Vater unser Geheiligt werde dein Name

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

§ 1. Von dem Gebet des Herrn

Erklärung der ersten Bitte im Vater Unser

„Geheiligt werde dein Name“

Was begehren wir in der ersten Bitte: „Geheiligt werde dein Name“?

In der ersten Bitte begehren wir, daß Gott niemals gelästert, sondern von allen Menschen immer mehr erkannt, geliebt und verehrt werden möge.

Der Ausdruck „heiligen“ hat hier nicht die Bedeutung von „heilig machen“; denn der Name Gottes ist aus sich unendlich heilig und kann von uns nicht noch heiliger gemacht werden. Heiligen heißt an dieser Stelle erstens soviel als: „Heilig halten“, ähnlich wie im dritten Gebote Gottes: „Gedenke, daß du den Sabbat heiligst“. Wir begehren somit in der ersten Bitte zunächst, daß der Name Gottes von allen Menschen heilig gehalten werde, daß folglich von der Erde verschwinden mögen Flüche, Meineide, Gotteslästerungen, mit einem Worte, alles, wodurch der göttliche Name entheiligt wird.„Heiligen“ bedeutet ferner nach der Ausdrucksweise der Schrift „verherrlichen“. In diesem Sinne spricht Gott (5. Mos. 32,51): „Ihr habt gegen mich gesündigt und mich nicht geheiligt (d. h. verherrlicht) unter den Söhnen Israels.“ Sodann ist unter dem Ausdruck „dein Name“ nicht allein der Name Gottes, sondern auch Gott selbst zu verstehen. „Geheiligt werde dein Name“ ist mithin auch gleich bedeutend mit dem Verlangen, daß Gott von uns und allen Menschen verherrlicht werde. Wir verherrlichen aber Gott vorzüglich dadurch, daß wir ihn als das höchste, vollkommenste Gut erkennen, ihn als solches von ganzem Herzen lieben und in dieser Erkenntnis und Liebe ihn verehren, ihn loben und preisen. Wir flehen demnach beim Aussprechen dieser Bitte zu Gott, daß alle heidnischen Völker die Finsternisse des Unglaubens verlassen und, von den Strahlen des göttlichen Lichtes erleuchtet, ihn als den wahren Gott erkennen, verehren und anbeten mögen; daß ferner alle Irrgläubigen und Sünder von ihrer unseligen Verirrung zurück kehren mögen, um Gott den Herrn durch das Bekenntnis des allein seligmachenden Glaubens und durch einen heiligen Lebenswandel zu ehren und zu verherrlichen. Wir bitten endlich, daß wir und alle Menschen in der Erkenntnis, in der Liebe und im Dienste Gottes zunehmen; damit, wie Gott heilig ist, so auch wir als seine Kinder ein heiliges Leben führen und in beständiger Selbstheiligung bis zu unserm Ende verharren mögen.

Die Heiligung des göttlichen Namens in dem angegebenen Sinne nimmt unter den sieben Bitten die erste Stelle ein, weil uns die Ehre und Verherrlichung Gottes über alles gehen soll. Ihn sollen wir ja über alles lieben, mehr als uns selbst. Folglich muss auch seine Ehre und Verherrlichung uns mehr als alles andere am Herzen liegen, mehr sogar als unsere eigene Seligkeit. Ist aber die Verherrlichung Gottes wirklich unsere erste Herzens-Angelegenheit, so werden wir nicht nur inbrünstig um dieselbe bitten, sondern auch nach Kräften uns bemühen, vornehmlich durch das Beispiel eines frommen Wandels Gottes Ehre zu fördern. Deshalb sagt der Heiland (Matth. 5,16): „So leuchte euer Licht vor den Menschen, auf daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist“; und der Apostelfürst mahnt die ersten Christen: „Führet einen guten Wandel unter den Heiden, damit die, welche Arges von euch als von Übeltätern reden, eure guten Werke sehen und Gott preisen.“ (1. Br. 2,12)

aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 3, 1912, S. 431-432

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