Heiliger Arbogast Bischof von Straßburg

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

21. Juli

Heiliger Arbogast Einsiedler und Bischof von Straßburg

(Die Auferstehung)

Bei der Stadt Hagenau im Elsaß steht ein großer Wald, einige stunden lang und breit. Dort wohnten vor zwölfhundert Jahren gottselige Einsiedler und unter ihnen auch einer mit Namen Arbogast. Dieser war aus Aquitanien gebürtig, seine vornehmen reichen Eltern hatten ihm eine gute Erziehung geben lasse; aber diese Erziehung war anders und viel besser ausgefallen, als sie es gewünscht hatten. Die Eltern hätten gern einen wohl gesitteten und wohl unterrichteten Sohn gehabt, welcher gut in die Welt passe und ihnen vor der Welt alle Ehre mache. Statt dessen bekam Arbogast Abscheu vor der Welt und ihrer Lust und wollte gänzlich der Gottseligkeit leben. Er verließ Eltern und Vaterland und wanderte weit hinweg in den Wald bei Hagenau und führte daselbst ein heiligmäßiges Leben.

Arbogast blieb aber hier nicht lange verborgen; sein heiliger Wandel zog viele Leute an, denen ihr Seelenheil ernstlich am herzen lag und welche bei dem gottseligsten Einsiedler Unterweisung und Anleitung zur christlichen Vollkommenheit suchten. Der König Dagobert aber war so von Verehrung für Arbogast erfüllt, daß er ihn nötigte, das Bistum von Straßburg zu übernehmen, als Bischof Rothar daselbst gestorben war.

Arbogast zeichnete sich in seinem hohen Amt aus durch Demut, Wachsamkeit, Eifer und Liebe, so daß er Allen Alles wurde, die anvertraute Kirche gottselig regierte, dem König durch Rat, der Geistlichkeit durch Beispiel, dem Volk durch Ermahnungen, den Armen durch reichliche Gaben ein Wohltäter war. Seine Liebe zu einsamer Andacht verblieb ihm aber auch in Mitte des tätigen Lebens, das er als Bischof führen musste. Er ließ sich außerhalb der Stadt neben dem Ufer der Ill ein Bethaus bauen; sobald es Abend wurde und er die Geschäfte seines Amtes beendigt hatte, begab er sich dorthin, um dort im Gebet die Nacht zuzubringen.

Gott verherrlichte seinen Diener schon zu dessen Lebzeiten durch verschiedene Wunder; das berühmteste derselben ist aber folgendes: Der einzige Sohn des Königs Dagobert war einmal auf der Jagd. Während nun seine Begleiter mit ihren Hunden im Wald sich zerstreut hatten und der Königssohn allein war, stürzte plötzlich ein Wildschwein hervor. Das Pferd wurde hierdurch scheu und wollte rückwärts davon rennen, während der Jüngling es mit dem Zaum zurück halten wollte. Unglücklicher Weise bekam er nun das Übergewicht, fiel von dem aufgeschreckten Pferd herab, blieb aber in den Riemen hängen und wurde elend von dem Pferd geschleift und zertreten. Nach langem Suchen fanden ihn endlich die übrigen Jäger in diesem Zustand; mit großem Wehklagen wurde er halbtot nach Hause getragen. Der Ort, wo dieses Unglück sich ereignete und später ein Kloster und ein Städtchen erbaut wurde, heißt jetzt noch Ebersheimmünster.

Als die Nachricht in der königlichen Residenz sich verbreitete, was für ein Zusammenlauf, was für ein Schreien und Jammern hörte man allenthalben! Aber auch auf dem Land, als das Unglück bekannt wurde, war der Schmerz und das Leid ganz allgemein. Die Vornehmsten des reiches waren alle mit einander bestürzt und ratlos; denn was soll werden, wenn der König stirbt und kein rechtmäßiger Nachfolger mehr vorhanden ist? Dagobert selbst aber war in Verzweiflung. man legte den schwer verwundeten Königssohn auf das Bett – den andern Tag war er eine Leiche. Die Hofleute berieten sich was zu tun sei, um den großen Schmerz des Königs zu mildern; sie gaben ihm den Rat, den Bischof Arbogast, zu dem er sehr viele Liebe und Vertrauen hatte, kommen zu lassen. Dem König gefiel dieser Rat und es wurden sogleich Boten nach Straßburg zu Arbogast gesendet; die Residenz des Königs war nämlich damals in Kirchheim, nicht weit von dem jetzigen Molsheim.

Der hl. Arbogast, durch die Nachricht selbst von schwerem Schmerz ergriffen, machte sich alsbald auf den Weg. Der König, welcher seinen geistlichen Freund mit Ungeduld erwartete, ging ihm entgegen und brach mit seinen Begleitern in Tränen aus, als er ihn von weitem kommen sah. Sie konnten zuerst wechselseitig vor vielem Weinen einander nicht begrüßen; erst nach einiger Zeit trockneten sie die Augen und küßten einander. Die Königin eilte gleichfalls herbei, als sie die Ankunft des heiligen Mannes erfuhr, und fiel vor ihm weinend und bittend auf die Knie, wie einst Martha und Maria um den Bruder weinten und flehten. Arbogast richtete sie auf ohne zu fragen wa sie wolle, indem er wohl verstand, was ihr Schluchzen begehre.

