Heiliger Vulmar Mönch und Einsiedler

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

20. Juli

Der heilige Vulmar Mönch und Einsiedler

(Der Ehrgeiz)

Der das Leben dieses Heiligen geschrieben hat, hebt mit einer kleinen Vorrede an. Es heißt daselbst:

„Indem ich das Leben des seligen Vulmar schreiben will, rufe ich den hl. Geist an, welcher jenem inne gewohnt hat. Der ihm zu einem solchen Lebenswandel gnädig verholfen hat, möge mir auch verhelfen, sein Leben recht zu erzählen, damit ein Mann nicht verborgen bleibe, der in jeder Weise nachgeahmt zu werden verdient. Vor Allem bemerke ich, daß nicht alle Taten Vulmars aufgeschrieben sind; aber ich nehme keinen Anstand, auch solches, was ich nur durch die Erzählung ehrenwerter Männer erfahren habe, hier aufzuzeichnen; denn auch Markus und Lukas haben ihr Evangelium nicht durch Sehen, sondern durch Hören gewonnen. Ich bitte aber die Leser sich nicht durch meine ungeschickte Schreibart abschrecken zu lassen, denn das Reich Gottes besteht nicht in Beredsamkeit, sondern im Glauben, und das Heil der Welt ist nicht von Rednern und Weltweisen, sondern von Fischern gepredigt worden.“

Vulmar war geboren in den Niederlanden von vornehmen Eltern. In seinen jüngeren Jahren heiratete er eine Frauensperson Namens Osterhilda; allein nach einiger Zeit musste er sein Eheweib einem andern Mann überlassen, welcher vor Gericht behauptete, er sei schon früher mit derselben verlobt gewesen. Vulmar entschloss sich darauf ohne allen Verzug in ein Kloster einzutreten. Er meldete sich in dem Kloster von Altmont (Hochberg), und wurde von dem Abt sehr gern aufgenommen. Um seinen Gehorsam zu erproben, trug ihm der Abt zuerst auf das Vieh zu hüten und Holz für die Küche herbei zu tragen. Vulmar besorgte dieses mit aller Willigkeit. Auf Antrieb des hl. Geistes wollte er aber lesen lernen und ließ sich deshalb das Alphabet (Abc) aufschreiben. Manchmal ging er dann vor dem Ochsenwagen her, die Tafel in der Hand, und übte sich im Lesen. Als der Abt solches erfuhr, nahm er ihm jenes körperliche Geschäft ab und schickte ihn in die Klosterschule.

Vulmars Freude an Werken der Demut und Liebe war so groß, daß er jede Nacht, während die Anderen schliefen, in aller Stille den Brüdern die Schuhe hinweg nahm um sie zu putzen, und sie dann wieder an ihren Ort trug. Die Mönche wußten sich nicht zu erklären, wer dieses tue, und zeigten es dem Abt an. Der Abt ließ deshalb auch einmal seine Schuhe ungereinigt, und wartete scheinbar schlafend ab, wer sie holen werde. Als Vulmar kam die Schuhe zu holen, faßte ihn der Abt am Kleid und fragte wiederholt, wer er sei? Endlich musste sich Vulmar nennen. Der Abt gab ihm nun die Erlaubnis, dieses Geschäft auch ferner auszuüben.

Vulmar übte sich tapfer im Kampf gegen die Sünde und diente Gott in Demut und Sanftmut und war ein Vorbild für alle Brüder. Man achtete ihn deshalb für würdig, ihm die Priesterweihe zu erteilen. Da aber Vulmar bemerkte, wie man ihn immer mehr verehrte und Lobsprüche erteilte, fürchtete er dadurch seinen Lohn in der andern Welt einzubüßen, und suchte die Einöde auf. Er kam in einen ungeheuren Wald; daselbst verweilte er drei tage und Nächte ohne Jemanden zu sehen oder etwas zu genießen. Der gütige Gott hatte aber ihn nicht vergessen, sondern mahnte einen guten Christen im Traum, daß sein Diener im Wald Hunger leide. Jener erzählte seiner Frau den Traum, er wisse aber nicht wo und wie er den Diener Gottes finden solle. Die Frau meinte nun, wenn der Traum von Gott sei, werde sich das andere schon finden; richtete deshalb Speise zu und der Mann setzte sich zu Pferd und ließ es, wie die Frau geraten hatte, laufen, nach welcher Seite es wollte. So fügte es sich dann, daß ihn das Pferd gerade zu dem Baum im Wald brachte, wo der Diener Gottes immer noch im Gebet verweilte. Nachdem er dem hl. Vulmar den Hergang erzählt hatte, genossen sie Gott dankend mit einander die gebrachte Speise. Nachher sprach der Mann zu Vulmar: „Wenn du ein Diener Jesu Christi bist, so komm mit mir, ich will dir Grund und Boden geben, damit du dir eine Zelle bauen und auch noch Andere zu einem gottseligen Leben anleiten kannst.“ Auf wiederholtes Zureden willigte Vulmar ein, baute auf dem geschenkten Platz eine Kirche und brachte viele durch sein erbauliches Vorbild dazu sich ihm anzuschließen. Allmählich aber verbreitete sich hier wieder der Ruf seiner Heiligkeit; von weit und breit kamen Leute, um ihn zu sehen und zu verehren. Um dieser Ehre auszuweichen, entschloss sich Vulmar abermals zu fliehen. Er entfernte sich heimlich und nahm seinen Aufenthalt in einem Wald nicht weit von seinem Heimatort. Hier baute er sich eine Hütte und diente GottTag und Nacht in Wachen, Fasten, in Kälte und Blöße, in Gebet und vieler Geduld.

