Selige Maria von Sankt Theresia

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

8. November

Selige Maria von Sankt Theresia, Klosterfrau

(Geistliches Almosen)

Die Eltern derselben wollten, daß ihre Tochter Klosterfrau werde, und taten sie deshalb noch in sehr jungen Jahren zu den Ursulinerinnen. Das Mädchen war zwar ziemlich weltlustig und fühlte wenig Lust zum Ordenstand, doch wollte sie ihren Eltern zu lieb sich darein schicken. Sie trat daher das Probejahr an, jedoch nur ungern, und hielt nur in so weit die Satzungen, als notwendig war, um nicht fortgeschickt zu werden. Ihre eigentliche Aufnahme in den Orden wurde bis zum dritten Jahr hinaus geschoben, weil man sich immer noch nicht ganz überzeugen konnte, ob Maria wahren Beruf habe oder nicht. Da auf diese Zeit gerade ein Jubiläum fiel, so entschloss sich das sonst etwas leichtsinnige Mädchen, eine kindliche Beichte abzulegen. Diese Generalbeichte war nun das Mittel, wodurch die göttliche Gnade die junge Seele aus ihrem Leichtsinn und Lauheit aufweckte. Sie fing von dieser Zeit an ein ganz anderer Mensch zu werden und aus allen Kräften nach christlicher Vollkommenheit zu streben.

Wenn kann ins Frühjahr hinein bedeckter Himmel, Schnee und Eis alles Wachstum zurückhält, als wollte es immer Winter bleiben, und endlich bei Mondwechsel das Wetter sich ändert und die Sonne mit Macht ihre segnenden Strahlen über den Erdboden ausgießt: da geht es außerordentlich rasch mit Grünen und Blühen, und in Kurzem hat sich die ganze Landschaft herrlich verändert. So ging es mit der jungen Klosterfrau; nachdem die Gnade Gottes die Finsternis und Kälte ihres Herzens wie die Sonne den Nebel durchbrochen hatte, wurde ihr Inneres bald wie ein schöner Blumengarten. Die äugen ihres Geistes waren unaufhörlich der Gegenwart Gottes zugewandt, und es kam ihr später unbegreiflich vor, wie der Mensch an etwas Anderes denken möge als an Gott. Sie brachte oft ganze Nächte im Gebet zu und fühlte sich so glücklich darin, daß sie lieber hätte sterben wollen, als sich einen Augenblick freiwilligen Zerstreuungen hinzugeben. Die Beichtväter und Obern stellten sie verschiedenartig auf die Probe, ob ihre Gottseligkeit echt und aus dem heiligen Geist sei, oder nur eine innerliche Verblendung von bösen Geist sei, oder nur eine innerliche Verblendung vom bösen Geist, der zuweilen bei frommen Personen Selbstüberschätzung und geistliche Hoffart mit süßen Gefühlen groß zieht. Allein Maria zeigte eine solche Demut und Untertänigkeit, daß über die Reinheit ihrer Frömmigkeit kein Zweifel mehr walten konnte.

Ihre geistlichen Vorsteher konnten sich nicht genug wundern über die große Erleuchtung, welche Maria über die Geheimnisse des Lebens und Leidens Jesu Christi hatte, als wäre sie die einfältigste Person. In ihren eigenen Augen war Niemand so gering und schlecht, als sie selbst; allenthalben ließ sie Andern den Vorzug, und bediente sich keines andern Sitzes zum Ausruhen, als die Erde. Ihr Inneres kam zu einer solchen Gleichmütigkeit, daß ihr Alles eins war, was ihr begegnete, weil sie Alles von der Hand Gottes annahm und auf Gott, als ihr letztes Ziel, bezog. Wenn sie aber für das eigene Interesse ganz abgestorben war, so eiferte sie desto mehr für die Ehre Gottes. Wenn diese verletzt wurde, wenn eine Sünde irgendwo geschah, wurde Maria darüber ganz bestürzt und strafte sich selbst mit Geißeln bis auf`s Blut, um Gott eine Sühne darzubringen für die Beleidigung, welche ihm Andere zugefügt hatten. Sie machte auch den Sündern, welche zu ihr kamen, das Anerbieten, für sie Buße zu tun, wenn sie versprechen wollten, sich wahrhaft zu bessern.

