Wir Katholiken verehren die Gottesmutter

Maria, die Gottesmutter, sitzt als Himmelskönigin auf einem Thron, das Jesuskind auf ihrem Schoß; sie hält in der Hand einen Rosenkranz; zwei Engel rechts und links umschweben sie; ein Mann und eine Frau mit Kind rechts und links im Vordergrund knien vor ihr

Wir Katholiken verehren die Gottesmutter Maria mit Recht!

 „Kommt, höret, ich will erzählen, was er Großes getan hat an meiner Seele.“ (Ps. 65,16)

Ihr wißt es, meine Christen, daß das Fest der Unbefleckten Empfängnis an Glanz gewonnen hat, seitdem der vielgeprüfte Papst Pius IX. die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis der seligsten Jungfrau zum Dogma erhob. –

Aber man eifert nicht bloß gegen die Unbefleckte Empfängnis, sondern man eifert überhaupt gegen die Verehrung der Mutter Gottes, die man zur Göttin mache!

Meine Christen! Vor längeren Jahren zog man in einer deutschen Stadt am Rhein mit Sang und Klang auf das Grab eines vielfach heidnisch gesinnten Dichters (Goethe), um ihm zu huldigen. Auf demselben Friedhof ruhte nun auch die Asche von der Mutter des vergötterten Dichters. Da machte sich denn der Ruf laut: Kommt, laßt uns nun auch die Mutter ehren, nachdem wir den Sohn geehrt! – Und alsbald bewegte sich der lärmende Zug ganz andächtig zum Grab der Mutter desselbigen Dichters, um auch hier die Spuren der Huldigung zu hinterlassen.

Meine Christen! Ich mißbillige durchaus nicht, daß man des Sohnes wegen auch die Mutter ehrte, aber eine Frage erlaube ich mir: Kann man es uns Katholiken denn mit Recht übelnehmen, wenn wir der Mutter eines Sohnes unsere Huldigung bezeugen, der nicht bloß Mensch, sondern Gott ist, der uns keine Fabeln und Märchen, wie jener Dichter, sondern uns ewige Wahrheiten des Heiles und das Gebot der Kirche lehrte, der uns nicht schlüpfrige Dramen und Balladen, sondern die Verdienste seines Leidens und Sterbens, sein vergossenes Blut hinterließ; der uns nicht Unglauben und Empörung gegen Gott predigte, um uns zu verderben, sondern kam, zu suchen und selig zu machen, was verloren war? Haben wir Katholiken dann nicht auch recht, einer Mutter unsere Huldigung zu erweisen, die von Gott so hoch geehrt, von Ewigkeit her erwählt, zur Mutter seines Sohnes erkoren, mit dem Reichtum seiner Gnaden überhäuft, zur Himmelskönigin erhoben, zur Rechten ihres Sohnes gesetzt wurde? Denn wahrhaftig, die Gott verherrlicht, die dürfen doch wir auch verherrlichen! Wenn man es billig findet, die Mutter eines Sohnes zu ehren, dem wir Verhöhnung unseres Glaubens, Verspottung unserer kirchlichen Gebräuche, Leugnung des Christentums, als der wahren Religion, verdanken, – wenn man es billig findet, die Mutter zu verehren, der man es verdankt, daß sie die Mutter eines heidnisch gesinnten Sohnes ist, dann haben wir Katholiken auch recht, die Mutter eines Sohnes zu verehren, die unsere Beschützerin ist in unseren Gefahren, unsere Fürsprecherin in unseren Nöten, unsere Königin in ihrer Würde, unsere Mutter in ihrer Liebe… –
aus: Philipp Hammer, Marien-Predigten, 1909, S. 22 – S. 23

Bildquellen

  • Ott Marianum Maria Mit Jesus Koenigin: Bildrechte beim Autor

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