Der hl. Arbogast ging nun voran um zu beten; ohne Speise oder Trank zu nehmen ging er in die Kirche, übernachtete darin, um den Herrn anzuflehen für den verstorbenen Jüngling. Als morgens die Dämmerung anbrach, ging er langsamen Schrittes in das Zimmer, wo der Tote lag. Er hieß Alle, welche daselbst wachten, hinaus gehen, kniete nieder und rief die Fürbitte der seligen Maria an, daß sie, welche das Leben geboren hat, das Leben dem Jüngling von ihrem Sohn erflehen möge. Wogend zwischen Hoffnung und Furcht erwartete er in standhaftem Gebet die göttliche Hilfe. Der allmächtige und barmherzige Gott ließ aber seinen Diener nicht lange in der Not des Bangens. Während Arbogast noch betete, erhob der Knabe sein Haupt, wie wenn er aus tiefem Schlaf erwachte und im Zweifel, ob er schlafe oder wache. Da der Heilige seine auf Gott gesetzte Hoffnung so herrlich erfüllt sah, ging er mit Freuden an das Lager, richtete den Knaben vollends auf und rief die Dienerschaft, daß sie ihm die Totenkleider ausziehe und ihm seine fürstlichen Kleider wieder bringe.

Die, welche gerade nahe waren, konnten sich nicht zurückhalten, in lautes Freudengeschrei auszubrechen, sie liefen durch den ganzen Palast des Königs mit Rufen und Jubel. Alles fuhr aus dem Schlaf auf, lief dahin und dorthin und wußte nicht was dieser große Lärm zu bedeuten habe. Der König selbst, welcher vor Schmerz fast die ganze nacht keine Auge zugetan, war eben ein wenig eingeschlafen, als er auch aufgeschreckt wurde durch den Tumult. Er eilte zu dem Zimmer, wo man die Leiche des Sohnes nieder gelegt hatte; denn von dorther hörte man hauptsächlich Reden und Rufen. Es ist unbeschreiblich wie sein Herz von Freude und seine Augen von Tränen überströmten, als er den wieder zum Leben zurück gekehrt sah, für dessen Leben er gern das seinige hingegeben hätte. Ebenso wurde die herbeigerufene Mutter plötzlich aus dem Abgrund des tiefsten Schmerzes zu dem höchsten Gipfel der Freude gehoben, als sie den geliebten Sohn wieder lebendig sah.

Schon aus dieser Erzählung, welche aus den ältesten Zeiten noch übrig geblieben ist, noch mehr aber aus der eigenen Vorstellung mag der Leser einigermaßen empfinden, wie groß die Wonne der Eltern und aller Freunde des königlichen Hauses gewesen sein müsse, als der Sohn in so wunderbarer Weise wieder zum Leben erweckt wurde. Daraus magst du aber auch abnehmen, was das für ein unendlich wonnevoller Ostertag sein müsse, wenn bei der Auferstehung alle guten Christen ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Ehegatten, ihre Geschwister, ihre Freunde und alle, die ihnen lieb gewesen sind, wieder lebendig finden, frisch und gesund und frei von allem Leid, wie sie noch niemals sonst gewesen sind. Unaufhörlich wird auf Erden um Sterbende und Gestorbene von den Zurückgebliebenen geweint und gejammert, weil unaufhörlich jeden Augenblick auf Erden gestorben wird – aber um so tiefer dieses Meer von Schmerz und Tränen jetzt ist, um so größer und herrlicher und seliger wird der Tag der Auferweckung und des Wiedersehens sein. Zugleich wird aber diese Freude nicht wie jede irdische Freude von Tag zu Tag matter und zuletzt zur Gleichgültigkeit werden, sondern weil Alles in der Ewigkeit in gleicher Stärke ewig verbleibt, so wird die Freude Millionen Jahre nach der Auferstehung noch so stark sein, als in den ersten Stunde des Wiedersehens. – Aber dies gilt Alles nur von und zwischen solchen Menschen, die in christlicher Liebe und in der Gnade des Herrn gelebt haben und gestorben sind.

Der hl. Arbogast wollte nach Straßburg zurück eilen, um den vielen Lobpreisungen in der königlichen Residenz zu entgehen. Der König beriet deshalb sogleich mit seiner Gemahlin, wie sie dem hl. Bischof, der ihnen eine so wunderbare Guttat von Gott erworben habe, ihren Dank beweisen wollten. Es wurden Gold und Silber und andere Kostbarkeiten aus dem königlichen Schatz herbei gebracht und Arbogast gebeten, solches anzunehmen. Dieser nahm nichts an, sondern sprach seinen Wunsch aus, der König möchte lieber seinen Dank gegen Gott dadurch betätigen, daß er zur Verherrlichung des Gottesdienstes in dem der Mutter Gottes geweihten Tempel zu Straßburg eine Schenkung mache. Solches tat Dagobert mit Freuden und ließ alsbald eine Schenkurkunde ausfertigen, wodurch er den Ort Rufach mit allen dazu gehörigen Gütern und Einkünften dem Münster von Straßburg zum Eigentum übergab.

Nachdem Arbogast noch einige Jahre mit vielem Segen das Bistum verwaltet hatte, fühlte er seinen Tod heran nahen. Da machte er die Anordnung, daß man seinen Leichnam außerhalb der Stadt auf einem Hügel, wo die Verbrecher sonst hingerichtet wurden, begrabe. Er wollte nämlich hierin dem Heiland nachahmen, dessen Leichnam auch außerhalb der Stadt beerdigt wurde. Die Demut des Heiligen wurde aber dann nur um so mehr von Gott und den Menschen geehrt; es geschahen nämlich viele Wunder an seinem Grab, deshalb wurde eine Kapelle dort erbaut, und der hl. Arbogast wird bis auf den heutigen Tag als Patron des Bistums Straßburg verehrt. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 3 Juli bis September, 1872, S. 121 – S. 126

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Category: Einsiedler, Stolz
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