Christus im heiligen Abendmahl gegenwärtig

Jesus hält in der Eucharistie die Hostie hoch, der Kelch steht vor ihm auf dem Tisch, das Bild ist umrankt mit Girlanden aus Weinblättern, Trauben und Ähren

Diamant oder Glas – Allen Christen zum Betrachten vorgelegt (1851)

9. Entscheid und Entschluss – Christus ist im heiligen Abendmahl gegenwärtig

Es steht aus allem dem Gesagten nun fest: So wahr Jesus Christus der Sohn Gottes ist und so wahr Himmel und Erde vergehen, seine Worte aber nicht vergehen, ebenso wahr ist Jesus Christus wahrhaft mit seinem ganzen Wesen im heiligen Abendmahl gegenwärtig. Deshalb müssen auch wahr und gewiß sein folgende Sätze:

1. Wer über das heilige Abendmahl spottet, die heilige Hostie verachtet, ihre Anbetung einen Götzendienst nennt, der begeht ganz die nämliche Sünde, welche die Pharisäer, Schreiber und Juden begangen haben, als sie den Heiland am Kreuz verhöhnten. Die sinnlichen Augen sahen damals eine nackte, blutige, zerrissene Knechtsgestalt ans Kreuz genagelt, und die sinnlichen Augen sehen jetzt eine geringe Brotsgestalt im Abendmahl; die sinnlichen Augen sehen hier so wenig als dort den Eingebornen des Vaters in seiner Majestät. Wenn aber der Heiland am Kreuz für die Spötter aus dem Judentum betete: „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, so ist die Frage, ob er ebenso in der konsekrierten Hostie beten kann für die getauften Spötter. Denn diese geben sich für Christen aus und verwerfen doch das Wort Christ: „Dieses ist mein Leib“, und verspotten da, was Christus seinen Leib nennt.
Ein ganz ungläubiger Mensch kommt mir erträglicher vor als eine gewisse Gattung von Pietisten, welche nicht genug bekommen können, in süßender Rede von dem Herrn zu sprechen, und dennoch sein Wort vom heiligen Abendmahl nicht glauben. Sie machen sich selber aus Einbildungen und verdächtigen Empfindungen einen Phantasie-Heiland, von dem lebendigen Heiland im heiligen Abendmahl aber wollen sie nichts wissen und kehren sich von ihm ab. Übrigens kann der Spötter dem Heiland im heiligen Abendmahl so wenig durch seine Lästerung einen Schaden zufügen, als du einen Sonnenstrahl mit Kot schmutzig machen oder schwarz färben kannst.

2. Solche Protestanten, welche, ohne zu lästern, die katholische Lehre vom heiligen Abendmahl nicht glauben, obschon sie allein dem Wort Gottes gemäß ist, verdamme ich deshalb noch nicht, ich bin ihr Richter nicht. Auch selbst dann verdamme ich sie nicht, wenn sie diese Schrift lesen und doch den Glauben an die Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl nicht fassen können. Ich weiß zu gut, wie schwer es ist, die Ansichten zu ändern, welche einem von Jugend auf durch Eltern, Lehrer und die ganze Umgebung eingeprägt worden sind. Wer stets gelehrt worden ist: was die Katholiken glauben, sei Unsinn und Aberglauben, der wird schwer dazu kommen, selbst auf die besten Beweise hin, dieses nun selbst im lebendigen Glauben zu umfassen. Ungeachtet die Juden viele und große Wunder sahen, glaubten sie doch nicht, daß Jesus von Nazareth der verheißene Messias sei, eben weil sich bei ihnen von Jugend auf der Glaube fest gesetzt hatte, der Messias müsse in irdischem Glanz und Herrlichkeit erscheinen, Jesus aber nur arm und demütig auftrat. Desgleichen muss es auch dem Protestanten schwer fallen, zu glauben, daß die ganze Person des Heilandes in der Hostie gegenwärtig sei und angebetet werden solle, wenn er von jeher immer gehört hat, die Messe der Katholiken sei ein abergläubischer Gebrauch. Wäre ich selber als Protestant geboren und erzogen, vielleicht ginge es mir auch nicht besser.
Deshalb ist es nicht jedesmal eine Schuld, wohl aber ein Unglück, wenn der Protestant die Wahrheit hierin nicht erkennt; der Heiland als Mensch, an den er glaubt, ist weit hinweg, schon vor 1800 Jahren in den Himmel aufgefahren. Und es ist eine besonders große Gnade von Gott, wenn der Schleier von dem Auge seines Geistes hinweg genommen wird, so daß er in fester Überzeugung an die Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl glaubt.