In Übung der Bußwerke war die gottselige Jungfrau so streng, als wollte sie die größten Sündern der Welt an sich abstrafen. Sie trug auf bloßem Leib ein blechernes Kreuz, einen Schuh lang, mit Spitzen und Stacheln, gleich einem Igel, besetzt; dieses ging ihr manchmal so in das Fleisch, daß es samt der Haut von dem Rücken gewaltsam abgelöst werden musste. Die Geißel, womit sie ihren Leib schlug, war mit eisernen Stacheln und Nadelspitzen versehen. Nachts zog sie ihre Kleider nicht aus, weil sie nur auf bloßen Brettern schlief, und zwar in einer ganz peinlichen Art, weil sie der Ansicht war, eine geistliche Person müsse in allen Dingen ihre Abtötung suchen. Sie fastete oft bei Wasser und Brot, und die Speisen, welche sie sonst genoss, verbitterte sie vorher. Man hörte sie bei keiner Widerwärtigkeit je klagen; sie redete nur davon, wenn es der Gehorsam verlangte. Ihr inbrünstiges Gebet war, Gott solle sie niemals ohne Leiden auf Erden lassen, wo der Heiland für sie so viel gelitten habe; ja, sie machte sogar ein Gelübde, niemals bei Gott um Erleichterung anzuhalten, wann sie von Krankheit oder andern Drangsalen geplagt werde. Sie betrachtete sich nämlich als ein Schlachtopfer der heiligen Liebe und der Gerechtigkeit Gottes. Darum wollte sie auch wörtlich den Spruch im Hohen Lied an sich ausführen: „Drücke mich als ein Siegel auf deine Brust und auf deinen Arm.“ Deshalb schnitt sie mit einem Federmesser den Namen Jesus auf ihre Brust ein. Dann nahm sie ein Petschaft mit dem Namen Jesus darauf, machte es im Feuer glühend und rückte es fünffach auf den bloßen Arm, indem sie es jedesmal vorher auf` s Neue ins Feuer hielt.

Ihr Gebet verrichtete Maria stets auf den Knien liegend, und war dabei in geistlicher Trockenheit und Trostlosigkeit ebenso beharrlich, als bei den Tröstungen. Manchmal scheinen Personen, die sich ganz der Frömmigkeit hingeben, weniger aufgelegt und geschickt zu anderen Beschäftigungen. So war es nicht bei der gottseligen Maria. Ihr Beruf im Kloster brachte es mit sich, daß sie die weibliche Jugend in der Schule unterrichten und schöne Handarbeiten, welche zum Vorteil des Klosters verkauft wurden, verrichten musste. In beiden zeichnete sie sich so aus, daß die Kinder und das Haus großen Vorteil durch sie hatten.

Das Herz alles wahren Christentums, die Liebe, zeigte sich bei der gottseligen Klosterfrau vorzugsweise nach zwei Seiten hin, einmal darin, daß sie stets von größter Andacht zum heiligsten Altarsakrament erfüllt war. Sie empfing dasselbe möglichst oft, noch öfter aber besuchte sie es und fühlte dabei ihre Liebe und Ehrfurcht immer wieder auf`s Neue entflammt, wie wenn sie einem großen Feuerofen nahe gekommen wäre. Die andere Probe ihrer christlichen Liebe legte sie ab in ihrem Benehmen gegen den Nebenmenschen. Gegen alle Hausgenossen war sie so liebevoll, freundlich und hilfreich, daß sie jede Gelegenheit mit Freuden benützte, wo sie Jemanden eine Mühe abnehmen und einen Dienst erweisen konnte. Was sie war, was sie hatte, was sie tat, war Alles nicht ihrer eigenen Person, sondern der Klostergenossenschaft gewidmet.

Einst wurde die Oberin des Klosters tödlich krank und hatte dabei fortwährend eine große Angst vor dem Gericht Gottes, das sie nach dem bevorstehenden Tod erwarte, insbesondere scheint sie sich vor den Qualen des Fegefeuers gefürchtet zu haben. Da solches die gottselige Maria bemerkte, so flehte sie mit dringenden Bitten zu Gott, daß er ihr selbst das Fegefeuer schicken möge, welches vielleicht ihre Oberin verdient und zu erwarten habe. Bald darauf wurde Maria von einem Fieber ergriffen, setzte aber dessen ungeachtet ihr strenges Fasten, Wachen und übrigen Bußwerke fort, wie wenn sie gesund wäre, bis es ihr unter dem Gehorsam auferlegt wurde, sich als eine Kranke zu betrachten und darnach zu benehmen. Aber auch die Krankheit der Oberin wurde immer bedenklicher und Maria dachte schon daran, daß vielleicht Beide in das Grab steigen müssten. Deshalb erneuerte sie ihr Liebesopfer auf`s Neue; sie schenkte ihr eigenes Leben vor Gott für das Leben der Oberin, und betete, daß alle Leiden, welche die Oberin im Fegefeuer allenfalls zu bestehen haben werde, auf ihre eigene Person übertragen würden.