Eines Tages geschah es, daß der eigene Bruder des hl. Vulmar in den Wald kam und und denselben, jedoch ohne ihn zu erkennen, vor seiner Hütte fand, wie er gerade mit einer Händearbeit beschäftigt war. Auf Befragen, wer er sei und was er hier tue, gab sich Vulmar zu erkennen. Da forderte ihn sein Bruder freudig auf, er möge mit ihm nach Hause kommen und die Mutter trösten, welche schon so lange über seine Entfernung in Trauer sich befinde. Vulmar sagte: „Ich werde nicht gehen; aber du und die Mutter könnt mir einiges Almosen zukommen lassen, so weit es eure Umstände erlauben; dafür will ich dann eurer nach Kräften im Gebet eingedenk sein.“ Der Bruder kehrte zurück und erzählte der erstaunten Mutter, wie er Vulmar wieder gefunden habe. Von nun an brachte er dem frommen Einsiedler von Zeit zu Zeit, was er bedurfte. Einstmals, da er ihm Speise brachte, fand er ihn nicht bei seiner Hütte, und fing deshalb an, ihm so laut als er konnte nach allen Seiten hin zu rufen. Vulmar eilte herbei und mahnte seinen Bruder, ihn nicht mehr so mit dem Namen zu rufen, wahrscheinlich weil er verborgen und unbekannt bleiben wollte. Er hing deshalb ein kleines Brett an einen Baum, woran dann der Bruder mit einem hölzernen Hammer schlagen solle, so oft er Lebensmittel bringe. Solches ist dann auch später Gebrauch geblieben in dem Kloster, welches dort gebaut wurde. Vulmar baute nämlich vorerst eine Kirche im Wald; allmählich strömten Männer und Frauen dort zusammen, um sich von dem heiligen Einsiedler im gottseligen Leben unterweisen zu lassen. Es entstanden zwei Klöster, eines für Männer, das andere für das weibliche Geschlecht. Dem letztern Kloster setzte Vulmar seine Nichte Irembertha vor, das Mannskloster aber leitete er selbst. Manchmal fehlte es in beiden Klöstern an Nahrungsmitteln und Manche murrten gegen den Diener Gottes. Er aber munterte sie wieder auf zum Vertrauen auf Gott und dessen Verheißung: „Trachtet vor Allem nach dem himmlischen Reich und seiner Gerechtigkeit, alles Andere wird euch drein gegeben werden.“ Und da geschah es manchmal, daß während Vulmar solche Ermahnungen gab, schon an dem Brett außen geklopft wurde zum Zeichen, daß Jemand dem Kloster Lebensmittel zum Geschenk gebracht habe. Durch solche Erfahrungen aufgemuntert glaubten alle im Kloster nur um so williger, was ihnen Vulmar von himmlischen Dingen predigte.

Einmal stahl ein Dieb das Pferd, welches dem Kloster gehörte; allein er irrte die ganz nacht hindurch umher und konnte durchaus seinen Wohnort nicht finden, morgens früh aber stand das Pferd mit ihm vor der Klosterpforte. So fanden ihn zwei Brüder, welche gerade an ihre Arbeit gehen wollten; sie ergriffen den Dieb und führten ihn zu Vulmar in der Erwartung, daß er ihn einkerkern lassen werde. Allein der Diener Gottes wollte davon nichts wissen, sondern hielt ihm das Wort Gottes vor und ermahnte ihn dergleichen nicht mehr zu tun; sodann ließ er ihn frei.

