Christus ist Stifter und Erhalter der Kirche

Jesus Christus ist Stifter und Erhalter der Kirche

Die inneren Gestaltungskräfte der Kirche

§ 10. Christus und die Kirche

Christus ist, wie Pius XII. in der Enzyklika „Mystici Corporis“ ausführt, Stifter, Haupt, Erhalter und Erlöser seines mystischen Leibes, der Kirche. Wir folgen den Darlegungen der Enzyklika.

1. Stifter der Kirche

Christus hat die Kirche gestiftet. De fide.

Pius XII. bemerkt: „Der göttliche Erlöser begann den Bau des mystischen Tempels seiner Kirche damals, als er predigend seine Gebote verkündete; er vollendete ihn, als er verherrlicht am Kreuze hing, und er offenbarte und übergab ihn schließlich der Öffentlichkeit, als er seinen Jüngern in sichtbarer Weise den Hl. Geist als Tröster sandte“ (H 29). Vgl. D 1821, 2145.

a) In der Zeit seiner öffentlichen Lehrtätigkeit legte Christus die Grundlagen der Kirche, indem er die Apostel auswählte und aussandte, wie er selbst vom Vater gesandt worden war, Petrus zum Oberhaupt derselben und zu seinem Stellvertreter auf Erden bestellte, ihnen seine Offenbarungen und seine Gnadenmittel übergab. Siehe § 2 u. 5.

b) Am Kreuze vollendete Christus den Bau der Kirche. Der Alte Bund hörte auf, der durch das Blut Christi begründete Neue Bund nahm seinen Anfang. Die Väter und Theologen sehen in dem Hervorfließen von Blut und Wasser aus der geöffneten Seite Jesu ein Sinnbild der Entstehung der Kirche. Wie Eva, die Mutter der Lebendigen, aus der Seite des schlafenden Adam hervorging, so ging die Kirche, die zweite Eva, die Mutter der durch die Gnade Lebenden, aus der Seite des am Kreuze entschlafenen zweiten Adam hervor. Wasser und Blut sind Sinnbilder der beiden Hauptsakramente, der Taufe und der Eucharistie, die zwei Wesenselemente der Kirche und darum die Kirche selbst darstellen. Durch das Konzil von Vienne erhielt diese Symbolik, die schon auf Augustinus zurückgeht, eine autoritative Bestätigung. D 480. Vgl. Augustinus, In Joan. tr. 9, 10; tr. 120, 2; Enarr. In Ps. 40, 10. S. th. I 92, 3; III 64, 2 ad 3.

c) Am Pfingstfest stärkte der erhöhte Christus die Kirche mit der übernatürlichen Kraft des hl. Geistes und führte sie durch die sichtbare Herabkunft desselben in die Öffentlichkeit ein, so wie er selbst zu Beginn seiner Lehrtätigkeit durch den in sichtbarer Gestalt auf ihn herabkommenden Hl. Geist öffentlich bezeugt und in sein messianisches Amt eingeführt worden war.

2. Haupt der Kirche

Christus ist das Haupt der Kirche. De fide.

Bonifaz VIII. erklärte in der Bulle „Unam sanctam“ (1302): „Die Kirche stellt einen einzigen mystischen Leib dar, dessen Haupt Christus ist.“ D 468 Das Konzil von Trient lehrt: „Christus Jesus läßt in die Gerechtfertigten immerfort Kraft einströmen, wie das Haupt in die Glieder und wie der Weinstock in die Reben.“ D 809.

Paulus bezeugt: „Er (Christus) ist das Haupt des Leibes, der Kirche“ (Kol. 1, 18; vgl. Eph. 5, 23). „Er ist das Haupt, Christus; von ihm wird der ganze Leib zusammen gefügt und zusammen gehalten“ (Eph. 4, 15f; vgl. Kol. 2, 19). nach diesen Texten ist die Stellung Christi zu seinen Jüngern ähnlich wie die Stellung des Hauptes zu den übrigen Gliedern des Leibes. Pius XII. begründet das Hauptsein Christi im Anschluß an Gedanken des hl. Thomas (S. th. III 8, 1; De verit. 29, 4) aus seiner Vorrangstellung, aus seiner Regierung der Kirche, aus seiner Naturgleichheit mit den Menschen, aus seiner Gnadenfülle, aus seiner Gnaden spendenden Tätigkeit.

a) Wie das Haupt die höchste Stelle im menschlichen Leib einnimmt, so nimmt Christus als Gottmensch eine einzigartige Vorrangstellung innerhalb der Menschheit ein. Er ist als Gott der Erstgeborene vor aller Schöpfung (Kol. 1, 15), als Mensch der Erstgeborene von den Toten (Kol. 1, 18), als Gottmensch der einzige Vermittler zwischen Gott und den Menschen (1. Tim. 2, 5). Der letzte und tiefste Grund seiner Vorrangstellung ist die hypostatische Union.

b) Wie das Haupt als das mit vorzüglicheren Fähigkeiten ausgestattete Glied die übrigen Glieder des Leibes leitet, so lenkt und regiert Christus die gesamte christliche Gemeinschaft: auf unsichtbare und außerordentliche Weise, indem er selbst unmittelbar auf Geist und Herz der Menschen, besonders der kirchlichen Vorsteher, einwirkt, sie erleuchtet und stärkt; auf sichtbare und ordentliche Weise mittelbar durch die von ihm eingesetzte kirchliche Hierarchie.

c) Wie das Haupt dieselbe Natur besitzt wie die übrigen Glieder des Leibes, so hat Christus bei der Menschwerdung dieselbe menschliche Natur angenommen, wie wir sie besitzen, in derselben Gebrechlichkeit, Leidensfähigkeit und Sterblichkeit, und ist so unser Blutsverwandter geworden. Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um uns, seine Brüder dem Fleische nach, der göttlichen Natur teilhaftig zu machen (2. Petr. 1, 4).