Es scheint, daß Gott auch wirklich diesen Wunsch und Tausch genommen habe; denn bald darauf wurde Maria von ungemein schweren und langwierigen Leiden heimgesucht. Sie wurde am ganzen Leib elend zerschlagen und entkräftet, so daß sie sich weder selbst legen noch bewegen konnte und ihr fortwährend durch fremde Hände Alles getan werden musste, gleich einem unmündigen Kind. Drei Monate lang mussten abwechselnd ihre Mitschwestern Nachts bei ihr wachen, was ihr um so schmerzlicher war, da sie Andern dadurch zur Last fiel. Manchmal war sie von einem unausstehlichen Hunger geplagt, ohne daß sie etwas essen durfte, weil selbst noch so wenig Speise ihren Magen beschwerte und die schmerzen des ganzen Leibes vermehrte. Und wie es oft geht, da ihre Krankheit gar so lang andauerte, wurden allmählich selbst diejenigen der Sache überdrüssig, welche ihr bei Beginn der Krankheit viele Liebe und Teilnahme gezeigt hatten, so daß die arme Dulderin zuletzt verlassen und ohne allen menschlichen Trost da liegen musste. Selbst der Geistliche, welcher sie Beichte hörte, gab ihr kurzweg eine Buße und die Lossprechung und ging wieder fort, ohne ein Wort sonst mit ihr zu reden, obschon sie ihn gebeten und gehofft hatte, er möge ihr doch einigen Zuspruch und Trost geben. Wenn dennoch zuweilen eine Klosterfrau Mitleiden fühlte und die Kranke heimsuchen und trösten wollte, kam immer wieder ein Hindernis dazwischen, so daß nichts daraus wurde. Zu diesem äußerlichen Kreuz kam auch noch ein inneres; sie wurde nämlich von dem bösen Feind von so heftigen Versuchungen geängstigt, daß sie manchmal vor Schrecken um Hilfe rief und die Schwestern flehentlich bat, sie nicht allein zu lassen, fortwährend Weihwasser auf sie zu spritzen und sie mit dem allgemeinen Gebet zu stärken.
Schon zwei Monate vor ihrem Tod kam sie in einen Zustand und blieb auch die ganze Zeit darin, wie wenn sie in den letzten Zügen läge, so daß sie zwei Monate lang sozusagen am Sterben war. Einmal, da ihr gerade die Sterbegebete vorgelesen wurden, entstellte sich ihr Gesicht dergestalt, daß alle Anwesenden mit schrecken erfüllt wurden. Der Beichtvater fragte sie nachher, was ihr ein solch` furchtbares Entsetzen verursacht habe; die Kranke erwiderte, daß sie die höllischen Geister vor sich gesehen; diese hätten sie in Verzweiflung bringen wollen, und sie hätte schwer mit denselben zu streiten gehabt. Den dritten Tag nach diesem letzten Kampf und Sieg gab Maria ihre geheiligte Seele unter den schönsten Tugend-Übungen in die Hände ihres Schöpfers.

Schon in der Legende des gestrigen Tages wurde erzählt, wie der selige Baldinucci manchmal sich selbst grausam geißelte, um dieses schmerzliche Bußwerk Gott für die Bekehrung der Sünder aufzuopfern. In der Geschichte der seligen Maria von Sankt Theresia sehen wir, daß Gott die Strafe, welche die kranke Vorsteherin im Fegefeuer noch zu bestehen gehabt hätte, übertrug auf jene heiligmäßige Klosterfrau. Gerade weil alle katholischen Christen durch ihr Haupt Jesus Christus zu einem geistlichen Lob zusammen gehalten und wie Glieder verbunden sind, so können auch die Bußwerke, Gebete, gute Werke und Verdienste auf Andere übergetragen, ihnen geschenkt werden. Du kannst also jedes gottgefällige Werk, jedes geduldig getragene Leiden irgend einer Seele zuwenden, um die du dich annehmen willst, sei sie noch im Leibesleben oder im Fegefeuer; d. h. du kannst Gott bitten, er möge das Verdienst davon nicht dir, sondern jener Seele zukommen lassen. Solches ist aber gewiß das schönste Werk der Barmherzigkeit, ein wahrhaft christliches Almosen; dadurch ahmt der Mensch so recht eigentlich dem Heiland nach, welcher all` seine guten Werke und all` sein Leiden nicht um seinetwillen ausgeführt hat, sondern um den unendlichen Schatz seiner Verdienste uns armen Sündern zukommen zu lassen und zu schenken. Sei also auch hierin ein wahrer Nachfolger Jesu Christi, daß du edelmütig auch Andern schenkst, was du an Verdiensten vor Gott errungen hast. Nur für sich selbst beten, fasten, Almosen geben und sonst verdienstliche Werke ausüben, ist zuletzt nur eine religiöse Selbstsucht.

Wie wohlgefällig aber die freiwillig begehrte und übernommene Buße der seligen Maria von Sankt Theresia Gott war, erwies sich dadurch: mitten in ihrer großen Trostlosigkeit und Verlassenheit wurde sie zuweilen innerlich wunderbar erfreut. Einmal geschah es, daß sie nach der Kommunion ein hell glänzendes Licht sah und mitten drin das Herz Jesu, mit dem sich dann das ihrige vereinigte. Daraus ist dann eine solche Wonne in ihr entstanden, daß sie von der Krankenwärterin ganz verzückt gefunden wurde. Gott ist nämlich die Liebe; deshalb gefällt ihm nichts so gut, als was aus Liebe und für die Liebe geschieht. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 227 – S. 133

Category: Ordensleute, Stolz
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