Wie der Advent gefeiert werden soll

Zweite Adventsbetrachtung

Wie der Advent von den Christen gefeiert werden soll

Aus diesem Charakter des Advents folgt nun auch die Art und Weise, wie er gefeiert werden soll. Es ist dieses genau die Vorbereitung des Alten Bundes auf die wirkliche Ankunft Christi. Sie bestand aus drei Stücken.

Das erste Stück ist Buße. Es entspricht dieses der Erinnerung an die Sünde. Die Sünde wird stets gut gemacht durch die Buße, und überhaupt muss sie alles Gute in uns vorbereiten, uns Gott günstig stimmen. Es ist dieses die einstimmige Predigt der Propheten, des hl. Johannes des Täufers und des Heilandes selbst. Tuet Buße! – Die Buße selbst ist eine innere und äußere. Die innere besteht in der Reue über die begangenen Sünden und in dem Vorsatz, sie nicht mehr zu begehen, und namentlich im Gebrauch des heiligen Bußsakramentes. Die äußere Buße wird durch körperliche Strengheit geübt in Fasten und Wachen und Ablassen von sinnlichen Freuden. Die Kirche selber kommt uns in dieser Beziehung zu Hilfe durch die vorgeschriebenen Adventsfasten und durch die Vorschrift der geschlossenen Zeit. Sie kleidet sich in die Farbe der Trauer bei ihrem Gottesdienst und bedeutet uns dadurch, daß wir wie bei gebotener Trauerzeit den eitlen Freuden entsagen sollen. Jeder muss also sehen, ob er sich nicht im Genuss irdischer Lust und sinnlichen Vergnügens einschränken kann. (siehe auch: Die Adventszeit: Zeit der Trauer und Buße)

Der zweite Bestandteil der Adventsfeier ist Sammlung, Einkehr und Gebet. Alles ladet uns jetzt zur Einkehr in uns ein. Das äußere Leben erstirbt, die Natur sammelt sich und schaut gleichsam in ihre geheimnisvollen Tiefen; nur oben am Himmel, wo die Sternenwelt sich glänzend auftut, ist Leben und zieht unser Sinnen von dieser Welt hinauf zum Himmel und zum Ewigen. Der Advent ist wie ein hehrer Feierabend vor einem hohen Fest. Auch die Kirche betet jetzt mehr, und alle ernsten Seelen versenken sich nun mit Liebe und Andacht in die Geheimnisse der Ankunft und Menschwerdung Jesu. Da bauen sie ihre Hütten. Die Geheimnisse des Jugendlebens sind wie eine Rose von Jericho. Das Jahr über schrumpft sie zusammen und sieht sehr unansehnlich aus. Jetzt im Advent, von den frischen Wassern der Betrachtung und Andacht befeuchtet, fängt sie an zu leben, geht auf und wird eine heimische Zier des Weihnachts-Kämmerleins. So ist es mit dem Jugendleben Jesu. Jetzt im Advent, von liebender Betrachtung gepflegt, geht es auch wieder auf, viel schöner und lieblicher als die Jerichorose, und atmet einen Duft aus, an dem jedes kranke Herz gesundet von Trauer und Not. Der hl. Paulus sagt in der Epistel des ersten Adventsonntags, daß wir anziehen sollen den Herrn Jesus Christus (Röm. 13, 14). Das muss also unsere Adventsbeschäftigung sein, die Betrachtung der Menschwerdung und viel Gebet und Fürbitte für das Heil der Welt, für die Bekehrung der Sünder, für die Anliegen der Kirche und für die Verwirklichung der Absichten Gottes beim heiligen Advent.

Das dritte, was wir zu betätigen haben im Advent, ist Sehnsucht und Vertrauen. Die Väter des Alten Bundes sind hier besonders unser Vorbild. Der kommende Erlöser war der Gegenstand ihres Glaubens, ihrer Hoffnung, ihrer Liebe und ihres Verlangens. Von Herz zu Herz, von Mund zu Mund geht diese Sehnsucht und der laute Ruf die ganze Reihe der Patriarchen und Propheten herab. O komm doch! (Ps. 9, 3) „O wenn du den Himmel zerrissest!“ (Is. 64, 1) „Himmel, tauet ihn! Wolken regnet ihn herab!“ (Is. 45, 8) (siehe: Die Schönheit der Kirche Roratemessen) Wie zuversichtlich und vertrauensselig erwarten sie ihn! Sie hatten eben die göttliche Verheißung. „Gott selbst wird kommen und euch retten“ (Is. 35, 4). Und je höher die Sehnsucht stieg, um so lebhafter antwortete der Schwur der Zusicherung von Seiten Gottes und munterte auf zur Zuversicht und Freude. Besonders ist es der Prophet Isaias, der Prophet des Vertrauens auf den Erlöser, dem die Kirche in ihren Tagzeiten die Worte der Sehnsucht und Zuversicht entlehnt. Nie verstummt in dieser Zeit das Alleluja in den Gesängen der Kirche. Es ist eben eine Zeit der Hoffnung, der jubilierenden Sehnsucht. Der Gegenstand dieses Vertrauens bei der Kirche ist die immer währende Erfüllung der Wirkungen der ersten Ankunft des Heilandes an uns. „Zu dir, mein Gott, habe ich mein Gemüt erhoben! Ich werde nicht zu Schanden werden!“ (Ps. 24, 1. 2) So beginnt die Messe des ersten Adventssonntages, und damit ist die Tonart für die ganze Adventszeit angeschlagen.

Also Buße, Gebet und vertrauensvolle Sehnsucht! Es muss nun jeder bei sich überdenken, was er in diesen Stücken tun kann und will. –
aus: Moritz Meschler SJ, Das Leben unseres Herrn Jesu Christi des Sohnes Gottes, Bd. 1, 1912, S. 17 – S. 19

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