d) Wie das Haupt der Sitz aller Sinne ist, während die übrigen Glieder nur den Tastsinn besitzen, so besitzt Christus (als Mensch) auf Grund der hypostatischen Union die Fülle aller übernatürlichen Gaben. Joh. 1, 14: „voll der Gnade und Wahrheit“. In ihm wohnt der Hl. Geist mit einer Gnadenfülle, wie sie nicht größer gedacht werden kann (Joh. 3, 34). Ihm ist die Macht über alles Fleisch gegeben (Joh. 17, 2). In ihm sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis (Kol. 2, 3), auch die Erkenntnis der Gottanschauung.

e) Wie sich vom Haupt aus die Nerven auf die einzelnen Glieder des Leibes verteilen und ihnen Empfindung und Bewegung mitteilen, so strömt von Christus dem Haupt immerfort Gnade auf die Glieder seines mystischen Leibes über, wodurch er sie übernatürlich erleuchtet und heiligt. Als Gott ist er Hauptursache (causa principalis), als Mensch werkzeugliche Ursache (causa instrumentalis) der Gnade. Joh. 1, 16: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade um Gnade.“ Er bestimmt für jeden einzelnen das Maß der Gnade (Eph. 4, 7). Er gießt das Licht des Glaubens ein (Hebr. 12, 2: „Urheber des Glaubens“), schenkt besonders den Hirten und Lehrern die Gaben der Erkenntnis, der Einsicht und der Weisheit, leitet und erleuchtet die Konzilien. Er gibt die übernatürliche Kraft zur Verrichtung von Heilsakten (Joh. 15, 5: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“), verleiht besonders den hervorragenderen Gliedern des mystischen Leibes die Gaben des Rates, der Stärke, der Furcht Gottes und der Frömmigkeit, bringt als primärer Spender die Wirkungen der Sakramente in den Seelen hervor, nährt die Erlösten mit seinem Fleisch und Blut (Joh. 6, 56), vermehrt die Gnade und verleiht die Glorie für Leib und Seele (Joh. 6, 55).

3. Erhalter der Kirche

„Unser Erlöser selbst erhält mit göttlicher Kraft die von ihm gestiftete Gesellschaft, die Kirche“ (Pius XII.).

Die Verbindung Christi mit der Kirche ist so innig und beständig, daß Christus und die Kirche miteinander eine einzige mystische Person bilden (una persona mystica; S: th. III 48, 2 ad 1). Christus identifiziert sich förmlich mit der Kirche und ihren Gliedern, wenn er als Weltrichter spricht: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben“ (Mt. 25, 35), oder wenn er zu Saulus vom Himmel herab spricht: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ (Apg. 9, 4) Dieser Sprechweise folgend nennt Paulus die mit Christus vereinigte Kirche geradezu Christus. 1. Kor. 12, 12: „Wie nämlich der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, ein Leib sind, so auch Christus.“

Augustinus sagt: „Christus (=Kirche) predigt Christus, der Leib predigt sein Haupt und das Haupt schützt seinen Leib“ (Sermo 354, 1). Der Getaufte ist nach Augustin nicht nur Christ, sondern Christus geworden: „Wir wollen uns Glück wünschen und Dank sagen, daß wir nicht bloß Christen geworden sind, sondern Christus… Staunet, freuet euch, Christus sind wir geworden; denn wenn jener das Haupt ist, wir die Glieder, dann ist der ganze Mensch er und wir“ (In Joan. tr. 21,8). Der Leib und das Haupt machen „den ganzen Christus“ aus (In ep. I. Joan. tr. 1,2; De unit. Eccl. 4,7).

Der innere Grund für die innige Vereinigung Christi mit der Kirche zu einer einzigen mystischen Person liegt einerseits darin, daß Christus seine Sendung auf die Apostel und ihre Nachfolger übertragen hat, woraus folgt, daß er es ist, der durch sie tauft, lehrt und leitet, löst und bindet, darbringt und opfert, anderseits darin, daß Christus die Kirche an seinem übernatürlichen Leben teilnehmen läßt, indem er den ganzen Leib der Kirche mit seiner göttlichen Kraft durchdringt und die einzelnen Glieder nach dem Rang, den sie im Leibe einnehmen, nährt und erhält, ähnlich wie der Weinstock die mit ihm verbundenen Reben nährt und fruchtbar macht (Joh. 15, 1-8).

4. Erlöser der Kirche

„Christus ist der göttliche Erlöser des Leibes, der Kirche“ (Pius XII.).

Paulus lehrt: „Christus ist das Haupt der Kirche, er der Erlöser seines Leibes“ (Eph. 5, 23). Obwohl er „der Erlöser der Welt“ (Joh. 4, 42), „der Erlöser aller Menschen“ (1. Tim. 4, 10) ist, so ist er doch „vornehmlich“ der Erlöser „der Gläubigen“ (1. Tim. 4, 10), die die Kirche bilden, die er „mit seinem eigenen Blut erworben hat“ (Apg. 20, 28). Denn diese hat er nicht bloß objektiv erlöst, indem er am Kreuze für sie stellvertretend Genugtuung leistete und die Gnade verdiente, sondern auch subjektiv, indem er sie durch Zuwendung der am Kreuz erworbenen Erlösungs-Gnade entsündigte und heiligte. War er einst am Kreuz begonnen hat, das setzt er in seiner himmlischen Herrlichkeit durch seine Fürbitte ohne Unterlaß fort. Vgl. Röm. 8, 34; Hebr. 7, 25; 9, 24. –
aus: Ludwig Ott, Grundriss der katholischen Dogmatik, 1954, S. 337 – S. 340

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