3. Ganz anders stellt sich dieses bei den Katholiken. Wer in der katholischen Religion unterrichtet und erzogen worden ist; wer als Kind mit treuem Glauben zum Tisch des Herrn gegangen; wer in Demut Anbetung, Hoffnung und Liebe kommuniziert und das höhe Glück empfunden hat, seinen Heiland bei sich zu haben, und dennoch jetzt nicht mehr daran glauben mag: warum glaubt ein solcher nicht mehr? Er glaubt darum nicht mehr, weil der Weltsinn oder der Geist des Hochmutes in ihm die Oberherrschaft bekommen hat und der kindlich gläubige Sinn, welcher allein zu Gott führt, verloren ist; und er glaubt nicht mehr an den in der Hostie gegenwärtigen Heiland, weil er ihn nicht mehr liebt und will. Deshalb ist sein Unglaube eine schwere Schuld, ein freiwilliges Abwenden von Christus, der ihm nah gewesen ist. Jesus hat ausdrücklich gesagt (Joh. 6, 44), daß niemand zu ihm kommen könne, das heißt niemand seine Worte vom Genuss seines Fleisches annehmen könne, wenn ihn der Vater nicht zieht, das heißt ihm besondere Gnade gibt.
Je irdischer und weltlicher die Seele aber wird, desto mehr wendet sie sich von Gott, und desto mehr zieht sich die Gnade aus der Seele zurück, desto weniger kann der Etsch mehr an das heiligste Sakrament glauben, ja es kommt ihm als Unsinn vor. Wie ein rechter verdorbener Bösewicht nicht glauben kann, daß ein anderer Mensch ein redliches, gutes herz habe, so kann der Weltmensch nimmermehr glauben an eine so große Liebe und Allmacht des Herrn, daß er leibhaftig zu jedem gläubigen Christen im heiligen Abendmahl kommen will und kommen kann. Wenn es aber wahr ist, was man da und dort hört, daß nämlich ärmere Katholiken von protestantischen Pietisten nicht nur durch Zureden und Traktätchen, sondern auch durch Geldunterstützung zum Abfall verlockt worden sind, so daß sie mit der katholischen Kirche auch den lebendigen, gegenwärtigen Heiland im Abendmahl verlassen haben: so haben diese Katholiken ihren Herrn verkauft und aufgegeben ums Geld. Wer ist ihr Vorgänger, wer hat den Herrn zuerst ums Geld hingegeben?

4. Man könnte nun von Seiten der Protestanten sagen: Bei uns wird auch das Abendmahl ausgeteilt; wir lassen es aber jedem anheim gestellt, was er dabei denken und glauben will. Dagegen frage ich: Wird sich das Abendmahl nach den Gedanken und dem Kopf eines jeden richten, so daß der gläubige Protestant das Blut Christi aus demselben Kelch trinkt, aus welchem der Bedeutungsgläubige bloßen Wein trinkt? Dein Denken und Glauben kann die Sache nicht ändern, wie siebenmal ist. Gott aber ist ein Gott der Ordnung; wenn es eine Wandlung gibt, ein solches unermessliches Wunder, wo unsichtbar das innere Wesen des Brotes der Leib Christi wird, so kann dieses doch nicht auf das Gebet eines jeden Menschen geschehen. Es kann nur geschehen durch die rechtmäßig geweihten und eingesetzten Nachfolger der Apostel, nämlich durch die Priester der Kirche Christi. Christus hat aber nur eine einzige Kirche gestiftet, die, welche seit Anfang des Christentums da gewesen ist, die katholische. Es kann also die Wandlung nur geschehen durch katholische Priester.
Die, welche den protestantischen Gottesdienst halten, sind keine Priester, sondern nur Religionslehrer; denn die Protestanten haben nicht mehr das Sakrament der Priesterweihe, folglich auch nicht das gültige Wandlungsgebet. Wollte der Protestant einwenden, daß doch eine Art Einweihung in das geistliche Amt in seiner Kirche stattfinde, so kann ihm dieses keine Beruhigung geben, daß er den Heiland im protestantischen Abendmahl finde. In unserem Land sind seit langen Jahren die, welche protestantische Geistliche werden wollten, von einem Professor unterrichtet worden, der immer standfest leugnete, daß Christus der Sohn Gottes ist. Es ist ganz natürlich, daß eben deshalb auch viele protestantische Geistliche nicht an Christus glauben, folglich auch nicht an seine Gegenwart im Abendmahl. So findet man es auch in andern Ländern. Kann nun eine Wandlung geschehen auf das Gebet solcher Leute, die weder an den Sohn Gottes noch an eine Wandlung glauben? Und wozu sollte Gott das große Wunder der Wandlung bei den Protestanten geschehen lassen, da ein großer Teil nicht daran glaubt? Warum sollte Christus gegenwärtig sein in der Brotsgestalt, da ein großer Teil gelehrt wird, er sei nicht gegenwärtig?
Darum weiß ich nicht, wie der Protestant ruhig über die Worte Christi bei Joh. 6, 54 hinaus kommen will: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, so habt ihr kein Leben in euch.“ So steht es geschrieben, und wird eben gelten und läßt sich davon nichts weg nehmen. Es gibt zwar eine Begierdetaufe für solche, die ein Verlangen nach der Taufe haben und sie nicht bekommen können; und so mag auch der Heiland ohne ihre Schuld Irrende, die das heilige Abendmahl nicht wirklich empfangen, wegen ihres redlichen Verlangens berücksichtigen und in anderer Weise ihnen einigen Ersatz zuwenden. Aber auf keinen Fall kann jemand auf solche Nachhilfe rechnen, dem die Wahrheit vorgehalten wird und der aus geistigem Hochmut oder aus weltlichen Rücksichten dennoch das heilige Abendmahl in der katholischen Kirche nicht begehrt.