Vulmar wandelte den schmalen Weg, der zum Himmelreich führt, welchen Wenige gehen. Seine Kleidung war armselig, noch armseliger seine Nahrung; er war emsig zum Gebet, ausdauernd in der Lesung; fleißig in der Arbeit und das Lob Gottes wich gar bie von seinem Mund nach dem Spruch des Psalmisten: „Ich werden den Herrn preisen zu aller Zeit, und sein Lob ist immerdar in meinem Mund.“ Die vielen Leute, welche angezogen durch den Ruf seiner Heiligkeit selbst aus fernen Gegenden ihn aufsuchten, bestärkte er mächtig im Eifer Gott zu dienen. Die vielen Geschenke aber, welche ihm gebracht wurden, teilte er mit eigener Hand freigebig wieder an die Armen aus.

Es sind schon zwölfhundert Jahre, daß Vulmar gelebt hat, und seine Lebensbeschreibung ist von viel späterer Zeit, wo man nicht mehr Alles umständlich von ihm wußte. Aus dem Wenigen, was nun hier erzählt ist, leuchtet besonders die tiefe Demut des Heiligen hervor. Einige Male verließ er seinen Aufenthaltsort für immer bloß aus dem Grund, weil man ihm viel Ehre dort erwies. Diese Gesinnung zeigt sich auch bei anderen Heiligen, daß sie die Ehre vor der Welt scheuen und fliehen, wie sie auch ein üppiges, sinnliches Leben gescheut und geflohen haben. Denn Begierde und Freude an Ehre und Ansehen ist auch eine Wollust, eine Wollust des Geistes, wodurch viele Menschen zu Grunde gehen, die sich von Fleischeslust sonst rein gehalten haben. Wer ein Nachfolger Christi sein will, muss sich sorgfältig vor Ehrgeiz hüten. Vor allem tue und rede nichts in der Absicht, Lob und Ehre von Menschen zu gewinnen. Wenn dir ohne dein Zutun besondere Achtung erwiesen oder du vorgezogen wirst, so weiche auf schickliche Weise aus, bringe z. B. Das Gespräch auf etwas Anderes. Kommen dir ehrgeizige Gedanken, Gelüste und Erinnerungen, wie man dich da oder dort gerühmt habe, so weise solche Gedanken ab, wie andere sündhafte Gedanken abweist. Wenn dir aber Geringschätzung und Verachtung zu Teil wird, so nimm es demütig an und denke: wenn alle meine Sünden vor der Welt bekannt wären, müsste mich die Welt noch viel mehr verachten – eine christlich getragene Zurücksetzung ist ein Gewinn, hingegen Weltehre ein Schaden und falsch Geld für den Himmel.

In einem Ereignis, das sich bei dem Tod des hl. Vulmar zugetragen haben soll, zeigte sich seine Scheu vor Menschenehre selbst nach seinem Ableben noch. Als Vulmar nämlich ein Greis geworden und Gott seine Geduld und Arbeit belohnen wollte, gab er seinen Jüngern noch heilsame Ermahnungen und kündigte ihnen seinen Tod an. Die Nachricht davon verbreitete sich auch in dem Frauenkloster und die Klosterfrauen ließen den Heiligen um die Erlaubnis bitten, daß sie ihn noch sehen dürften. Allein Vulmar erklärte, daß er niemals mehr eine Frauensperson sehen werde: und wirklich starb er noch in derselben Nacht. Nun entstand in beiden Klöstern ein großes Wehklagen bei Männern und Frauen, daß sie nun ihren unübertrefflichen Lehrer und Meister verloren hatten. Der Leichnam wurde sodann auf eine Tragbahre gelegt und in die Kirche gebracht. Die Klosterfrauen liefen nun herbei, um den wenigstens noch tot zu sehen, welchen sie lebend nicht mehr besuchen konnten. Die Sage erzählt nun, es sei ganz heller Tag gewesen, aber den ehrwürdigen Leib habe ein Nebel eingehüllt, so daß das Wort des Verstorbenen, kein Weib werde ihn sehen, auch so noch erfüllt wurde. Die Lichter, welche voraus getragen wurden, und die Menschenmenge, welche nachfolgte, konnten die Frauen sehen, aber die Tragbahre selbst, worauf der heilige Leib lag, konnten sie nicht sehen vor einem dichten Nebel. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 3 Juli bis September, 1872, S. 116 – S. 121

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Category: Einsiedler, Stolz
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