pflichten seines Standes aus Liebe zu Gott; auf die Übung der Werke der leiblichen und geistigen Barmherzigkeit, die er an seinem Nächsten ausgeübt; besonders auf die Werke des Seeleneifers zur Rettung der Ungläubigen, der Irrgläubigen der Sünder und zum Heil des Nächsten; aber auch auf alle die Mühen, Arbeiten und Opfer, die er in dieser Sorge übertragen.
„Es ist vollbracht! Es ist vorüber! Ich habe das Werk erfüllt, das Gott mir auferlegt!“ Sein Geist jubelt.
Das Totenbett des hl. Peter Claver
Ich denke da an das Totenbett des sterbenden Peter Claver. Es gibt wenige Heilige, die durch eine Reihe von so vielen Jahren in der Ausübung von so vielen Werken heroischer Nächstenliebe durchlebten wie dieser Diener Gottes.
Besonders die vierzig Jahre, die er in Carthagena zugebracht. Was er dort überstanden, wenn die Schiffe mit Sklaven angefüllt, aus Afrika ankamen und er sogleich, sowie sie landeten, auf dieselben eilte, und da vor allen Dingen in den unteren Teil des Schiffes sich zu den mit Blattern und mit anderen Krankheiten befallenen Negern begab, dieselben in seinem Mantel gehüllt auf seinen Schultern in die Stadt trug und dann für ihren Unterhalt, für ihren Unterricht und für das Heil ihrer Seele unter so vielen Mühen und Beschwerden sorgte und Hunderttausende für die Ewigkeit rettete.
Da, als es hieß, er sterbe, eilten die dankbaren Neger in großen Scharen an das Collegium. Die Pforten wurden geöffnet, sie füllten die Gänge und drangen bis in das Sterbezimmer des Heiligen. Was fühlte da wohl das Herz ihres geistlichen Vaters, als er dieselben an seinem Sterbebett kniend, schluchzend und weinend erblickte? Und was empfand wohl das Herz des Priesters, der an seiner Seite die Sterbegebete der Kirche betete:
„Fahre aus, christliche Seele, um Namen des Vaters, der dich erschaffen und dessen Kinder du mit solchen Beschwerden aufgesucht.
Fahre aus im Namen des Sohnes, dem du unzählige Seelen zugeführt, für die er am Kreuz sein Blut verspritzt.
Fahre aus im Namen des hl. Geistes, dessen Gnaden du alle benützt und in dessen Tempel du so viele der verlassensten Seelen verwandelt hast.
Mögen nun alle Engel im Chor sich dir nahen, mit St. Michael und deinem Schutzengel, der du das Reich des Bösen in so vielen Seelen zerstört und deren Schutzengel du gewesen.
Möge nun Ignatius, dein geistlicher Vater, dessen Sohn du als Mitglied seiner Gesellschaft gewesen, mögen alle seine bereits seligen Söhne mit allen Heiligen dir entgegenziehen und dich zu Christus begleiten, dessen Anblick dich mit Jubel erfüllen wird und der dich umfangend, dir nun bald zurufen soll: „Gehe ein in meine Freuden, treuer Knecht, der du dein ganzes Leben für mich in der Vorbereitung meines Reiches aufgeopfert hast.“
Es genügt, ein seeleneifriges Kind der Kirche gewesen zu sein
Sei es auch, dass es nicht gerade ein so großer Heiliger ist, der von dieser Welt scheidet, so genügt es, dass der Sterbende ein seeleneifriges Kind der Kirche gewesen.
Wie oft fühlte ich das selbst als Priester am Sterbebett solcher, deren heiligmäßiges Leben mir wohlbekannt war. Ich sage euch, es Gab Sterbende, die mir einige Augenblicke, bevor sie den letzten Atemzug taten, noch leise zuflüsterten: „Vater, jetzt kommt der Herr mit seinen Heiligen.“ Ich wollte die Sterbegebete beginnen: „Fahre aus, christliche Seele“, und war es nicht imstande, die Worte laut auszusprechen; der Trost, der mich erfüllte, Zeuge eines so „seligen Todes“ zu sein, erstickte meine Stimme.
Einen solchen Tod wünsche ich mir und dir. Aber darüber entscheidet ein heiliges Leben.
Ich sagte, was das Sterbebett eines lauen Christen unheimlich macht, ist besonders der Gedanke an den kommenden Richter, der Blick in die nahende Ewigkeit.