5. Was tun also die Pietisten, welche den Katholiken nachstellen, um sie zum Abfall von der Kirche zu bringen? Das will ich durch ein Gleichnis zeigen. Die katholische Religion mit ihrer Lehre, ihrem Gottesdienst, ihren Sakramenten ist ein goldener Ring, in welchen ein Diamant gefaßt ist, und der Diamant ist das heilige Abendmahl, der darin gegenwärtige Heiland. Der Diamant ist mehr wert als alles Gold und andere Zierde des Ringes, und diesen Ring hat uns Gott geschenkt, und durch ihn bekommen wir Eintritt in den Himmel. Die protestantische Religion mag auch verglichen werden mit einem goldenen Ring, aber die Reformatoren haben ihn verändert und haben den Diamant heraus gebrochen, ein Stückchen Glas eingesetzt und gesagt: das Glas bedeute einen Diamanten, und haben dann diese Veränderung eine Verbesserung genannt. Manche Pietisten bereden nun eifrig solche Katholiken, die wenig Einsicht und Unterricht haben, ihren Ring mit dem Diamanten weg zu werfen und den mit dem Glas dafür anzunehmen. Man könnte solche Eiferer, die im Wahn, Gott zu dienen, den Katholiken das kostbare Gut rauben wollen, damit entschuldigen, daß sie es gut meinen, wenn sie auch im Irrtum sind. Allein ihre unverantwortliche schuld ist der Leichtsinn in einer so unendlich heiligen Sache. Wer nämlich ernstlich und gründlich die Worte des Herrn über das heilige Abendmahl prüft, wird finden, daß sie nicht anders ausgelegt werden können, als die katholische Kirche sie auslegt. Wer sich aber die Mühe nicht einmal genommen hat, sie zu prüfen, sondern sich mit den Vorurteilen und Redensarten seiner pietistischen Umgebung begnügt, hat doch wahrhaftig keinen Beruf, sich zum Religionslehrer und Bekehren in einer fremden Kirche, bei den Katholiken aufzuwerfen. Sie sind Blinde, welche die Irrlichter in ihrem Kopf für himmlische Sterne ansehen und den Katholiken von der Grundsäule und Grundfeste der Kirche verlocken und sich ihnen zu Führern aufbringen wollen, da sie doch selbst in der Irre herum gehen.

Und nun zum Schluss noch folgendes: Der Herr hat vor seinem Tod ein Testament gemacht; er hat zu Erben eingesetzt alle, die ohne Vorbehalt an ihn glauben; und zur Erbschaft hat er ihnen hinterlassen das allerhöchste Gut im Himmel und auf Erden, nämlich sich selbst mit Leib und Seele im heiligen Abendmahl. Wenn man ein Testament macht, zumal ein so außerordentliches, dann spricht man sich deutlich aus, damit keine Irrung geschehen kann. Der Herr hat auch sehr deutlich und bestimmt gesprochen. Alle nun, welche an sein Wort glauben, finden dieses hohe Gut, den Heiland selbst, im Abendmahl, und alle, welche seine Worte nicht annehmen, wie er sie gesprochen, die leben und sterben, ohne Christum wesenhaft und vollständig gefunden und ergriffen zu haben. Nun mag jeder mit sich zu Rate gehen, ob er in dem lebendigen Abendmahl in der katholischen Kirche oder in dem Abendmahl der bloßen Erinnerung bei den Protestanten sein Heil finden werde.-
aus: Alban Stolz, Gesammelte Werke, Kleinigkeiten, Erste Sammlung, 1909, S. 92 – S. 98

Bildquellen

  • Ott Jesus Christus Eucharistie: Bildrechte beim Autor

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