Wie schrecklich muss es sein, wenn die Seele, mit Todsünden bedeckt, im Stande der Ungnade sich auf einmal in der Abscheulichkeit des Teufels im Spiegel der Ewigkeit erblickt. Wie muss es auch angstvoll für die laue Seele sein, wenn sie sich in der Abscheulichkeit der lässlichen Sünden schaut, die sie beflecken, wen sie nun vor den Augen des göttlichen Richters erscheinen soll, den sie nicht anzublicken wagt; aus dessen Mund sie nun ihr Urteil vernehmen soll: selig oder nicht. Wenn sie daran denkt, welche Peinen wenigstens auf sie warten, wenn sie vielleicht lange Jahre im Fegefeuer zu verweilen hat, bis auch der letzte Staub der Unvollkommenheit von ihr entfernt ist.
Wie ganz anders empfindet die Seele, die völlig gereinigt, im Stande der heiligmachenden Gnade vor ihrem Gott und Richter erscheint.
Sie erblickt sich als „Ebenbild Gottes!“
Kein Menschengeist, der diese Schönheit auch nur zu ahnen imstande ist. Dabei ist sie geschmückt mit den Edelsteinen der Verdienste ihrer guten Werke, ihres heiligmäßigen Lebens in allen Gedanken, Worten, Wünschen und Werken in der Nachfolge Christi, den sie nun als ihren Seelenbräutigam vor sich erblickt und in dessen Arme sie eilt.
Das Totenbett des hl. Johannes vom Kreuz
Welch ein Jubel erfüllt sie dann, wenn sie so gelebt, dass ihr seliger Tod bereits den letzten Staub der Unvollkommenheit von ihr getilgt, wie das bei dem meisten Heiligen der Fall gewesen. Als Johannes vom Kreuz dem Tode nahe war, da hörte er den Schall der Glocke, die seine Mitbrüder zum Gebet in den Chor rief.
„Geht nur“, sprach er, „und betet das göttliche Offizium; ich gehe und bete dasselbe mit euch, aber bereits im Himmel in der Gemeinschaft Jesu, Mariä und aller Heiligen.“
Da lag auch einst ein anderer Ordensmann auf dem Sterbebett. Es war Fastenzeit. Er wiederholte immer, bereits dem Tode nahe, noch leise das Alleluja, Alleluja. Der Priester, der an seiner Seite stand, sprach zu ihm leise: „Bruder, es ist jetzt die Fastenzeit, sage Misere mei!“
Da erwiderte der Kranke lächelnd: „Ja, für euch, nicht für mich, da ist es schon Ostern; ich höre bereist das Alleluja der ewigen Osterfreude vom Himmel schallen.“
Möge solch ein Tod durch Christi Verdienst einst der unsrige werden. Möge besonders das, was wir in dieser Fastenzeit über den Tod betrachteten, von nun an so bleibend in unserem Gedächtnis haften, dass die Antwort des Todes unser Herz wie das des hl. Paulus in einer Weise erfülle, dass wir von nun an jeden Tag wie den letzten durchleben, und jedes Werk so verrichten, als wenn es das letzte unseres Lebens wäre. Dann können wir das Kreuzbild mit den Anmutungen des hl. Xaverius einst an unser Herz drücken und mit dessen Bekenntnis von der Welt scheiden: „Ich habe auf Dich, o Gott, vertraut; ich werde nicht zu Schanden werden, – nie und nimmer.“
Ja, wahrhaft kostbar in den Augen Gottes ist der Tod seiner Heiligen. Möge unser Leben und sterben dem ihrigen gleichen durch Jesum Christum, unsere gekreuzigte Liebe. – Amen!
aus: F. X. Weninger, Originelle kurz gefasste praktische Fasten-Predigten, 1884, Der Tod, Fünfte Predigt, S. 46 – S. 55
Überschriften sind der besseren Lesbarkeit hinzugefügt.
Siehe auch den Beitrag:
- Empfindungen eines Sterbenden, der sorglos gelebt (vom hl. Aphons Maria von Liguori)
Beiträge von P. F. X. Weninger auf dieser Website unter dem
und auf der Website katholischglauben.online:
- Beiträge von F. X. Weninger
- F. X. Weniger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube – Inhaltsangabe des Buches
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